Sonntag, 31. März 2013

Album-Vorstellung: Bonobo - The North Borders

Simon Green alias Bonobo
Wie ein Affe schwingt sich Simon Green seit über zehn Jahren durch den Dschungel der Musikbranche. Der britische Musiker, Produzent und DJ, der sich das animalische Pseudonym Bonobo zugelegt hat, ist im Laufe der Zeit zum Herrn über die Baumkronen aus Ambient- und  Downtempo-Klängen geworden und betrachtet seitdem seine Mitstreiter aus einer erhabenen, luftigen Höhe, die so schnell wohl kein anderer erklimmen können wird. Immerhin gehört schon Einiges dazu, sich in einer derart umkämpften Genresparte wie dem Chilloutbereich, durch ein Alleinstellungsmerkmal absetzen zu können. Mit einer Mischung aus jazzig-funkigen und dann wiederum an Trip Hop erinnernden Elementen konnte Bonobo jedoch innerhalb dessen eine musikalische Nische besetzen, in der bisher viele seiner Rivalen aufgrund von Monotonie und Einfallslosigkeit nicht sehr lange überlebten. Der 37-jährige Green veröffentlicht nun sein bereits fünftes Album, das den Namen "The North Borders" trägt.

The North Borders
Es ist an der Zeit, dass wir die warmen, tropischen Regionen verlassen, in denen Bonobos Sounds von jeher angesiedelt waren und uns stattdessen einen Mantel schnappen, um gen Norden zu wandern, in Regionen aus kühleren, spitzeren Strukturen. Klirrende Beats durchziehen Tracks wie "Cirrus", "Sapphire" oder "Ten Tigers" und erschaffen hörbare Kristallwelten. Man schreitet durch Harmoniekulissen, die mit bizarren Lo-Fi-Formationen für Erstaunen sorgen. Ab und zu erklingen aus der Ferne, wohltuende Gesänge der wirklich brillanten Gastsänger, die Bonobo auf dem Album versammeln konnte. Grey Reverend ("First Fires"),  Erikah Baduh ("Heaven For The Sinners"), Szjerdene ("Towers", "Transits") oder auch Cornelia ("Pieces") tauchen die akustische Landschaft von "The North Borders" mit ihren Stimmen in ein helles, leuchtendes Licht. Dunkelheit hat auf der Platte keinen Platz, sondern wird durch eine tonale Aurora Borealis der Extraklasse verbannt. Farbig, eisig, wunderschön. Ein graziles, fantastisches Hörerlebnis.


Freitag, 29. März 2013

Klassiker der Woche Nr. 50

Blonde Redhead
anderer. Französisch angehauchter DreamPop, durchzogen von fast kreischenden Gesangsparts, die unter die Haut gehen. Ein passenderes musikalisches Pendant zu diesem erbarmungslosem Schauspiel hätte es wohl kaum geben können. Das multikulturelle Trio, bestehend aus den italienischen Zwillingsbrüdern Amedeo und Simone Pace und der aus Kyoto stammenden Sängerin Kazu Makino, hat im Laufe seiner Bandkarriere einen ganz eigenwilligen und höchst markanten Stil entwickelt, der wie ein Fingerabdruck, seine Einzigartigkeit unterstreicht. Man verliert sich als Hörer zwischen den Noten, stolpert über teils unrhythmische Passagen und wird aufgefangen von einem Netz aus wohlig sanften Klängen.

 

Mittwoch, 27. März 2013

Gewinnspiel: Tropical Popsicle "Dawn Of Delight"

Tropical Popsicle
Ursprünglich wollte Tim Hines mit Tropical Popsicle ein Soloprojekt kreieren, das ihm Raum zur kompromisslosen Selbstverwirklichung und dem Zelebrieren des eigenen, ungefilterten Geschmacks ließ. Nachdem er jahrelang in Projekten wie The Stereotypes und Lights On, musikalische Erfahrungen gesammelt hatte, schien für ihn die Zeit gekommen zu sein, sich davon loszueisen und eigenständige künstlerische Wege zu beschreiten. Ganze ohne Hilfe funktionierte das am Ende dann aber auch wieder nicht und so suchte er sich mit Kyle Whatley, Chase Valley und Ryan Hand, drei bereitwillige Begleiter für seine Erkundungstour durch die Vergangenheit der Popgeschichte. Gelandet ist das Quartett in einem mit Synthie-Klängen behafteten Sixties-Millieu, das durch psychodelische Harmonien und düstere Rhythmen geradezu hypnotisierend wirkt.

Dawn Of Delight
Auf "Dawn Of Delight", dem ersten Longplayer der Band, reihen sich zwölf retroeske Songs aneinander, die zum Tanz durch eine längst im Nebel der Zeit verloren gegangene Kulisse einladen. Mysteriös, obskur und dennoch irgendwie vertraut, schleichen sich jene Melodien, die Tracks mit Namen wie "The Beach With No Footprints" oder "Cathedral City" entstammen, in unser Unterbewusstsein und rufen dort längst vergrabene Erinnerungen wach. Zum Beispiel wie unser Vater in unsere Wiege schaute, während er Tangerine Dreams derartig laut über die Kopfhörer seines Walkmens hörte, dass er unser Geschrei aufgrund einer vollen Windel, erst gar nicht wahrgenommen hatte. Oder wie unsere Mutter zu "Light My Fire" der Doors den samstaglichen Wohnungsputz getätigt hat. Nicht zu vergessen wie man als kleiner Wicht im braun-gelb-gestreiften Strampler im Sandkasten des Gartens saß, indes zur Musik von Jefferson Airplane eine Grillparty begangen wurde. Tropical Popsicle scheinen ähnliche Erlebnisse dazu bewegt zu haben, sich diesem Schatz von gestern anzunehmen und ihn in Stücken wie "The Universe Of God Shadow", "The Tethers" oder "Ghost Beacons" neu zu interpretieren.



Unter allen, die uns nun ihre schönste Kindheitserinnerung verraten, verlosen wir insgesamt drei Promo-CDs von "Dawn Of Delight", zur Verfügung getsellt von Trition Promotion. Mitzuteilen ist der mentale Flashback über einen der bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 27.03.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Tropical Popsicle" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Bis einschließlich kommenden Freitag, den 29.03.2013, könnt ihr mitmachen. Am Folgetag werden drei Gewinner zufällig ermittelt und auf unserer Facebookseite bekannt gegeben.

Mehr zu Tropical Popsicle gibt es hier:
Offizielle Website | Facebook
 

Montag, 25. März 2013

Ducktails - Letter Of Intent

Ducktails
Es ist ein Reanimationsversuch. Leichtfüßig und fast ein wenig beschwingt betritt Matthew Mondanile den Operationssaal. Der Patient auf dem Tisch hat sein glanzvolles Schimmern verloren. Mondanile ruft die Schwester zu sich. Jessa Farkas eilt zügig herbei. Mit sanften Gesangsparts leitet sie umgehend die erforderliche Narkose ein. Traumzustand. Um den Kranken retten zu können, bedarf es der absoluten Beherrschung des eigenen Handwerks. So scharrt Mondaline sein bestes Team, die Ducktails, um sich. Gemeinsam wird der lebensnotwendige Eingriff am offenen Herzen vorgenommen. Infusionen aus Synthie-Harmonien begleiten die Operation und stabilisieren den Zustand des Patienten. Gleichzeitig wird der Defibrillator geladen und etliche Volt in Form von zuckenden Elektrobeats werden durch den reglosen Körper gejagt. Erfolgreich. Es kehrt Leben zurück. Die Kurve auf dem Herzmonitor steigt an und zeichnet erneut jene psychodelische Rhythmen, auf die alle gehofft haben. Der 80er-Retropop ist gerettet und vitaler als je zuvor.



Sonntag, 24. März 2013

Album-Vorstellung: HK119 "Imaginature"

HK119
HK119 - das klingt nach einer U-Boot-Kennung, einem Raketenmodell oder vielleicht auch der Bezeichnung für einen Düsenjet. Weniger würde man dahinter eine finnische Multimedialkünstlerin vermuten. Was Heidi Kilpeläinen jedoch mit all diesen Assoziationen vereint, ist ihre kriegerische Omni-Präsenz. Die Amazone unter den Sängerinnen besitzt den Willen, das akustische Feld von hinten aufzuräumen und dabei Bombe um Bombe an akustischer Finesse zu zünden. Kilpeläinen erschuf mit HK119 ein futuristisches, artifizielles Alterego, das es ihr ermöglicht, exzentrische Pop-Entwürfe jenseits des Greifbaren zu entwickeln. Abgespalten von der Wirklichkeit rast HK119 durch das Universum, fängt kosmische Schwingungen ein und schickt sie in hörbarer Form zu uns Erdenbewohnern zurück. Auf dem neusten Werk "Imaginature" wird jene Zukunftsmusik nun um den Faktor "Spiritualität" erweitert.



Imaginature
Die 11 Stücke der neuen Platte skizzieren eine Symbiose aus künstlichen, unwirklichen Lo-Fi-Texturen und organisch klingenden Wohlfühlsounds. Dieser Widerspruch macht "Imaginature" bereits vom ersten Takt an, zur glühenden Büchse der Pandora. Man kann nicht anders, als sich der starken, überirdischen Anziehungskraft vollends hinzugeben, die von ihr ausgeht. Sofort will man mit allen Sinnen erkunden, was sich hinter jener pulsierenden Versuchung verbirgt und nimmt dafür in Kauf, dass sich das Hier und Jetzt für immer verändern wird. Denn sind Songs wie "Iceberg" oder "Moss" einmal auf die Welt losgelassen, bäumen sie sich zu übermächtigen apokalyptischen Tracks auf, die nach der alleinigen musikalischen Weltherrschaft verlangen. Das Faszinierende ist, dass man als Hörer sofort mitgerissen und an ferne mentale Orte katapultiert wird. Ein Szenarium surrealer als das nächste, jagt die Gedanken. So schwimmt man beispielsweise neben "Whale" durch unendliche, dunkle Weiten eines Schallozeans und entdeckt währenddessen Milliarden funkelnder Synthie-Partikel. Oder man verliert sich in einem undurchsichtigen Freaktronica-Dickicht, das den Namen "Spring" trägt und aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint. Geblendet von "Snowblind", ertränkt in "Rain" und wiedergeboren irgendwo zwischen "Milky Way" und dem orientalisch angehauchten "Adailson". Auf "Imaginature" durchlebt man vom Fiebertraum bis hin zum sanften Moment allmächtiger Weisheit, fast jeden denkbaren Gefühlszustand. Eine ganz großartige Platte für echte Kenner.


Freitag, 22. März 2013

Klassiker der Woche Nr. 49

Jane Birkin
"Schauspielerin. Muse und Ex-Ehefrau des verstorbenen Serge Gainsbourgs. Talentiert. Sängerin. Sexsymbol der 60er. Britin. Fragil. Stilikone. Mutter dreier Töchter, darunter Charlotte Gainsbourg. Nachdenklich. Modell. International erfolgreich. Skandalös."

Wenn man versucht Jane Birkin zu beschreiben, versammeln sich schnell zahlreiche Begriffe im Kopf. Die 1946 in London geborene Schauspielerin und Sängerin prägte mit ihrem hübschen Gesicht und der zarten Stimme, die Ästhetik einer ganzen Generation. "Je T'aime (Moi Non Plus)", ihr Duett mit Serge Gainsbourg, sorgte 1969 für Empörung, Erstaunen und gleichzeitig enorme Neugier. Ein regelrechter Ruck ging damals durch die Gesellschaft, verbunden mit der Frage: Darf man das? Stöhnende Liebesgesänge, dahingehaucht und -gesäuselt. Nie wieder sorgte ein Song für derartigen Aufruhr. Da können noch so viele Madonnas, Britneys und Rihannas mit ihren Provakationen daherkommen. Birkin eroberte die Welt im Sturm und hinterließ vielerorts den Charme ihrer Zerbrechlichkeit. Dann wurde es still um sie. Mit dem Tod Gainsbourgs, ihrer vielleicht einzigen, wirklich großen Liebe, im Jahre 1991, kündigte sie das Ende ihrer Musikkarriere an. Nur lässt sich Kreativität nicht einfach vom Tisch wischen und so zog es die Sängerin nach siebenjähriger Abstinenz wieder ans Mikrofon. Gleichzeitig stand bereits eine Riege großartiger Künstler Spalier, um mit der Grande Dame des französischen Pop-Chansons zusammenarbeiten zu dürfen. Platten wie "Rendez-Vous" (2004) beherbergen das Who-Is-Who der modernen Independentbranche. Ob Feist, Beth Gibbons oder Brian Molko, keiner kann der Anziehungskraft Birkins entgehen. Auch nicht Neil Hannon und seine Band The Dive Comedy. Für den Nachfolger "Fictions" (2006) komponieren sie das wunderbare "Home", unseren heutigen Klassiker der Woche.

 

Mittwoch, 20. März 2013

Gewinnspiel: Mélanie Pain "Bye Bye Manchester"

Mélanie Pain
Mélanie Pain ist die einzige Sängerin, die es bisher stimmlich auf jedes der vier Studioalben von Frankreichs bekanntester Coverband Nouvelle Vague geschafft hat. Ob bei "This Is Not A Love A Song", "Dance With Me", "Master & Servant", "Déréglée" oder einem der vielen anderen Tracks, Mélanies Gesangsparts verwandeln sämtliche Stücke von jeher in zuckersüße Traumfetzen. Die eigentümliche, sanfte Art zu singen, begeisterte jedoch nicht nur Marc Collin und Oliver Libaux, die sonst recht austauschfreudig mit ihren Gastsängerinnen umgehen, Mademoiselle Pain jedoch dauerhaft in die New-Wave-Bossanova-Familie integrierten. Nein, zuvor war die studierte Politikwissenschaftlerin bereits auf M83s "Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts" und Villeneuves "First Date" zu hören. Der Anziehungskraft der charmanten Französin kann anscheinend keiner so leicht widerstehen. Im Jahre 2009 hatte Pain dann das Verlangen, sich auch abseits eines Kollektivs musikalisch zu beweisen. "My Name" hieß das Ergebnis dessen und sorgte für Anerkennung aufseiten der Kritiker. Nach dieser Bestätigung hat Mélanie Pain jetzt erneut die Koffer gepackt und wagt die eigenständige Reise durch Retro-Pop-Landschaften, die schöner nicht sein könnten.


Bye Bye Manchester
Mit einem verstohlenen Blick schaut Mélanie aus dem Fenster eines Oldtimers. Ihr pinkes Kleid steht dabei in starkem Kontrast zu dem intensiven Blau des Wagens. Plakativ, retroesk und charmant zugleich, kommt das Cover von "Bye Bye Manchester" daher. Das neue Album Pains wirkt im ersten Moment kaum greifbar. Ähnlich der geheimnisvollen Präsenz von Da Vincis Mona Lisa. Also nähern wir uns dem Ganzen mittels der auditiven Perspektive. Und aus dieser entdecken wir zwölf wunderbar innovative Stücke, die uns den direkten Weg in die Gedankenwelt der charismatischen Französin ebnen. Zurückversetzt in die 60er, 70er und 80er Jahre des musikalischen Frankreichs, begegnen uns markante Pop-Noir-Tracks ("Black Widow", "Good Enough"), die Sinne schmeichelnde Synthie-Chansons ("Ailleurs", "Miami", "Non") und rockige Nummern ("7 Ou 8 Fois", "Je Laisse Tomber"). Serge Gainsbourg hätte wohl sein wahres Vergnügen an der Bereitwilligkeit Pains gehabt, sich auf musikalische Experimente einzulassen und dabei stets die notwendige, eigene Note zu etablieren. "Bye Bye Manchester", das sich thematisch mit Problematiken wie der Angst zu Versagen, dem Davonlaufen und der Suche nach einem Neustart auseinandersetzt, ist weit mehr als die Platte einer zuckersüßen Madame. Hier wird Popgeschichte geschrieben, und zwar unaufdringlich, leicht und doch umso stärker im Nachklang. Wunderschön!



Nun ist es an der Zeit, die heutige Gewinnspielfrage zu veröffentlichen, damit ihr durch die Beantwortung dieser in den Lostopf an Teilnehmern gelangen könnt, aus dem am kommenden Samstag zufällig zwei Gewinner gezogen werden. Ja, wir haben sogar zwei Exemplare von Mélanie Pains "Bye Bye Machester" durch JSM zur Verfügung gestellt bekommen. Heute wollen wir Folgendes von euch wissen. Welche musikalische Dekade hat eurer Meinung nach die größte Relevanz? Bis kommenden Freitag, den 22.03.2013, habt ihr die Zeit darauf eine Antwort zu finden. Wie immer könnt ihr diese dann im Anschluss über einen der bereits bekannten Wege mitteilen.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 20.03.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Mélanie Pain" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Wir wünschen viel Erfolg!

Mehr zu Mélanie Pain gibt es hier:

Dienstag, 19. März 2013

Interviewt: The Bony King Of Nowhere

Bram Vamparys / The Bony King Of Nowhere
Der 25.02.2013 ist ein grauer, trüber Regentag. Die Menschen laufen zügig durch die Straßen entlang des Kottbusser Tors, im Herzen Berlin-Kreuzbergs. Durch die Scheiben des kleinen Clubs Monarch, der über dem hektischen Getümmel der Großstadt thront, dringt warmes Licht. Innen ist es gemütlich und wohlig. Ein hagerer, zerzauster Kerl betritt das wohnzimmerartige Etablissement. Auf seinem Rücken trägt er eine Gitarrentasche. Er stellt sich vor. "Hi, ich bin Bram", sagt er. Schnell schnappt er sich eine Mandarine und setzt sich an einen der zahlreichen Holztische, um mit "Einen hab ich noch..." über das anstehende Konzert am Abend, sein neues, mit dem eigenen Alterego betiteltes Werk und sein Heimatland Belgien zu reden. Wir erleben The Bony King Of Nowhere alias Bram Vanparys als einen uneitlen, extrem natürlichen Künstler, für den die Musik absolut im Vordergrund steht. Hier nun ein Interview mit einem jungen Musiker, dessen Antworten stets sehr auf den Punkt sind.

EHIN:
Wann und weshalb hast du dich entschieden, Musik zu machen?

Bram Vanparys:
Nun, ich habe das nie wirklich entschieden. Die Musik selbst entschied das für mich. Es passierte einfach.

EHIN:
Gab es denn irgendwelche Einflüsse seitens deiner Familie?

Bram Vanparys:
Nein, nein. Niemand in meiner Familie hat je Musik gemacht.

EHIN:
Wie war es für dich, als du zum ersten Mal einen deiner Songs im Radio gehört hast?

Bram Vanparys:
Es ist schwierig zu erklären, ohne dabei das Gefühl zu vermitteln, dass ich arrogant sei. Weil es mich ehrlich gesagt gar nicht interessiert. Das mag eingebildet klingen. Ähnlich verhält es sich, wenn ich mein Gesicht auf einem Magazin-Cover sehe. Mir ist das alles wirklich egal. Ohne den Eindruck eines Hippies erwecken zo wollen, denn der bin ich nicht, für mich ist das einzig Wichtige, mit den Hörern oder Konzertbesuchern zusammen sein, ihnen meine Songs vorsingen und sie damit berühren zu können.

EHIN:
Welcher Moment in deiner Musikerkarriere wird für dich unvergesslich bleiben?

Bram Vanparys:
Da gibt es einige. Viele Konzerte, die ich nie vergessen werde und die unheimlich intensiv waren. Die Aufnahme meines letzten Albums zählt wahrscheinlich auch zu den schönsten Momenten bisher. Ich hab es in einer einzigen Nacht eingespielt. Eine Nacht, in der ich spürte, dass etwas Außergewöhnliches passiert. Wenn du einen Song aufnimmst, brauchst du einen gewissen Abstand zwischen dir und dem Stück. Bist du dem Track zu dicht, dann wird es schwierig, nicht ewig darüber nachzudenken und ihn gehen zu lassen. Ich habe genug Erfahrung gesammelt, um sagen zu können, dass mir dieser ganze Prozess oft sehr schwer fällt. Zuerst ging mir das mit dem neuen Album "The Bony King Of Nowhere" ähnlich. Darüber war ich frustriert. Einer der negativen Aspekte, die die Musik manchmal mit sich bringt. An irgendeinem Punkt dachte ich mir, dass ich darauf keine Lust mehr habe und einfach nur meine Lieder singen und sie unbeschwert aufzeichnen wollte. Es sollte nicht so anstrengend sein. Und dann war da diese wunderbare Nacht. Die Sonne ging unter, ich schaute ihr nach und trank ein Glas Wein. Dann begann es, zu regnen. Ich ging ins Haus, nahm meine Gitarre und fing mit dem Recording an. Das Wichtigste daran war jedoch, dass ich das so sehr genoss. Wahrscheinlich war ich mir selbst zuvor nie so nah.

EHIN:
Was für Musik hörst du selbst gern? Gibt es Künstler, die du sehr magst?

Bram Vanparys:
Die gibt es! Natürlich! (lacht) Für mich ist es von Bedeutung, dass Musik ehrlich ist. Dann ist es mir auch egal, um welches Genre es sich dabei handelt. Solange der Künstler mit dem Herzen dabei ist, gefällt mir vieles. Ich mag Kraftwerk, Joy Division. Es muss einfach eine Verbindung zu den Melodien entstehen können.

EHIN:
Was ist mit moderner Popmusik?

Bram Vanparys:
Damit tue ich mich etwas schwerer. Ich glaube, die 90er waren die letzte Phase, in der wirklich noch etwas passiert ist. Danach kam nicht mehr viel. Jeder orientiert sich nur noch an den Sachen der letzten Dekaden, ich schließe mich da ein. Es gibt definitiv moderne Musik, die ich mag. Beach House, Fleet Foxes oder auch Adele und Amy Winehouse. Aber es ist eben nichts Neues, nur etwas Recyceltes aus den 60ern, 70ern, 80ern.

Hören wir einmal rein, in jene Musik mit dem Hauch von vergangenen Zeiten.



EHIN:
Du bist aus Belgien. Was gefällt dir an dem Land?

Bram Vanparys:
Ehrlich gesagt denke ich, dass es eins der besten Länder ist, in denen man leben kann. Wir sind beispielgebend, wenn es um das Gesundheitssystem geht. Ich bin darauf wirklich stolz. Auch wenn du sehr arm bist, kannst du in jedes Krankenhaus oder zu jedem Arzt gehen. Mir gefällt dieser Gedanke. Das Gemeinwohl steht sehr im Vordergrund.

EHIN:
Heute Abend wirst du noch live auf der Bühne performen. Was bedeutet dir das?

Bram Vanparys:
Ich mag es! Ich mag es sehr! Ich bin nicht derjenige, der sich leicht neue Freunde macht. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, gefällt mir das. Es fühlt sich dort sehr angenehm an. Manchmal, wenn mich Probleme plagen oder ich in einer schlechten Stimmung bin und ich dann performen kann, vergesse ich all das und genieße den Moment.

EHIN:
Lass uns noch einmal zurückkehren zu deiner neuen Platte. Neben all den Tracks, die du in jener einzigartigen Nacht eingespielt hast, entschiedest du dich dafür, auch eine ältere Aufnahme von "Across The River" mit auf "The Bony King Of Nowhere" zu nehmen. Als einzige Ausnahme sozusagen. Wie kam es dazu? 

Bram Vanparys:
Ich habe den Song als ersten für die Platte zuhause aufgezeichnet. Dort habe ich kein Studio, sondern nur so ein beschissenes Mikrofon. Als ich fertig war, bin ich jedoch erstmals mit einer Aufnahme wirklich zufrieden gewesen. Deshalb entschied ich mich, das ganze Album selbst zu produzieren. Das ist freier, natürlicher. Irgendwann, nach einiger Zeit fand ich jedenfalls diese Demo-Version des Songs wieder, und als ich sie mir anhörte, hat sie mir immer noch gefallen. Also ließ ich den Track so und nahm ihn kein weiteres Mal auf. Er wurde übrigens auch im Film "Les Geants" verwendet.


 

EHIN:
Du verzichtest auf dem neuen Album gänzlich auf große Instrumentierungen. Da sind ein Mann und seine Gitarre. Sehr rau, sehr natürlich. Wie kam es zu der Entscheidung, die neue Platte so schlicht zu gestalten?

Bram Vanparys:
Nach den ganzen Ereignissen, die mit "Across The River" verbunden sind, fand ich es eine schöne Idee, auf der neuen Platte nur drei Gitarren und meine Stimme zu haben.

EHIN:
The Bony King Of Nowhere“ haftet eine starke Melancholie an. Worum geht es in den Stücken?

Bram Vanparys:
Vielleicht ist es mein bisher persönlichstes Album. Es geht um die Beziehungen, die ich zu verschiedenen Menschen habe. Manchmal treffe ich jemanden und das inspiriert mich, einen Song über diese Begegnung zu schreiben. Es geht auf der Platte um Menschen. Nicht mehr, nicht weniger.

EHIN:
Was hat sich seit deinem ersten Album „Alas My Love“ in deiner Sicht auf Musik verändert?

Bram Vanparys:
Wenn du Bob Dylan entdeckt hast, ändert sich plötzlich alles. So ging es mir. Am Ende zählt es, einen guten Song zu haben. Auf "Alas My Love" habe ich noch viel herumexperimentiert. Ich ergänzte meine Grundideen vorschnell mit sämtlichen Instrumenten, die sie aufregender machen könnten. Als ich dann ein Konzert geben musste, war das fast unmöglich. Es sind keine wirklichen Songs auf "Alas My Love". Eher Entwürfe oder Stimmungen. Mit dem Kennenlernen von Dylans Musik, keimte in mir die Obession auf, wirklich gute Songs schreiben zu wollen. Das bedeutet eine starke Melodie, aussagekräftige Lyrics und ein packender Rhythmus.

EHIN:
Vielen Dank für dieses tolle und sehr authentische Gespräch!

Nachdem wir uns verabschiedet haben, folgt der Soundcheck für das Konzert am Abend. Auf diesem überzeugt The Bony King Of Nowhere mit seinen schlichten und doch so tief gehenden Stücken. Für die Zugabe zieht der Musiker alle Stecker, stellt sich mit seinem Support-Kollegen ins Publikum und schafft einen der intimsten Augenblicke des bisherigen Konzertjahres. Hut ab für so viel Wahrhaftigkeit!

Montag, 18. März 2013

Wild Belle - Keep You

Wild Belle
Selbst gestandene Jamaikaner können dem Charme von Elliot und Natalie Bergman nicht widerstehen. Das Geschwisterpaar aus Chicago schafft es, gekonnt Indierock mit Elementen aus Reggae, Funk und Electro verschmelzen zu lassen. Die fertige Mischung, welche musikalisch irgendwo zwischen Santigold und The Asteroids Galaxy Tour verortet ist, erhellt bereits mit der ersten Note das Gemüt. Der Soundtrack für den Sommer steht somit. Jetzt muss er nur noch die Ohren zahlreicher Hörer erreichen und sie mit seinem sonnigen Flair in den Bann ziehen.



Sonntag, 17. März 2013

Album-Vorstellung: Team Ghost "Rituals"

Team Ghost
Nicolas Fromageau ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen elektronischer Shoegaze-Musik. Noch bevor er seine Band Team Ghost im Jahre 2007 ins Leben rief, war er fester Bestandteil und Mitbegründer von M83. Allerdings fühlte sich Fromageau trotz des zunehmenden Erfolges der aufstrebenden Newcomer-Band, nie vollkommen wohl in seiner Rolle. So packte er 2004 seine sieben Sachen und zog von Frankreichs schöner Riviera, deren Esprit und Unbeschwertheit den Songs von M83 auch immer ein Stück anhafteten, in den Großstadtdschungel von Paris und beendete seine Karriere an der Seite von Anthony Gonzales. Einmal in der vermeintlichen Stadt der Liebe angekommen, ließ sich Fromageau Zeit. Zeit zum Sinnen über das eigene Schaffen, Zeit sich gänzlich ungewohnten Einflüssen hinzugeben und vor allem Zeit, um die eigene Kreativität in ihren Grenzen neu auszuloten. Resultat dieser Periode des Neuarrangierens war dann schlussendlich der Aufbau besagter Geistergemeinschaft: Team Ghost. Mit Einfllüssen von Joy Division bis hin zu den Cocteau Twins, ist das Gespann in wesentlich düsteren Sphären verortet als M83. "Rituals" heißt nach "We All Shine" (2011), das zweite Studioalbum der Gemeinschaft aus dem Dunst der französischen Weltmetropole.

Rituals
Es schlägt zwölf Tracks und die Geister erwachen. Umhüllt von dunklen Synthie-Nebelschwaden, leitet "Rituals" die Postapokalypse des modernen Klangs ein. Schon der Opener "Away" macht deutlich, dass es sich hier nicht unbedingt um ein Licht beschienenes und vor Optimismus strotzendes Album handelt. Echoartiger Gesang, verloren in der Unendlichkeit des Seins, bevor sich "Curtains" zur archaischen Noise-Rock-Hymne auftürmt. Team Ghost spielen auf "Rituals" mit Wut, Melancholie und Ungewissheit. Es entstehen dabei rätselhafte Stücke ("Team Ghost"), die wie Sirenen aus dem Jenseits, den Hörer in ihren Bann ziehen. Und doch gibt es auch hellere Momente ("Montreuil", "Fireworks") auf der Platte. Auch wenn diese spärlich gesät, am Ende eher dafür sorgen, dass die finsteren Nummern ("Pleasure That Hurts", "Broken Devices") nur umso stärker in ihrer trüben Wirkung werden. "Rituals" ist ein akustisches Vanitas-Motiv, das die Schattenseite der Seele zu berühren weiß und uns zudem die Schönheit der Tragik verdeutlicht. Nach Bloodgroups "Tracing Echoes", eine weitere Scheibe, die 2013 aus dem Schatten heraus nach ein wenig mehr Ernsthaftigkeit verlangt, wenn es darum geht, jeden Tag zu leben als sei es der letzte.



Freitag, 15. März 2013

Klassiker der Woche Nr. 48

Psapp
Für den heutigen Klassiker der Woche verlassen wir die seriöse und abgeklärte Studiowelt und statten dem Spielzeugladen einen Besuch ab. Dort finden sich allerlei lustige Dinge, die noch lustigere Geräusche erzeugen können. Sei es die mit Ballerina ausgestattete Spieldose, das Kuscheltier mit plärrendem Innenleben oder das funkelnde kleine Elektropiano. Ein Ort wie dieser steckt voll von eigentümlichen Sounds und Klängen, die man in dieser Form wohl nirgendwo anders findet. Auch Carim Glasman und Galia Durant konnten sich dem infantilen Charme von Plastiktröte und Co. nicht entziehen. So nutzen sie die von Kindern geliebten Quietsch- und Grummel-Laute als Grundlage für ihre Musik und ergänzen das Ganze durch dezente, unaufdringliche Electrobeats. Fertig sind Songs wie "About Fun". Dieser und seine Kumpanen werden unter dem Begriff "Toytronica" aufgeführt. Ein Genre, das im retroverliebten 21. Jahrhundert mal nicht in der Vergangenheit "klaut", sondern tatsächlich eine komplett neue akustische Kunstform darstellt. Als Pioniere dieses noch jungen Phänomens macht Psapp, wie sich die beiden Londoner Musiker nennen, so schnell keiner etwas vor. Auch bei Liveauftritten überzeugt das Duo durch seine unbändige Freude am Musizieren mithilfe seiner speziellen Instrumente. Zudem gehört es mittlerweile zu fast jeder Performance, dass handgemachte Stoffkätzchen ins Publikum geworfen werden, die der begeisterte Konzertbesucher als wunderbares Andenken mit nach Hause nehmen kann. Eine Band wie Psapp, die es nicht scheut der Welt der Kinder in ihr Schaffen Einzug zu gewähren, bleibt unvergesslich wie ein bunter Fleck auf einer weißen Leinwand.



Mittwoch, 13. März 2013

Gewinnspiel: Amanda Mair "Amanda Mair"

Amanda Mair
Viele Künstler mögen es nicht, dass ihr Stil oder ihr Werk einem musikalischen Genre zugeordnet wird. Dennoch sind sich einige unter ihnen durchaus darüber bewusst, dass der Mensch von jeher an seinen Kategorisierungssystemen festhält, um sich selbst in der Welt orientieren und einordnen zu können. An dieser Tatsache wird wohl jegliches Rütteln und Zerren kaum etwas ändern können, denn es handelt sich dabei am Ende um eine psychologische Gesetzmäßigkeit, die nur schwer zu durchbrechen ist. Trotzdem gibt es immer wieder Phänomene in der weiten und mittlerweile sehr diffusen Stratosphäre akustischer Klänge, die sich unbeugsam jenem Schubladendenken hingeben. Die junge Schwedin Amanda Mair beispielsweise bietet auf ihrem selbst betitelten Debut eine Palette von Songs an, bei denen man nur schwer sagen kann, von welcher Couleur diese denn nun schlussendlich sein sollen.

"Amanda Mair"
Indie-, Dream-, Electro-, Avantgarde-, Retro-, Tropical- oder doch eher Piano-Pop? Was Amanda Mair in Songs wie "Sense" oder "House" präsentiert, ist vielfältig betitelbar und doch sagt diese Klassifizierung nur wenig über das aus, worum es doch eigentlich gehen sollte. Als Tochter zweier Eltern, die eine Bäckerei betreiben, versteht Mair es anscheinend, sich verschiedenster Zutaten aus den unterschiedlichsten Regalen so zu bedienen, dass diese im Resultat eine interessante Mischung ergeben. Ohne dem Kind einen konkreten Namen zu verleihen, zog die damals 16-Jährige aus, um sich auf den Bühnen der Welt zu beweisen. Im Gepäck stets zarte Arrangements, die mit viel Gefühl und noch mehr Innovationsgeist für wahre Begeisterungswellen sorgten. Vergleiche mit den Landsmänninnen Lykke Li oder Robyn führten dazu, dass Amanda Mair der Stempel "Retterin des Pops" binnen kürzester Zeit aufgedrückt wurde. Die Farbe dessen ließ sich nur schwer abwaschen, also erweiterte sie das anhaftende Motiv einfach um den Faktor Persönlichkeit. Ihr charmantes, uneitles Auftreten schaffte Raum für ihr Talent und das liegt definitiv im Singen. Unterstützt durch das schmeichelnde Songwriting von Philip Ekström (The Mary Onettes) rückt diese in den Vordergrund und verwandelt die zehn Stücke des im Sommer letzten Jahres erschienenen Debuts, in wahre Sternstunden moderner Popmusik. Mal zerbrechlich und zurückhaltend ("Skinnarviksberget", "You've Been Here Before"), dann wieder erfrischend und belebend wie eine leichte Sommerbriese ("Before", "Leaving Early") bleibt einem die Scheibe in Erinnerung und gibt gleichzeitig das Versprechen ab, dass man von der jungen Dame, die unter anderem Klavier, Gitarre und Bass spielt, in Zukunft noch Einiges zu erwarten hat.



Und nun möchten wir zwei Lesern unseres Blogs die Möglichkeit bieten, Amanda Mair in eine ganz persönliche Schublade zu stecken, und zwar am besten in die des heimischen Musikschranks. Mit freundlicher Unterstützung von Sony Music, verlosen wir zweimal das Debut "Amanda Mair" am heutigen Gewinnspiel-Mittwoch. Wer dieses gern haben möchte, sollte uns heute verraten, welches denn sein Lieblingsmusikgenre ist. Mitteilen könnt ihr euch bis einschließlich kommenden Freitag, den 15.03.2013, über einen der beiden folgenden Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 13.03.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Amanda Mair" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Am kommenden Samstag werden unter allen Teilnehmern zwei Gewinner ausgelost und anschließend auf unserer Facebookseite bekannt gegeben. Wir wünschen viel Erfolg!

Mehr zu Amanda Mair findet ihr hier:
Offizielle Website | Facebook 

Montag, 11. März 2013

Austra - Home

Austra
Licht am Ende des Tunnels! Nachdem die kanadische Dark-Wave-Band Austra 2011 mit "Feel It Break" ein markerschütterndes und wirklich einzigartiges Debut ablieferte, ist die Formation um Sängerin Katie Selmanis mit neuen Ideen und frischem Wind in den Segeln zurück. Helle, klar leuchtende Synthies begleiten den Vorboten "Home" des im Juni erscheinenden Albums "Olymp" und machen daraus eine glanzvolle Electropop-Nummer, die bereits beim ersten Hören zu überzeugen weiß. So erwischt man sich schnell dabei, wie man den Repeat-Button auf der Anlage drückt, damit der Song in Endlosschleife aus den heimischen Boxen dröhnen kann. Inhaltlich thematisiert "Home" das Gefühl der Verunsicherung, wenn man in einer leeren Wohnung sitzt, darauf wartend, ob die große Liebe zurückkehren wird. Wir freuen uns, dass unser Warten nach relativ kurzer Zeit und trotz eines gut gefüllten Tourkalenders nun ein Ende findet und das famose Goth-Pop-Gespann wieder da ist!



Sonntag, 10. März 2013

Album-Vorstellung: David Bowie "The Next Day"

David Bowie
Heute wollen wir über die neuste Veröffentlichung von David Robert Haywood Jones sprechen. Der Mann kann mittlerweile wohl mehr Alben vorweisen als der Großteil unserer Leserschaft an erlebten Lenzen. What should I tell you about Bowie? Ihn nicht zu kennen, wenn man sich auch nur annähernd mit Musik beschäftigt, ist schier unmöglich. Der heute 66-Jährige ist und war stets ein Garant für Aha-Effekte. Schlüpfte im Laufe seiner Karriere als lebendes Kunstwerk in derartig viele unterschiedliche Rollen, dass jeder Schauspieler vor Neid erblassen dürfte. Allem voran war und ist er jedoch die Versinnbildlichung von Innovation im Pop-Rock-Bereich. Kaum ein Sänger, der ernst genommen werden will, zählt ihn nicht zu seinen Inspirationsquellen. Es scheint gar unschicklich zu sein, Mr. Bowie in der eigenen Kreativ-Vita unerwähnt bleiben zu lassen. Und dafür gibt es tatsächlich unzählige Gründe. Der wohl angebrachteste Vergleich wäre hier wahrscheinlich die Frage danach, wie die Bibel ohne Jesus funktionieren würde. Als Prophet, Messias und am Ende einfacher Zimmermann, der sein Handwerk bestens versteht, geht David Bowie in die Musikgeschichte ein und wird für immer unsterblich bleiben.

The Next Day
Ganze zehn Jahre hielt Bowie musikalisch die Wogen flach, um gegen Anfang dieses Jahres einen wahren Tsunami an Neuigkeiten auszulösen. Zu seinem Geburtstag veröffentlichte er still und heimlich, ohne groß vorangegangene Promotion, den Song "Where Are We Now". Eine brillante und unheimlich tiefgehende Rockballade. Das Medienecho darauf war jedoch gewaltig. Die Radiostationen überfluteten ihre Hörer mit der Melancholie des Tracks und allerorts hörte man Lobgesänge auf den Song, der sich locker in die Kette von Glanzlichtern während Bowies fast 46-jähriger Karriere einreihen kann. Als dann schließlich auch noch die Meldung verkündet wurde, es folge auf jene Single ein komplettes Album, setzte sich eine Welle der Euphorie in Bewegung, die nun ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte. "The Next Day", so der Name der neuen LP, feierte am Freitag seine Veröffentlichung.
David Bowie macht keine halben Sachen. Ganze 17 Stücke versammeln sich auf der neuen Platte. Da zeigt der Altmeister dem jungen Nachwuchs direkt einmal, das mehr eben auch mehr sein kann. Mehr Bowie heißt in diesem Fall, eine Anhäufung rockiger Klänge, die sich gern einmal in benachbarten Genres austoben. "Boss Of Me" schüttelt den Funk gehörig durch, "Plan" wagt ein Tänzchen mit "White Noise"-Elementen, "How Does The" wandert auf psychodelischen Faden und "Heat" verdüstert mit schrillen Ambient-Klängen das Gemüt. "The Next Day" überzeugt auf ganzer Linie. Aber hätte man auch nur ansatzweise etwas anderes erwartet? NEIN! David Bowie ist und bleibt ein Genie, ein ganz Großer, einer zu dem man auch weiterhin getrost aufblicken kann. Nun heißt es nur noch, das alte Plattencover von Heroes (1977) herauszukramen, dessen Titel dick durchzustreichen und ein weißes Quadrat mit der Aufschrift "The Next Day" auf das Gesicht des noch jungen, androgynen Bowies zu kleben. Schon hat man 36 Jahre Popkultur auf den neusten Stand gebracht und kann feiern als gäbe es kein Morgen mehr.

Zur Einstimmung auf dieses großartige Album gibt es Herrn Bowie stilsicher an der Seite von Tilda Swinton im Video zu "The Stars (Are Out Tonight)":



Donnerstag, 7. März 2013

Klassiker der Woche Nr. 47

The Bird And The Bee
Er ist die Biene, sie der Vogel. Gemeinsam fliegen Greg Kurstin und Inara George gern durch Gärten aus Electropop-Gewächsen und Jazz-Sträuchern. Wie Pollen bleiben dabei Ideen für Songs an den beiden amerikanischen Sängern haften, die sie dann mit Raffinesse und Feingefühl zu echten Ohrwürmern weiterentwickeln. "Again & Again" unser heutiger Klassiker der Woche, ist eine wohlig schmeckende, nach Honig duftende Popnummer, die auf dem selbst betitelten Debut des Duos "The Bird And The Bee" (2007) zu finden ist. Der verspielte Track ist als Beginn einer vielversprechenden Karriere zu verstehen, die auch heute, sechs Jahre und zwei Alben später, noch nichts von ihrem Glanz verloren hat. Nach wie vor steht das geflügelte Gespann für erfrischende Tracks mit einem Hauch von Prunk. 



Mittwoch, 6. März 2013

Gewinnspiel: Yes Cadets "Le Mans" (EP)

Yes Cadets
Wenn man an Irland denkt, so kommen schnell Assoziationen von strahlend grünen Wiesen, weidenden Schafen und eventuell auch einem glücklich lächelnden Bauern mit Mistgabel in der Hand auf. Doch das ist 
nur ein erstes Bild, eine erste Idee, die unser Gehirn da heraufbeschwört. Heute wollen wir ein wenig an den Synapsen herumschrauben und entzünden mit glühenden Klangfunken die stereotypen Vorstellungen unseres Verstandes. Hilfe bekommen wir dabei von einem Trio mit dem Namen Yes Cadets. Die drei Musiker aus der nordirischen Hauptstadt Belfast machen seit 2009 gemeinsame Sache. Im September 2012 erschien dann ihre erste EP, die den Titel "Le Mans" trägt. Darauf versammeln sich fünf wunderbare kleine Elektropop-Nummern, die mit einer Prise Indierock aufgepeppt, sofort zum Tanzen animieren. Kaum in unser Ohr eingedrungen, modifizieren Songs wie "Harrier" oder "Seconds In A Minute" unsere Gedanken. So verwandeln sich anfangs erwähnte grüne Wiesen in eine vom Discolicht beschienene Tanzfläche, die weidenden Schafe springen plötzlich bunt bemalt im Kreis umher und der erdachte Bauer tauscht seine Mistgabel umgehend gegen ein Mikrofon ein, um die Herrlichkeiten des Jungseins zu besingen. That's imagination!



Jetzt möchten wir zwei Lesern unseres Blogs die Möglichkeit bieten, das Ganze einmal im eigenen Oberstübchen gedanklich durchzuspielen. Den passenden Soundtrack dafür sponsert an diesem Gewinnspiel-Mittwoch, das junge Indielabel Humming Records. Um nun in den Pott zu gelangen, aus dem am Ende zwei Glückspilze gezogen werden, müsst ihr uns verraten, welches Klischee sich für eure Gehirnwindungen eine Dauerkarte zugelegt hat. Welche Vorurteile könnt ihr nur schwer umgehen? Ist es der mit Hornbrille ausgestattete und in Wollklamotten gekleidete Langzeitstudent oder doch eher die mit Frenchnails und stark blondierten Haaren ausgestattete Plattenbewohnerin? Lasst eurer gefesselten Fantasie freien Lauf und teilt uns eure Antworten über einen der beiden sicher schon bekannten Wege mit.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 06.03.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Yes Cadets" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Bis einschließlich kommenden Freitag, den 08.03.2013, könnt ihr mitmachen. Viel Erfolg!
Weitere interessante Infos zu Yes Cadets findet ihr zudem auf der Facebookseite der Band.
 

Montag, 4. März 2013

Atoms For Peace - Ingenue

Thom Yorke
Alles begann mit einem Auftritt im Jahr 2009. Damals wurde der Radiohead-Frontsänger Thom Yorke bei der Präsentation seines Soloalbums "The Eraser" von zahlreichen seiner begnadeten Musikerkollegen begleitet. Darunter der Bassist der Red Hot Chili Peppers Flea, Joey Waronker (Bestandteil der Ensembles von Beck und R.E.M.), Radiohead-Produzent Nigel Godrich, sowie Percussions-Virtuose Mauro Refosco. Das Quintett funktionierte derartig gut, dass schnell weitere Kooperationen folgten, die nun, ganze vier Jahre später, in einem gemeinsamen Album mit dem Namen "Amok" gipfeln. Atoms Of Peace nennt sich das Herrengespann bedeutungsschwanger. "Ingenue" zeigt stellvertretend schon einmal, dass zu viele gute Köche manchmal den Brei eben doch nicht versalzen, sondern ihn in absolute Haute Cuisine verwandeln können.



Sonntag, 3. März 2013

Album-Vorstellung: LUAI "Boulder Thicket"

Saara Markkanen alias LUAI
Das Leben des modernen Menschen ist geprägt von Hektik, Schnelligkeit und Unruhe. Uns wird ständig suggeriert, wir müssten allzeit präsent sein, immer 100% geben und dürften nie, auch nur eine einzige Sekunde, in den gefürchteten Stillstand verfallen, denn dieser führe zu Lethargie und Unwohlsein. Dennoch möchten wir euch heute genau dazu einladen. Zusammen mit Saara Markkanen und ihrem neuen Projekt LUAI halten wir die Zeit an und verlieren uns in der Schönheit des Moments. Federleicht schütteln wir für ein paar Minuten jenen Druck ab, der sich gerne dann aufbaut, wenn man das Gefühl hat, immerzu und überall sein Bestes geben zu müssen. Für wen das nach einem verheißungsvollen Versprechen klingt, der sollte die folgenden Zeilen und Klänge umgehend und ausdrücklich absorbieren.

Boulder Thicket
Als wir uns das erste Mal dem Album "Boulder Thicket" von LUAI zuwendeten, um zu prüfen, ob dieses einen Beitrag auf "Einen hab ich noch..." Wert sei, umgaben uns Stress, kreatives Chaos und Tausende von Gedanken, was noch alles zu erledigen sei. Die ersten Takte des Tracks "Song One" ertönten leise im Hintergrund des wummernden Alltags und es öffnete sich die Tür in eine andere Welt. Eine Welt voller Gelassenheit, in der so viele vermeintlich wichtige Dinge plötzlich gar keine große Rolle mehr spielen. Bereitwillig schritten wir hindurch und wurden von endloser Anmut empfangen. Zarte, ja gar filigrane Gitarrenmelodien in Verknüpfung mit der wohltuend runden Stimme von Sängerin Saara Markkanen erfüllten die Luft und wiegten unsere Gedanken, wie es sonst nur der Wind mit Schilf am Ufer eines Sees tut. Einmal losgelöst von der Schwermut, kann ein Gefühl von grenzenloser Lebendigkeit aufkommen. Wer Stücken wie "All The Things" oder "Lonely As Alone Can Be" lauscht, wird von einer Wärme umhüllt, die der Seele gut tut. Man erhält die kurzlebige Chance auf Klarsicht und damit auch die Möglichkeit sich tiefer gehend mit der Frage auseinanderzusetzen, was am Ende unser Dasein wirklich ausmachen könnte. Sind es die bearbeiteten Akten auf unserem Schreibtisch oder vielleicht doch eher die Fähigkeit, Dinge gänzlich in ihrer Einzigartigkeit wertschätzen zu können?
Selten hat eine Platte dazu geführt, dass man so zufrieden und eins mit sich selbst sein kann. Und dabei reiht sich ein wunderbares Stück an das nächste. Ob es das beschwingte "No Man Is An Island" oder das titelgebende Stück "Boulder Thicket" ist, LUAI überzeugt mit ihrer Sammlung von musikalischen Vergänglichkeiten auf ganzer Linie.

 

Nicht unerwähnt soll darüber hinaus bleiben, dass Saara Markkanen bereits vor ihrem Projekt LUAI schon wunderbare Musik produziert hat. Auf ihrer Bandcamp-Seite kann man in die EP "Schönleinstraße" hineinhören und sich zudem von den unglaublich liebevollen Inszenierungen überzeugen, mit denen die finnische Sängerin ihre Werke in die Welt hinausschickt. Kunst für Jedermann, die das Herz erfreut.
Und weil wir so begeistert sind, möchten wir denen, die es nun nach Sinnesflucht verlangt, empfehlen auf der Freedownload-Seite des Labels Snowhite vorbeizuschauen, wo ihr neben vielen anderen Tracks, auch LUAIs "Boulder Thicket" im Tausch gegen eure Mailadresse herunterladen könnt.

Freitag, 1. März 2013

Klassiker der Woche Nr. 46

Sängerin Siouxsie Sioux
Gehört Mut, Größenwahn oder grenzenlose Furchtlosigkeit dazu, wenn man sich an einen Hit wie Iggy Pops "The Passenger" heranwagt? Im Fall von Siouxsie an the Banshees war es wohl am ehesten ein gekonnter Geniestreich. 1987, zehn Jahre nach dessen Erscheinen, widmete sich die Kultband um Sängerin Siouxsie Sioux, dem wohl größten musikalischen Erfolg des Godfathers of Punk und interpretierte diesen neu. Das Grundgerüst des Punk-Klassikers ließ die NewWave-Kapelle dabei bestehen. Allerdings glätteten die vier Musiker hier und da ein paar raue Kanten, schmückten die Fassade mit funkigen Trompetenarrangements und tauschten die rauchige Stimme des noch jungen Iggys durch das rotzige, stets nach Rebellion fordernde Klangorgan ihrer Frontfrau aus. So geschehen konnte es das Cover schon bald mit dem Original aufnehmen, vor allem was seinen Erfolg und die Beliebtheit bei den Hörern anging. Eine Hommage, die sich verselbstständigte und zu einem strahlenden Pflasterstein auf Siouxsie And The Banshees Weg zu großer musikalischer Nachhaltigkeit wurde. Auch fast 20 Jahre nach ihrer Auflösung sind Sioxsie And The Banshees präsent wie eh und je. Zahlreiche Künstler, darunter beispielsweise Radiohead, Massive Attack oder Bloc Party, benennen das Londoner Quartett, bei dem auch "The Cure"-Sänger Robert Smith einst Gitarre spielte, als ihre Inspirationsquelle. Wenn es sich hier nicht um einen wahren Klassiker der Woche handelt...