Donnerstag, 12. Dezember 2013

Hitlist 2013 (+ Gewinnspiel)

Schon wieder ist ein ganzes Jahr vergangen, ja, nahezu unbemerkt an uns vorbeigeschlichen. Die Zeit rennt und die Tage verrinnen wie Sand, der durch die Finger gleitet. Was bleibt am Ende von den Turbulenzen 2013 im Gedächtnis? Musikalisch gesehen möchten wir heute jene Künstler ehren und in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken, die mit ihren Songs, Alben oder Liveshows, aus unserer Sicht, besonders beeindrucken konnten und sich dauerhaft in den Gehörgängen zahlreicher Menschen festsetzen konnten.


Song des Jahres: Austra - Home

Katie Stelmanis von Austra
Es war im März, als die kanadische Dark-Wave-Formation Austra, den ersten Vorboten für ihr sensationelles zweites Album "Olympia" entsendete. "Home" ist ein Stück, das bereits mit den ersten Takten eine Tragik heraufbeschwört, die umgehend dazu führt, dass sich eine fesselnde Beklemmung aufseiten des Hörers breitmacht, sich dessen Kehle langsam zuschnürt und sein Verstand in eine unendliche Tiefe stürzt. Melodie, Text und Emotion des Tracks sind von einem beispiellosen Schmerz, einer expressiven Schwermütigkeit durchtränkt. Während sich Klavierakkorde in die Seele hämmern, erklingt die markerschütternde Stimme von Katie Stelmanis, die als Lichtgestalt über ihrer pathetischen Komposition schwebt. Entstanden ist "Home" in einem Zustand des Aufgewühltseins, verrät Stelmanis in einem Interview bei Pink-Pong. Instinktiv und ohne große Umschweife griff die 1985 geborene Musikerin an einem Abend, an dem ihre Freundin nicht nach Hause kam, sondern sich stattdessen dem exzessiven Feiern hingab, zu Papier und Bleistift und webte ihre Verletztheit in das eigene Songwriting ein. Genau jene Authentizität macht "Home" zu einem intensiven Zeugnis für die Komplexität menschlicher Gefühlszustände und zu unserem Song des Jahres.




Album des Jahres: Arcade Fire - Reflektor

Arcade Fire
Noch immer kann man die Marketingstrategien wüten und walzen hören, die die Veröffentlichung der neuen Arcade Fire Platte "Reflektor" begleitet haben und dies noch immer tun. Eine ganze Industrie scheint hinter der möglichst effektvollen Positionierung des vierten Studioalbums der Band aus Montreal zu stehen. Dabei fing alles ganz harmlos an. Ein paar Gerüchte zur Veröffentlichung wurden von kryptischen Symbolen begleitet, die in vielen Städten auf den Asphalt gesprayt worden waren. Man denke da nur beispielsweise an die Berliner Oberbaumbrücke, die förmlich mit jenen visuellen Propagandafragmenten tapeziert wurde. Später folgten zahlreiche Secret-Gigs, bei denen Arcade Fire als The Reflektors durch die Hallen Europas tourten, und auch die generelle mediale Präsenz der Supergroup wuchs ins Unermessliche. Es scheint, als könne sich nichts und niemand der Übernahme der Musikbranche, durch Win Butler und sein Gefolge, in den Weg stellen. Nur ist dieser ganze Trubel auch gerechtfertigt? Werden sämtliche Lobgesänge auf die Band auch aus gutem Grund geträllert? Die Antwort ist simpel. Ja! Arcade Fire können auch mit dem Nachfolger ihres Grammy prämierten "The Suburbs" auf ganzer Linie überzeugen. Selbst hartgesottene Fans, die schon völlig leichenblass in irgendwelchen Ecken herum kauerten, nachdem sie von all den Neurungen in Bezug auf die Produktion von "Reflektor" erfahren haben, erlangten spätestens dann die Farbe im Gesicht wieder, als sie zum ersten Mal Songs wie "We Exist", "Normal Person" oder "Porno" lauschten. Eindrucksvoll demonstrierten diese Stücke, dass Arcade Fire nicht den Hauch ihrer Kreativität eingebüßt haben, sondern diese mit Leichtigkeit auf eine neue elektrifizierte Ebene heben konnten.




Band des Jahres:When Saints Go Machine

When Saints Go Machine
Weniger offensiv und doch nicht minder begabt präsentierten sich die vier Herren von When Saints Go Machine in den letzten Monaten. Sie selbst konnten den Erfolg, den ihnen ihre Alben "Ten Makes A Face" (2008) und "Konkylie" (2011) einbrachten, noch gar nicht wirklich verarbeiten, da veröffentlichten sie im Mai 2013 mit "Infinity Pool" bereits einen weiteren akustischen Geniestreich. Ob es die androgyne Stimme von Sänger Nikolaj Manuel Vonsild oder die interessante Mischung aus beatlastigem Electropop und rockigem Indie ist, When Saints Go Machine und ihre Songs strotzen nur so vor einzigartiger Charakteristik. Das begeistert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Wer die Band aus Kopenhagen einmal live erlebt hat, der verfällt ihr schnell mit Haut und Haar. Zu ungewöhnlich die Basslines, zu imposant die vom Rave der 90er beeinflussten Harmonien, als dass man sie ignorieren könnte. Da vergeben wir nur allzu gern den Titel "Band des Jahres", schließlich sollte eine solche von jeher dazu in der Lage sein, aus dem Getümmel an Acts und Veröffentlichungen positiv hervorzustechen. When Saints Go Machine tun dies unaufgeregt und effektvoll zugleich.




Solokünstler(in) des Jahres: Ane Brun

Ane Brun
Ane Brun kann nicht stillhalten. Vor zwei Jahren erschien mit "It All Starts With One" bereits das fünfte Studioalbum der Norwegerin, die im Jahre 2003 ihr Debüt abgeliefert hatte. Das zehnjährige Jubiläum ihrer Karriere zelebrierte die Ausnahmekünstlerin nun mit der Herausgabe eines ersten Best Ofs. "Songs 2003-2013", so der Name der Platte, ist vollgepackt mit zahlreichen Höhepunkten eines beeindruckenden musikalischen Werdegangs und hebt sich in Qualität und Aussagekraft deutlich von den massenhaft produzierten, oft viel zu früh angesetzten, Greatest Hits vieler ihrer Sangeskollegen ab. Vom bahnbrechenden "Humming One Of Your Songs", über das mantraartige "To Let Myself Go" und den großartigen Covererfolg "True Colors", bis hin zum emotionalen Duett "Worship" mit José Gonzales, bietet "Songs 2003-2013" eine erstklassige Auswahl gereifter Songwriterperlen. Doch als wäre dies allein noch nicht genug, legte Frau Brun mit "Rarities" noch ein weiteres Doppelalbum in diesem Kalenderjahr nach. Dem Titel entsprechend findet der Interessierte darauf zwanzig akustische Raritäten, die Ane Brun im Laufe der Zeit komponiert hat und die es nun erstmals gemeinsam auf CD und Vinyl geschafft haben. Ein cleverer Schachzug, um dem Konsumenten noch ein wenig Geld aus dem Portemonnaie zu entlocken, wird da sicherlich die eine oder andere böse Zunge behaupten. Wer sich aber einmal ausführlich mit der Tracklist von "Rarities" auseinandersetzt, merkt recht schnell, dass sich jeder einzele Cent einer potenziellen Investition hier gleich mehrfach auszahlen dürfte. Neben einfühlsam interpretierten Versionen von Beyoncés "Halo", Björks "Jóga" oder Ameries "1 Thing", bildet "Rarities" mit Stücken wie "Daring To Love", "Virvelvind" oder "Falling Down" eindrucksvoll die Vielschichtigkeit des Schaffens von Ane Brun ab. Zu guter Letzt bildete ihr Auftritt in der Berliner Pasionskirche (20.10.2013) das diesjährige Konzerthighlight für unsere Redaktion. Da fällt es uns wahrlich nicht mehr schwer, Ane Brun final als "Solokünstlerin des Jahres" auszuzeichnen.




Geheimtipp des Jahres: Justine Electra

Justine Electra
Welche Pflichten hat ein Musikblog? Unserer Meinung nach sollte er, neben der Tatsache über Neuheiten auf dem Markt zu informieren, auch immer ein Gespür dafür haben, was abseits des Mainstreams oder zumindest der gut beworbenen Szene passiert. Und da tut sich oft mehr, als man langläufig glaubt. Viele hervorragende Talente haben zwar oft nicht die finanziellen Mittel, um groß angelegte Promostrategien zu finanzieren, doch stehen sie in Sachen Talent ihren Nebenbuhlern in Nichts nach. Seit es "Einen hab ich noch..." gibt, haben wir vor allem auf eine Dame mehrfach aufmerksam machen wollen. Und zwar auf die in Berlin lebende Australierin Justine Electra. Wie keine zweite Sängerin verzauberte sie uns einst mit ihrem "Soft Rock" (2006). Umso gespannter waren wir, als es hieß, ein Nachfolger kündige sich an. "Green Disco" erschien schließlich am letzten Freitag, pünktlich zum Nikolausfest. Als Sammelsurium experimenteller Popmusik geht die Scheibe in unser Archiv ein, jedoch nicht, ohne sie vorher noch einmal genau dafür zu ehren. Mit viel Mut zu Klangspielereien und dem unnachgiebigen Willen, gegen gängige Albumstrukturen anzukämpfen, konnte "Green Disco" unser Herz und Gehör im Sturm erobern. Demnach möchten wir es, in der neuen Sparte "Geheimtipp des Jahres", als unbedingte Empfehlung unsererseits an euch weitergeben.




Gewinnspiel

Wer letztes Jahr schon Leser bei "Einen hab ich noch..." war, der weiß, was nun abschließend folgt. Und zwar möchten wir uns für ein weiteres Jahr eurer Treue bedanken und verlosen in diesem Zuge ein Gewinnpaket der Extraklasse. Jenes ist, bis auf eine Ausnahme, vollgepackt mit den eben vorgestellten Künstlern und ihren Werken. Nutzt eure Chance auf eine 12"-Vinyl von Austras Single "Home", inklusive einiger Remixe, sowie CD-Exemplare von When Saints Go Machines "Infinity Pool", Ane Bruns Doppelalbum "Rarities" und Justine Electras "Green Disco". Zur Verfügung gestellt wurden uns die Gewinne von Domino Deutschland, Beats International und Community Promotion.
Was gilt es nun zu tun, um in der entsprechenden Lostrommel zu landen, aus der am Ende ein Glücklicher gezogen wird? Wir möchten bis spätestens kommenden Mittwoch, den 18.12.2013, von euch wissen, was euer persönliches musikalisches Highlight für 2013 gewesen ist. Mitteilen könnt ihr euch wieder einmal über die bekannten zwei Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 12.12.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Hitlist 2013" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Wir wünschen euch viel Erfolg, eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Freitag, 6. Dezember 2013

Album-Vorstellung: Justine Electra "Green Disco"

Justine Electra
Viele Musiker drücken gern auf die Tube, wenn es darum geht, die eigene Karriere voranzutreiben. Allzu gern rasen sie mit Vollgas von einer Veröffentlichung zur nächsten, immer schneller und schneller, schauen dabei weder nach links, noch nach rechts, sondern brettern ohne Rücksicht auf Verluste ihrem Ziel entgegen. Und zwar vermeintlichem Ruhm und ewigem Erfolg. Wir nehmen heute die nächste Ausfahrt und verlassen jenen stark befahrenen Branchenhighway, auf dem es vor gewissenlosen Heizern nur so wimmelt. Auf einer abgelegenen Landstraße kommen wir zum Stehen. Reifenpanne. Zu sehr wollten wir wohl den ganzen akustischen Schuhmachern und Rosbergs hinterherjagen. Dies fordert nun seinen Tribut. In der Ferne erblicken wir jedoch schon ein kleines, knatterndes Gefährt, das langsam auf uns zu rollt. Hilfe ist in Sicht! Es wirkt allerdings fast ein wenig, als würde da jemand mit angezogener Handbremse durch die Gegend tuckern. Als der Wagen in Sichtweite kommt, blicken wir in ein vertrautes, strahlendes Gesicht. Justine Electra hat sich wieder einmal auf die Reise gemacht und im Gepäck steckt ihr neues Album "Green Disco". Gut gelaunt sitzt sie nun hinter dem Steuer und deutet uns an, einzusteigen. Lassen wir uns ein Stück mitnehmen.

Ganze sieben Jahre ist es her, dass "Soft Rock", das Debüt der in Berlin lebenden Exilaustralierin, erschienen ist. Doch klingt jene Scheibe noch bis heute nach, handelt es sich dabei schließlich um eins der innovativsten und auch kreativsten Alben der letzten Dekade. Überall hagelte es positive Kritiken für Madame Electra und ihre Sammlung eigenwilliger Sounds. Die Fachpresse war begeistert von der bunten Mischung aus Pop, Electro, Rock, Folk, Funk, Lo-Fi, Hip-Hop und Indie, welche die Songwriterin quasi im Wohnzimmer produziert hatte. Auch international empfing man sie mit ausgestreckten Armen, sodass es der Track "Killalady" beispielsweise bis in die Untermalung des amerikanischen Serienlieblings "The L Word" schaffte. Doch dann, am Höhepunkt der medialen Aufmerksamkeit, erlosch der Scheinwerfer, der auf Justine Beatty, wie die Sängerin mit bürgerlichem Namen heißt, gerichtet war und es wurde umgehend wieder ruhig um sie. Was ist geschehen? An der Musik hat es auf jeden Fall nicht gelegen, dass plötzlich keinerlei Interesse mehr an Justine Electra bestand. Seien es Streitigkeiten mit ihrem ehemaligen Label City Slang oder einfach das Pech gewesen, einen Moment zu lange in der Gemütlichkeit des Augenblicks verharrt zu sein, die Türen zum Aufzug Richtung Pophimmel waren jedenfalls wieder fest verschlossen. "Dann nehme ich eben die Treppe!", könnte sich die charmante Sängerin gedacht haben. Fleißig und im Geheimen arbeitete sie an unzähligen Songskizzen, die sie auf dem Blog "365 songs in 365 days" einer breiten Leserschaft zum Probehören zur Verfügung stellte. Zwar hielt es Justine dann am Ende doch nicht durch, täglich einen Track und dessen Geschichte zu posten, doch immerhin führte jenes Experiment zu "Green Disco".

"Green Disco"
Manch einer wird am Nachfolgewerk zu "Soft Rock" bemängeln, dass dieses in sich nicht wirklich geschlossen wirkt. Zu unterschiedlich klingen Stücke wie der sensible Opener "This Could Be The Most Beautiful Noise", das von Spielzeugklängen durchzogene "Petting Zoo", das beinahe traditionell anmutende "Bagpipes" oder das von ihrem DJane-Dasein infizierte "DJ Save The Animals". Aus unserer Sicht liegt genau darin die Stärke der Platte. Mit jedem Song öffnet Justine Electra die Tür zu einer neuen Welt. Während man sich beim beatlastigen "Boozy Shoes" noch an die Seite eines gescheiterten, nicht beachteten Künstlers gesellt - vielleicht kommt man hier der Musikerin persönlich am nächsten - empfiehlt es sich, bei "Wild Country Girl" die Cowboystiefel anzuziehen und mit ausladenden Bewegungen durch den Wüstensand zu tanzen. "Nippon Darkness", ein Cover von Bonnie 'Prince' Billies "I See Darkness", begleitete einst die Doku "SubBerlin", welche sich der Geschichte des Berliner Clubphänomens Tresor verschrieben hatte, und wird nun auf "Green Disco" zu einem Fragment vergangener Tage. Auch "Great Skate Date", eröffnet mit einer Persiflage auf den deutschen Akzent im Englischen, konnte man schon vor Jahren auf Myspace bewundern. An Aktualität und Glanz haben die beiden Nummern jedoch im Laufe der Zeit nichts verloren. Wenn schließlich der wunderschöne Endtrack "Like A Magnet" verklungen ist, bleibt ein einziger Gedanke im Raum stehen. Vielleicht ist "Green Disco" als eine Art Best-Of zu verstehen. Ein Best-Of all jener Alben, die im Zeitraum von 2006 bis 2013 hätten entstehen können, es dann aber aufgrund äußerer Gegebenheiten nicht taten. Vor uns öffnet ein musikalischer Kleiderschrank seine Türen, der für elf ganz unterschiedliche Stimmungen, auch elf einzigartige Outfits bereithält. Wir drücken die Daumen und wünschen Justine Electra mit dieser Platte jenen Erfolg, der ihr schon lange mehr als zusteht!



Mittwoch, 4. Dezember 2013

Gewinnspiel Sumie "Sumie"

Auch wenn der letzte Schnee geschmolzen, die Kirsche in voller Blüte stehen und der Vormarsch des Frühlings nicht mehr zu verleugnen sein wird, sitzen wir vermutlich noch immer ganz gebannt, und mit Kopfhörern auf den Ohren, da und verlieren uns in der Schönheit des selbst betitelten Debütalbums einer unsagbar talentierten Schwedin. Selten hat eine Platte von derartiger Schlichtheit so sehr begeistern können. "Sumie" von Sumie Nagano hat etwas angestoßen, dessen Resonanz bis in die Unendlichkeit vorzudringen vermag. Ein Monument tonaler Verlockung, ein Zeugnis für den akustischen Schöpfergeist.




Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Es ist zwar kaum vorstellbar, dass ihr es seit der Veröffentlichung des Albums am letzten Freitag noch nicht geschafft habt, in den nächsten Plattenladen zu stürmen, um euch dort jenes Juwel der Songwriterkunst zu holen, nur möchten wir euch dennoch die Chance bieten, "Sumie" als CD-Exemplar bei uns zu gewinnen. Teilt uns dafür einfach mit, welche Assoziationen der oben eingefügte Trailer bei euch hervorruft. Nutzt zur Beantwortung bitte einen der beiden folgenden Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 04.12.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Sumie" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Bis kommenden Freitag, den 06.12.2013, habt ihr Zeit mitzumachen. Anschließend wird per Losverfahren ein Gewinner ermittelt.
Viel Glück und viel Spaß!

Weitere Infos zu Sumie gibt es unter:
Offizielle Website | Facebookseite

Donnerstag, 28. November 2013

Album-Vorstellung: Sumie "Sumie"

Sumie
Jede Jahreszeit verlangt nach ihrem ganz eigenen Soundtrack. Während die Blätter von den Kronen der Bäume in Richtung Boden segeln, graue Regenschauer regelmäßig den Asphalt der Straßen zum Glänzen bringen und die Kälte durch jede Ritze unserer Kleidung zu kriechen versucht, wünschen wir uns Geborgenheit. Das Licht schwindet mit jedem neuen Tag, hastet dem Zustand tiefster Dunkelheit entgegen und auch die Vögel, die uns sonst am Morgen oft mit ihrem Gezwitscher weckten, sind fort. Fortgezogen in wärmere Gefilde. Was bringt unsere Seele nun also noch zum Leuchten? Vielleicht das selbst betitelte Debütalbum der Schwedin Sumie Nagano. Die Sängerin mit japanischen Wurzeln hat sich nicht hetzen lassen. Gemütlich und doch tatkräftig feilte sie an den zehn Stücken, die nun gemeinsam unter dem Namen "Sumie" zu finden sind. Dabei erhielt die ältere Schwester der Little Dragon Frontfrau Yukimi Nagano tatkräftige Unterstützung. Gefühlspianist Dustin O'Halloran, Komponist Nils Frahm und Produzent Simon Raymonde halfen Sumie, die Soundskizzen, die sie bereits im Kopf hatte, behutsam auf Papier zu bringen und sie schließlich im Studio zum Leben zu erwecken. Nun wandeln sie wie Geister zwischen uns. Berühren uns sanft und hinterlassen einen angenehmen Schauer auf dem Trommelfell.

"Sumie"
Entgegen der eingängigen Elektropop-Nummern, die man von Yukimi und ihrem kleinen Drachen gewohnt ist, setzt Sumie bei ihrer Musik ganz bewusst auf subtile Gitarrensongs. Das mag für manch einen nach simpler Lagerfeuerromantik klingen, nur steckt dahinter doch wesentlich mehr. "Spells You" eröffnet eine Platte, die voll von klarster Schönheit ist. Gedanken und Träume dürfen auf "Sumie" mit ausgestreckten Armen durch endlose Weiten rennen und währenddessen zurück- oder vorausschauen, wie es ihnen beliebt. Zwischen den leise dahinrieselnden Tracks, wie dem ergreifenden "Never Wanted To Be" oder dem flüsternden "Hunting Sky", bleibt stets genug Raum, um nicht von überladenen Kompositionen erdrückt zu werden. Gestochen scharf erklingt gleichzeitig die Stimme einer Frau, die vollkommen in sich ruht und nun den Hörer zurückhaltend durch die eigenen mentalen Welten geleitet. Es steckt so unheimlich viel Liebe, so viel Fragilität und Grazie in Songs wie "Burden Of Ease", "Midnight Glories" oder "Show Talked Windows", dass dies fast zu Tränen rührt. Beeindruckend, wie manchmal weniger wirklich mehr sein kann. Eine nackte Eleganz, ein Hauch von greifbarer Klangobsession. Freunde und Bewunderer von Anna Ternheim oder Nina Kinert kommen hier voll auf ihre Kosten, wohingegen der Mainstream wohl kaum Notiz von diesem Schatz glänzender Songwriterkunst nehmen wird.


Mittwoch, 27. November 2013

Gewinnspiel: Ian Fisher & The Present "Ian Fisher & The Present"

"Ian Fisher & The Present"
Immer in Bewegung, das ist Ian Fisher. Dabei ist seine Rastlosigkeit stets der Hoffnung geschuldet, dem drohenden Stillstand entkommen zu wollen. Egal ob auf akustischer oder persönlicher Ebene. Ian hat sein Leben auf der Straße verbracht. Und damit ist keineswegs gemeint, dass der in Ste. Genevieve, Missouri geborene Künstler obdachlos sei. Im Gegenteil. Es zog ihn wieder und wieder unter freien Himmel, weil er nach Inspiration suchte. Der Drang, von der Muse geküsst zu werden, führte den Songwriter im Laufe seines Lebens von St. Louis nach Wien und New York, bis er schließlich vor ein paar Jahren in Berlin strandete. Dort verweilt er nun, mit den Hufen scharrend. Hätte er nicht ab und zu die Chance, mit seinen unglaublichen 953 komponierten Stücken (believe it or not) durch die Welt zu touren, dann wäre er wahrscheinlich auch der Spreemetropole schon längst wieder entflogen. Vielleicht ist es aber auch die musikalische Szene der Hauptstadt, die den bärtigen Amerikaner in ihren Bann gezogen hat und nicht mehr loslässt. Ob beispielsweise Lasse Matthiessen oder das Kalimbamädchen PHIA, sie alle arbeiten nur allzu gern mit dem kreativen Kopf zusammen. Für sein aktuelles Album griff dieser jedoch vorrangig auf eine Stimme aus der Heimat zurück. Ryan Thomas Carpenter wurde zu Ian Fishers Gegenwart und steuerte als "The Present" Gitarre und Gesänge für "Ian Fisher & The Present" bei.

Nach dem er auf seinem letzten Album "Ian Fisher & The Past" den Blick zurück auf vergangene Tage richtete, ist Ian mit "Ian Fisher & The Present" nun tief im Hier und Jetzt verwurzelt. Die neun Stücke auf der Platte wirken nicht verträumt, sondern bodenständig und real. Sie zeichnen eine bewusste Klarheit, animieren dazu, den Moment zu genießen und genau diesen mit ganzer Kraft zu umarmen. Vielleicht ist der hastige Geist Ians doch für einen Moment zur Ruhe gekommen.



Hinsetzen und zuhören. "Ian Fisher & The Present" ist die perfekte Platte, um sich lange daran zu erfreuen. Unverschnörkelte Folksongs, raue Countrynummern und feinste Songwriterperlen, all das gibt es innerhalb der 35 Minuten Laufzeit zu entdecken und zu spüren. Ja, spüren. Denn Tracks wie "Why Do I Go?" oder das beschwingte "Rotten On The Vine" lassen das Hörerherz nicht unberührt. Schnell verliebt man sich da in die Puristik eines "Fear", pfeift zum lässigen Takt von "Too Close" oder besteigt euphorisch den steilen Berg namens "Regret", von dessen Spitze aus, man eine einzigartige Sicht genießen kann. "Regret" wurde jüngst übrigens noch einmal mit der bereits erwähnten Australierin PHIA eingespielt. Entstanden ist ein romantischer Abdruck des Originals, der es locker mit Duetts wie Grizzly Bears und Feists "Service Bell" aufnehmen kann.



Nun seid ihr dran. Wer ein CD-Exemplar von "Ian Fisher & The Present" gewinnen will, das Ian Fisher höchstpersönlich zur Verfügung gestellt hat, der sollte uns bis spätestens kommenden Freitag, den 29.11.2013 verraten haben, wo er sich zuhause fühlt. Mitmachen könnt ihr, der regelmäßige Leser weiß es schon, über die folgenden Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 27.11.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Ian Fisher & The Present" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Weitere Infos zu Ian Fisher & The Present gibt es unter:
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Montag, 25. November 2013

Klassiker der Woche Nr. 79

Anna Ternheim
Jemand hat das Fenster aufgelassen. Über Nacht ist die zuvor angehäufte wohlige Wärme in die Dunkelheit entflohen. Nun wirkt das Zimmer, in dem wir uns befinden, kalt, trostlos und ungemütlich. Die Gardiene bewegt sich sanft mit dem Wind, der durch die Öffnung hineinweht. Nehmen wir dieses Eingangsbild, um uns dem heutigen Klassiker der Woche zu nähern. Schweden hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte als ertragreiche Wiege für begabte Künstler entpuppt. Unter den musikalischen Kindern des Landes befindet sich auch Anna Alexandra Ternheim. Die 1978 in Stockholm geborene Singer Songwriterin veröffentlichte 2004 ihr Debütalbum "Somebody's Outside". Vor dem Haus, draußen auf der Straße, steht ein blondes Mädchen mit eisblauen Augen. Sein Blick ist durchdringend. Wir schauen zu ihm hinunter. Was will es von uns? Weshalb rührt es sich keinen einzigen Zentimeter, sondern starrt uns ohne Unterbrechung an? Sie hat eine Geschichte zu erzählen. Hören wir ihm zu. "To Be Gone" ist die Beschreibung des Gefühls, der eigenen Haut, dem eigenen Körper entfahren zu wollen, nachdem eine Trennung kurzzeitig den Atem hat stocken lassen. Alles scheint ausweglos, ohne Perspektive. In ihrer ganz eigenen Soundästhetik erschuf Anna Ternheim mit dem Song ein akustisches Monument, das unter die Haut geht und für immer unvergesslich bleibt.


Freitag, 22. November 2013

EP-Vorstellung: Glass Animals "Glass Animals"

Glass Animals vor "The Shed"
Mit der heutigen EP-Vorstellung werfen wir einen Blick in die Zukunft und auf das Musikjahr 2014. Etliche Newcomer schießen bereits wie kleine Pflänzchen aus dem fruchtbaren Boden der Branche. Nun gilt es zu selektieren, welche der einstigen Saatlinge später auch in der Lage sein werden, Früchte zu tragen. Vielleicht wird es das eine oder andere akustische Gewächs ja sogar irgendwann schaffen, selbst massive Medienlieblinge in seinen Schatten zu stellen. "Einen hab ich noch..." setzt da dabei optimistisch auf die Glass Animals. Das Quartett aus Großbritannien entsendet mit seinen Songs eine mysteriöse Dunkelheit, die hypnotisierend, lähmend und kompromisslos die Auffassungsgabe seiner Hörer befällt. Schon sind diese nicht mehr Herr über die eigenen Sinne, sondern tanzen marionettenhaft im Takt finsterer Down-Tempo-Nummern. Die Fäden zieht dabei David Bayley, studierter Mediziner und Neurowissenschaftler. Er scheint in seinen Vorlesungen alles Wichtige gelernt zu haben, um interessante und innovative Musik zu produzieren, die man in dieser Art zuvor noch nicht vernommen hat. Leben retten mal anders.


"Glass Animals" (EP)
Insgesamt vier Tracks findet der Neugierige auf der ersten EP der Glass Animals. Entstanden sind die Stücke an zwei sehr unterschiedlichen Orten. Zum einen erichteten die Glass Animals in den Wäldern des Oxfordshires einen Verschlag, der den Namen "The Shed" trägt. Ähnlich einer Schamanenschwitzhütte wurden dort die natürlichen Geräusche der Umgebung eingefangen, kanalisiert und tranceartig in die eigenen Kompositionen eingebaut. Um darüber hinaus den Bezug zur Gegenwart nicht zu verlieren, ging es im Anschluss in die pulsierende Themsemetropole London und ein dort gelegenes Studio. Der urtümliche Charakter eines "Psylla" oder "Exxus" ging dabei jedoch keineswegs verloren. Im Gegenteil. Es wurde fleißig an den archaischen Entwürfen gearbeitet, bis schließlich ein Destillat feinster Trip-Hop- und Dubstep-Klänge übrig blieb. Wer sich einst zu Massive Attacks "Karmacoma" in Extase tanzte, wird nun umgehend dem Rhythmus von "Woozy" verfallen, dessen rapartige Vocals die Sängerin Jean Deaux beisteuerte. Generell scheint die EP stark vom Erbe der Bristoler Szene infiltriert zu sein. Selten bekommt man heutzutage derart originalgetreuen Trip-Hop zu hören. Doch wird das Spektakel eben noch durch eine weitere Komponente ergänzt, und zwar die tonale Klarheit des neuen Jahrtausends. Entfliegen wir nun also zusammen mit einem Schwarm elektrifizierter Melodien in den sternenklaren Nachthimmel.

Mittwoch, 20. November 2013

Gewinnspiel: Hooverphonic "Reflection"

Hooverphonic
Mit ihrem achten Studioalbum "Reflection" scheuen Hooverphonic erneut keinerlei Experimente. Das Trio zog aus, um in den Häusern einiger seiner Fans jene Tracks einzuspielen, die sich nun in ihrer Gesamtheit als extrem lebhaft und eingängig erweisen. Das ist sicherlich nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass Alex Callier, Raymond Geerts und Noémie Wolfs bei der Produktion der Platte auf analoge Aufnahmetechniken zurückgriffen. Zwischen Tracks wie "Amalfi" oder "Single Malt" beschleicht den Hörer somit das Gefühl, die Band stünde direkt neben ihm. Als betrachte er eine glamouröse Liveperformance in einem vornehmen Nachtclub, könne die Vibrationen der E-Gitarren spüren oder die Sängerin dabei beobachten, wie sie galant ihren Arm auf das Piano legt.



Nachdem wir euch am letzten Freitag einen ausgiebigen Blick auf Hooverphonics "Reflection" gewährten, dürfen wir diesen nun für einen Leser unseres Blogs noch etwas schärfen. Wir verlosen ein handsigniertes CD-Exemplar, das uns die Band höchstpersönlich zur Verfügung stellt. Bei so einem exklusiven Preis, wollen wir natürlich auch interessante Gedanken zur aktuellen Gewinnspielfrage hören. Wenn Hooverphonic im Rahmen ihres "Hooverdomestic"-Projekts in euer Zuhause gekommen wären, um dieses in ein Aufnahmestudio zu verwandeln, womit hättet ihr ihnen denn dann die Pausenzeit versüßt? Wer uns darauf bis spätestens kommenden Freitag, den 22.11.2013, eine kreative Antwort gibt, der gelangt automatisch in jene Lostrommel, aus der wir am Wochenende einen Gewinner ziehen werden. Mitmachen könnt ihr über einen der bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 20.11.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Hooverphonic" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Unsere Daumen sind gedrückt!

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Montag, 18. November 2013

Klassiker der Woche Nr. 78

Grizzly Bear
Aufgehorcht! Der heutige Klassiker der Woche besitzt, egal, wo er auch erklingt, die Gabe, seine Hörer sofort aus dem Alltag zu entreißen, sie in die Luft zu wirbeln, sodass es ihnen Schuhe und Socken auszieht, und auf einem flauschigen Klangteppich landen zu lassen. Dort vergraben sich die nackten Zehen umgehend in die gemütlichen Fasern modernster Folkmusik. Die amerikanische Band Grizzly Bear, dessen Album "Shields: Expanded" wir euch jüngst vorstellten, hat seit ihrer Gründung im Jahre 1999, einen beeindruckenden Vorrat an hervorstechenden Popsongs angelegt, von der ganze Generationen im ewigen Winterschlaf der akustischen Innovation zehren können. "Two Weeks", zu finden auf dem 2009er Album "Veckamist", verzichtet beispielsweise beim Ausgehen auf den traditionellen, zwickenden Smoking und trägt stattdessen lieber ganz dick auf. Stattdessen geht es im Glitzeranzug und mit blinkendem Zylinder aufs Parkett, wo ein skurriler Tanz hingelegt wird, der für Verwunderung aufseiten seiner Betrachter sorgt. Frei, ungehemmt, ausgelassen. Grizzly Bear liefern mit "Two Weeks" den Soundtrack zur ungezügelten Vergnügtheit.



Freitag, 15. November 2013

Album-Vorstellung: Hooverphonic "Reflection"

Hooverphonic
Im nächsten Jahr feiert Hooverphonics Debüt seine Volljährigkeit. Ganze 18 Lenze werden dann verstrichen sein, seit die Formation aus Belgien ihr Erstlingswerk "A New Stereophonic Sound Spectacular" auf den Markt brachte. Als in den Neunzigern der Bristoler Trip-Hop auf der britischen Insel groß wurde, lieferten Hooverphonic, als eine von wenigen nicht dort ansässigen Bands, den Beweis, dass auch das europäische Festland seinen Teil zur Festigung dieses neuartigen Genres beizutragen hatte. Und so begann der Ausflug durch die akustische Experimentierfreudigkeit. Im Laufe ihrer Karriere haben sich Hooverphonic dadurch ein recht breit gefächertes Repertoire anlegen können. Anstatt stets eingleisig zu fahren, wurden an wichtigen Knotenpunkten die Weichen für Erkundungstouren in neue musikalische Gefilde gestellt. Während der Fahrt sprang hier und da das eine oder andere Bandmitglied auf den rollenden Wagen auf oder von genau diesem wieder herunter. Alex Callier blieb dabei jedoch konstant jener Zugführer, der es vermochte, das Gefährt enthusiastisch durch die verschiedensten Klanglandschaften zu bewegen. An seiner Seite Raymond Geerts als treuer Schaffner. Mit Noémie Wolfs gesellte sich 2010 eine neue Sängerin zu der Kapelle, die sich, trotz einiger Beschwerden langjähriger Hörer, als würdige Nachfolgerin von Geike Arnaert (1997-2008) erweisen konnte. Dieser letzte Generationswechsel brachte schließlich die Alben "The Night Before" (2010) und das großartig inszenierte Best-Of "With Orchestra" (2012) hervor. Mit "Reflection" legt das Trio nun nach.


Reflection
Reflexionen und Spiegelungen, sie sind etwas nicht wirklich Greifbares. Wirken wie ein Schatten oder ein Schleier der Wirklichkeit. Hooverphonic widmen den Titel ihrer neusten Platte genau jenem bizarren optischen Schauspiel. Während Songs wie "Radio Silence", "Devil Kind Of Girl" oder "Wait For A While" erklingen, leuchten Erinnerungen an das 2002er "Hooverphonic Presents Jackie Cane" auf. Jene Scheibe, die einen massiven Umschwung im Stil der Belgier darstellte. Gleichzeitig durchtränken Spuren des Psychedelic Rocks beispielsweise den Track "Roadblock" und erwecken im Vorbeiziehen den Geist von "The President Of The LSD Golfclub" (2008) wieder. Mal lasziv verführerisch ("Copper (CU)"), dann ungewöhnlich infantil ("ABC Of Apology") und zum Finale hin strahlend schön ("The Clouds"), hält auch das achte Studioalbum Hooverphonics wieder einige Überraschungen bereit. Vorabsingle und Opener "Amalfi" wird da zum sensitiven Lufthauch, der sanft das Gehör streichelt, durch die Verbindungen zwischen rechter und linker Ohrmuschel saust und unwillkürlich ein seichtes Gefühl von Fernweh hinterlässt. Neben diesem sehr eigängigen Stück, das man schon nach wenigen Hördurchläufen vor sich herzusummen beginnt, bilden "Bad Weather" und "Erased" die Höhepunkte auf "Reflection". Beide Tracks werden von zarten Klavierkompositionen getragen und lassen der mittlerweile recht gereiften Stimme Noémies ausreichend Raum, um sich zu entfalten.
An die Produktion von "Reflection" knüpften Hooverphonic einige selbst erdachte Regeln. Zum einen einigte man sich darauf, alle Aufnahmen analog zu tätigen, um einen Gegenpol zur aktuellen Digitalisierung des Sounds zu schaffen. Auf der anderen Seite riefen die Musiker das Projekt "Hooverdomestic" ins Leben. Im Rahmen dessen konnten Neugierige ihr eigenes Haus zur Verfügung stellen, damit die Band dort ihre Songs einspielte. Eine in ein Loft umfunktionierte Ziegelbrennerei in Boom, zwei herrschaftliche Anwesen in Gent-Brugge und der Champagne, eine Farm in Kermt und eine Kirche wurden so zum Ort des Geschehens.
"Reflections" ist vielleicht nicht Hooverphonics markantestes, dafür aber definitiv eins der vitalsten Alben der Gruppe.



Mittwoch, 13. November 2013

Gewinnspiel: On An On "Give In"

On An On
Sie hatten nie ein wirkliches Zuhause. Nate Eiesland, Alissa Ricci und Ryne Estwing tingelten lange Zeit durch die Musikszene, spielten mal hier und mal da, lernten allerhand interessante Menschen kennen und waren am Ende doch immer nur eine Art engagierter Gastauftritt. Es fehlte jenes Gefühl, das sich einstellt, wenn man weiß, dass man angekommen ist. Stetig umtrieb die drei Musiker die Sorge, die provisorisch aufgestellten Zelte wieder abbrechen und weiterziehen zu müssen. Im Laufe der Jahre war das Material, mit dem sie ihre notdürftigen Bleiben wieder und wieder zusammenschusterten, stark in Mitleidenschaft gezogen und die anfangs noch so reichlich vorhandenen Energien fast komplett aufgebraucht. Ein radikaler Umschwung musste her. Zu dritt entschloss man sich, nicht mehr auf Gelegenheiten und Bandkollegen zu warten, um irgendwann in der Zukunft ein Projekt zu realisieren, das Bestand haben könnte. Nein, das Gespann stellte fest, dass sechs Hände ausreichen, um damit ein stabiles Haus zu erbauen. Mit Freundschaft und geteilten Erfahrungen als Fundament errichteten die Chicagoer 2012 schließlich die Wände ihrer gemeinsamen zukünftigen Bleibe. Dort findet das Trio seither Schutz und Raum, sich zu entfalten. Auf die Klingel schrieben unsere Akustik-Architekten in großen Lettern On An On.


"Give In"
Jedes Bauwerk benötigt einen gut durchdachten Konstruktionsplan, um später nicht ins Wanken zu geraten. Selbiger bestand im Fall von On An On aus zehn Stücken, die sich unter dem Namen "Give In" zusammenfassen lassen. Das im März beim Berliner Label City Slang erschienene Album ist, nicht nur was das wunderschöne Cover betrifft, ein echter Hingucker. Irgendwo zwischen Indierock und Dream Pop, zwischen Shoegaze und Chillwave, sind Alissa, Ryne und Nate sesshaft geworden. Dass es ihnen dort ziemlich gut zu gefallen scheint, spürt man als Hörer, wenn einen die Passion, die Tracks wie dem Endlosstück "I Want To Say More" innewohnt, packt und nicht mehr loslässt. Lange zuvor kursierte bereits die eingängige Single "Ghosts" im Internet und wurde als erster Grundstein für eine erfolgreiche Karriere angesehen. Dass all die Spekulationen recht behalten könnten, wird spätestens dann klar, wenn man sich den Rest des Debüts von On An On zu Gemüte führt. Wenige Platten besitzen die Kraft, derart energetisch nach Jugend, Unvergänglichkeit und Freiheit zu schreien, ohne dabei gleichzeitig naiv oder gar einfältig zu wirken. Man nimmt Songs wie "Every Song In The World" oder "War Is Gone" jedweden Ehrgeiz ab, den sie ausstrahlen. Bewundernswert. Und doch besitzen die lyrischen Qualitäten von On An On Tiefgang. Die Texte künden ebenso von Verlust wie von den Hindernissen, die das Leben für jeden Einzelnen bereithält. Ein absolutes Hörvergnügen!


Jetzt seid ihr gefordert! Ran an die Tasten und teilt uns bis spätestens kommenden Freitag, den 15.11.2013, mit, warum ihr gerne eins von zwei Vinyl-Exemplaren des Albums "Give In" gewinnen würdet, welche wir aktuell in unserer Verlosung bereithalten. Aus allen Teilnehmern wird unsere Losfee am Wochenende die Gewinner ziehen. Mitteilen könnt ihr euch über die bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 13.11.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "On An On" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Viel Erfolg!

Weitere Infos zu On An On gibt es unter:
Offizielle Website | Facebookseite

Montag, 11. November 2013

Klassiker der Woche Nr. 77

When Saints Go Machine
Ein gespannter Bogen, der fast zu Reißen droht. Dieses Bild verdeutlicht wohl ganz gut, was die Kompositionen des Kopenhagener Quartetts When Saints Go Machine seit ihrer Gründung im Jahr 2007 so unglaublich erfolgreich macht. Die vier Dänen sind Grenzgänger, wenn es gilt, die Extreme der akustischen Belastbarkeit zu erkunden. Furchtlos wagen sie sich in die exzentrischsten Regionen des Klanges vor und beherrschen dabei den riskanten Seiltanz wie keine zweite Band. Zwischen zerberstenden Kristallwelten aus spitzen Synthiesounds und brummenden Drumbeats wirkt die zitternde Stimme von Sänger Nikolaj Manuel Vonsil wie eine göttliche Nachricht, deren mannigfaltige Botschaften wohl kaum ein Hörer zu entschlüsseln in der Lage ist. Auf dem 2011er Album "Konkylie" treiben When Saints Go Machine das Spiel mit den sakral anmutenden Harmonien auf einen glänzenden Höhepunkt. Wo Mikro- auf Makrokosmos, Realität auf Traum oder Schöpfer auf eigenes Werk trifft, da sind Tracks wie "Add Ends" zuhause.




Samstag, 9. November 2013

Album-Vorstellung: Grizzly Bear "Shields: Expanded"

Grizzly Bear
Vor über einem Jahr stellten wir euch mit Grizzly Bear's "Shields" ein Album vor, das die konsequente Weiterentwicklung einer Band hin zur völligen Klangexstase dokumentierte. Nie zuvor haben Ed Droste, Christopher Bear, Chris Taylor und Daniel Rossen geschlossener hinter einer ihrer Platten stehen können, als es bei dieser der Fall war. Monate lang wurde an den zehn darauf befindlichen Songs gepfeilt und geschliffen, bis schließlich jede einzelne Note an den Platz gerückt war, an dem sie aus Sicht der vier New Yorker am besten zur Geltung kommen konnte. Die Zufriedenheit über das entstandene Werk teilten auch zahlreiche Kritiker, die von den renommiertesten Fachblättern entsandt worden waren, um auf Bärenjagd zu gehen. Doch ließ sich das große Ungetüm nicht erlegen. Nein, nur aus der Ferne konnte man es beobachten, wie es majestätisch durch das Dickicht der Wälder zog. "Shields" wurde zum gefeierten und in zahlreichen Jahresrückblicken erwähnten Meisterwerk. Jetzt geht es für das vierte Studioalbum von Grizzly Bear in die Verlängerung.


"Shields: Expanded" / "Shields: B-Sides"
"Shields: Expanded" erweitert die ursprüngliche Tracklist von "Shields" um weitere acht Stücke, die auch einzeln als "Shields: B-Sides" erhältlich sind. Anscheinend wurde einmal auf die sonst sehr beliebte Marketingstrategie verzichtet, den Hörer dazu zu zwingen, sich ein Album, das er bereits besitzt, erneut kaufen zu müssen, wenn er in den Genuss weiterer akustischer Perlen gelangen will. Dass es sich aber in jedem Fall lohnt, ein Ohr auf "Shields: Expanded" zu werfen, steht dabei ganz außer Frage. Eröffnet wird die B-Seite von "Smothering Green", einem unveröffentlichten Song, der charmant lächelnd, erneut jenes Feuer entflammt, das sonst nach dem Endtrack "Sun In Your Eyes" zu erlöschen drohte. Nachdem man sich nun also auf ein zusätzliches Tänzchen mit den Indierockern eingelassen hat, gelangt man auch schon zu "Taken Down (Marfa Demo)". Selbige Rohversion aus einer frühen Phase der Entstehung von "Shields" klingt jedoch gar nicht so unfertig, wie man es der Bezeichnung nach vermuten könnte. Im Gegenteil, ihr Probenraumflair streichelt die Seele. Noch nie war man dem Schöpfergeist von Grizzly Bear näher. Da wirkt der Nachfolger "Listen and Wait" schon fast unnatürlich glatt. Doch bäumt sich hier der musikalische Meister Petz derartig imposant zu seiner vollen Größe auf, dass es den Betrachter umgehend zu Boden wirft. Bedrohlich und ehrwürdig wirkt das meterhohe Tier. Da traut man sich kaum, den Kopf zu heben, sondern sucht stattdessen lieber erneut Schutz in der zuvor besuchten Höhle. Die nach ihrem Entstehungsort benannten Marfa Demos von "Everyone I Know" und "Will Calls" sorgen dort für reinste Wohlfühlatmosphäre. Wie unendlich schade wäre es gewesen, wenn diese Stücke für immer in einer Schublade verschwunden wären. Nachdem man nun also fünf unbekannte Nummern aus der Feder von Grizzly Bear präsentiert bekommen hat, widmen sich die verbleibenden drei Tracks Remixen von Nicolas Jaar, den Liars und Lindstrom. Plötzlich klingt "Sleeping Ute" nicht mehr rau und aufschürfend, sondern erinnert eher an eine Eletropop-Ballade à la When Saints Go Machine. Auch "A Simple Answer (Liars Remix)" und "Gun-Shy (Lindstrom Remix)" haben kaum noch etwas mit ihren Blaupausen gemein. Völlig freihändig lernen sie erst zu laufen, dann zu springen und schließlich davonzufliegen.

Mittwoch, 6. November 2013

Gewinnspiel: Menomena "Mines"

Menomena
Portland in Oregon gehört sicher zu den sehenswerteren Orten innerhalb der USA. Unter stetiger Beobachtung des eindrucksvollen Mount Hood hat sich im Laufe der Zeit eine moderne, verträumte Stadt entwickelt, die zwischen Moderne und Ursprünglichkeit eingeklemmt zu sein scheint. Geradezu bizarr wirkt da beispielsweise die Skyline aus Wolkenkratzern, die inmitten einer wuchernden, erdverbundenen Natur erwächst. Bekannt ist die Metropole am Willamette River aber auch für seine recht stattliche Independent-Musikszene. Ob Bands wie Gossip, Portugal. The Man, Modest Mouse oder The Decemberists, sie alle können Portland als ihre akustische Geburtsstätte bezeichnen. Und dann sind da noch Menomena. Ende 2000 wurde die Formation von Danny Seim, Justin Harris und Brent Knopf ins Leben gerufen. 13 Jahre und fünf Alben später hat das Gespann mit Joe Haege einen würdigen Ersatz für Knopf gefunden, der Menomena 2011 verließ, um sich voll und ganz auf sein Soloprojekt Ramona Falls zu konzentrieren. Wir möchten uns heute jedoch jenem Werk widmen, an dem der Sänger, Gitarisst, Keyboarder und Bassist Knopf zuletzt beteiligt gewesen ist. "Mines" (2010) ist nach "I Am The Fun Blame Monster!" (2003), "Under An Hour" (2005) und "Friend And Foe" (2007), das vierte Studioalbum Menomenas.

"Mines" wurde auf dieselbe Weise hergestellt, wie wir schon immer Musik gemacht haben. Wir jammten und nahmen spontan Hunderte von Loops auf, unter Verwendung der immer gleichen alten und treuen Software, die Brent einst als eine College Aufgabe programmiert hatte. Jeder für sich hat die resultierenden Loops anschließend wie ein Puzzle zusammengefügt, unter Zugabe von Gesängen und Sentimentalitäten. Dabei machten wir große Fortschritte im Erbauen skelettartiger Songstrukturen und arbeiteten anständig miteinander zusammen, als die Ideen Form annahmen. Aber wenn einem von uns ein Stück zu vertraut wurde, pflückten es die anderen beiden Mitglieder wieder auseinander, während man sich gegenseitig das Herz brach.


"Mines"
Mit diesen Worten beschreibt Seim die Entstehung von "Mines" in dem Pressetext, den City Slang zur Veröffentlichung des Albums herausgab. Die Platte wird begleitet von einem undurchdringlichen Schleier aus Understatement. Seien es die Aussagen in Bezug auf Botschaften und Inhalte der Scheibe oder die schlichte Aufmachung des CD-Cases. Selbiges wird von einem Cover geziert, auf dem eine von Pflanzen überzogene Frauenskulptur zu sehen ist. Einmal die Hülle geöffnet, erwartet den neugierigen Betrachter eine gähnende weiße Leere, die erst dann durchbrochen wird, wenn er die CD herausnimmt und plötzlich die Augen eben erwähnter Statue direkt in seine Seele zu blicken versuchen. Ergänzt wird die Gestaltung von "Mines" schließlich durch ein Comic-Poster statt eines Booklets, welches die Verwüstung jenes Ruhe austrahlenden Refugiums zeigt.

Musikalisch öffnet "Mines" mit jedem neuen Track, eine weitere Tür in ein Labyrinth aus akustischen Zimmern. Ob schwerster melodiöser Verdruss ("Killemal", "Intil"), beschwingter Indie Pop ("Queen Black Acid", "Five Little Rooms"), aufkreischender Art Punk ("Taos", "Bote"), akzentuierter Folkrock ("Dirty Cartoons", "Lunchmeat") oder mystifizierte Noise-Rudimente ("Tithe", "Oh Boy, You're Such A Big Boy", "Sleeping Beauty"), es gibt nichts, was es klanglich nicht gibt. Hinzukommt, dass die unterschiedlichen Stimmen der drei Sänger dem Album immer wieder einen neuen Anstrich verleihen. Würde man an verschiedenen Stellen direkt in das Hörvergnügen hineingeworfen werden, könnte man wohl kaum nachvollziehen, dass es sich dabei um eine einzige, zusammenhängende Platte handelt.


 

Und wieder einmal dient der letzte Teil unseres mittwöchlichen Beitrages dazu, euch aufzufordern, an unserem Gewinnspiel teilzunehmen. Wir möchten dieses Mal von euch wissen, was für euch ein Refugium, beziehungsweise einen Zufluchtsort darstellt. Wer uns dies bis spätestens kommenden Freitag, den 08.11.2013, beantwortet, der wird eventuell am Ende von unserer Glücksfee auserkoren, ein CD-Exemplar von Menomenas "Mines" bald sein Eigen nennen zu dürfen. Mitgemacht kann wie immer über einen der bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 06.11.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Menomena" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Wir drücken die Daumen!

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Freitag, 1. November 2013

Album-Vorstellung: Cate Le Bon "Mug Museum"

"Cat Le Bon"
Der walisische Musiker Gruff Rhys von der Band Super Furry Animals äußerte sich mal wie folgt über einen Song seiner Kollegin Cate Le Bon.  

"Bobbie Gentry und Nico streiten sich über ein Casio Keyboard. Die Melodie gewinnt."

In der Tat besitzt die aus Penboyr stammende Le Bon genau die unterkühlte Attitüde, die einst auch der amerikanischen Country Sängerin Gentry und dem Velvet Underground Starlet Nico zu großem Erfolg verhalf. Ein ganz eigener Schlag von Frauen möchte man zudem meinen. Vereinen sie doch allesamt eine gewisse Disharmonie in ihren Gesängen, die außerdem von einer charakteristischen Rotzigkeit untermauert wird. Hinzu kommen ein dunkles Timbre und der Wille, bewusst nicht jeden Ton treffen zu wollen.

"Mug Museum"
"Mug Museum", sprich eine Art Museum für Becher, so lautet der Titel des nun erscheinenden, dritten Albums von Cate Le Bon. Nach dem Tod ihrer Großmutter beschäftigte sich die Sängerin zunehmend mit ihrer Rolle innerhalb der eigenen Familie, aber auch in Bezug auf die Gesellschaft und das Leben als solches. Was heißt es, eine Frau zu sein? Dieser Frage einmal nachgegangen, landete Le Bon in einem wahren Gedanken- und Argumentationszirkel, dessen Auswüchse man nun schließlich auf "Mug Museum" bewundern kann. Es handelt sich dabei um eine Platte, die ihrem Sound entsprechend, auch Jahrzehnte früher hätte veröffentlicht werden können. Und doch bedeutet ein vorherrschender Sixties-Einschlag keineswegs, dass das heutzutage, 50 Jahre später, nicht wieder funktionieren kann. Erstaunlich ist jedoch die Authentizität mit der Le Bon Songs wie "No God" oder "Sisters" performt, ist sie doch selbst zu jener Zeit noch gar nicht geboren gewesen. Als Reinkarnation einer zart schimmernden Rockdiva bringt Le Bon nun einer neuen Generation von Hörern, die Klänge einer längst vergangenen Musikepoche näher. Und zwar ohne sie dabei ins Bombastische aufplustern zu müssen, wie es sonst vielerorts gerne der Fall ist. Nein, sensibel und behutsam erklingen Stücke wie "Are You With Me Now", "Cuckoo Through The Walls" oder das eindrucksvolle "I Think I Knew", ein Duett mit Perfume Genius. Während langsam die Erinnerung an Velvet Undergrounds "Femme Fatale" wieder lebendig wird, erfreut man sich an dem kleinen Wunderwerk, das Cate Le Bon erschaffen hat.



Mittwoch, 30. Oktober 2013

Gewinnspiel: 4 Guys From The Future "Adagio"

4 Guys From The Future
Fluch und Segen. Als Musikredakteur darfst du einige Privilegien genießen, die das Leben sehr angenehm machen können. So bekommst du beispielsweise regelmäßig und oft noch vor allen anderen, jene Erzeugnisse zum Begutachten vorgelegt, die zahlreiche Künstler kurz darauf in die große weite Welt entlassen wollen. Doch liegt eben auch genau darin manchmal das Problem unserer Arbeit. Wenn es überall "Hier! Hier!" schreit, dir jeder "The Next Best Thing" nahelegen will, dein Mailpostfach vor Newslettern aus allen Nähten zu platzen scheint und du die Flut an Hörproben, die dich erreicht, gar nicht mehr bewältigen kannst, dann wünschst du dir nur allzu oft einen Buzzer, den du drücken kannst, damit die Zeit kurzfristig gefriert. Stop. Ruhe. Aus. Vor einigen Wochen erreichte uns eine Nachricht, die von der geplanten Veröffentlichung einer dänischen Herrenkapelle kündete, die den eigenwilligen Namen 4 Guys From The Future trägt. Wie üblich sollte ein kurzer Klick auf das angehängte Video Aufschluss darüber geben, ob es sich lohnen würde, sich näher mit jener Empfehlung zu beschäftigen. Fünf bis sechs Sekunden können dabei über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Und dann geschah es. Ganz plötzlich, unverhofft. Es funkte. Es funkte derartig, dass jegliche Synapsen fast durchzubrennen drohten. Sofort begannen die Endorphine sprudelnd und ungebremst du den Körper zu rasen auf dem Gesicht zog sich ein Lächeln derartig breit, dass es schon fast schmerzte. Dieser Track war unglaublich!

"Adagio"
"Nothing To Say" heißt jenes Stück, dass bei "Einen hab ich noch..." einschlug wie eine Bombe. Seitdem irren wir durch den von der Detonation hinterlassenen Krater, springen zwischen Bergen aus Schutt umher und erfreuen uns, die Hände in die Luft reißend, an der Großartigkeit einer extrem gelungenen Platte. "Adagio" ist das zweite Album der 4 Guys From The Future. Ein zukunftsweisendes und doch auch sehr reflektiertes, zurückblickendes Werk. Bjarke Porsmose, Mads Brinch Nielsen, Rasmus Valldorf und Tobias Mynborg bewegen sich dabei auf einem musikalischen Kontinuum, das vom Mastermind Damon Albarn und den famosen Grizzly Bear über die Belgier Balthazar bis hin zu den Beatles reicht. Mit einer ganz eigenen, kargen und doch durch viele Synthietupfer erhellten Soundästhetik werden Tracks wie der Opener "You Don't Know What Your Doing" zu bemerkenswerten Zeugnissen eines sehr ausgeprägten Ideenreichtums. 4 Guys From The Future haben die Segel gesetzt, um über ein stürmisches Meer aus elektronischen Klängen zu schiffen. Dass sie dabei gern den Kurs wechseln, zeigt die Bandbreite, die "Adagio" zu bieten hat. Mal atmet die Platte schwer und tief auf ("B.T.G.T.K No Poem"), dann malt sie genüsslich bunte Teenage-Retro-Mandalas ("Skin On Fire"), bis schließlich bei "Corruption" das melodiöse Erbe des Progressive Rocks entfesselt wird, welches sich schreiend und fauchend seinen Weg bahnt. "No Morning Comes" lädt zu einem verführerischen Tango ein, den man, aufgrund seines morbiden Charmes, allerdings am besten auf einem Friedhof tanzt, wohingegen "Beauty Hides In Everyone" als morgendlicher Sonnenaufgang erstrahlt, zu dem die Vögel zwitschern. Wenn "Signposts" dann melancholisch flüsternd aus der Dunkelheit erschallt, wird dem Hörer jedoch schmerzlich bewusst, dass das Ende von "Adagio" bevorsteht. In der Tat lässt "End Of The Future" kurz darauf die Platte verklingen. Der neunte und finale Track plätschert unheilvoll vor sich hin und erfährt erst in seinen letzten Sekunden die tonale Erlösung. Obwohl der Begriff adagio eigentlich für ein recht langsames, ruhiges Tempo innerhalb der Musik steht, gelingt es den 4 Guys From The Future auf dem gleichnamigen Album mit Leichtigkeit für Spannungen und hektisch flimmernde Momente zu sorgen.

 

Wie glücklich darf man im Nachhinein sein, sich diese Platte genauer zu Gemüte geführt zu haben? "Adagio" zählt definitiv zu den musikalischen Highlights des Jahres. Und wer sich davon gern einmal selbst überzeugen will, dem bieten wir, mit freundlicher Unterstützung von Nordic By Nature, nun eine einzigartige Chance. Gewinnt mit etwas Glück ein Vinyl-Exemplar des neuen Albums von 4 Guys From The Future. Und zwar müsst ihr uns dafür nur kurz verraten, was ihr über die Hörprobe "Nothing To Say" denkt. Bis kommenden Freitag, den 01.11.2013, lassen wir euch Zeit dazu. Mitmachen könnt ihr über die bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 30.10.2013 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "4 Guys From The Future" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com.

Ahoi!

Weitere Infos zu 4 Guys From The Future gibt es unter:
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Montag, 28. Oktober 2013

Klassiker der Woche Nr. 75

The xx
2009 kommen ein paar Teenager aus dem Londoner Stadtteil Putney daher und meinen, dass ihr Debütalbum "xx" gut genug sei, um es mit den Werken gestandener und erfolgsverwöhnter Indiegrößen aufnehmen zu können. Schwarz gekleidet und mit zahlreichen Kettchen behangen, wirken Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith jedoch keineswegs wie angehende Rockstars. Sie verkörpern vielmehr das Bild jener depressiven Jugend, die nach dem öden Schulalltag, ihre Zeit am liebsten auf den Straßen der Großstädte verbringt. Treibend und ohne dabei auch nur die geringste Anstrengung in eine Perspektivsuche für die eigene Zukunft zu investieren. Doch wie kann man sich täuschen. The xx, so der Name des Trios, haben ein extrem effektives As im Ärmel, nämlich ihr Talent. In einer Zeit, in der überall die Regler hochgefahren werden und die Effekthascherei zum täglichen Brot innerhalb der Branche gerät, nutzen die drei Heranwachsenden ihre sichtliche Gelassenheit, um auch auf klanglicher Ebene die unnötige Hektik zu unterwandern. Einzig und allein mit E-Gitarren, Drummachine und zwei unheimlich charismatischen Stimmen bewaffnet, setzen The xx zum Siegeszug an. Langsam wird das neue Schnell, Reduziert das neue Üppig. Und das alles nur, weil The xx den Nerv einer Generation von Konsumenten getroffen haben, welche dringend nach einer Pause von all der Hast und Getriebenheit um sich herum verlangt. Entschleunigung. Plötzlich laufen in den überfüllten Clubs Europas jene Tracks, die man zuvor noch mit dem Stempel "untanzbar" versehen hätte. Ein neuer Begriff von Ästhetik schleicht sich in das musikalische Verständnis vieler Menschen ein und gibt neuen, festen Halt in der ständig dem Abgrund nahen Realität. Dies gilt auch für "Islands", unseren heutigen Klassiker der Woche. Mit seiner zurückgenommenen Grazie wird der Track zu einem Lovesong, wie ihn die Welt zuvor noch nicht erlebt hat.