"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Wenn es jemanden gibt, der das Covern beherrscht wie kaum ein Zweiter, dann ist das wohl der Franzose Marc Collin. Mit seinem langjährigen Projekt Nouvelle Vague, das er zusammen mit seinem Kollegen Olivier Libaux und einer Handvoll grandioser Sängerinnen und Sänger realisierte, schaffte der ebenfalls als Produzent tätige Musiker den Sprung von der Hotelbar auf die großen Bühnen dieser Welt. Nie zuvor hatte ein Act, der sich einzig auf die Neuinterpretation von Songs anderer Künstler stütze, für mehr Wirbel sorgen können. Zahlreiche ausverkaufte Konzerte, ein Side-Project namens Hollywood, Mon Amour und einige Soundtrack-Arbeiten später, lässt Collin nun aber genau diesen Erfolgsgaranten zurück und widmet sich mit Bristol einer anderen großen Herzensangelegenheit. Wie bereits der Name vermuten lässt, dreht sich bei Bristol alles um die gleichnamige britische Stadt am Floating Harbour, die in den Neunziger Jahren als Geburtsstätte des Trip-Hops fungierte und Bands wie Massive Attack oder Portishead hervorbrachte. Doch wütete der Trip-Hop, mit seiner Mischung aus Hip-Hop-Beats, Samples und elektronischen Einflüssen, in ganz Europa, wie nun auch Bristols selbst betiteltes Debütalbum "Bristol" dokumentiert.
Hatte sich Nouvelle Vague klar dem New Wave verschrieben und ihn Richtung Bossa Nova geschickt, überführen auch Bristol ihr auserwähltes Blauskizzen-Genre in ein recht gegensätzliches akustisches Feld. Collin reizte die Idee, einen Entwurf davon zu zeichnen, wie sich all die rauchenden und düsteren Trip-Hop-Hymnen als ausschweifende Filmsongs aus den Sechzigern und Siebzigern angehört hätten. Da wird dann aus einem vormals recht akzentuierten Song wie Lambs "Gabriel" schnell ein von Herzblut durchdrungenes und bombastisch inszeniertes Stück, wohingegen das von den Sneaker Pimps stammende "6 Underground" beispielsweise in ein typisches Film-Noir-Licht getaucht wird. Collin reist mit Hooverphonics "Mad About You" nach Belgien, schnappt sich Björks "All Is Full Of Love", entzündet damit ein emotionales Inferno oder tunkt Jay-Jay Johansons "Nothing Else" in eine elegante Schwerfälligkeit. Natürlich huldigen Bristol aber auch den bereits erwähnten Trip-Hop-Pionieren, indem sie Massive Attacks "Safe From Harm" zum flirrenden Opener erklären und Portisheads "Roads" durch die begnadete Stimme Jim Bauers veredeln - ist es doch vor allem jener 23-Jährige, der mit nahezu umwerfenden Gesangseinlagen für zahlreiche spannende Momente auf "Bristol" sorgt. Collin hat erneut sein Gespür für die richtigen Kollaborationspartner und sein Händchen für erfolgsversprechende Newcomer bewiesen. Ob Cecile De Laurentis, die Neneh Cherrys "Woman" zu Hochtouren auflaufen lässt, Prudence Fontaine, die Morcheebas "Moog Island" in ein flottes Tanzstück verwandelt oder die Pariserin Dawn, die Trickys "Overcome" im wahrsten Sinne des Wortes Leben einhaucht und die gleichzeitig auch Teil des Live-Ensembles von Bristol ist. Trip-Hop mal anders. Anders und doch in sich so schlüssig, wie es nur ein Marc Collin darzulegen weiß."Bristol" dürfte Freunde von Nouvelle Vague genauso betören, wie alldiejenigen, die schon einmal zu Goldfrapps "Paper Bag" in ihr Kissen geweint haben oder zu Archives "Nothing Else" durch den Alltag getrieben sind.
Um abschließend ein CD-Exemplar von Bristols "Bristol", das uns unsere Freunde bei JSM zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern,
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auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.) Teilnahmeschluss ist der kommende Montag, der 05.04.2015. Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg! Weitere Infos zu Bristol gibt es hier: Offizielle Website| Facebookseite | Interview mit Marc Collin bei Kultmucke
An einem grauen Tag im Jahr 2010 ist der Bodennebel besonders beständig. Kein einziger Sonnenstrahl vermag durch ihn hindurchzudringen. Es herrscht eine Geisterstimmung. Der Luxemburger Produzent und DJ Chook wandert durch das Zwielicht - umgeben von dunklen Schatten und flirrenden Klängen. Doch tut er das ab einem gewissen Punkt nicht mehr allein. Zu ihm gesellt sich Claudine. Mit einer unglaublichen Wärme in Stimme und Songwriting setzt die Folksängerin die harschen Beats Chooks augenblicklich in einen einzigartigen Kontrast. Chook und Claudine werden zu engen Weggefährten und gründen das Duo Monophona. Als dieses veröffentlichen sie 2012 ihr unkonventionelles Debütalbum "The Spy", begeistern innerhalb eines umfangreichen "Kultverdächtig"-Features bei unseren Kollegen von Kultmucke mit ihrer Coverversion von John Martyns "Head And Heart", steuern mit dem exklusiven Track "Questions About Everything" eins der Highlights der Compilation "Kultverdächtig II" bei und spielen zudem zahlreiche Konzerte in ganz Europa. Im Rahmen dieser wird der engagierte Schlagzeuger und Percussionist Jorsch immer mehr zu einer unverzichtbaren Schlüsselfigur, sodass er schließlich offiziell bei Monophona einsteigt und zudem auch an den Arbeiten zu "Black on Black", dem Zweitwerk des nun zum Trio mutierten Gespanns, beteiligt ist.
Düsterer, härter und unnachgiebiger als sein Vorgänger "The Spy" taucht "Black on Black" den Sound Monophonas in tiefstes Schwarz. Schon der dem Album seinen Namen gebende Opener verfinstert dabei eine jedwede Szenerie binnen von Sekunden und sorgt für ein sanften Schauer, der sich rasant ausbreitet und das Gemüt befällt. Markerschütternde Drums, dröhnende Synthesizer und der bittersüße Gesang von Claudine geben sich auf "Black On Black" die Klinge in die Hand und sorgen für eine Stimmung, wie sie nur Monophona zu erzeugen in der Lage sind. Während "Thumb" oder "Ricochet" noch als Verbindungsstücke zu der musikalischen Vergangenheit der Luxemburger fungieren, zeigen Stücke wie "Yes Yes" oder "Heavier Slower" den Drang Monophonas, sich gleichzeitig eben auch weiterentwickeln zu wollen. Ganz nebenbei wird so eine neue Trip-Hop-Ästhetik geboren - scharfkantig und hypnotisierend. Hochemotional und gefühlvoll präsentiert sich hingegen "A Mole The Size Of A Breadcrumb", der vielleicht am wenigsten zu erwartende Track auf "Black On Black". Von Klavierpassagen getragen stützt sich der Song auf ein recht zerbrechliches Fundament, das ihm jedoch gleichzeitig eine fesselnde Lebendigkeit verleiht. Und auch "Ribbons (featuring Daniel Balthasar)" wirkt erstaunlich untypisch für Monophona, ja, nahezu optimistisch und leichtfüßig. Und darin liegt das Erfolgsrezept von "Black On Black". Das Album ist unvorhersehbar. Man weiß als Hörer nie, welche Wendung, welche Spielerei bereits hinter dem nächsten Takt lauern könnte. Ohne an Schlicht- und Reduziertheit zu verlieren, entspinnen Monophona so eine akustische Spannung, wie man sie heutzutage nur noch selten präsentiert bekommt. Kein Wunder also, dass wir nahezu paralysiert sind von dieser großartigen Platte.
Um abschließend ein CD-Exemplar von Monophonas "Black On Black", das uns Creative Eclipse PR zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern,
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auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.) Teilnahmeschluss ist der kommende Mittwoch, der 04.02.2015. Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg! Weitere Infos zu Monophona und "Black On Black" gibt es hier: Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud-Account
Irgendwann hatten sie genug - genug von all der Verschwendung, die das musikalische Verständnis der Neunziger durchzog wie ein roter Faden. Lou Rhodes und Andy Barlow gründeten ihr Duo Lamb zu einer Zeit, als das Geschäft mit Tonträgern noch wirklich florierte. Newcomern wurden damals Unsummen zur Verfügung gestellt, damit sie an ihren Alben arbeiten konnten. Dabei war jedoch nicht immer der Weg das Ziel, sondern oft nur die Pflastersteine von Belangen, die eben diesen zierten. Wen wundert es da, dass zahlreiche Künstler abhoben wie Düsenjäger, die keine Limits mehr kennen, und völlig den Bezug zum Boden der Tatsachen verloren? Nur eine Handvoll dieser befeuerten Talente schaffte tatsächlich den Flug über die Millenniumswende hinweg - der Rest scheiterte irgendwann an der eigenen Maßlosigkeit oder der Tatsache, das auch Ruhm vergänglich ist. Selbst die recht gefestigten Mitglieder von Lamb blieben nicht unbeeindruckt von den Erfolgen, die sie mit ihren Platten verzeichnen durften. Nur kam es auch bei ihnen zum Kollaps und eine Pause musste her. Während sich Lou und Andy in den darauf folgenden Jahren auf neue Projekte konzentrierten, keimte Verlangen, sich eines Tages wieder im Studio treffen zu wollen, jedoch stetig weiter. Das führte 2011 zu "5" und nun zu "Backspace Unwind".
Man kann Lamb wohl nichts mehr vormachen - ihr sechstes Studioalbum "Backspace Unwind" ist ein Geniestreich. Und zwar einer, der mit jedem Hördurchgang außergewöhnlicher und prächtiger wird. Als gestandene Musiker enthüllen Lou Rhodes und Andy Barlow darauf zehn Tracks, die von den Erfahrungen der beiden Individualisten leben und zehren. "In Binary" eröffnet die Platte mit dröhnenden Synthies und donnernden Beats. Doch bereits in der Sekunde, in der Lous markanter Gesang zum ersten Mal hinzukommt, wird das akustische Chaos von einer sanften Wärme durchdrungen, die gleichzeitig als Anker des Stückes fungiert. "We Fall In Love" baut darauf auf und zeigt, dass Lamb entgegen ihres Rufs kein Trip-Hop- sondern vielmehr ein experimentierfreudiger Drum'n'Bass-Act sind - einer, der sich eben gerne organischer Elemente bedient. Und genau diese fließen dann in Songs wie "As Satellite Go By", "What Makes Us Human" oder die beiden Endtracks "Doves & Ravens" und "Only Our Skin" derart sensibel ein, dass sich beim Hörer sofort ein Gefühl von Behaglichkeit einstellt. Im Kontrast dazu stehen kantigere Nummern wie "Seven Sails" oder das basslastige "Shines Like This". "Nobody Else" hingegen wird zum sinnlich säuselnden Electro-Walzer und das titelgebende "Backspace Unwind" fasst ganz beiläufig zusammen, wofür Lamb 2014 stehen: Harmonie.
Zurückgehen. Zurückgehen zu dem Moment, indem man ein Album zum allerersten Mal abgespielt hat - Wie unglaublich wäre das? Erneut jene Empfindungen spüren zu dürfen, die einst den gesamten Körper durchfahren und ihn völlig vereinnahmt haben. Gänsehaut, ein Kribbeln in den Fingern, während man die Lautstärke aufdreht, ein Blitzen und Funken zwischen den Ohrmuscheln. Noch ist die Zeitmaschine ein reines Hirngespinst der Wissenschaft. Uns Menschen ist es bis dato nicht gelungen, Geschehenes abermals zu durchleben. Oder etwa doch? Es ist das in Berlin lebende Duo Vittoria Fleet, das die Gesetzte der Physik aktuell auf den Kopf stellt, und zwar mit ihrem Debüt "Acht LP". Viele Geheimnisse ranken sich um Allan Shotter und seine Kollegin Giada Zerbo. Auf Fotos zeigen sich die Musiker schemenhaft und verschwommen, Informationen über sie in Erfahrung bringen zu wollen, gleicht ein wenig der Suche nach dem Heiligen Gral, und doch sind sie wahnsinnig präsent. Nämlich in ihren Songs. Mit diesen gelingt Vittoria Fleet das Unvorstellbare. Sie führen uns zurück zu Lambs "Lamb" (1996) und Mandalays "Empathy" (1998), sprich in die Tiefen jenes Trip-Hops, der durch Drum'n'Bass-Einflüsse gekennzeichnet war.
Rewind - eine starke Emotion wächst im Bauch heran. Es öffnet sich die Tür zu einer neuen Welt. Nein, einer alten Welt. Einer Welt, die man vor fast zwanzig Jahren schon mit "Lusty" oder "This Life", den Eröffnungsstücken der eben erwähnten Platten, betreten hatte. Nur ist es Vittoria Fleets "Acht", das jetzt als Schlüssel fungiert. Plötzlich stellt sich ein vertrautes Gefühl ein. Das flirrende "Uncocealed" heißt uns willkommen in einem weiß leuchtenden Sound-Universum. "Acht LP" ist ein Ausnahmewerk. Binnen weniger Takte zerspringt das Hier und Jetzt und löst sich beinahe vollkommen auf. Der Hörer schwebt durch ein Kontinuum aus Raum und Zeit. Alles ist vergessen und gedacht zugleich. "Frida" zerrt an der Realität, "Could Be Something" entsendet züngelnde Wellen in die Unendlichkeit, das Interlude "Good Morning Gesundbrunnen" zelebriert die Klarheit des Moments und "Hunger" entwirft eine kreischende Zukunftsvision. Vittoria Fleet verstecken sich nicht hinter ihren Kompositionen. Im Gegenteil. Sie nutzen diese als abstraktes Ausdrucksmittel, als Weg zum Ziel. Jeder kleinste akustische Impuls ist deutlich wahrnehmbar und sticht das Unterbewusstsein wie eine feine Akupunkturnadel. Ob "In Winter", das statische "It Begins", sein knisternder Nachfolger "We'll Wait", "David" oder das finale "Savuca Redux" - "Acht LP" hält, was sein Cover verspricht: einen Ausflug zur Schnittkante zwischen Himmel und Erde. Um abschließend eins von zwei CD-Exemplaren des Albums "Acht LP", die uns n5MD zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern,
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Betreff "Vittoria Fleet" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr
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Wo es doch aktuell so aussieht, als würde die Dreampop-Prinzessin Grimes heftigst an ihrem eigenen Thron sägen, indem sie ihr Gefolge zunehmend mit der Veröffentlichung flacher, Mainstream tauglicher Tracks vergrault, braucht es eventuell ein neues Gesicht an der Spitze des elektrifizierten Klangreiches. Und so tritt eine junge Britin, mit spanisch-jamaikanischen Wurzeln, gerade rechtzeitig auf den Plan. FKA twigs (formally known as twigs) erweckt den Anschein, ein humanoides Astralwesen zu sein, das mit der letzten Sternschnuppe auf die Erde gestürzt ist und seitdem durch seine Andersartigkeit von sich reden macht. Glaubt man allerdings Pressetexten und Interviews, wuchs FKA twigs als Tahlilah Barnett im verschlafenen Gloucestershire, einer ländlichen Region im Westen Englands, auf. Schüchtern soll sie gewesen sein. Heute hingegen wirkt sie als multimediales Kunstobjekt recht extrovertiert, hat sich in gut verknüpftes Netzwerk integriert und sich mithilfe ihrer ersten beiden EPs "EP1" (2012) und "EP2" (2013) einen festen Stand im aktuellen Musikgeschehen verschaffen können. Genau der richtige Moment, um ein Debüt nachzuschieben. Dieses trägt - wie sollte es auch anders sein - den Titel "LP1".
Wie klingt die Moderne? FKA twigs beantwortet diese Frage auf "LP1" mit einem bunten Potpourri aus Electro, Dreampop, R'n'B und Trip-Hop. Die Akzente, die die 26-Jährige dabei auf ihrer ersten LP setzt, wechseln von Song zu Song und verleihen dem Album insgesamt einen frischen, unverbrauchten Charme. Während der Opener "Preface" oder das atemberaubende "Closer" noch futuristischen Sirenengesängen à la Julia Holter frönen, enthüllen "Lights On" oder "Two Weeks" eine pulsierende Laszivität, die klar in Richtung Soul deutet. Dubstep und Downtempo infiltrieren derweil Nummern wie "Pendulum" oder "Kicks", wohingegen "Numbers" die Weitläufigkeit experimenteller Sounds erkundet. Auch FKA twigs Stimme durchläuft innerhalb der zehn Stücke der Platte manch interessante Metamorphose. Durch punktuell eingesetzte Verzerrungen und eine generell recht breite Range bedient die Sängerin eine tiefe Vollmundigkeit ebenso gekonnt, wie die sphärischen Höhen, die bei "Hours" zu vernehmen sind. Vielleicht reicht "LP1" noch nicht an die Genialität eines "Visions" von der bereits erwähnter Kanadierin Grimes heran, doch hat FKA twigs mit diesem Album den Sicherheitsgurt angelegt, um bei der nächstmöglichen Gelegenheit auf die Überholspur zu wechseln.
Tja, da hat es vier Herren aus Oxford wohl gerade zu überrollt, was den Erfolg ihrer Songs betrifft. Im November des letzten Jahres stellten wir euch mit der EP "Glass Animals" den ersten Geniestreich der gleichnamigen Band aus UK vor. Schon damals versprach sich unsere Redaktion recht viel von dem Quartett, dessen Wurzeln tief in das Erbe des Trip-Hops hineinreichten. Aufgepeppt durch allerhand elektronische Sounds infiltrierten die Glass Animals kurz darauf das gesamte Popgeschehen und überzeugten nicht nur uns mit ihrer exotischen Einzigartigkeit. Ein paar Monate später erscheint nun mit "Zaba" der erste Longplayer der Truppe. Was einst mit den fiebrigen Wachträumen des Frontmanns Dave Baley begann, ist mittlerweile zum stimmigen Gesamtkonzept gereift. Als sich Baley während seines Medizinstudiums regelmäßig die Nächste um die Ohren schlagen musste, flüchtete er sich mehr und mehr in seine Kindheitserinnerungen und allem voran in die mystische Kulisse des Zabajaba-Dschungels, einer Fantasiewelt, die der Feder des Autors William Steig entstammt. Einmal dort angekommen konnte er sich der hitzigen Magie jenes Ortes nicht mehr entziehen. Mit einer ungeahnten Konsequenz verorteten Baley und seine drei Kollegen ihre tonale Ästhetik schließlich im Innersten dieses besagten Urwalds, wodurch sich auch die Herkunft des Albumtitels "Zaba" relativ leicht erklären lassen sollte.
"Zaba"
Man nehme eine dem britischen Intellektuellenkreis entstammende Formation wie Alt-J, stelle ihr Reiseführer wie Kanye West und Nina Simone zur Seite und schicke sie durch eine wuchernde Szenerie aus Trommelbeats und Synthieschwaden - das entstpricht in etwa einem Hördurchgang von "Zaba". Warf die "Glass Animals"-EP den Samen für jene Platte, nämlich das Stück "Black Mamba", aus, zeugen nun auch Tracks wie der Opener "Flips", das flirrende "Pools" oder der hypnotische Tanz namens "Walla Walla" von einer eindringlichen akustischen Hitze. Hektisch kribbelnd schwirrt der Großteil der elf Songs durch die stickige Luft, begleitet von nebelartigen Texturen, dunklen Tiefen und fluoreszierenden Highlights. Einzig das funkelnde "Gooey" und die drei aufeinanderfolgenden Titel "Intruxx", "Hazey" und "Toes" verschaffen ein wenig Abkühlung in all der Schwüle. Da kommt man sich kurz vor, als nehme man ein Bad in einem verwunschenen Tümpel, umrandet von böse grinsenden Gewächsen. Spätestens wenn dann aber "Wyrd" erklingt, wird es Zeit, diesem Erfrischung spendenden Refugium wieder zu entsteigen und so spürt man erneut, wie jeder einzelne Wassertropfen auf der Haut verpufft. "Cocoa Hooves" zeichnet indes die Sterne in den Himmel und all die Umgebungsgeräusche scheinen augenblicklich zu ersterben. Seien es die Laute zirpender Insekten oder die Rufe grölender Waldbewohner - es wird es Nacht im Zabajaba-Dschungel. Zu den Klängen von "Jdnt" beruhigt sich das Gemüt, noch bevor es im Schlaf erneut durch Illusionen und Trugbilder gejagt wird. Die Glass Animals liefern mit "Zaba" ein hervorragend metaphorisches Werk ab, das Gesellschaftskritik durch die Blume ausübt. Aber nicht durch irgendeine Blume. Nein, durch eine fleischfressende Pflanze, die dank ihres seltsamen Erscheinungsbilds betörend und gefährlich zugleich wirkt.
Wenn man sich häufig mit den Biografien unterschiedlicher Musiker beschäftigt, dann fällt einem irgendwann auf, dass ein Großteil von ihnen bereits in frühen Jahren mit einer Wirklichkeit konfrontiert war, die Musik als wesentlichen Bestandteil enthielt. Ähnliches gilt auch für die Französin Émilie Simon. Als Tochter einer Pianistin und eines Toningenieurs konnte die 1978 in Montpellier geborene Sängerin der Welt der Melodien gar nicht erst entkommen. Geradezu omnipräsent webte sich diese nämlich in sämtliche sensible Entwicklungsphasen ihres Lebens ein und so wurden eigene Kompositionen schnell zum natürlichen Ausdrucksmittel für das Mädchen. Im Alter von sieben Jahren besuchte Émilie erstmals das Konservatorium ihrer Heimatstadt, um eine klassische Gesangsausbildung zu erfahren. Im Eiltempo ging es voran und nach der Schule entschied sich Émilie, auch ihr Studium der Musik zu widmen. Mit einem fundierten Wissen im Hinterkopf begann sie schließlich, die Arbeiten an ihrem einem ersten Album aufzunehmen, das sie mit ihrem eigenen Namen betitelte. "Émilie Simon" (2003) ist ein feingeistiges Debüt, das grazil zwischen Genres wie Trip-Hop, Retro-Pop und Chanson herumtänzelt. Ein typisch französischer Charme verleiht der Platte zudem ein sanftmütiges Leuchten. Unseren heutigen Klassiker der Woche, der eben jenem Album entstammt, gibt es in zwei Fassungen. Zum einen im mütterlichen Mundwerk Émilie Simons und zum anderen in der Allerweltssprache Englisch. Natürlich entschieden wir uns, als frankophile Redaktion, "Désert" für den heutigen Beitrag in der Version Française zu wählen. Neben vielen weiteren wundervollen Stücken auf "Émilie Simon", war es vor allem dieser Song, der den Naturfilmer Luc Jacquet dazu veranlasste, das aufstrebende Nachwuchstalent um einen Soundtrack für sein "Die Reise der Pinguine" zu bitten, was gleichzeitig den internationalen Durchbruch für Mademoiselle Simon bedeutete.