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Freitag, 20. März 2015

Album-Vorstellung + Gewinnspiel: Adna "Run, Lucifer"

© by Marcus Nyberg
Als eine Art düsteres Schneewittchen des Pops trat die Schwedin Adna im letzten Jahr erstmals in Erscheinung. Es war nämlich 2014, als sie ihr Debütalbum "Night" veröffentlichte, das die Nacht zum zentralen Motiv erklärte und insgesamt neun Geschichten rundum Dunkelheit und Einsamkeit erzählte. Adnas einzigartige Mischung aus Dramatik, Sentimentalität und jugendlicher Weisheit ließ sie derweil zum Liebling vieler meinungsbildender Onlinemagazine aufsteigen und so landete die hübsche Songwriterin in vielen Jahresendlisten auf den vorderen Plätzen, vor allem, was die Rubriken vielversprechender Newcomer betraf. Nun hätte sich Adna auf den geernteten Lorbeeren eine Weile ausruhen und all der Kollaborationsangebote entgegenblicken können, die es oft in Folge erfolgreicher Debüts gibt - doch ist das keineswegs die Art der seit einiger Zeit in Berlin lebenden Sängerin. Im heimischen Neuköllner Schlafzimmer werkelte sie bereits fleißig an neuen Songs und ein paar dieser lassen sich jetzt auf "Run, Lucifer", Adnas zweitem Album, finden.

Mit der Melancholie ist das immer so eine Sache. Wenn man ihr zu sehr verfällt und auf dem ewig gleichen Trübsalsweg wandert, kann die vorerst ergreifende Traurigkeit schnell in eine graue Monotonie umschlagen, die man als Hörer irgendwann nicht mehr auszuhalten vermag und derer man sich dann hastig zu entledigen versucht. Auf "Run, Lucifer" gelingt es Adna jedoch, jenen ermüdenden Pfad zu umgehen, indem sie ihre Songs ganz bewusst von einem gleißenden Licht bescheinen und zahlreiche Reflexionen auf sie einprasseln lässt. Diese neuen Impulse liegen vor allem in dem gezielten Einsatz elektronischer Elemente. Strahlend und majestätisch präsentiert sich da beispielsweise das Intro "Berlin", das auch auf akustischer Ebene verdeutlicht, wie gut das Übersiedeln in die Spreemetropole Adna getan haben muss. Ein neuer Mut, eine erwachsenere Zuversicht durchdringt auch Stücke wie das von zahlreichen Drumbeats angefachte "Lonesome". Und dann ist da diese neue, fast schon nach Erlösung flehende Komponente des Schwermuts, die Adna in das von Kirchengesängen eröffnete "Shiver" oder die Vorabsingle "Living" einfließen lässt. Peitschende Synthies, wummernde Bässe und die imposante Stimme Adnas zeigen eine neue Gewalt innerhalb des Songwritings der Anfang Zwanzigjährigen. "Run, Lucifer" ist Adnas anmutender Tanz mit den eigenen Dämonen und gleichzeitig das wirklich imposante Zweitwerk einer besonnenen Künstlerin.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Adnas "Run, Lucifer", das uns unsere Freunde bei Nordic By Nature zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Adna" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Montag, der 23.03.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Adna und "Run. Lucifer" gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud-Account | KLANGKULT mit Adna
 

Mittwoch, 18. März 2015

Gewinnspiel: Lovebyrd "Lovebyrd EP"

Durch ein Kaleidoskop betrachtet, erscheinen viele sperrige Angelegenheiten oft wesentlich klarer, als man zuvor vielleicht vermutet hätte. Chaos weicht da schnell einem Rausch von Symmetrie, verquere Gedanken indes einer strukturierten Gelassenheit. Wer nun aber keins dieser skurrilen optischen Geräte zur Hand hat, der sollte es stattdessen eventuell mal mit der Musik des saarländischen Duos Lovebyrd probieren. Nicht minder psychedelisch und von bunten Farben durchzogen wirkt nämlich das, was Stefanie Krauth und Mark Wernet in ihren heimischen vier Wänden zusammenschustern und auf Kassette - ja, richtig gelesen - bringen. Noch bevor dieses Jahr ihr erstes Album erscheinen wird, zelebrieren Lovebyrd die nun schon etwas zurückliegende Veröffentlichung ihrer ersten EP.

Es ist ein Soundtrack zum Mandalasmalen, einer, mit dem es sich ganz hervorragend durch den heimischen Vorgarten tanzen lässt, während die nackten Füße den Rasen berühren und einem die Sonne auf den Kopf scheint. Die fünf Stücke der Lovebyrd EP sind unbeschwert, authentisch und handgemacht. Hier und da knarren die Gitarren vielleicht einen Mü zu laut oder droht sich die markante Stimme von Sängerin Stefanie in einem dichten Nebel aus klimpernden Klangmustern zu verlieren - doch genau davon leben die Stücke, die Namen wie "Spinning Around" oder "Shot From The Sun" tragen. Als kratzige Gegenentwürfe zu den sonst oft glatten Produktionen vieler anderer Künstler können Lovebyrds Songs durch kleine Makel glänzen. Und ein wenig Reibung hat ja bekanntlich noch nie geschadet.



Um abschließend eine von zwei Kassetten der "Lovebyrd EP", die uns Ongakubaka Records zur Verfügung gestellt hat, sowie ein Button-Set zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Lovebyrd" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 22.03.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Lovebyrd gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Bandcamp

Mittwoch, 25. Februar 2015

Gewinnspiel: Sea Change "Breakage"

© by Sibilla Calzolari
Mal rau, mal sanft, mal stürmisch und dann doch wieder ruhig und glatt - das Meer kann vieles sein, nur nicht beherrschbar. Die Faszination des Menschen für das kühle Nass reicht bis in dessen früheste Vergangenheit zurück und lässt sich auch in einer Zeit, die von Technologie und stetigem Fortschritt gekennzeichnet ist, kaum verleugnen. Ein Blick auf die weite See hat einfach etwas Magisches. Das musste auch Ellen A. W. Sunde feststellen, die unter dem Pseudonym Sea Change Musik macht. Bereits lange bevor ein Releasedatum für ihr Debütalbum "Breakage" gefunden war, hatte es die junge Norwegerin schon geschafft, zahlreiche Blogs, Radiosender und Magazine von sich und ihren knisternden, kühlen Synthie-Sounds zu überzeugen.

Insgesamt neun Songs versammeln sich auf "Breakage", dem Erstlingswerk von Sea Change. Auch wenn die Tracks alle demselben akustischen Farbspektrum zu entstammen scheinen, gibt es viele feine Unterschiede, die Stücke wie das von Nebel verhangene "Wooden House", das düstere "Let's Dance" oder das stechende "Knives" akzentuieren und voneinander unabhängig zu machen wissen. Die Tatsache, ein homogenes Album erschaffen zu haben, das gleichzeitig aber auch eine interessante Palette verschiedener Klangfacetten offeriert, stellt sich als die große Stärke Sea Changes heraus. Hinzukommt der markerschütternde Gesang der jungen Songwriterin, der sirenenartig den Verstand des Hörers befällt und ihm in ein süßes Delirium beschert. Jeder Drumbeat, jede Percussion und all die vielen Soundtexturen auf "Breakage" harmonisieren derweil auf geheimnisvolle Art und Weise. "Breakage" ist eine Platte, die im Gedächtnis bleibt und die sehr davon profitiert, wenn man sie aufmerksam, statt nur nebenbei, genießt.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Sea Changes "Breakage", das uns Nordic By Nature zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Sea Change" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 01.03.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Sea Change und "Breakage" gibt es hier:
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Freitag, 20. Februar 2015

Album-Vorstellung: Susanne Sundfør "Ten Love Songs"

©  by Sofia Fredricks Sprung
Auch Redaktionen wie die unsere können sich von einer gewissen Subjektivität nicht gänzlich freisprechen. Da kann es schon mal vorkommen, dass Alben von Künstlern angekündigt werden, auf die wir uns wesentlich mehr freuen, als auf andere. Zuletzt war dies der Fall, als gegen Ende 2014 eine Pressemitteilung mit dem Betreff "Susanne Sundfør veröffentlicht 'Ten Love Songs'" in unser Mailpostfach flatterte. Was haben uns die bisherigen Platten der Norwegerin, allem voran "The Brothel" (2010) und "The Silicone Veil" (2012), sowie ihre Kooperation mit Röyksopp, M83, Susanna oder Kleerup begeistert? In den letzten Jahren ist Susanne Sundfør zu einer wahren Ikone der nordischen Musikszene aufgestiegen - und das völlig zurecht. Kein Wunder also, dass unsere Erwartungen wie eine Rakete auf Erkundungstour in die Höhe schossen, als wir schließlich "Ten Love Songs" in den Händen halten durften.

Innovationsgeist trifft auf unbändiges Talent - "Ten Love Songs" bietet all das, was man sich von einem großartigen Album erhofft. Auch wenn der Zugang zu den zehn darauf befindlichen Liebesliedern anfangs etwas versperrt zu sein scheint, schätzt man mit jedem neuen Hördurchlauf zunehmend eben diese Eigenschaft an der Platte. Susanne Sundfør fordert ihr Publikum und überrascht es immer dann, wenn es sich in Sicherheit glaubt. Badet das Eröffnungsstück "Darlings" beispielsweise noch ausgiebig im Pathos - begleitet von schweren Synthiemelodien, die an ein Schifferklavier erinnern - hat sich bereits das Folgestück "Accelerate", ganz seinem Titel entsprechend, der unabdingbaren Beschleunigung verschrieben. So geht es mit reißenden Beats und in rasendem Tempo in Richtung der Achtziger, denen auch die Soundästhetik der Vorabsingle "Fade Away" entstammt und die generell sehr federführend auf "Ten Love Songs" zu sein scheinen. Zeit für einen weiteren Bruch. Dieser kommt in Form von "Silencer", einer Nummer wie aus einem Märchen, so romantisch und verspielt stellt sie sich dar. Ganz im Stil ihres Synthie-Melodrams "A Night At Salle Pleyel" beginnt hingegen "Kamikaze", das sich dann aber umgehend auf die Tanzfläche stürzt, im Stroboskoplicht ein paar Runden dreht und schließlich in einem cemalboartigem Nachspiel mündet. Die größte Entwicklung durchläuft allerdings das zehnminütige "Memorial". Von der Ballade hin zur Eighties-Hymne, durchzogen von einem orchestralen Part, der hier und da auch von Philip Glass hätte sein können. Im weiteren Verlauf gibt es dann mit "Delirious" noch ein zündelndes Klangfeuerwerk und "Slowly" entpuppt sich als das absolute Glanzstück auf "Ten Love Songs". Nachdem Susanne Sunfør mit diesen Songs erneut in die neonfarbene Disco-Ära gewandert ist, kehrt "Trust Me" zum Begin der Platte zurück - wirkt schwer und sentimental - und wäre ein perfektes Finale gewesen, wenn da nicht noch das psychedelische "Insects" wäre. Mit diesem auditiven Fiebertraum endet eine Platte, die schon jetzt zu den Hoffnungsträgern dieses Jahres gezählt werden darf.



Mittwoch, 18. Februar 2015

Gewinnspiel: Champs "Vamala"

© by Josh Shiner
Champs als Bandnamen zu wählen, hat auf den ersten Blick etwas Großspuriges - doch was will man machen, wenn der eigene Nachname nun mal Champion lautet? Die Brüder Michael und David Champion fackelten jedenfalls nicht lange, entledigten sich einiger störender Buchstaben, um eine gewisse Knackigkeit auf den Plan zu rufen, und stellten sich auch auf akustischer Ebene ihrem unausweichlichen Schicksal, nämlich Gewinnertypen zu sein. Nachdem ihnen ihr Debütalbum "Down Like Gold" bereits 2014 einen sicheren Stand innerhalb der europäischen Independentszene verschaffen konnte, legen Camps nur wenige Monate später mit "Vamala" ihr Zweitwerk vor. Leidenschaft und eine nicht abebben wollende Kreativwelle müssen dafür verantwortlich gewesen sein, dass Michael und David Champion schon kurz nach Fertigstellung von "Down Like Gold" erneut zu Instrumenten, Papier und Stiften griffen und zwölf Songs eingängige Stücke erschufen, die durch den Produzenten Dimitri Tikovoi ihren letzten Schliff erhielten.

Der seit Wochen nicht mehr aus der Radiolandschaft wegzudenkende Track "Desire" eröffnet "Vamala" und besticht durch eine leichtfüßige Melancholie, die man sonst nur von Bands wie Hot Chip kennt. Nicht zuletzt aufgrund des androgynen Falsettgesangs passen Champs generell recht gut in das Klischee maskuliner britischer Exportschlager, das von Acts wie alt-J oder den Glass Animals kreiert wurde. Was Champs jedoch von ihren Kollegen unterscheidet, ist der Wille, ihr akustisches Spektrum nicht nur in Gegenwart und Zukunft, sondern auch ganz bewusst in der Vergangenheit, wurzeln zu lassen. Da reihen sich dann plötzlich Lagerfeuersongs namens "Forever Upstanding At The Door" oder ""Send Me Down", das ein Backvocal-Gastspiel der wundervollen Karin Park enthält, an modernere Soundexperimente wie "3000 Miles" oder das synthielastige "Down (Alone On The Avenue)". Textlich wandert "Vamala" derweil von Herzschmerzgefühlen und der Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen bis hin zur Liebe für die vor der Südküste Englands gelegene Isle Of Wight, der Heimat der Champions-Brüder ("Blood", "The Balfron Tower").
Als eins der ungewöhnlichsten Songwriter-Alben seit Langem wird "Vamala" zu einer Art Missing Link zwischen der rauen Ehrlichkeit eines Bob Dylan und der sanften Eleganz von Beach House.



 
Um abschließend ein CD-Exemplar von Champs "Vamala", das uns PIAS Germany zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Champs" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 22.02.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Champs und "Vamala" gibt es hier:
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Mittwoch, 11. Februar 2015

Gewinnspiel: KEjNU "Centillion"

Berge, weite Landschaften, Schokolade, Schnee und ein merkwürdiger Akzent - an diese Dinge würde man vermutlich zu allererst denken, wenn es darum geht, die Schweiz näher zu beschreiben. Doch wie hört sich unser alpines Nachbarland eigentlich an? Was bietet die musikalische Szene jenes souveränen Staates im Herzen Europas wirklich? Und welche Bands und Solokünstler sind ihren Heimatstädten, auch über deren Grenzen hinaus, entwachsen? Fragen über Fragen - doch braucht es Antworten! Eine halten wir im Folgenden parat.
KEjNU aus Zürich versuchen aktuell, ihren auditiven Fußabdruck im Kollektivgedächtnis der Independentbranche zu hinterlassen. Hinter dem seltsam anmutenden Namen verbirgt sich der vielseitig talentierte Nuél Schoch, der bei Liveauftritten von den Musikern Alessandro Giannelli, Ramon Ziegler und James Varghese unterstützt wird.  Mit dem heutigen Artikel möchten wir unseren Teil dazu beitragen, KEjNU bekannter zu machen, denn selten waren wir bereits beim ersten Hören von einem Album derart gefesselt, wie es bei "Centillion", dem Zweitwerk der Schweizer, der Fall gewesen ist.

Wer veröffentlicht denn heutzutage bitte noch ein Doppelalbum? Das hat beinahe etwas Blauäugiges, in einer Zeit, in der das Format Longplayer per se schon dem Tode geweiht zu sein scheint und Bands wie Röyksopp bereits ihre Grabreden zu dem Thema verfasst haben. Nur möchten wir uns im Namen all derjenigen, die sich nicht mit ein paar wahllos aneinander gedrängten Tracks innerhalb irgendwelcher Spotify-Playlists zufrieden geben, für dieses Experiment, diesen Funken Rebellion, diesen kleinen Hoffnungsschimmer bedanken. Auf "Centillion" darf Musik noch Raum einnehmen, sich entfalten und in ihrer Gesamtheit eine Aussage formulieren. 2 Tonträger, 20 Tracks, eine Spielzeit von rund 85 Minuten und Coverausmaße, die manches CD-Regal auf die Probe stellen dürften - mit diesen Mitteln bürsten KEjNU ganz bewusst gegen den störrischen Zeitgeist und bringen ihn damit kurz zu Fall. Manchmal ist mehr eben doch mehr. Während Tracks wie "Host", das famose "Boxus / Hood" oder "Candelabra" eine massive Wall Of Sound bauen, die Kollegen wie James Blake seit Jahren zu unterwandern versuchen, ergießen sich "Handyman" oder das herzzerreißende "Inner / Outer" über eine jedwede Hörerseele, wärmen diese vollends auf und hinterlassen ein Gefühl von Glückseligkeit. Darüber hinaus besuchen KEjNU auf "Centillion" ein paar alte Helden und erinnern an frühe Gehversuche von AIR ("Mountaineers"), Radiohead ("Taciturn", "From The Bones"), Muse ("What I Deserve", "November") oder America ("Stormy Eyes"). Doch gibt es auch akustische Wegweiser wie "Silhouettes" und "Egocentrix", die in eine noch recht unberührte Zukunft führen.
"Centillion" mag vielleicht ein Geheimtipp sein und auch bleiben - vom Mainstream verschmäht und vom Underground ignoriert - allerdings kann dieses Album durch eine Qualität überzeugen, die nachdrücklich beeindruckt.

Wir sagen NEIN zur Entschleunigung und JA zu der Fülle und Passion, die KEjNU uns mit "Centillion" geschenkt haben.



Um abschließend eins von zwei CD-Exemplaren des neuen KEjNU Albums "Centillion", die uns Popup Records zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

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Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "KEjNU" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 15.02.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
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Weitere Infos zu KEjNU und "Centillion" gibt es hier:
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Mittwoch, 28. Januar 2015

Gewinnspiel: All We Are "I Wear You / Honey"

© by Jon Bergman
Es ist mittlerweile zu einem recht häufig zu beobachtbaren Phänomen geworden, dass sich junge Menschen während ihrer Schul- oder Studienzeit zusammentun, um sich auf musikalischer Ebene einmal gehörig auszutoben. Zahlreiche Bands überschwemmen dann in der Folge meist die Undergroundclubs ihrer Heimat- beziehungsweise Universitätsstädte, doch schaffen es leider nur wenige, auch über die Grenzen einer kurzen Sturm- und Drangphase hinaus erfolgreich zu sein.
Der Ire Richard O'Flynn, die Norwegerin Guro Gikling und der Brasilianer Luis Santos lernen sich an der University of Liverpool kennen. Angeheizt von der fast schon greifbaren und omnipräsenten akustischen Geschichte der am Fluss Mersey gelegenen Metropole, formiert sich das Trio unter dem Namen All We Are. Diesen Freitag erscheint mit "All We Are" das selbst betitelte Debütalbum der Band via Domino Records.


Melancholisch und verträumt scheppert das Piano zu Beginn des Eröffnungsinstrumentals "Intro" und deutet an, was sich auch im weiteren Verlauf des Erstlingswerkes von All We Are bestätigen soll - nämlich dass es sich dabei um eine wundervoll stimmige Coming-Out-Of-Age-Platte handelt. Angereichert mit härteren Beats und Gitarrenriffs greift "Ebb/Flow" den sanften Schwermut des Openers auf und formt daraus einen eingängigen, modernen Popsong. Die Gesangseinlagen von Sängerin Guro und ihren beiden Kollegen harmonisieren derweil auf fast schon magische Art und Weise. Intim, verführerisch und in perfekter Balance. Songs wie "Go" oder "Something About You" gelingt es genau dadurch, sich zu gefühlvollen Balladen aufzuschwingen, während "I Wear You", "Honey" oder "Feel Safe" den Hörer unter die Discokugel schleifen, um dort eng umschlungen mit ihm zu tanzen. Und dann gibt es da noch diesen B-52's-Moment, und zwar wenn Guro innerhalb des funkigen "Keep Me Alive" zu einer energiegeladenen Bridge ansetzt, die verdeutlicht, dass die hübsche Blondine wesentlich mehr Rock und Rotzigkeit in ihrer Stimme hat, als man ihr vielleicht anfangs zugetraut hätte. "All We Are" vereint in bester Manier Dream Pop à la Beach House mit griffigen Alternative-Klängen und spannenden Folk-Sketches. 


   
Um abschließend ein 7"-Vinyl von All We Ares Split-Single "I Wear You / Honey" zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "All We Are" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 01.02.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu All We Are und ihrem Debütalbum gibt es hier:
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Mittwoch, 21. Januar 2015

Happy Birthday - Klappe die Dritte

Schon wieder ist ein Jahr vergangen. Unglaublich, wie die Zeit zu fliegen beginnt, wenn man sie mit Musik füllt - und genau das haben auch wir in den letzten 12 Monaten wieder exzessiv getan. Zahlreiche Songs und Alben sind in diesem Zuge durch unsere Hände geglitten, landeten in CD-Playern, auf Plattenspielern oder dudelten aus den Lautsprechern unserer Laptops. Wie immer versuchten wir, jene Tonträger mit kritischem Ohr zu sichten und zu bewerten, um schließlich diejenigen herauszupicken, die man keinesfalls verpassen sollte. Dabei war es schön zu sehen, wie ihr, liebe Leser, auf unsere Beiträge reagiert habt - ob bei Facebook, hier auf der Website oder via Mail. Am Ende lebt ein Blog oder Online-Magazin, wie es auch "E1NEN HAB ICH NOCH..." ist, nämlich von der Kommunikation und Interaktion mit weiteren Menschen hinter ihren Bildschirmen. Dafür möchten wir uns bedanken. Genauso wie bei unseren Promo- und Labelpartnern, die uns immer wieder mit interessanten akustischen Neuheiten versorgen, den Musikern, die für diesen verantwortlich sind, unserem Kooperationspartner Kultmucke, mit dem wir im Dezember erneut einen wunderbaren Sampler namens "Kultverdächtig II" realisert haben, und allen Personen, die an unsere Vision geglaubt haben.
Für das kommende Jahr planen wir ein paar größere Veränderungen. Ihr dürft also gespannt sein. Bis dahin genießt unser neues Design und unsere Artikel, die in den nächsten Tagen in gewohntem Rhythmus zurückkehren werden.
Und nun feiern wir! Zum einen, indem wir euch Reba Haskos "Happy Birthday", welches sie 2014 exklusiv für unseren zweiten Geburtstag aufnahm, 14 Tage lang zum Gratis-Download anbieten.



Doch damit nicht genug! Auch zu unserem dritten Ehrentag konnten wir eine großartige Künstlerin für uns gewinnen. Die charmante Französin Elise Mélinand beschert uns mit ihrem "Happy Birthday" einen verträumten und unglaublich feingliedrigen Ohrenschmaus, an dem ihr euch fortan auf unserem Soundprofil erfreuen könnt.



Dienstag, 30. Dezember 2014

Hitlist 2014 (+ Gewinnspiel)

Das Beste kommt zum Schluss. Während seit Anfang November vielerorts musikalische Jahresendlisten aus dem Boden sprießen wie Unkraut in einem verwucherten Garten, haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, dem Namen eben dieser Listen gerecht zu werden und mit unserer Hitlist bis kurz vor knapp zu warten. 2014 hat derart viele auditive Höhepunkte zu verzeichnen, dass uns die Erstellung der unten anhängenden Auswahl tatsächlich ein wenig Kopfschmerzen bereitete - doch wir haben sie gefunden, unsere ganz persönlichen Lieblinge.


Song des Jahres: Sylvan Esso - Coffee

© by City Slang
Es ist die Mischung aus sanfter Songwriterkunst und einem treibenden Beat, die "Coffee" zu unserem Song des Jahres macht. Jedes Mal, wenn der von Sylvan Esso auf ihrem gleichnamigen Debütalbum erschienene Track erklingt, scheint die Welt für ein paar Sekunden stillzustehen. „Der Beat entstand irgendwann in einem kalten, dunklen Keller. Amelia war an dem Tag ein echter Miesepeter.“, verriet das Duo in einem Interview mit Kultmucke. Doch hört man "Coffee" seinen Geburtsort oder die schlechte Stimmung der Dame, die seine Lyrics singt, keinesfalls mehr an. Im Gegenteil. Das Stück trägt eine geheimnisvolle Wärme in sich. Amelia Meath und Nick Sanborn ist es gelungen, ihre akustischen Präferenzen auf charmante Weise miteinander kollidieren zu lassen. Machte Meath vor allem durch ihr Wirken innerhalb des Folktrios Mountain Man von sich reden, huldigte Sanborn einer wesentlich elektronischeren Klangästhetik, und zwar unter dem Pseudonym Made of Oak. "Coffee" profitiert sowohl von dem Einen als auch dem Anderen.




Album des Jahres: Hundreds - Aftermath


© by Konrad Schmidt
Im März dieses Jahres veröffentlichten die Geschwister Eva und Philipp Milner alias Hundreds ihr zweites Album. "Aftermath" ist eine dieser Platten, deren Nachhall bis in die Unenendlichkeit vorzudringen scheint. Mal mystisch, mal epochal und dann wieder reduziert und greifbar hält "Aftermath" ein breit gefächertes Angebot an Stimmungen und Gefühlen bereit. Während Songs wie "Ten Headed Beast", "Foam Born" oder "Stones" durch nahezu plätschernde Klaviermelodien begeistern, trumpfen "Beehive", das titelgebende "Aftermath" oder "Our Past" mit energischen Trommelpassagen und elektrifizierten Rhythmen auf. Pink-Pong konnte den beiden Musikliebhabern einige Geschichten und Gedanken hinter ihrem Zweitwerk entlocken und trug diese in einem sehr ausführlichen Interview zusammen. Darin erklären die Milners auch, dass "Aftermath" eine goldene Platte sei - und dem können wir nur zustimmen. Selten hat ein Album derart gestrahlt, wie es "Aftermath" tut. Und auch, wenn es vielleicht nicht die erfolgreichste LP 2014 war, dann doch definitiv eine der hörenswertesten.




Band des Jahres: Wild Beasts

© by Klaus Thymann
Wenn es eine Band versteht, sich durch zahlreiche Alleinstellungsmerkmale von ihren Kollegen abzugrenzen, dann ist es wohl die britische Kapelle Wild Beasts. Die vier aus Kendal stammenden Herren wirken zwar auf den ersten Blick wie die charmanten Jungs von neben an, was auch Kultmucke bei einem Gespräch mit Tom Flemming und Ben Little im Rahmen des Electronic Beats Festivals in Leipzig feststellen durfte, doch sobald das Quartett zu seinen Instrumenten und Mikrofonen greift, entfesselt sich eine nahezu unbändige Gewalt. Ob live auf der Bühne oder wie zuletzt auf ihrem Album "Present Tense"- die Wild Beasts beherrschen das Spiel mit Licht und Schatten, Strenge und Sanftmut, nahezu perfekt. So lässt es sich mit "Mecca" hervorragend in die tiefste Sehnsucht stürzen, wohingegen "Wanderlust" Herzschlag und Puls antreibt. Seit ihrem Debüt "Limbo, Pantho" (2008) überraschten die Wild Beasts immer wieder durch interessante Wendungen innerhalb ihres Schaffens. 2014 haben sie sich zu einer der extravagantesten Bands des Independentbereichs gemausert. Das verdient Respekt und eine Auszeichnung.




Solokünstler(in) des Jahres: Agnes Obel

© by PIAS
Wieder einmal hat sie es geschafft. Als Untergrundkämpferin für ausgefallene Kompositionen konnte die in Berlin ansässige Songwriterin Agnes Obel auch 2014 eine nicht geringe Hörerschaft von ihren Qualitäten überzeugen. Nachdem die Veröffentlichung ihres Zweitwerks "Aventine" bereits 2013 den Ruf Obels als eine der talentiertesten Gegenwartsmusikerinnen erneut zu untermauern wusste, erschien vor wenigen Monaten mit der Deluxe Edition dieses Albums ein weiterer Geniestreich aus der Feder der gebürtigen Dänin. Doch damit nicht genug. Passend zur Veröffentlichung der Platte entschied sich Agnes Obel, im Spätherbst eine kleine Konzertreise anzutreten. Ihr Auftritt im Berliner Admiralspalast avancierte dabei zu einem audiovisuellen Erlebnis der besonderen Art. Vor einer schillernden Wand thronend präsentierte Obel Songs wie das dahingleitende "Dorian" oder "Fuel to Fire", indes die Menschen im Publikum sich kaum zu bewegen, geschweige denn zu atmen, trauten. Diese Eleganz, diese Begabung möchten wir mit dem Titel "Solokünstlerin des Jahres" ehren.




Geheimtipp des Jahres: Phoria

© by Christine Burkart
Wie macht man 2014 als Newcomer noch auf sich aufmerksam? Wenn man sich das Quintett Phoria aus Brighton anschaut und -hört, scheint allem voran eine exzentrische Soundvision den Schlüssel zum Erfolg darzustellen. Insgesamt drei EPs haben Seryn Burden, Tim Douglas, Jeb Hardwick, Trewin Howard und Ed Sanderson bisher veröffentlicht - und mit jeder lässt sich die Entwicklung Phorias von einer klassischen Band hin zu einem imposanten Electronica-Ensemble ein Stück besser nachzeichnen. Während die Präsenz akustischer Instrumente im Schaffen Phorias zunehmend in den Hintergrund rückte, erhielten im selben Moment weitschweifende Synthietexturen Einzug in Songs wie "Emanate", "Undone" oder "Atomic". All die genannten Titel sind auf der EP "Display" zu finden, die seit Juli auch in Deutschland über das Label Humming Records vertrieben wird und die uns zu der Entscheidung brachte, Phoria zu unserem Geheimtipp 2014 zu erklären.





Gewinnspiel

Zu unserer Hitlist halten wir auch in diesem Jahr ein prall gefülltes Paket bereit, das aus folgenden Dingen besteht:
- Sylvan Essos "Sylvan Esso" (CD)
- Hundreds "Aftermath" (CD)
- Gratisdownload der Hundreds-EP "Under The Icicles"
- Wild Beasts "Present Tense" (CD) in der Special Edition 
- Postkartenset zu Wild Beasts "Present Tense"
- Vinyl-Single "The Devil's Crayon" von den Wild Beasts
- Agnes Obels "Aventine" (CD) in der Deluxe Edition
- Beutel von Agnes Obel
- Phorias EP "Display"(Vinyl) 
- zahlreiche Aufkleber

Wir danken in diesem Zusammenhang City Slang, Sinnbus, Domino Deutschland, PIAS Germany und Humming Records für die Bereitstellung der Preise.
 
Um eine Chance auf unser Hitlist-Paket zu haben, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

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Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Hitlist 2014" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist Freitag, der 09.01.2015.
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Viel Erfolg!


Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gewinnspiel: Future 3 "With And Without"

© by Dennis Morton
Time flies by. Die Zeit rennt und vergegenwärtigt uns die Endlichkeit des Seins. Aus Sekunden werden Minuten, aus Minuten Stunden, aus Stunden Tage, Wochen, Monate, Jahre - plötzlich sind wir nicht mehr der kleine Junge, der im Sandkasten seine Matchbox-Autos vergräbt, oder das Mädchen, das sich Gänseblümchen ins Haar flächten lässt. Schmerzlich ist die Erkenntnis, dass wir nichts gegen das stetige Voranschreiten all jener tickenden Uhren um uns herum tun können. Und doch liegt genau darin auch eine Hoffnung. Alte Wunden werden heilen und neue Abenteuer beginnen. Die Zukunft bietet ungeahnte Perspektiven.
In den frühen Neunzigern lernen sich Anders Remmer, Thomas Knak und Jesper Skaaning in Kopenhagen kennen. Zusammen gründen sie das Projekt Future 3, das musikalisch klar im Ambient verortet ist. Von 1995 bis 2001 entstehen insgesamt drei Studioalben und ein paar zusätzliche EPs. Dann wird es ruhig um Future 3. Bis jetzt. "With And Without" schließt da an, wo der Vorgänger "Like" (2001) aufhörte.

"With And Without" ist nicht einfach nur Albumtitel, sondern darüber hinaus auch Statement. Ein Statement, das Aufschluss über die Beschaffenheit der gleichnamigen Platte gibt. Bietet der erste Teil von "With And Without" fünf feinfühlige Songs, die mit Gesängen von Benoit Pioulard (Orcas) und Anja T. Lahrmann (Ice Cream Cathedral) versehen sind, wird der Rest des Albums von reinen Instrumentalstücken dominiert. Wer nun aber einen heftigen Cut zwischen den beiden Hälften des neuen Werks von Future 3 vermutet, der irrt. Gleich zu Beginn flüstern "Mmn" und "Revenant" dem Hörer leise Geschichten ins Ohr. Der Verstand entgleitet und verliert sich zwischen den Versen, die von Pioulard beinahe mantraartig dargeboten werden. Auch Anja T. Lahrmanns Gastauftritte innerhalb der Songs "Signature", "Roller Coasters" und "Seen" wirken sphärisch und harmonieren nahezu perfekt mit den elektrifizierten Arrangements, die sie umspielen. Future 3 haben alles richtig gemacht und mit Anja T. Lahrmann und Benoit Pioulard zwei sehr charismatische Stimmen auf ihrem "With And Without" verewigt. Nachdem diese dann aber schließlich verklungen sind, zeigen Remmer, Knak und Skaaning, dass sie auch ganz ohne Worte einzigartige Stimmungen zu erschaffen in der Lage sind. Als zweiter Akt eines extravaganten Soundspektakels schweben Tracks wie "August", "Trmbns" oder "Return" schwerelos durch ein dunkel-funkelndes Klanguniversum. Erst mit dem finalen "Figure" erlangt "With And Without" wieder Bodenhaftung und schlägt Wurzeln im Dream Pop - denn da sind Future 3 mittlerweile angekommen.



Um abschließend ein CD-Exemplare von Future 3s "With And Without", das uns Morr Music zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Future 3" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 12.10.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Future 3 und "With And Without" gibt es hier:
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Freitag, 26. September 2014

EP-Vorstellung: Cancer "Ragazzi"

Zum ersten Mal trafen sich Nikolaj Manuel Vonsild und Kristian Finne Kristensen am Flughafen von Oslo. Nachdem beide unabhängig voneinander auf demselben Festival performt hatten, endeten sie irgendwann in der Abflughalle des Airports, wo sie darauf warteten, zurück nach Hause fliegen zu können. Der Frontmann der Band When Saints Go Machine und das Gesicht hinter dem Projekt Chorus Grant wechselten nur wenige Worte an diesem Tag, obwohl sie Stunden lang Seite an Seite gesessen hatten. Irgendwann später führte es die Herren dann aber erneut zusammen und sie begannen, mehr und mehr Zeit miteinander zu verbringen. Wie es bei Musikern so üblich ist, blieb es dabei jedoch nicht bei einem kühlen Bier oder einem Gespräch über die Eigenheiten des Wetters. Schnell wurden Mikrofone und Instrumente hervorgekramt, um ein wenig mit Sounds herumexperimentieren zu können. Natürlich ganz unverfänglich, planlos und ohne ein genaues Ziel vor den Augen zu haben. Dass die dabei entstandenen Skizzen jedoch nicht einfach wieder verworfen werden würden, hätte Vonsild und Kristensen wohl klar sein können.

Im Dezember des letzten Jahres fanden sich die Männer folgerichtig in einem Studio in Kopenhagen ein und begannen, ihre tonalen Entwürfe weiterzuentwickeln. Die EP "Ragazzi" ist schließlich das Produkt dreier Tage, innerhalb derer sich Kristensen und Vonsild ganz auf die Neugier verließen, herausfinden zu wollen, wohin ein einzelner Riff, eine unfertige Melodie oder ein kryptischer Wortfetzen sie führen könnte. Als Cancer präsentiert das Duo die Auswüchse dessen nun erstmals digital und auf Vinyl. "Age of Pinballs", das Eröffnungsstück der "Ragazzi"-EP, vereint warme Folkeinflüsse mit starren Electroparts und stellt damit gleich zu Anfang klar, dass Cancers Klangkosmos wohl eher diffus als sternenklar sein dürfte. Desweiteren treffen Vonsilds androgyne Falsettgesänge, für die der Sänger von jeher bekannt ist, auf die etwas kräftigere Stimme Kristensens, was zu einer Art Erdung führt. "FKA IP" zelebriert derweil eine akustische Ästhetik, die man sonst vielleicht Pink Floyd hätte zuschreiben wollen. Nicht minder hartnäckig, was das Aufbrechen gängiger Liedstrukturen betrifft, zeigen sich auch "Same Color As Digital Photography", das kühle "Hunting Large Cats From Helicopter" oder "Body On The Bones". "Hot Snake Dead Boy" - man muss hir noch kurz anmerken, dass alle Titel völlig unabhängig von den Texten der jeweiligen Songs zu sein scheinen - fungiert dann als kleine Nachtmusik und beendet "Ragazzi" mit einem sanften Kuss.
Wenn man erfährt, dass Cancer anstreben, aus ihrem einmaligen Rendez-Vous eine echte Romanze zu entwickeln, stimmt das euphorisch - bietet "Ragazzi" doch einen wunderbaren Gegenentwurf zu all dem uncharismatischen Radiopop.



Mittwoch, 10. September 2014

Gewinnspiel: Blonde Redhead "Barragán"

© by Marlene Marino
Seit Mitte der Neunziger haben Blonde Redhead stetig daran gearbeitet, ihren ganz individuellen Sound in das Fundament der Ewigkeit zu gießen. Dass ihnen dies bereits mehr als gut gelungen ist, zeigt ihre bisherige Diskografie, die sich, mal mit klaren und dann wieder mit sehr konfusen Linien, deutlich vom Einheitsbrei vieler ihrer Kollegen abzugrenzen weiß. Ob das raue "La Mia Vita Violenta", das wegweisende "Misery Is A Butterfly" oder das mit zahlreichen Klangexperimenten versehene "23" - Blonde Redhead lassen sich stilistisch kaum einordnen. Dementsprechend war auch zu erwarten, dass Sängerin Kazu Makino und die Zwillingsbrüder Amedeo und Simone Pace für ihr neuntes Studioalbum erneut in die melodische Trickkiste greifen würden. "Barragán", das seinen Titel schlicht aufgrund der wohlklingenden Kombination der acht Buchstaben erhalten hat, darf schon jetzt als absolutes Glanzstück in der Karriere des Trios gefeiert werden.

Als würde man aus dem Inneren eines schattigen Hauses hinaus ins Freie treten und von der plötzlichen Helligkeit des Sonnenlichts geblendet werden, so eröffnet das Instrumentalstück "Barragán" das gleichnamige Album. Während die Vögel im Hintergrund zwitschern, befällt den Hörer ein intensives Gefühl der Glückseligkeit. Ist dies das Paradies? Nun, es kommt dem auf jeden Fall sehr nah. Die zehn Stücke auf "Barragán" tragen eine faszinierende Kraft in sich - mystisch und doch real zugleich. Songs wie "Lady M" oder das knisternde "Mind To Be Had" versuchen mit jedem neuen Takt abzuheben, werden jedoch wieder und wieder von einem starken Sog erfasst, der sie an die Endlichkeit ihrer selbst kettet. Und genau das ist es, was "Barragán" als Gesamtwerk ausmacht. Es ist eine Platte mit Bodenhaftung, die dennoch etwas Transzendentes an sich hat. Wirkt das wunderbare "The One I Love" beispielsweise erst fragil und zerbrechlich, entwickelt es im Refrain eine starre Dramatik, die jede vergossene Träne gefrieren lässt, noch bevor sie den Erdboden berührt. Nicht zuletzt dank der charismatischen Stimmen von Makino und Pace sowie dem Einsatz verschiedenster analoger Synthesizer entsteht eine einzigartige Klangkulisse, in der selbst tanzbare Songs wie "Dripping" oder "Penultimo" ihren Platz finden.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Blonde Redheads neuem Album "Barragán" zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

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Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Blonde Redhead" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 14.09.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
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Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Blonde Redhead und dem Album "Barragán" gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud-Profil

Freitag, 8. August 2014

Album-Vorstellung: FKA twigs "LP1"

 © by Dominic Sheldon
Wo es doch aktuell so aussieht, als würde die Dreampop-Prinzessin Grimes heftigst an ihrem eigenen Thron sägen, indem sie ihr Gefolge zunehmend mit der Veröffentlichung flacher, Mainstream tauglicher Tracks vergrault, braucht es eventuell ein neues Gesicht an der Spitze des elektrifizierten Klangreiches. Und so tritt eine junge Britin, mit spanisch-jamaikanischen Wurzeln, gerade rechtzeitig auf den Plan. FKA twigs (formally known as twigs) erweckt den Anschein, ein humanoides Astralwesen zu sein, das mit der letzten Sternschnuppe auf die Erde gestürzt ist und seitdem durch seine Andersartigkeit von sich reden macht. Glaubt man allerdings Pressetexten und Interviews, wuchs FKA twigs als Tahlilah Barnett im verschlafenen Gloucestershire, einer ländlichen Region im Westen Englands, auf. Schüchtern soll sie gewesen sein. Heute hingegen wirkt sie als multimediales Kunstobjekt recht extrovertiert, hat sich in gut verknüpftes Netzwerk integriert und sich mithilfe ihrer ersten beiden EPs "EP1" (2012) und "EP2" (2013) einen festen Stand im aktuellen Musikgeschehen verschaffen können. Genau der richtige Moment, um ein Debüt nachzuschieben. Dieses trägt - wie sollte es auch anders sein - den Titel "LP1".


Wie klingt die Moderne? FKA twigs beantwortet diese Frage auf "LP1" mit einem bunten Potpourri aus Electro, Dreampop, R'n'B und Trip-Hop. Die Akzente, die die 26-Jährige dabei auf ihrer ersten LP setzt, wechseln von Song zu Song und verleihen dem Album insgesamt einen frischen, unverbrauchten Charme. Während der Opener "Preface" oder das atemberaubende "Closer" noch futuristischen Sirenengesängen à la Julia Holter frönen, enthüllen "Lights On" oder "Two Weeks" eine pulsierende Laszivität, die klar in Richtung Soul deutet. Dubstep und Downtempo infiltrieren derweil Nummern wie "Pendulum" oder "Kicks", wohingegen "Numbers" die Weitläufigkeit experimenteller Sounds erkundet. Auch FKA twigs Stimme durchläuft innerhalb der zehn Stücke der Platte manch interessante Metamorphose. Durch punktuell eingesetzte Verzerrungen und eine generell recht breite Range bedient die Sängerin eine tiefe Vollmundigkeit ebenso gekonnt, wie die sphärischen Höhen, die bei "Hours" zu vernehmen sind.
Vielleicht reicht "LP1" noch nicht an die Genialität eines "Visions" von der bereits erwähnter Kanadierin Grimes heran, doch hat FKA twigs mit diesem Album den Sicherheitsgurt angelegt, um bei der nächstmöglichen Gelegenheit auf die Überholspur zu wechseln.




Freitag, 18. Juli 2014

Album-Vorstellung: Alvvays "Alvvays"

Alvvays
Was ist es nur, das so viele Leute an der Vergangenheit reizt? Ist es ihre vermeintliche Überschaubarkeit oder das Gefühl von Kontrolle, das wir oft mit ihr verbinden? Immerhin lässt sich die Vergangenheit nachträglich nicht mehr umschreiben. Sie ist unumstößlich, gesetzt, gefestigt. Allzu oft dient sie als eine Art Blaupause für Gegenwart und Zukunft. Als Inspirationsquelle, als Geschichtenerzähler, als Mahnmal. Auch die kanadische Band Alvvays scheint fest im Gestern verwurzelt zu sein. Und zwar sowohl auf akustischer als auch auf visueller Ebene. Als wären sie einem College-Jahrbuch aus den Sechzigern entstiegen, strahlen Molly Rankin, Kerri Maclellan, Alec O'Hanley, Brian Murphy und Phil MacIsaac von den Pressefotos, die den Release ihres selbstbetitelten Debütalbums begleiten. Hornbrillen, Wollkragenpullies und Streifenshirts fungieren derweil als adäquate Accessoires zum authentischen Retrolook. Soundtechnisch bieten Alvvays einen Mix aus ungeschliffenem Rock, verwaschenem Lo-Fi und funkelndem Power Pop.


"Alvvays"
Die Blogosphäre zeigte sich recht begeistert, als mit "Adult Diversion" und "Archie, Marry Me" erste Songproben von Alvvays im World Wide Web auftauchten. Genau diese Tracks bilden nun den Auftakt des Erstlingswerks der Band. Tatsächlich kann man den beiden Stücken ein gewisses Kultpotenzial zusprechen, sind sie doch gleichsam eingängig wie speziell. Im weiteren Verlauf der Platte kratzt Molly Rankins Stimme herrlich ungeniert über die vielen kantigen Arrangements, die das Debüt der Kanadier zu bieten hat. Doch damit nicht genug. Entgegengesetzt zu der Hektik des einen oder anderen Songs, lassen sich auf "Alvvays" auch besonnenere Augenblicke finden. Zum Beispiel bei  "Ones Who Love You", dem inbrünstigen "Party Police" oder dem von Drum Machines getragenen "Dives". Etwas lauter geht es hingegen bei "Next Of Kin" oder "Atop A Cake" zu. Treibende Beats und sperrige Gitarrenriffs ermuntern zu wilden Tänzen, bis das finale "Red Planet" schließlich das Tempo drosselt und zum Kuscheln unter der Discokugel aufruft. Wer bei "Alvvays" auf musikalische Innovationen hofft, wird gegen eine starre Wall Of Sound laufen. Wer hingegen Lust hat, die Ära des verträumten Garage Rocks aufleben zu lassen, der sollte getrost auf Play drücken.



Freitag, 4. Juli 2014

EP-Vorstellung: Phoria "Display" (+ Interview)

Phoria
Musik ist ein Rätsel. Ein Geheimnis, dem schon zahlreiche Generationen von Menschen verfallen sind, nur um schlussendlich an der Tatsache zu scheitern, dass dieses Mysterium wohl nie vollständig ergründet werden kann. Ein paar Jungs aus dem englischen Brighton scheinen dies hingegen verstanden zu haben. Seryn Burden, Tim Douglas, Jeb Hardwick, Trewin Howard und Ed Sanderson gründeten vor Jahren die Band Phoria und folgen seitdem unbeirrt ihren Instinkten und Gefühlen, wenn es darum geht, Songs zu schreiben. Als Ergebnis präsentierte das Quintett 2010 seine Debüt-EP "Yourself Still" und im letzten Jahr eine weitere Sammlung von fünf einzigartigen, ja beinahe schon majestätischen, Soundgebilden, die sich unter dem NamenBloodworks“ vereinten. 2014 ist es Zeit für eine weitere Veröffentlichung. Die EP „Display“ erscheint heute auf dem Berliner Label Humming Records.

"Display"
Wo „Bloodworks“ mit dem finalen Stück „Posture“ der Apokalypse entgegenritt, greift „Display“ den Schwung seines Vorgängers auf und hebt ihn auf eine neue akustische Ebene. „Emanante“, der Opener der EP, entzündet die Platte mit der Behutsamkeit eines Streichholzes. Sanft züngeln seine Flammen, bis die Umgebung jedoch Feuer fängt. Plötzlich findet sich der Hörer in einem hitzigen Inferno wieder, bei dem monumentale Songstrukturen einstürzen wie Kartenhäuser. In der Verwüstung des Augenblicks wird „Undone“ geboren - ein zartes, anmutiges Stück. Dream Pop, Shoegaze und Postrock zeigen sich dabei von ihrer reinsten Seite. Ein wenig an Thom Yorkes „Black Swan“ erinnert hingegen „Atomic“, der Folgetrack. Phoria beweisen erneut ihr Gespür für interessante Melodien und unerwartete auditive Wendungen. Selten hat man Originalität derart spüren können. Während die Gänsehautwellen nicht abebben wollen, läutet „Efforttobreathe“ das gedämpfte Finale der "Display"-EP ein - sozusagen als Ruhe nach dem Sturm.



Unsere Redaktion ist hin und weg von der Finesse und gleichzeitigen Wucht, die Phoria auf ihrer zweiten EP ausbreiten. Selten hat uns ein Werk auf Anhieb derart gut gefallen und so prognostizieren wir der Band gern eine aussichtsreiche Zukunft.

Da es noch relativ wenig Informationen zu Phoria gibt, ließen wir uns zudem die Gelegenheit nicht entgehen, den Herren selbst ein paar Fragen zu stellen. Genauso undurchsichtig wie die Musik der Gruppe fielen allerdings auch die Antworten aus, die uns Bassist Tim Douglas zurücksandte. Vielleicht gilt es, zwischen den Zeilen zu lesen.
 
Wer steckt hinter Phoria?

Alle anderen! 

Wie kam es zur Gründung von Phoria? 

Wir lernten uns in Brighton kennen, wo wir auch jetzt noch leben, aber unsere Beziehungen reichen Jahre zurück. Trewin, Ed und Jeb gingen in die gleiche Vorschule. Sie lernten ihre ersten Instrumente gemeinsam, spielten vermutlich gemeinsam mit Spielzeugautos und tuschelten zusammen über Mädchen. Ihre Verbindung ist der Kern der Band. Sie haben ein tiefes Verständnis füreinander, weil sie sich gegenseitig in der Ausprägung ihres Geschmackes beeinflusst haben.  Ich traf Ed und Jeb an der Uni, wo wir dank einer gemeinsamen Liebe für verrückte Gitarren und laute Rockmusik, zu der du deinen Kopf demolieren kannst, zusammenfanden. Wir blieben in Kontakt, und nachdem ich ein paar Jahre lang Blues-Cover im Südwesten zum Besten gegeben hatte, kam ich zurück nach Brighton, um dort Bass in einer Progressive-Pop-Band zu spielen. Es ist seltsam, wie Dinge passieren und wie zufällige Umstände deine Entwicklung beeinflussen können.

Warum habt ihr euch für Phoria als Bandnamen entschieden? 

Ich weiß nicht mehr, ob wir zuerst das Logo designten oder einen Namen fanden und dann den Stil anpassten. Auf jeden Fall sah Phoria geschrieben gut aus. Zudem beschwört Phoria ein Gefühl herauf. Irgendwie funktionierte der Name einfach. Bandnamen sind das Schwierigste. Dass es überhaupt irgendeine Gruppe schafft, einen zu wählen, das ist für sich genommen schon ein Wunder!

Verfolgt ihr eine bestimmte Philosophie? 

Ehrlichkeit. Eleganz. Spaß. Generell ist das aber eher eine Annäherung hin zu sich selbst und allem, was zur Musik gehört, als eine bestimmte Philosophie. Trewin schrieb mal ein paar Punkte für Seryn auf, wie man dem Musikmachen nahekommen könnte. Ich heftete diese an eine Wand und machte ein Foto mit meinem Handy, damit auch ich sie künftig haben würde. Die Punkte sind simpel, aber sie funktionieren. Der Junge hat ein Talent dafür, komplexe Ideen auf ihre Essenz herunterzubrechen. Minimale Komplexität. Mit wenig erreichst du viel. Wie hört sich das an? Großartig, oder?

Wie würdest du selbst den Sound eurer neuen EP „Display“ beschreiben? 

Da gibt es Bässe, Drums, Gitarren und Synthesizer. Und Gesang. Kennt ihr das Gefühl, wenn man an einem heißen Tag in einen eiskalten Pool geht und an der Stelle, wo die Wasseroberfläche deinen Körper umschließt, eine Taubheit entsteht? Nur was will er uns damit sagen?  

Inwiefern ist „Display” anders als eure letzte EP „Bloodworks“? 

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr glaube ich, dass sie ein wenig schmutziger ist. Wir selbst werden zunehmend verbrauchter, jetzt wo der Alltag als Musiker langsam seine Opfer fordert und ich denke, das spiegelt sich hier wieder. Es geht mehr um die Schönheit einer Stadt bei Nacht als um die Schönheit eines brennenden Sternes in irgendeiner vernachlässigten Ecke des Universums, worum es sich aber etwas mehr bei „Bloodworks“ drehte. Wir sind gewachsen.

Welche Geschichte steckt hinter dem Stück Emanante

Das kann ich nicht sagen. Wirklich nicht. Ich höre im Moment Eartha Kitt und wollte gerade pausieren, um „Emanante“ anzumachen und zu versuchen, wirklich einzutauchen, damit ich erzählen kann, worum es meiner Meinung nach geht und woher der Track entstammt, aber ich kann das nicht. Ich bin da wohl der Falsche. Außerdem ist es egal, was dahinter steckt. Stellt euch vor, ihr würdet denken, es ginge um Liebe und Glück und dann würde ich sagen, der Song erzähle vom Verlieren beim Golfen. Was bringt es? Trefft mich an einem anderen Tag und ich kann mich eventuell darauf einlassen, aber ihr hattet leider Pech.