Freitag, 27. September 2013

Album-Vorstellung: Mazzy Star "Seasons Of Your Day"

Mazzy Star
Manche Stimmen sind anders als andere. Sie besitzen die wundersame Gabe, den Hörer schon nach kürzester Zeit in seiner Gänze einzunehmen und beiläufig in die verwinkeltesten Zuflüchte seiner Gedankenwelten vorzudringen. Das beschriebene Phänomen lässt sich auch beobachten, wenn die amerikanische Singer Songwriterin Hope Sandoval zum Mikrofon greift, um ihre zartbitteren Gesänge durch Raum und Zeit zu schicken. Im Bruchteil weniger Sekunden leuchten dann vielerorts glasige Augen auf, infiziert von dem hypnotischen Feuer, das Sandoval entzündet und zunehmend gefüttert hat, bis es sich zu einem gierigen Verlangen auftürmte, vollends mit der lasziven Herrlichkeit ihrer akustischen Erzeugnisse verschmelzen zu wollen. Auf Massive Attacks letztem Album "Heligoland" (2010) hauchte Sandoval noch unschuldig die Lyrics zum Track "Paradise Circus" vor sich hin und erschuf damit gleichzeitig den großartigen Höhepunkt einer eh schon mehr als hervorstechenden Platte, 2013 kehrt die 47-Jährige nun jedoch zu einem früheren Weggefährten zurück und lässt sich erneut an dessen vertrauter Seite nieder. Die Rede ist von David Roback. Es war bereits im Jahre 1989 als die beiden das Projekt Mazzy Star gründeten, das sich, nach sieben Jahren und drei erfolgreichen Alben, einer selbst auferlegten Zwangspause fügte und erst jetzt wieder aus der schillernden Vitrine geholt wird, in der es seither als strahlender Pokal beispielloser Alternative-Rock-Klangkunst zu bewundern war. Mit "Seasons Of Your Day" wollen die wiedervereinten Mazzy Star nun für neue Gänsehautwellen sorgen. Und das gelingt der Band im Laufe eines einzigen Wimpernschlags.


"Season Of Your Day"
Das Cover des neuen Mazzy Star Albums wirkt, mit seiner violett-schwarzen Gestaltung und dem Katzenmotiv, regelrecht lächerlich, als handele es sich dabei um eine esoterische Hinterlassenschaft der zahlreichen New-Age-Wellen aus den 90ern. Doch sollte man sich manchmal vom Äußeren nicht allzu sehr blenden lassen, verbirgt sich doch in diesem Fall hinter der geschmacklosen Schale, ein wahres Feuerwerk für die Sinne. "In The Kingdom" beschwört zu Beginn des Albums, die verblühte Romantik vergangener Tage herauf, wälzt sich in ihrer Eleganz und hüllt sich in einen transparenten Schleier aus feingeistiger Nostalgie. Was sich eine Lana Del Rey immer wünschte, nämlich geheimnisvoll zu wirken, ohne dafür die eigene Person in ein Geflecht aus erdachten Geschichten verstricken zu müssen, gelingt Mazzy Star ohne viel Aufhebens. Ob das auf seine Essenz destillierte "California" oder das pastellfarbende "Common Burn", die Stücke auf "Season Of Your Day" wandeln zwischen verträumten Folkrock und altehrwürdigen Alternative-Sounds. Wer keine Angst vor dem absoluten Sinnesverlust hat und schon immer einmal wissen wollte, wie es ist, wenn man die Kontrolle über die eigenen Gefühle in fremde Hände legt, der erhält mit Tracks wie "Spoon" nun die Antwort auf seine Sehnsüchte.



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