"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Etwas Neues zu erbauen bedarf Mut, Kraft und einer Vision. Al Doyle, Felix Martin und Tom Hopkins scheinen all diese Dinge bedacht zu haben, als sie sich 2011 dazu entscheiden, das Projekt New Build zu gründen. Fern dessen, was sie erfolgreich gemacht hat - und das bedeutet vor allem in Doyles und Martins Fall die Band Hot Chip - wagen sich die drei Musiker dabei auf eine ungewisse Reise, die sie schließlich zu der Produktion des Debütalbums "Yesterday Was Lived And Lost" (2012) führt. Trotz Beat-Finesse und Synthieverspieltheit will es der Platte jedoch nicht gelingen, an die Komplexität anderer Indietronica-Künstler anzuschließen und so bleibt sie im allgemeinen Wettbewerb sogar fast ein wenig auf der Strecke liegen. Was hilft da? Aufstehen, weitermachen und das Tempo anziehen! Und genau das tun New Build nun auf ihrem Zweitwerk "Pour It On".
"The Sunlight" setzt den Startpunkt für "Pour It On" und mausert sich binnen kürzester Zeit vom verträumten Electroliebelein zur psychedelisch-aufgeheizten Hymne. Im Anschluss beschleunigen Stücke wie "Look In Vain", "Your Arrival" oder "Strange Network" den Puls und bedienen sich des Erfolgsrezepts, das bereits bei Kompositionen von Acts wie Hercules and Love Affair oder John Grant zu Begeisterungsstürmen aufseiten all der musikalischen Punktrichter führen konnte. Mit zehn Titeln ist "Pour It On" deutlich kürzer als sein Vorgänger "Yesterday Was Lived And Lost" und verliert sich somit auch nicht in der Fülle der aneinandergereihten Tracks. Fokussierter und spitzer wirken Stücke wie "Luminous Freedom" oder "Different Kind", das durch einen ihm zugrunde liegenden Neunziger-Gamesound überrascht. Auf der Zielgeraden sorgt dann die wirklich schöne Ballade "Witness" noch für einen kurzen Verschnaufer, bevor das titelgebende "Pour It On" zum euphorischen Klangfeuerwerk ansetzt. New Build haben an den richtigen Reglern gedreht und mit "Pour It On" ein starkes zweites Album produziert.
Eine Band besteht aus mehreren Einzelteilen, mehreren Musikern. Sie alle tragen eigene Klangvorstellungen und -visionen in sich, die bei einer gleichberechtigten Kapelle stets Berücksichtigung finden und auf kollegiale Art und Weise miteinander verbunden werden. Doch kommt es schon einmal vor, dass selbst bei dem eingeschworensten Kollektiv, einzelne Mitglieder hin und wieder ihre persönlichen Grenzen ausloten möchten. Beziehungsweise kompromisslos dem eigenen Geschmack folgen wollen. Bei der britischen Synthpop-Sensation Hot Chip sind solch akustischen Alleingänge absolut vereinbar mit der herrschenden Personalpolitik. Nachdem sich Al Goyle und Felix Martin 2012 mit ihrem Projekt New Build kurzzeitig separiert hatten, wagte nun auch Sänger Alexis Taylor erneut den Sprung ins kalte Wasser und veröffentlichte mit "Await Barbarians" sein zweites Soloalbum. Alexis kennt die Musikbranche wie seine Westentasche. Als Plattenverkäufer begann er vor Jahren seine Karriere in einem Londoner Musikshop und baute sich schnell ein weitreichendes Netzwerk auf. Irgendwann brachte er dann allen Mut zusammen und verteilte eigene Demos an befreundete Ladenbesitzer. Das führte zur ersten Veröffentlichung von Hot Chip, der "Mexico EP". Heute zählt das Quintett zu den gefeiertsten Exportschlagern des englischen Königreichs. Mit einer Mischung aus Up-Tempo-Nummern und bittersüßen Balladen behaupten sich Hot Chip konsequent auf dem immer größer werdenden Markt.
"Await Barbarians"
Träume sind die Grundlage für das Songwriting von "Await Barbarians" gewesen, berichtet Alexis Taylor in einem exklusiven Interview bei Kultmucke. Und tatsächlich bieten die zwölf Stücke der Platte eine herrlich zerstreute Kulisse, welche von sanften Soundwogen und melancholischen Gesängen durchzogen ist. Gedankenversunken besinnt sich Alexis Taylor dabei auf die Aussagekraft ruhiger Melodien, begeisterten doch auch bei Hot Chip meist die liebevoll aufpolierten Balladen. Eingeleitet von "Lazy Bones", das irgendwie an den Endsoundtrack eines Nintendo-Spiels aus den Neunzigern erinnert, durchläuft "Await Barbarians" in der Folge sämtliche akustische Graustufen. Mal hell weiß leuchtend, wie bei den beiden Versionen von "Without A Crutch", und dann wieder dunkel und der Nacht huldigend ("Dolly And Porter", "Elvis Has Left The Building"). Kleine dezente Synthiespielereien sorgen derweil für Abwechslung ("Closer To The Elderly", "New Hours", "Where Would I Be?"), wohingegen sich "Piano Ducks" und "Am I Not A Soldier?" komplett dem Lo-Fi verschrieben haben. "Await Barbarians" schafft es trotz seines gediegenen Tempos, Fahrt aufzunehmen. Eine rundum gelungene Platte!
Welche Soloprojekte von Musikern, die sonst erfolgreichen Bands angehören, gefallen euch besonders gut? Verratet uns dies bis spätestens kommenden Sonntag, den 06.07.2014, und gewinnt mit etwas Glück ein CD-Exemplar von Alexis Taylors "Await Barbarians", das uns Domino Deutschland zur Verfügung gestellt hat. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.