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Mittwoch, 11. März 2015

Gewinnspiel: Machine Est Mon Coeur "Dystopium"

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Manchmal vergessen wir, die wir in einer übersättigten und allseits stimulierten Gesellschaft leben, dass es tatsächlich jene schwerwiegenden Probleme gibt, die unsere Welt völlig aus den Fugen reißen und ihren Untergang bedeuten könnten. Kriege, Hungersnöte oder die Missachtung der Natur - der Mensch hat es im Laufe seiner kurzen Daseinszeit auf diesem Planeten geschafft, vieles ins Wanken zu bringen, das lange als unumstößlich galt, und sich selbst zahlreiche Konstrukte und Luftschlösser zu erbauen, die auf sehr brüchigen Fundamenten stehen. Eine Band, die dies mit kritischen Augen beobachtet, ist Machine Est Mon Coeur. Hinter dem wohlklingenden Namen verbergen sich Bianca Calandra und Gabin Lopez. Gemeinsam wandern die beiden Musiker ausgiebig durch den Dark Pop, indem auch ihr Debütalbum "Dystopium" beheimatet ist.

Ganz seinem Titel entsprechend zeichnet "Dystopium" dunkle auditive Linien und geleitet den Hörer in ein schummriges Refugium, in dem es sich hervorragend Schweigen und Sinnen lässt. Für eine halbe Stunde geht es quer durch einen teils rauen und dann doch wieder ganz zärtlichen Lo-Fi, dem ein Hauch von Unnahbarkeit anhaftet. Vergleiche zu Künstlern wie Soap&Skin scheinen in diesem Zuge angebracht, wobei Machine Est Mon Coeur keineswegs als Kopien fungieren - zu einzigartig ist das, was das Duo in Stücken wie dem schwer atmenden Opener "Grow" oder mystisch leuchtenden Stücken wie "Beam of Fire", "The Sky Is Falling" und "Sweet Memories" fabrizieren. Plötzlich wird einem bewusst, wie viele großartige Künstler es im DIY-Bereich gibt, die ohne große Promo und Unterstützung präsenter Majorlabels auskommen müssen. Vielleicht ist aber auch genau dies der Grund dafür, dass Acts wie Machine Est Mon Coeur frei und ungebunden ihren eigenen akustischen Vorstellungen folgen können, was schließlich zu solch wundervollen Platten wie "Dystopium" führt.



Um abschließend ein wunderschön gearbeitetes CD-Exemplar von Machine Est Mon Coeurs "Dystopium", das uns Revolver Promotion zur Verfügung gestellt hat, sowie ein Button-Set zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Machine Est Mon Coeur" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 15.03.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Machine Est Mon Coeur und "Dystopium" gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Youtube-Channel | Soundcloud-Account

Mittwoch, 11. Februar 2015

Gewinnspiel: KEjNU "Centillion"

Berge, weite Landschaften, Schokolade, Schnee und ein merkwürdiger Akzent - an diese Dinge würde man vermutlich zu allererst denken, wenn es darum geht, die Schweiz näher zu beschreiben. Doch wie hört sich unser alpines Nachbarland eigentlich an? Was bietet die musikalische Szene jenes souveränen Staates im Herzen Europas wirklich? Und welche Bands und Solokünstler sind ihren Heimatstädten, auch über deren Grenzen hinaus, entwachsen? Fragen über Fragen - doch braucht es Antworten! Eine halten wir im Folgenden parat.
KEjNU aus Zürich versuchen aktuell, ihren auditiven Fußabdruck im Kollektivgedächtnis der Independentbranche zu hinterlassen. Hinter dem seltsam anmutenden Namen verbirgt sich der vielseitig talentierte Nuél Schoch, der bei Liveauftritten von den Musikern Alessandro Giannelli, Ramon Ziegler und James Varghese unterstützt wird.  Mit dem heutigen Artikel möchten wir unseren Teil dazu beitragen, KEjNU bekannter zu machen, denn selten waren wir bereits beim ersten Hören von einem Album derart gefesselt, wie es bei "Centillion", dem Zweitwerk der Schweizer, der Fall gewesen ist.

Wer veröffentlicht denn heutzutage bitte noch ein Doppelalbum? Das hat beinahe etwas Blauäugiges, in einer Zeit, in der das Format Longplayer per se schon dem Tode geweiht zu sein scheint und Bands wie Röyksopp bereits ihre Grabreden zu dem Thema verfasst haben. Nur möchten wir uns im Namen all derjenigen, die sich nicht mit ein paar wahllos aneinander gedrängten Tracks innerhalb irgendwelcher Spotify-Playlists zufrieden geben, für dieses Experiment, diesen Funken Rebellion, diesen kleinen Hoffnungsschimmer bedanken. Auf "Centillion" darf Musik noch Raum einnehmen, sich entfalten und in ihrer Gesamtheit eine Aussage formulieren. 2 Tonträger, 20 Tracks, eine Spielzeit von rund 85 Minuten und Coverausmaße, die manches CD-Regal auf die Probe stellen dürften - mit diesen Mitteln bürsten KEjNU ganz bewusst gegen den störrischen Zeitgeist und bringen ihn damit kurz zu Fall. Manchmal ist mehr eben doch mehr. Während Tracks wie "Host", das famose "Boxus / Hood" oder "Candelabra" eine massive Wall Of Sound bauen, die Kollegen wie James Blake seit Jahren zu unterwandern versuchen, ergießen sich "Handyman" oder das herzzerreißende "Inner / Outer" über eine jedwede Hörerseele, wärmen diese vollends auf und hinterlassen ein Gefühl von Glückseligkeit. Darüber hinaus besuchen KEjNU auf "Centillion" ein paar alte Helden und erinnern an frühe Gehversuche von AIR ("Mountaineers"), Radiohead ("Taciturn", "From The Bones"), Muse ("What I Deserve", "November") oder America ("Stormy Eyes"). Doch gibt es auch akustische Wegweiser wie "Silhouettes" und "Egocentrix", die in eine noch recht unberührte Zukunft führen.
"Centillion" mag vielleicht ein Geheimtipp sein und auch bleiben - vom Mainstream verschmäht und vom Underground ignoriert - allerdings kann dieses Album durch eine Qualität überzeugen, die nachdrücklich beeindruckt.

Wir sagen NEIN zur Entschleunigung und JA zu der Fülle und Passion, die KEjNU uns mit "Centillion" geschenkt haben.



Um abschließend eins von zwei CD-Exemplaren des neuen KEjNU Albums "Centillion", die uns Popup Records zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "KEjNU" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 15.02.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
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Viel Erfolg!

Weitere Infos zu KEjNU und "Centillion" gibt es hier:
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Mittwoch, 4. Februar 2015

Gewinnspiel: I'm Not A Band "Oceans"

© by Norman Gadiel
Manchen Bands darf man beim Wachsen zusehen und -hören. Als Stephan Jung vor Jahren I'm Not A Band ins Leben rief, war ihm wohl selbst noch nicht ganz klar, wohin die Reise damit eigentlich gehen würde. Angefacht von seinem unaufhaltsamen Experimentierwillen und begleitet von der Partizipation verschiedener Sängerinnen erschuf der in Berlin lebende Musiker ganz unbedarft ein mit vielen Alleinstellungsmerkmalen versehenes Violinen-Electro-Projekt, das fern von Popacts wie Lindsey Stirling oder David Garrett, jenes klassische Saiteninstrument in ein modernes Gewand zu hüllen verstand. Baute Jung dabei anfangs noch auf die vordergründige Präsenz elektronischer Beats und Sketches, vielleicht auch um Halt im aktuellen Zeitgeist zu finden, legte er diese Gewohnheit zunehmend ab und enthüllte so Stück für Stück die ungefilterte Kraft der Geige. Vorläufiger Höhepunkt ist das Album "Oceans", welches neben eines neuen akustischen Schwerpunkts auch mit ein paar personalpolitischen Änderungen aufzuwarten weiß. Erstmals in der Geschichte von I'm Not A Band gibt es mit Simon Ortmeyer (ebenfalls Frontmann bei The Perfect Pineapple) eine männliche Stimme, die den Gesangspart innerhalb des Duos übernimmt. 

Ein Sprung ins kühle Nass kann belebend sein. Wo "Bandband" noch recht zögerlich an der Klippe zum ausgedehnten Violinenexzess stand, rennt I'm Not A Bands "Oceans" jetzt mit ausgestreckten Armen an seinem Vorgänger vorbei und macht einen weiten Satz in Richtung eines bisher noch unerforschten auditiven Horizonts. Bereits das "Intro" gibt dabei der Geige genug Raum, ihre Magie vollends zu entfalten. In großen Wogen überschwemmt diese den Hörer und zieht ihn zu einem schillernden Klanggrund hinab, an dem Stücke wie "Ocean Heart", "Interlude" oder das finale "Naturae" eine neue Eleganz im Werk von I'm Not A Band beschreiben. Wer nun aber fürchtet, die Band, die laut Namen gar keine sein will, habe an Tanzbarkeit und Ausgeflipptheit verloren, dem seien beispielsweise das mit allerlei technologischem Wunderwerk und Verspieltheit aufgeladene "The Night", das clubtaugliche "Cages" oder das fauchende "Lions" empfohlen. Aber auch die aktuelle Single "Colours", seines Zeichens klares Statement gegen Rassismus, bietet genug Rhythmus, um den Körper in Aufruhr versetzen. Dieser und viele weitere Songs auf "Oceans" machen darüber hinaus deutlich, dass Simon Ortmeyer eine echte Bereicherung für I'm Not A Band darstellt. Denn ob gewollt oder nicht, mit etwas mehr Testosteron an Bord segeln I'm Not A Band zielsicher in Richtung einer vielversprechenden Zukunft. Und so bekommen die Tracks "Into Something New" und "Into Something New Pt. II" einen fast schon prophetischen Beigeschmack.



Um abschließend eins von zwei CD-Exemplaren des neuen I'm Not A Band Albums "Oceans", die uns AdP Records zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

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Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 08.02.2015.
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Mittwoch, 29. Oktober 2014

Gewinnspiel: Stars "No One Is Lost"

© by Shervon Lainez
Wenn die Nacht hereinbricht, fangen die Sterne am Himmel an zu leuchten und funkeln entlang des gesamten Farbspektrums. Ähnliches passiert, wenn man eine der vielen Platten von Stars auflegt. Mithilfe dieser lassen sich nämlich die unterschiedlichsten Gefühlzustände, die ein Mensch durchleben kann, nahezu perfekt vertonen. Von der puren Euphorie bis hin zur leisesten Melancholie - für fast jede Stimmung kann man im Repertoire der kanadischen Band ein passendes Songäquivalent finden. Immerhin haben Torquil Campbell, Amy Millan, Evan Cranley, Chris Seligman und Patrick McGee im Laufe ihres 15-jährigen Bandbestehens eine recht umfangreiche Diskografie angehäuft. Zu dieser gehören neben dem charmanten Debüt "Nightsongs" (2001) auch die gefeierten Alben "Set Yourself On Fire" (2004), "In Our Bedrooms After The War" (2007) oder das opulent aufgeladene "The North" (2012). Schneller als gedacht folgt mit "No One Is Lost" das siebente Studioalbum des Quintetts.

Der Umgang mit Verlust und ausschweifende Partystimmung - was einen recht konträren Eindruck macht, erfährt auf "No One Is Lost" die direkte Nähe zueinander. Nachdem sich auf jede der bisherigen Platten der Stars auch immer wieder private Themen mogeln konnten, blieb auch ihr neustes Werk von den alltäglichen Geschehnissen der fünf Bandmitglieder nicht unbeeindruckt. Auch wenn der Plan ursprünglich einmal den Verzicht darauf vorsah. Zur Produktion der elf neuen Stücke machte es sich das Erfolgsgespann in den ehemaligen Proberäumen der Handsome Furs in Montreal gemütlich. Eine Etage weiter unten tobte derweil das Leben im Club The Royal Phoenix. Während ein vorrangig homosexuelles Publikum sich dort der völligen Ekstase hingab, ließen sich Stars von den sanften Impulsen anstecken, die durch den Boden ihres neuen Domizils drangen... oder waren das nur die Beats aus den Anlagen des Royal Phoenix? Feststeht, dass "No One Is Lost" ein loderndes und buntes Album geworden ist. Kleine Einsprecher geleiten in kontinuierlichen Abständen zu Synthieexplosionen und wummernden Drum-Beat-Passagen, wie zum Beispiel beim hymnenartigen Opener "From The Night", dem schillernden "You Keep Coming Up" oder dem rockigen "Trap Door". Zwischen die vorangig im Up-Tempo-Bereich verorteten Titel mischen sich aber - ganz nach alter Stars-Manier - auch immer wieder gediegenere Tracks. So entzücken vor allem "No Better Place" und das von einem scheppernden Klavier getragene "What Is To Be Done?" durch ihren nachdenklichen Charakter. Nicht unerwähnt sollte auch das infantile "Turn It Up" bleiben das M.I.A.s "Paper Planes" echte Konkurrenz macht.
"No One Is Lost" schafft es, die Herzen seiner Hörer auch im langsam fröstelnden Herbst noch einmal gehörig anzufeuern.



Um abschließend ein CD-Exemplare von Stars "No One Is Lost", das uns PIAS Germany zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

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Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 02.11.2014.
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Freitag, 24. Oktober 2014

Album-Vorstellung: Lamb "Backspace Unwind"

© by Strata
Irgendwann hatten sie genug - genug von all der Verschwendung, die das musikalische Verständnis der Neunziger durchzog wie ein roter Faden. Lou Rhodes und Andy Barlow gründeten ihr Duo Lamb zu einer Zeit, als das Geschäft mit Tonträgern noch wirklich florierte. Newcomern wurden damals Unsummen zur Verfügung gestellt, damit sie an ihren Alben arbeiten konnten. Dabei war jedoch nicht immer der Weg das Ziel, sondern oft nur die Pflastersteine von Belangen, die eben diesen zierten. Wen wundert es da, dass zahlreiche Künstler abhoben wie Düsenjäger, die keine Limits mehr kennen, und völlig den Bezug zum Boden der Tatsachen verloren? Nur eine Handvoll dieser befeuerten Talente schaffte tatsächlich den Flug über die Millenniumswende hinweg - der Rest scheiterte irgendwann an der eigenen Maßlosigkeit oder der Tatsache, das auch Ruhm vergänglich ist. Selbst die recht gefestigten Mitglieder von Lamb blieben nicht unbeeindruckt von den Erfolgen, die sie mit ihren Platten verzeichnen durften. Nur kam es auch bei ihnen zum Kollaps und eine Pause musste her. Während sich Lou und Andy in den darauf folgenden Jahren auf neue Projekte konzentrierten, keimte Verlangen, sich eines Tages wieder im Studio treffen zu wollen, jedoch stetig weiter. Das führte 2011 zu "5" und nun zu "Backspace Unwind".

Man kann Lamb wohl nichts mehr vormachen - ihr sechstes Studioalbum "Backspace Unwind" ist ein Geniestreich. Und zwar einer, der mit jedem Hördurchgang außergewöhnlicher und prächtiger wird. Als gestandene Musiker enthüllen Lou Rhodes und Andy Barlow darauf zehn Tracks, die von den Erfahrungen der beiden Individualisten leben und zehren. "In Binary" eröffnet die Platte mit dröhnenden Synthies und donnernden Beats. Doch bereits in der Sekunde, in der Lous markanter Gesang zum ersten Mal hinzukommt, wird das akustische Chaos von einer sanften Wärme durchdrungen, die gleichzeitig als Anker des Stückes fungiert. "We Fall In Love" baut darauf auf und zeigt, dass Lamb entgegen ihres Rufs kein Trip-Hop- sondern vielmehr ein experimentierfreudiger Drum'n'Bass-Act sind - einer, der sich eben gerne organischer Elemente bedient. Und genau diese fließen dann in Songs wie "As Satellite Go By", "What Makes Us Human" oder die beiden Endtracks "Doves & Ravens" und "Only Our Skin" derart sensibel ein, dass sich beim Hörer sofort ein Gefühl von Behaglichkeit einstellt. Im Kontrast dazu stehen kantigere Nummern wie "Seven Sails" oder das basslastige "Shines Like This". "Nobody Else" hingegen wird zum sinnlich säuselnden Electro-Walzer und das titelgebende "Backspace Unwind" fasst ganz beiläufig zusammen, wofür Lamb 2014 stehen: Harmonie.




Freitag, 17. Oktober 2014

Album-Vorstellung: New Build "Pour It On"

© by Sunday Best
Etwas Neues zu erbauen bedarf Mut, Kraft und einer Vision. Al Doyle, Felix Martin und Tom Hopkins scheinen all diese Dinge bedacht zu haben, als sie sich 2011 dazu entscheiden, das Projekt New Build zu gründen. Fern dessen, was sie erfolgreich gemacht hat - und das bedeutet vor allem in Doyles und Martins Fall die Band Hot Chip - wagen sich die drei Musiker dabei auf eine ungewisse Reise, die sie schließlich zu der Produktion des Debütalbums "Yesterday Was Lived And Lost" (2012) führt. Trotz Beat-Finesse und Synthieverspieltheit will es der Platte jedoch nicht gelingen, an die Komplexität anderer Indietronica-Künstler anzuschließen und so bleibt sie im allgemeinen Wettbewerb sogar fast ein wenig auf der Strecke liegen. Was hilft da? Aufstehen, weitermachen und das Tempo anziehen! Und genau das tun New Build nun auf ihrem Zweitwerk "Pour It On".


"The Sunlight" setzt den Startpunkt für "Pour It On" und mausert sich binnen kürzester Zeit vom verträumten Electroliebelein zur psychedelisch-aufgeheizten Hymne. Im Anschluss beschleunigen Stücke wie "Look In Vain", "Your Arrival" oder "Strange Network" den Puls und bedienen sich des Erfolgsrezepts, das bereits bei Kompositionen von Acts wie Hercules and Love Affair oder John Grant zu Begeisterungsstürmen aufseiten all der musikalischen Punktrichter führen konnte. Mit zehn Titeln ist "Pour It On" deutlich kürzer als sein Vorgänger "Yesterday Was Lived And Lost" und verliert sich somit auch nicht in der Fülle der aneinandergereihten Tracks. Fokussierter und spitzer wirken Stücke wie "Luminous Freedom" oder "Different Kind", das durch einen ihm zugrunde liegenden Neunziger-Gamesound überrascht. Auf der Zielgeraden sorgt dann die wirklich schöne Ballade "Witness" noch für einen kurzen Verschnaufer, bevor das titelgebende "Pour It On" zum euphorischen Klangfeuerwerk ansetzt. New Build haben an den richtigen Reglern gedreht und mit "Pour It On" ein starkes zweites Album produziert.



Mittwoch, 15. Oktober 2014

Gewinnspiel: The Ting Tings "Super Critical"

© by Pablo Axpe
Ist "Einen hab ich noch..." tatsächlich schon so alt geworden, dass wir nun die ersten Nachfolgealben zu jenen Platten präsentieren dürfen, deren Reviews unsere ersten Blog-Einträge bildeten? Ja! Im Februar 2012 veröffentlichten The Ting Tings ihr Zweitwerk "Sounds From Nowheresville", das zwar nicht an den Erfolg ihres Debüts "We Started Nothing" (2008) anknüpfen konnte, dennoch aber recht gut als kurzweiliges Hörvergnügen funktionierte. Nachdem sich Katie White und Jules De Martino auf "Sounds From Nowheresville" vom Indiepop klar in eine kantigere und alternativere Richtung bewegt hatten, wagen sie nun mit "Super Critical" den Sprung unter die Discokugel. Passenderweise entstanden die neun neuen Songs dann auch noch auf Europas Partyinsel Ibiza. Aufgetankt von der Sonne des Mittelmeers und mit einer ordentlichen Portion Glitzer versehen wirkt "Super Critical" zugänglicher als die Tür vieler Nachtclubs.

Man muss fast ein wenig an Kelis "Sould Food" denken, wenn "Super Critical" das gleichnamige Album von The Ting Tings eröffnet. Funkige Trompetenchöre, ein vom Groove angeheizter Beat und dazu der betont lässige Gesang von Katie White - all diese Elemente haben wenig mit dem Sound zu tun, den man von The Ting Tings langläufig gewohnt war. Doch wollte das Duo mit "Super Critical" eben ganz bewusst zu den Anfängen der elektronischen Tanzmusik zurückkehren, die in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern zu verorten sind. Titel wie "Wrong Club", "Doi It Again" oder "Green Poison" klingen dann wie tonale Abziehbilder eines Frankie Knuckles oder einer gerade populär werdenden Blondie. Nur wo bleiben da The Ting Tings? Haben sie sich hinter dem fast schon nervtötend dancigen "Failure", dem mit Kinderschrei-Samples versehenen "Daughter" oder der Zuckerwatten-Ballade "Wabi Sabi" versteckt? Die Konzeptlastigkeit von "Super Critical" raubt der Platte leider ein wenig ihre Glaubwürdigkeit, auch wenn sie prinzipiell zum Mitwippen animiert.



Um abschließend ein CD-Exemplare von The Ting Tings "Super Critical", das uns PIAS Germany zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "The Ting Tings" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 19.10.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

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Freitag, 26. September 2014

EP-Vorstellung: Cancer "Ragazzi"

Zum ersten Mal trafen sich Nikolaj Manuel Vonsild und Kristian Finne Kristensen am Flughafen von Oslo. Nachdem beide unabhängig voneinander auf demselben Festival performt hatten, endeten sie irgendwann in der Abflughalle des Airports, wo sie darauf warteten, zurück nach Hause fliegen zu können. Der Frontmann der Band When Saints Go Machine und das Gesicht hinter dem Projekt Chorus Grant wechselten nur wenige Worte an diesem Tag, obwohl sie Stunden lang Seite an Seite gesessen hatten. Irgendwann später führte es die Herren dann aber erneut zusammen und sie begannen, mehr und mehr Zeit miteinander zu verbringen. Wie es bei Musikern so üblich ist, blieb es dabei jedoch nicht bei einem kühlen Bier oder einem Gespräch über die Eigenheiten des Wetters. Schnell wurden Mikrofone und Instrumente hervorgekramt, um ein wenig mit Sounds herumexperimentieren zu können. Natürlich ganz unverfänglich, planlos und ohne ein genaues Ziel vor den Augen zu haben. Dass die dabei entstandenen Skizzen jedoch nicht einfach wieder verworfen werden würden, hätte Vonsild und Kristensen wohl klar sein können.

Im Dezember des letzten Jahres fanden sich die Männer folgerichtig in einem Studio in Kopenhagen ein und begannen, ihre tonalen Entwürfe weiterzuentwickeln. Die EP "Ragazzi" ist schließlich das Produkt dreier Tage, innerhalb derer sich Kristensen und Vonsild ganz auf die Neugier verließen, herausfinden zu wollen, wohin ein einzelner Riff, eine unfertige Melodie oder ein kryptischer Wortfetzen sie führen könnte. Als Cancer präsentiert das Duo die Auswüchse dessen nun erstmals digital und auf Vinyl. "Age of Pinballs", das Eröffnungsstück der "Ragazzi"-EP, vereint warme Folkeinflüsse mit starren Electroparts und stellt damit gleich zu Anfang klar, dass Cancers Klangkosmos wohl eher diffus als sternenklar sein dürfte. Desweiteren treffen Vonsilds androgyne Falsettgesänge, für die der Sänger von jeher bekannt ist, auf die etwas kräftigere Stimme Kristensens, was zu einer Art Erdung führt. "FKA IP" zelebriert derweil eine akustische Ästhetik, die man sonst vielleicht Pink Floyd hätte zuschreiben wollen. Nicht minder hartnäckig, was das Aufbrechen gängiger Liedstrukturen betrifft, zeigen sich auch "Same Color As Digital Photography", das kühle "Hunting Large Cats From Helicopter" oder "Body On The Bones". "Hot Snake Dead Boy" - man muss hir noch kurz anmerken, dass alle Titel völlig unabhängig von den Texten der jeweiligen Songs zu sein scheinen - fungiert dann als kleine Nachtmusik und beendet "Ragazzi" mit einem sanften Kuss.
Wenn man erfährt, dass Cancer anstreben, aus ihrem einmaligen Rendez-Vous eine echte Romanze zu entwickeln, stimmt das euphorisch - bietet "Ragazzi" doch einen wunderbaren Gegenentwurf zu all dem uncharismatischen Radiopop.



Mittwoch, 24. September 2014

Gewinnspiel: Vittoria Fleet "Acht LP"

© by Evert Taihuttu
Zurückgehen. Zurückgehen zu dem Moment, indem man ein Album zum allerersten Mal abgespielt hat - Wie unglaublich wäre das? Erneut jene Empfindungen spüren zu dürfen, die einst den gesamten Körper durchfahren und ihn völlig vereinnahmt haben. Gänsehaut, ein Kribbeln in den Fingern, während man die Lautstärke aufdreht, ein Blitzen und Funken zwischen den Ohrmuscheln. Noch ist die Zeitmaschine ein reines Hirngespinst der Wissenschaft. Uns Menschen ist es bis dato nicht gelungen, Geschehenes abermals zu durchleben. Oder etwa doch? Es ist das in Berlin lebende Duo Vittoria Fleet, das die Gesetzte der Physik aktuell auf den Kopf stellt, und zwar mit ihrem Debüt "Acht LP". Viele Geheimnisse ranken sich um Allan Shotter und seine Kollegin Giada Zerbo. Auf Fotos zeigen sich die Musiker schemenhaft und verschwommen, Informationen über sie in Erfahrung bringen zu wollen, gleicht ein wenig der Suche nach dem Heiligen Gral, und doch sind sie wahnsinnig präsent. Nämlich in ihren Songs. Mit diesen gelingt Vittoria Fleet das Unvorstellbare. Sie führen uns zurück zu Lambs "Lamb" (1996) und Mandalays "Empathy" (1998), sprich in die Tiefen jenes Trip-Hops, der durch Drum'n'Bass-Einflüsse gekennzeichnet war.

Rewind - eine starke Emotion wächst im Bauch heran. Es öffnet sich die Tür zu einer neuen Welt. Nein, einer alten Welt. Einer Welt, die man vor fast zwanzig Jahren schon mit "Lusty" oder "This Life", den Eröffnungsstücken der eben erwähnten Platten, betreten hatte. Nur ist es Vittoria Fleets "Acht", das jetzt als Schlüssel fungiert. Plötzlich stellt sich ein vertrautes Gefühl ein. Das flirrende "Uncocealed" heißt uns willkommen in einem weiß leuchtenden Sound-Universum. "Acht LP" ist ein Ausnahmewerk. Binnen weniger Takte zerspringt das Hier und Jetzt und löst sich beinahe vollkommen auf. Der Hörer schwebt durch ein Kontinuum aus Raum und Zeit. Alles ist vergessen und gedacht zugleich. "Frida" zerrt an der Realität, "Could Be Something" entsendet züngelnde Wellen in die Unendlichkeit, das Interlude "Good Morning Gesundbrunnen" zelebriert die Klarheit des Moments und "Hunger" entwirft eine kreischende Zukunftsvision. Vittoria Fleet verstecken sich nicht hinter ihren Kompositionen. Im Gegenteil. Sie nutzen diese als abstraktes Ausdrucksmittel, als Weg zum Ziel. Jeder kleinste akustische Impuls ist deutlich wahrnehmbar und sticht das Unterbewusstsein wie eine feine Akupunkturnadel. Ob "In Winter", das statische "It Begins", sein knisternder Nachfolger "We'll Wait", "David" oder das finale "Savuca Redux" - "Acht LP" hält, was sein Cover verspricht: einen Ausflug zur Schnittkante zwischen Himmel und Erde.



Um abschließend eins von zwei CD-Exemplaren des Albums "Acht LP", die uns n5MD zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Vittoria Fleet" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 28.09.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

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Facebookseite | Soundcloud-Account | Künstlerseite bei n5MD

Mittwoch, 9. Juli 2014

Gewinnspiel: Single-Paket von AdP Records

Die CD-Single stirbt. In Zeiten, in denen kaum noch Geld mit physischen Musikprodukten gemacht werden kann und sich selbst Downloads, aufgrund des akustischen Überangebots und starker digitaler Piraterie, nur allzu schleppend verkaufen, hat ein Medium wie die CD-Single keine Chance mehr. Und das, wo sie doch den Großteil von uns durch Kindheit und Pubertät begleitet hat. Wir wollen heute den Abgesang des runden Silberlings feiern und haben uns dazu erneut das Kulmbacher Label AdP Records an unsere Seite geholt. Werfen wir nun also ein Ohr auf insgesamt drei Releases, die es am Ende dieses Artikels, in einem sehr umfangreichen Gewinnspiel, zu ergattern geben wird.

Showhypnosen erfreuen sich mehr und mehr an Beliebtheit. Wer allerdings gern auf die Nebenwirkungen dieses gefährlichen Trends verzichten würde, ohne dabei jedoch Abstriche machen zu müssen, was die Faszination einer solchen Intervention betrifft, der ist mit Wrongkongs Single "My Dearest Enemy" gut beraten. Ursprünglich entstammt das Stück dem 2012er Album "So Electric", mit dem sich die fränkisch-kanadische Formation auch hierzulande einen Namen machen konnte. Auf der entsprechenden 5-Track-Single zu "My Dearest Enemy" findet der Hörer neben der Originalversion des Songs auch zwei Remixe, die die Discotauglichkeit von Cyrena Dunbar und ihren Kollegen unter Beweis stellen. Doch als wäre das nicht genug, fungieren die beiden B-Seiten "Frontier" und "Speed Of Light" als zusätzlicher akustischer Leckerbissen.



Etwas unaufgeräumter als bei Wrongkongs "My Dearest Enemy" geht es bei Dadajugend Polyforms "You Just Got Recorded" zu. Mit einem Mash-Up aus Indierock, Synthiepop und Electropunk rollt das Herrentrio über die akustische Schotterpiste. Auch bei der B-Seite "Wasted Maturation", die es ebenfalls auf die passende 6-Track-Single geschafft hat, ist der eine oder andere Kratzer auf dem Trommelfell vorprogrammiert. Nichts für Weicheier also. Freunde von Bands wie Bonaparte hingegen dürften sich freuen, und zwar auch über die vier Remixe, die "You Just Got Recorded" auf die Tanzfläche entführen. Da werden im übertragenen Sinne die Skatervans gerne mal gegen glitzernde Chucks ausgetauscht.



Last but not least hätten wir mit Drownsodas "Last Summer Breath" statt einer Single dann doch noch eine echte EP im Angebot. Der Eröffnungstrack "Teenage Thinking" lässt kurz an The Notwist denken, "Souveniers" verschreibt sich Noise und Electro, "Love For Real" hätte es gern als sanftes Interlude auf das Debütalbum von I Heart Sharks geschafft, "Method To Stay Alive" huldigt einer sperrigen Eighties-Klangästhetik und das titelgebende "Last Summer Breath" schickt den Hörer auf eine Zeitreise, dessen letzter Halt der von den eben erwähnten Dadajugend Polyform produzierte Remix des gleichnamigen Stückes ist.



CD-Singles - werdet ihr sie vermissen? Beantwortet uns diese Frage bis spätestens kommenden Sonntag, den 13.07.2014, und gewinnt mit etwas Glück eins von drei Single-Paketen, die alle der eben vorgestellten CDs enthalten. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 09.07.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Single-Paket" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zu AdP Records und den erwähnten Künstlern gibt es hier:
Offizielle Website von AdP  | Offizielle Website von Wrongkong | Dadajugend Polyform bei Facebook | Drownsoda bei Facebook

Freitag, 4. Juli 2014

EP-Vorstellung: Phoria "Display" (+ Interview)

Phoria
Musik ist ein Rätsel. Ein Geheimnis, dem schon zahlreiche Generationen von Menschen verfallen sind, nur um schlussendlich an der Tatsache zu scheitern, dass dieses Mysterium wohl nie vollständig ergründet werden kann. Ein paar Jungs aus dem englischen Brighton scheinen dies hingegen verstanden zu haben. Seryn Burden, Tim Douglas, Jeb Hardwick, Trewin Howard und Ed Sanderson gründeten vor Jahren die Band Phoria und folgen seitdem unbeirrt ihren Instinkten und Gefühlen, wenn es darum geht, Songs zu schreiben. Als Ergebnis präsentierte das Quintett 2010 seine Debüt-EP "Yourself Still" und im letzten Jahr eine weitere Sammlung von fünf einzigartigen, ja beinahe schon majestätischen, Soundgebilden, die sich unter dem NamenBloodworks“ vereinten. 2014 ist es Zeit für eine weitere Veröffentlichung. Die EP „Display“ erscheint heute auf dem Berliner Label Humming Records.

"Display"
Wo „Bloodworks“ mit dem finalen Stück „Posture“ der Apokalypse entgegenritt, greift „Display“ den Schwung seines Vorgängers auf und hebt ihn auf eine neue akustische Ebene. „Emanante“, der Opener der EP, entzündet die Platte mit der Behutsamkeit eines Streichholzes. Sanft züngeln seine Flammen, bis die Umgebung jedoch Feuer fängt. Plötzlich findet sich der Hörer in einem hitzigen Inferno wieder, bei dem monumentale Songstrukturen einstürzen wie Kartenhäuser. In der Verwüstung des Augenblicks wird „Undone“ geboren - ein zartes, anmutiges Stück. Dream Pop, Shoegaze und Postrock zeigen sich dabei von ihrer reinsten Seite. Ein wenig an Thom Yorkes „Black Swan“ erinnert hingegen „Atomic“, der Folgetrack. Phoria beweisen erneut ihr Gespür für interessante Melodien und unerwartete auditive Wendungen. Selten hat man Originalität derart spüren können. Während die Gänsehautwellen nicht abebben wollen, läutet „Efforttobreathe“ das gedämpfte Finale der "Display"-EP ein - sozusagen als Ruhe nach dem Sturm.



Unsere Redaktion ist hin und weg von der Finesse und gleichzeitigen Wucht, die Phoria auf ihrer zweiten EP ausbreiten. Selten hat uns ein Werk auf Anhieb derart gut gefallen und so prognostizieren wir der Band gern eine aussichtsreiche Zukunft.

Da es noch relativ wenig Informationen zu Phoria gibt, ließen wir uns zudem die Gelegenheit nicht entgehen, den Herren selbst ein paar Fragen zu stellen. Genauso undurchsichtig wie die Musik der Gruppe fielen allerdings auch die Antworten aus, die uns Bassist Tim Douglas zurücksandte. Vielleicht gilt es, zwischen den Zeilen zu lesen.
 
Wer steckt hinter Phoria?

Alle anderen! 

Wie kam es zur Gründung von Phoria? 

Wir lernten uns in Brighton kennen, wo wir auch jetzt noch leben, aber unsere Beziehungen reichen Jahre zurück. Trewin, Ed und Jeb gingen in die gleiche Vorschule. Sie lernten ihre ersten Instrumente gemeinsam, spielten vermutlich gemeinsam mit Spielzeugautos und tuschelten zusammen über Mädchen. Ihre Verbindung ist der Kern der Band. Sie haben ein tiefes Verständnis füreinander, weil sie sich gegenseitig in der Ausprägung ihres Geschmackes beeinflusst haben.  Ich traf Ed und Jeb an der Uni, wo wir dank einer gemeinsamen Liebe für verrückte Gitarren und laute Rockmusik, zu der du deinen Kopf demolieren kannst, zusammenfanden. Wir blieben in Kontakt, und nachdem ich ein paar Jahre lang Blues-Cover im Südwesten zum Besten gegeben hatte, kam ich zurück nach Brighton, um dort Bass in einer Progressive-Pop-Band zu spielen. Es ist seltsam, wie Dinge passieren und wie zufällige Umstände deine Entwicklung beeinflussen können.

Warum habt ihr euch für Phoria als Bandnamen entschieden? 

Ich weiß nicht mehr, ob wir zuerst das Logo designten oder einen Namen fanden und dann den Stil anpassten. Auf jeden Fall sah Phoria geschrieben gut aus. Zudem beschwört Phoria ein Gefühl herauf. Irgendwie funktionierte der Name einfach. Bandnamen sind das Schwierigste. Dass es überhaupt irgendeine Gruppe schafft, einen zu wählen, das ist für sich genommen schon ein Wunder!

Verfolgt ihr eine bestimmte Philosophie? 

Ehrlichkeit. Eleganz. Spaß. Generell ist das aber eher eine Annäherung hin zu sich selbst und allem, was zur Musik gehört, als eine bestimmte Philosophie. Trewin schrieb mal ein paar Punkte für Seryn auf, wie man dem Musikmachen nahekommen könnte. Ich heftete diese an eine Wand und machte ein Foto mit meinem Handy, damit auch ich sie künftig haben würde. Die Punkte sind simpel, aber sie funktionieren. Der Junge hat ein Talent dafür, komplexe Ideen auf ihre Essenz herunterzubrechen. Minimale Komplexität. Mit wenig erreichst du viel. Wie hört sich das an? Großartig, oder?

Wie würdest du selbst den Sound eurer neuen EP „Display“ beschreiben? 

Da gibt es Bässe, Drums, Gitarren und Synthesizer. Und Gesang. Kennt ihr das Gefühl, wenn man an einem heißen Tag in einen eiskalten Pool geht und an der Stelle, wo die Wasseroberfläche deinen Körper umschließt, eine Taubheit entsteht? Nur was will er uns damit sagen?  

Inwiefern ist „Display” anders als eure letzte EP „Bloodworks“? 

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr glaube ich, dass sie ein wenig schmutziger ist. Wir selbst werden zunehmend verbrauchter, jetzt wo der Alltag als Musiker langsam seine Opfer fordert und ich denke, das spiegelt sich hier wieder. Es geht mehr um die Schönheit einer Stadt bei Nacht als um die Schönheit eines brennenden Sternes in irgendeiner vernachlässigten Ecke des Universums, worum es sich aber etwas mehr bei „Bloodworks“ drehte. Wir sind gewachsen.

Welche Geschichte steckt hinter dem Stück Emanante

Das kann ich nicht sagen. Wirklich nicht. Ich höre im Moment Eartha Kitt und wollte gerade pausieren, um „Emanante“ anzumachen und zu versuchen, wirklich einzutauchen, damit ich erzählen kann, worum es meiner Meinung nach geht und woher der Track entstammt, aber ich kann das nicht. Ich bin da wohl der Falsche. Außerdem ist es egal, was dahinter steckt. Stellt euch vor, ihr würdet denken, es ginge um Liebe und Glück und dann würde ich sagen, der Song erzähle vom Verlieren beim Golfen. Was bringt es? Trefft mich an einem anderen Tag und ich kann mich eventuell darauf einlassen, aber ihr hattet leider Pech.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Gewinnspiel: Alexis Taylor "Await Barbarians"

Alexis Taylor
Eine Band besteht aus mehreren Einzelteilen, mehreren Musikern. Sie alle tragen eigene Klangvorstellungen und -visionen in sich, die bei einer gleichberechtigten Kapelle stets Berücksichtigung finden und auf kollegiale Art und Weise miteinander verbunden werden. Doch kommt es schon einmal vor, dass selbst bei dem eingeschworensten Kollektiv, einzelne Mitglieder hin und wieder ihre persönlichen Grenzen ausloten möchten. Beziehungsweise kompromisslos dem eigenen Geschmack folgen wollen. Bei der britischen Synthpop-Sensation Hot Chip sind solch akustischen Alleingänge absolut vereinbar mit der herrschenden Personalpolitik. Nachdem sich Al Goyle und Felix Martin 2012 mit ihrem Projekt New Build kurzzeitig separiert hatten, wagte nun auch Sänger Alexis Taylor erneut den Sprung ins kalte Wasser und veröffentlichte mit "Await Barbarians" sein zweites Soloalbum.
Alexis kennt die Musikbranche wie seine Westentasche. Als Plattenverkäufer begann er vor Jahren seine Karriere in einem Londoner Musikshop und baute sich schnell ein weitreichendes Netzwerk auf. Irgendwann brachte er dann allen Mut zusammen und verteilte eigene Demos an befreundete Ladenbesitzer. Das führte zur ersten Veröffentlichung von Hot Chip, der "Mexico EP". Heute zählt das Quintett zu den gefeiertsten Exportschlagern des englischen Königreichs. Mit einer Mischung aus Up-Tempo-Nummern und bittersüßen Balladen behaupten sich Hot Chip konsequent auf dem immer größer werdenden Markt.


"Await Barbarians"
Träume sind die Grundlage für das Songwriting von "Await Barbarians" gewesen, berichtet Alexis Taylor in einem exklusiven Interview bei Kultmucke. Und tatsächlich bieten die zwölf Stücke der Platte eine herrlich zerstreute Kulisse, welche von sanften Soundwogen und melancholischen Gesängen durchzogen ist. Gedankenversunken besinnt sich Alexis Taylor dabei auf die Aussagekraft ruhiger Melodien, begeisterten doch auch bei Hot Chip meist die liebevoll aufpolierten Balladen. Eingeleitet von "Lazy Bones", das irgendwie an den Endsoundtrack eines Nintendo-Spiels aus den Neunzigern erinnert, durchläuft "Await Barbarians" in der Folge sämtliche akustische Graustufen. Mal hell weiß leuchtend, wie bei den beiden Versionen von "Without A Crutch", und dann wieder dunkel und der Nacht huldigend ("Dolly And Porter", "Elvis Has Left The Building"). Kleine dezente Synthiespielereien sorgen derweil für Abwechslung ("Closer To The Elderly", "New Hours", "Where Would I Be?"), wohingegen sich "Piano Ducks" und "Am I Not A Soldier?" komplett dem Lo-Fi verschrieben haben. "Await Barbarians" schafft es trotz seines gediegenen Tempos, Fahrt aufzunehmen. Eine rundum gelungene Platte!



Welche Soloprojekte von Musikern, die sonst erfolgreichen Bands angehören, gefallen euch besonders gut? Verratet uns dies bis spätestens kommenden Sonntag, den 06.07.2014, und gewinnt mit etwas Glück ein CD-Exemplar von Alexis Taylors "Await Barbarians", das uns Domino Deutschland zur Verfügung gestellt hat. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 02.07.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Alexis Taylor" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zu Alexis Taylor gibt es hier:
Offizielle Website | Interview mit Alexis Taylor bei Kultmucke
 

Freitag, 23. Mai 2014

Album-Vorstellung: Hercules & Love Affair "The Feast Of The Broken Heart"

Andrew Butler
Wenn der New Yorker DJ Andrew Butler zum Appell bei seinem House-Projekt Hercules & Love Affair ruft, treten regelmäßig die gefragtesten Stimmen der Independentszene in Reih und Glied an, um dem rothaarigen Grooveexperten mit ihren Kollaborationen zu erfreuen. Ob Anthony Hegarty, der 2008 unter anderem mit "Blind" auf das Debüt der Band aufmerksam machte, oder auch Bloc Partys Kele Okereke, welcher auf dem Nachfolgealbum "Blue Songs" (2011) zu hören ist - Butler hat ein Händchen dafür, Gastsänger zu rekrutieren. So verwundert es keineswegs, dass er wieder einmal alles daran gesetzt hat, um auch für seinen neusten Streich, "The Feast Of The Broken Heart", ein paar farbenfrohe Paradiesvögel mit beatlastigem Futter zu locken. Rouge Mary, Gustaph, Krystle Warren und der amerikanische Songwriter John Grant kamen allesamt herbeigeflogen und begeistern nun durch ihre einzigartigen Beiträge innerhalb der zehn neuen Tracks der Scheibe.

"The Feast Of The Broken Heart"
Inspiriert von Größen wie dem jüngst verstorbenen Frankie Knuckles oder der Ikone Marshall Jefferson orientieren sich Butler und seine Kollegen von Hercules & Love Affair bei ihren Songs mit Vorliebe an der Discomusik der späten Siebziger und Achtziger. Funky und elektrifiziert geht es demnach auch auf "The Feast Of The Broken Heart" zu. Bereits das Cover, welche eine durch die LSD-Brille betrachtete Szene aus den Flintstones darstellen könnte, macht deutlich, dass die Platte allerhand bunte Spitzen zu bieten hat. Und in der Tat wumst bereits der Opener "Hercules Theme 2014", eine Neuauflage des gleichnamigen Stückes von 2008, zielsicher aus den Boxen. Das Zucken sämtlicher Gliedmaßen scheint vorprogrammiert und so entspannen sich die Muskeln erst dann wieder, wenn das letzte Stück "The Key", eine laszive Hymne, seine Runden gedreht hat - zu mitreißend, zu explosiv sind Songs wie "My Offence" oder "Think". Neben dem herrlich eingängigen "Do You Feel The Same" zählen vor allem die beiden von John Grant eingesungenen Tracks "I Try To Talk To You" und "Liberty" zu den besonderen Highlights auf "The Feast Of The Broken Heart". Hat der 1968 geborene Sänger auf seinem letzten Album "Pale Green Ghost" schon gezeigt, dass er durchaus Material für eine ausgelassene Partynacht abliefern kann, wagt er sich nun erneut in die vom Stroboskoplicht erhellte Discowelt.
"The Feast Of The Broken Heart" ist ein fröhliches Album, das mit Statements gegen Homophobie und Andersartigkeit die Engstirnigkeit vieler Zeitgenossen bekämpft.


Freitag, 25. April 2014

Album-Vorstellung: FM Belfast "Brighter Days"

FM Belfast
Bunt, aufgedreht und fröhlich. Als Knallbonbon der isländischen Musikszene haben sich FM Belfast seit ihrer Gründung im Jahr 2005 etablieren können. Aber auch weit über die Grenzen des Inselstaates hinaus schätzt man Árni Rúnar Hlöðversson, Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir und ihr Gefolge für ihre unbändige Vitalität und Ausgelassenheit. Wer einmal ein Konzert der Band besucht hat, der wird dies nur schwer wieder vergessen können. Da kraucht das Publikum schon mal über den Boden, springt kräftig in die Luft, wird mit Konfetti beschossen oder singt lauthals im Chor, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Auftritte von FM Belfast sind legendär. Kein Wunder also, dass sie mühelos große Hallen fern der eigenen Heimat zu füllen vermögen. Im Gepäck hat die Formation dabei stets ein Sammelsurium an erquicklichen Sounds, die sowohl aus den Genres Electro, Pop und Indierock stammen. Selbst Tanzmuffel können da meist nicht widerstehen und fangen schon nach wenigen Takten an, mit ihrem Popo zu wackeln und den Kopf munter auf und ab zu bewegen. Nachdem sie sich 2008 mit ihrem Debüt "How To Make Friends" erste Freunde gemacht haben, und drei Jahre später mit "Don't Want To Sleep" erklärten, dass sie noch lange nicht müde seien, wird es für FM Belfast nun Zeit für bessere Tage. Bessere Tage? Wie soll man das nach diesem Karrierestart denn verstehen? Nun, sehen wir es als augenzwinkernde Floskel, denn schön war die Zeit mit FM Belfast schon immer.

"Brighter Days"
"Brighter Days" heißt, wie zuvor angedeutet, das dritte Werk von FM Belfast. Und allen Regeln in Bezug auf Abwechslung zu trotz, bleibt die Truppe dabei ihrer Devise treu und bestückt die Platte selbstsicher mit einer weiteren Aneinanderreihung von Up-Tempo-Nummern. Allesamt buhlen diese um den Hüftschwung ihrer Zuhörer. Bei vielen anderen Acts wäre diese Hartnäckigkeit, am eigenen Stil festzuhalten, wohl schiefgegangen oder hätte zumindest zu einer gewissen Langeweile geführt, bei FM Belfst wird aus der Pflicht jedoch schnell eine Kür, die beweist, dass Musik von solch sprudelnder Energie keine Erschöpfung kennt. Ob das titelgebende Eröffnungsstück "Brigther Days", das kribbelnde "Ears" oder das schnippige "Non Believer" - die zehn Tracks auf der neuen Scheibe haben verstanden, wie Tanzmusik im Jahre 2014 klingen muss. Selbst, wenn man dann doch kurz schmunzeln muss, während der fast schlagerartige Beat von "The End" auf eine gewisse Nineties-Ästhetik trifft, irgendwie funktioniert diese seltsame Kombination dann am Ende doch wieder. Dürfen FM Belfast denn alles? Mhm, mit der geballten Kraft erfahrener Musiker - die Mitglieder sind, wie Múms Örvar Þóreyjarson Smárason, schließlich alle noch in andere erfolgreichen Projekte involviert - scheint man auf jeden Fall eine gewisse Narrenfreiheit genießen zu dürfen. Drehen wir nun also die Volume-Knöpfe unserer Anlagen bis zum Anschlag und feiern genüsslich Songs wie das schrille "DeLorean". Traurig sein kann man auch noch wann anders!


Freitag, 11. April 2014

Album-Vorstellung: Farewell Dear Ghost "We Colour The Night"

Farewell Dear Ghost
Als kleine Kinder hatten wohl viele von uns Angst vor übernatürlichen Wesen, Geistern oder Monstern. Oft haben wir unsere Eltern darum gebeten, im Schrank oder unter dem Bett nachzusehen, ob sich da auch wirklich kein gruseliger Passagier versteckt hat. Selbst der eingeforderte offene Türspalt, durch den etwas Licht in das eigene Zimmer dringen konnte, half meist nicht, die letzten Bedenken auszuräumen, dass die Schattengebilde an den Wänden eventuell doch noch zu gefräßigen Kreaturen mutieren könnten. Wenn wir älter werden, sind wir oft der Meinung, dass Spuk und Gespenster zu den Ammenmärchen gehören und dass wir immun gegenüber Furcht und Panik seien. Immerhin sind wir ja erwachsen. Dabei haben wir indes meist unsere ganz eigenen Dämonen erschaffen, die die Gedanken gern in trübe Ecken drängen und uns den Hals zuschnüren. Alltagssorgen, Lügen oder ein immer undurchsichtigeres Weltgeschehen - überall lauern Bedrohungen. Was nun? Wir können all dies verschweigen, den Kopf in den Sand stecken oder uns einfach abwenden, doch wird die Dunkelheit irgendwann überhandnehmen, wenn wir uns ihr nicht entgegenstellen. Philipp Szalay versucht mit seinem Projekt Farewell Dear Ghost, einen Soundtrack für Hoffnungsträger und Mutige abzuliefern, die sich mit klopfendem Herzen aus dem grauen Schleier befreien wollen, der sie umgibt.

"We Colour The Night"
"We Colour The Night" ist nicht nur als Albumtitel des Debüts von Farewell Dear Ghost zu verstehen, sondern darüber hinaus auch als ein klares Statement in Richtung ehrlichen Optimismus. Dass dieser auch immer an das Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit gebunden ist, erörtern die Lyrics der Platte, die musikalisch zwischen Indierock, Noise und Synthie-Pop verortet ist. "Demons I" und "Demons II" rahmen dabei das üppige Werk des Österreichers. Geheimnisvoll, nahezu transparent und gewichtslos. Ansonsten halten Stücke wie "Fire", das expressive "Cool Blood" oder "Fears" eine gewisse Wucht bereit, mit der sie den Hörer zu überrollen und mitzureißen versuchen. Das gelingt zwar nicht immer, doch muss man den Songs des Albums insgesamt eine Wirkung zusprechen, die es in dieser Form nur noch selten im aktuellen Klangkosmos zu finden gibt. Ein leichter Nachgeschmack des Postrocks, à la Sophia oder Tiger Lou, wirft uns aus der Gegenwart fast zehn Jahre in die Vergangenheit zurück. In eine Zeit, in der es noch erlaubt war, an der einen oder anderen Stelle etwas dicker aufzutragen und dafür den Purismus einmal Purismus sein zu lassen. Volle, satte Kompositionen, eine feinbesaitete Männerstimme und zahlreich eingesetzte Gitarrenriffs machen "We Colour The Night" zu einem Gegengewicht des oft übertriebenen Stadiumrocks und darüber hinaus zu einer Scheibe, bei der selbst Geister das Tanzen anfangen dürften.


Freitag, 4. April 2014

Album-Vorstellung: Thievery Corporation "Saudade"

Thievery Corporation
Nachtclubs. Sie fungieren als in sich geschlossene Zwischenwelten. Sind Platzhalter, die Alltag und Schlaf miteinander verbinden. Regelmäßig verkaufen jene Etablissements ihren Besuchern schillernde Illusionen. Gedämpfte Lichter, sanfte Melodien und die Sinne vernebelnde Getränke - von all dem werden die Menschen angezogen wie die Motten vom Licht. Eric Hilton und Rob Garza lernen sich 1995 in der Washingtoner Eighteenth Street Lounge, über einen gemeinsamen Freund, kennen. Schnell verstricken sich die beiden in Stunden füllende Gespräche. Was sie eint, ist die Liebe zu brasilianischen Klängen und elektrifizierten Arrangements. Wenig später treffen sie sich, um zusammen ein wenig mit Sounds herumzuexperimentieren. Dies ist die Geburtsstunde von Thievery Corporation. In den folgenden Jahren werden Hilton und Garza zu gefeierten Größen der Downtempo-Bewegung. Ob Ambient, Chillout, Trip-Hop oder Dub, es gibt kaum ein Genre aus jener akustischen Nische, in denen man Thievery Corporation nicht begegnet. Ruhm öffnet bekanntlich Türen und so arbeiten Hilton und Garza im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen gefragten Künstlern zusammen. Émiliana Torrini, David Byrne, Bebel Gilberto, The Flaming Lips und viele andere Stars reichen sich die Klinke der Studiotür von Thievery Corporation in die Hand. Sechs Alben und fast zwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung hat das Duo den Charakter einer kompletten akustischen Sparte mitgeformt. Zeit, sich auf seine Wurzeln zu besinnen.

"Saudade"
Mit dem portugiesischen Wort Saudade, also dem Sehnen oder Verlangen nach einem Ort, einer Sache oder einer Person, betiteln Thievery Corporation ihre neuste Platte. Wonach es Hilton und Garza bei der Entwicklung der dreizehn Songs, die nun in ihrer Gesamtheit "Saudade" formen, verzehrt hat, wird bereits mit den ersten Takten des Eröffnungsstückes "Décollage" klar. Die Natürlichkeit des Bossa Nova, einer Mischung aus Samba und Cool Jazz, einzufangen, danach verlangte es die zwei Herren in der Blüte ihres Lebens. Immerhin war es genau jene Stilrichtung, die sie einst zusammengeführt hatte. In der Folge fahren Thievery Corporation die für sie typischen elektronischen Elemente auf ein Minimum zurück und setzten sie dezent als Begleitung der sonst recht klassisch gehaltenen Stücke ein. Schnell sieht man sich mit einem Glas Wein in der Hand an der Copacabana sitzen, während Tracks wie "Firelight" oder "Nos Dois" im Hintergrund den Sonnenuntergang ankündigen. "Saudade" ist voll von Leidenschaft, Aufregung und nackter Kostbarkeit. Gastsängerinnen wie Langzeitkollaborateurin LouLou Ghelichkhani, Nouvelle Vagues Karina Zaviani, die Newcomerin Elin Melgarejo, das argentinische Talent Natalia Clavier oder die ehemalige Bitter:Sweet-Frontfrau Shana Halligan tun derweil ihr Übriges, um den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Und dass ihnen das mit Leichtigkeit gelingt, wird spätestens dann klar, wenn "Claridad" zum verführerischen Tanz ansetzt, "Bateau Rouge" zu einer verheißungsvollen Fahrt auf den Wellen des Rhythmus einlädt oder "Quem Me Leva" das Temperament des südamerikanischen Kontinents entfesselt. Etwas verträumter hingegen geht es bei "No More Disguise" oder "Depth Of My Soul" zu. Fernweh ist bei "Saudade" mehr als vorprogrammiert.