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Montag, 16. Juni 2014

Klassiker der Woche Nr. 100

1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 52, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99... 100!

Heute stellen wir euch, ohne viele erklärende Worte, unseren Klassiker der Woche Nr. 100 vor: Metric mit "Poster Of A Girl". Ab nächstem Montag findet ihr die Rubrik dann immer zuverlässig auf unserer Facebookseite.




Montag, 9. Juni 2014

Klassiker der Woche Nr. 99

Friska Viljor
Über Jahrzehnte hinweg konnte Schweden seinen Ruf als eine der erfolgreichsten Geburtsstätten für Musiksensationen behaupten. ABBA, Ace Of Base, Roxette, The Cardigans, Johnossi, Mando Diao, Shout Out Louds, Lykke Li, Robyn - die Liste an gefeierten Acts könnte noch ewig fortgesetzt werden. Umso erstaunlicher ist jedoch die Tatsache, dass viele der Bewohner des skandinavischen Königreichs gar nicht um die vielen Talente zu ihren Seiten wissen. So feiert der Großteil der schwedischen Künstler seine Karrieresiege oft fern der Heimat bei akustischen Auswärtsspielen. Ähnliches gilt auch für das Sixtett Friska Viljor. Während die Band seit über die Bühnen deutscher Festivals rast und euphorisch vom Publikum bejubelt wird, kräht in Stockholm, Göteborg oder Uppsala kaum ein Hahn nach Daniel Johanssons, Joakim Sveningssons und ihren Bandkollegen. Da kommt es dann auch schon einmal vor, dass man auf einer Indieparty in Malmö steht, die DJane nach "Oh Oh" von Friska Viljor fragt und diese erstaunt erwidert, sie habe wirklich noch nie etwas von dieser Gruppe gehört. Sollte der eine oder andere Leser nun Ähnliches denken, hilft nur noch eins: Press Play!


Montag, 2. Juni 2014

Klassiker der Woche Nr. 98

Cocteau Twins
Als der Dream Pop noch in den Kinderschuhen steckte, waren es allem voran Elizabeth Fraser, Robin Guthrie und Will Heggie, die sich mit Freude jenem neuen Genre widmeten und ihm beim Erwachsenwerden halfen. Das Trio, das unter dem Namen Cocteau Twins bekannt wurde, entstammte ursprünglich der britischen Punkszene, fand jedoch im sphärischen Gitarrenpop der 80er eine Inspiration, die es zu auditiven Höchstleistungen antrieb. Schnell sprudelten die Lobeshymnen aus den Federn der Kritiker und den Cocteau Twins wurde eine akustische Individualität zugesprochen, die sie zu den Vorreitern einer neuen Klangära machte. Mit ausschweifenden Arrangements, dem sirenenartigen Gesang von Liz Frazer und einem ganz besonderen Gespür für elektronische Verspieltheiten luden die Cocteau Twins regelmäßig, innerhalb ihres 18-jährigen Bestehens, zur Gedankenflucht ein. "Alice", unser heutiger Klassiker der Woche, ist eigentlich nur als B-Seite der Single "Violaine" (1996) gedacht gewesen. Doch wie das Schicksal manchmal spielt, schaffte es ausgerechnet jener Track, der einer der letzten vor der Auflösung der Band war und es nicht einmal auf ein Album geschafft hatte, zu großem Ruhm. Durch seinen Lo-Fi-Charme und die magische Aura, die jede einzelne Note zu umgeben scheint, berührt der Song die Seele. Auch Regisseur Peter Jackson scheint sich der Kraft von "Alice" bewusst gewesen zu sein und so besetzt das Stück eine Schlüsselrolle in seinem melancholischen Drama "In Meinem Himmel" (2009). Und zwar als akustische Untermalung für das Jenseits, in dem die ermordete Susie Salmon ihren Frieden zu finden versucht.



Montag, 19. Mai 2014

Klassiker der Woche Nr. 97

Mark Oliver Everett alias E
Mark Oliver Everett alias E hat bewegte Zeiten hinter sich. Sein bisheriger Lebensweg ist mit zahlreichen Stolpersteinen gepflastert, doch findet der heute 51-Jährige stets Halt und festen Boden in der Musik. Als Kind ist es vor allem seine Schwester Elizabeth, beziehungsweise deren Neil Young Platten und Gitarre, die den noch jungen Oliver faszinieren. Schnell greift er selbst zu allerhand Instrumenten und probiert sich aus. Es folgen erste Promotapes und schließlich auch zwei Alben, die der aufstrebende Künstler unter seinem Pseudonym E veröffentlicht. Während einiger Auftritte im Vorprogramm von Tori Amos holt sich Everett schließlich mit Jonathan „Butch“ Norton Verstärkung ins Boot. Die beiden Männer verstehen sich gut und gründen 1995, zusammen mit Tommy Walter, die Band Eels. Kurz vor dem Erscheinen ihres Debüts "Beautiful Freak" (1996) nimmt sich Everetts Schwester das Leben und gleichzeitig wird bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert. Die Welt gerät für E ins Wanken und "Electro-Shock Blues" (1998) darf als Verarbeitungsstrategie und Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden. Finstere Texte und traurige Melodien begleiten die Platte und erst "Daisies Of The Galaxy" (2000) verweist auf den sprichwörtlichen Lichtstreifen am Horizont. Wesentlich erhellender zeichnen Songs wie die akustische Fliegenklatsche "Flyswatter", die auch unser heutiger Klassiker der Woche ist, ein farbenfroheres Bild als die Tracks auf den Vorgängeralben. Everett selbst sagt dazu, dass wenn "Electro-Shock Blues" ein Anruf inmitten der Nacht darstelle, den die Welt nicht beantworten wolle, "Daisies Of The Flaxy" hingegen der Weckruf sei, der dir verkünde, dass dein wunderbares Frühstück fertig wäre. Nach über zwei Dekaden im Geschäft hat sich E einen stattlichen Namen in Branchen- und Fankreisen machen können. Auch wenn seine Eels sich dabei durch eine recht unbeständige Personalpolitik auszeichnen, ist es vor allem Es Kreativität, die das Projekt wieder und wieder zum gefeierten Liveact werden lässt. Bei seinen Shows sorgt der Amerikaner nämlich stets dafür, dass sein Backkatalog im Stil der neusten Veröffentlichung aufgeführt wird. So durchlaufen seine Stücke eine interessante Entwicklung und auch "Flyswatter" klingt heute ganz anders als vor vierzehn Jahren.

Montag, 12. Mai 2014

Klassiker der Woche Nr. 96

Aimee Mann
Das Drama "Magnolia" (1999) von Regisseur Paul Thomas Anderson beleuchtet auf einzigartige Weise den Mikrokosmos Zwischenmenschlichkeit, indem es dessen Fragilität in den Vordergrund stellt. An einem vorerst sonnigen Tag in der Stadt San Fernando Valley, Kalifornien, überschlagen sich die Ereignisse im Leben einiger ihrer Bewohner. Ob ein an Krebs erkrankter TV-Patriarch, dessen am Rande der psychischen Belastbarkeit stehende Ehefrau, ein unsicherer Krankenpfleger, eine Familie, die zahlreiche gravierende Geheimnisse unter den Teppich gekehrt hat, ein von Intelligenz gesegneter Junge und dessen Vater, ein zur Witzfigur verkommener ehemaliger Kinderstar, der sich in den Barkeeper seiner Lieblingskneipe verliebt hat, ein wirrer Sexguru oder ein Polizist, der an seinem hohen Maße für Gerechtigkeit scheitert - die allesamt miteinander verbundenen Charaktere des Films bestechen durch ihre Tiefe und Authentizität. Während er an dem Drehbuch zu "Magnolia" arbeitete, ließ sich Anderson regelmäßig von den Kompositionen der amerikanischen Songwriterin Aimee Mann inspirieren. So enterte der Geist ihrer Songs Stück für Stück die Szenerie des Streifens und entwickelte dabei eine atemberaubende Eigendynamik, die schließlich zu einer offiziellen Soundtrackkollaboration führte. Nahezu einmalig in der Geschichte des Kinos ist eine Symbiose aus Musik und Bewegtbild erlebbar, die in dem großartigen Video zu dem Track "Save Me" mündet. Der heutige Klassiker der Woche und gleichzeitig Titelsong von "Magnolia" begeistert durch seine sanfte Schwermütigkeit und seinen Hang zu stiller Eleganz. Während Mann durch die Kulissen des Geschehens schreitet, begegnet sie all den Protagonisten am Scheidepunkt ihres Daseins.



Montag, 5. Mai 2014

Klassiker der Woche Nr. 95

Muse
Was denkt wohl Matthew Bellamy, wenn er heutzutage in den Spiegel schaut? Sieht er darin noch immer den Mann, der einst zusammen mit Dominic Howard und Christopher Wolstenholme angetreten war, um ein Gegengewicht zum immer beliebter werdenden Britpop zu schaffen? Wohl kaum. Heute ist Bellamy ein glatter Popstar und wurde gleichzeitig zur Persiflage seiner eigenen Träume. Ausgerechnet der 1978 in Cambridge geborene Musiker, der Mitte der Neunziger mit seiner Band Muse die akustische Andersartigkeit zelebrierte, lässt sich nun besser alles viele andere in die Kategorie Mainstreamikone einsortieren. Vorbei sind die Zeiten von schmerzvollen Melodien, wütenden Arrangements und dem Hang zum Progressiven. Als 1999 Muses Debüt "Showbiz" erschien, das Elemente des Grunge, Alternative und Artrocks kombinierte, war das, als hätten sie eine Art Kriegserklärung an die Kantenlosigkeit ausgerufen. Zwischen klassisch anmutende Pianopassagen, wie beim heutigen Klassiker der Woche "Sunburn", mischten sich immer wieder harte E-Gitarren-Spliter und spitze, fast geschriene, Gesänge. Es gibt nur wenige Songs, die das Wechselspiel von laut und leise, hart und weich beziehungsweise filigran und massiv besser beherrschen. Und doch rutschten Muse im Laufe der Jahre immer mehr vom Thron des New Progs, welcher einst für sie allein errichtet worden war. Stellt man nun "Sunburn" neben die neuste Muse-Single "Panic Station", dann kann man fast nicht glauben, dass diese Tracks tatsächlich von ein und derselben Band stammen sollen. Da diese Entwicklung, wenn man dieses Wort überhaupt benutzen möchte, wirklich wehtut, ertränken wir unseren Kummer nun in der anfänglichen Genialität einer der gefeiertsten Gruppen des letzten Millenniums.



Montag, 28. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 94

Nina Simone
Am 21. April 2003 schien die Musikwelt für einen Moment aufzuhören, sich zu drehen. Einer ihrer strahlendsten Sterne hatte an diesem Tage sein Leuchten verloren. Der Tod von Nina Simone, die nach einem langen Krebsleiden eben diesem erlegen war, grub eine tiefe Furche in das auditive Kollektivbewusstsein. Eine Leere, die nur durch die vielen wunderbaren akustischen Nachlässe der 1933 als Eunice Kathleen Waymon geborenen Sängerin wieder gefüllt werden konnte. Seitdem singt uns die Hohepriesterin des Souls, wie ihre Verehrer sie nur allzu gern nannten, ihre Lieder aus dem Jenseits. Noch immer kräftig und unter die Haut gehend wie zu der Zeit, als sie erstmals die Feder ihrer Schöpferin verlassen hatten. Zahlreiche Künstler, darunter beispielsweise Feist, Eels, Muse, Janis Joplin oder auch Aretha Franklin, huldigten in den Jahren durch Coversongs der Grande Dame des Gospeljazz. Jener Frau, die es geschafft hatte, afrikanisches Liedgut mit modernen Einflüssen zu vereinen und es einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Nina Simone wird wohl ewig unvergesslich bleiben. Ihren Kompositionen wohnt ein Einfallsreichtum inne, der auf allen Ebenen zu verzaubern weiß. Der heutige Klassiker der Woche, das fast hypnotische Stück "Sinnerman" vom Album "Pastal Blues" (1965), beeindruckt durch seine gekonnte Fusion aus religiösen Lyrics, einem treibenden Beats und der markanten Stimme Nina Simones. Als wohl populärste Adaptation des traditionellen amerikanischen Negro Spirituals erlangte ihre Version Weltruhm.


Montag, 21. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 93

CSS
"Ich bin es leid, immer sexy zu sein", sagte Beyoncé Knowles einst in einem Interview. Dies ist nun viele Jahre her, doch das viele Poposchütteln und lasziv ins Mikro hauchen hat an der Tatsache nicht wirklich etwas ändern können, dass das R'n'B-Sternchen für viele Menschen weiterhin als Inbegriff der Sexyness fungiert. Komisch. Inspiriert von dem nicht ganz ernst zu nehmendem Statement der Popdiva übersetzte ein brasilianisches Kollektiv jene Aussage kurzerhand ins Portugiesische und nannte sich von diesem Moment an Cansei de Ser Sexy. CSS etablierte sich kurz darauf als knackige Abkürzung für die Band und machte sie auch über die Grenzen ihrer Heimatstadt São Paulo bekannt. Als bunter Haufen aus Bloggern, Hipstern und Trendsettern, die alle zu Gründungszeiten, mit Ausnahme des späteren Bassisten Adriano, keinerlei Instrumente beherrschen, greifen die Freunde beherzt zu Synthies und Drumbeats und mischen die Clubszene des südamerikanischen Kontinents gehörig auf. Sie stehen dabei für eine neue Generation an Musikern. Frisch, ungebunden und den Traditionen entwachsen. So finden Samba, Bossa Nova, Jazz- oder Reggaeelemente kaum Einzug in die kantigen Klangmuster des ehemaligen Sixtetts. Vielmehr sind es Rock, Funk und Electro, die die Sounds von CSS charakterisieren. Heute sind CSS nur noch zu viert, was ihren Erfolg jedoch keineswegs schmälert. Sängerin Lovefoxxx beispielsweise hat es auf den bejubelten Soundtrack zum Film "Drive" geschafft und auch mit seinen eigenen Kompositionen ist das Quartett, das mittlerweile nur noch aus Frauen besteht und  in Los Angelos ansässig ist, kaum noch wegzudenken aus der Independentszene. Doch klingen die Damen jetzt nicht mehr ganz so revolutionär wie zu ihren Anfängen, als sie mit "Let's Make Love And Listen To The Death From Above" den Asphalt der Straßen in Schwingungen versetzt haben. Wir feiern das selbstbetitelte 2005er Debüt "Cansei de Ser Sexy", indem wir jenen Hit zum Klassiker der Woche küren.



Montag, 14. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 92

Sally Seltman alias New Buffalo
Während die Australierin Sally Seltman sich voll und ganz dem Songwriting ihres zweiten Solo-Albums "Somewhere, Anywhere" (2007) widmet, hört sie in ihrer Freizeit häufig, ja nahezu in Dauerschleife, Feists Meisterwerk "Let It Die" (2004). Mehr und mehr infizieren die gekonnt arrangierten Melodien der Kanadierin ihre Kollegin, bis diese schließlich zu einer klaren Erkenntnis gelangt. "Sally's Song", ein Produkt zahlreicher Tage und Nächte des Komponierens, sollte eigentlich "Feist's Song" heißen. Zu deutlich hat sich der Geist Leslie Feists in jede einzelne Faser des Stückes verstrickt. Wenige Zeit später überschlagen sich die Ereignisse. Feist tourt quer über den Kontinent der Kängurus und Koalas und sucht nach einem passenden Support für ihre Shows. Sally Seltman, die unter den Namen New Buffalo aktiv ist, wird engagiert und begleitet ihr großes Idol auf deren Konzertreise. Nun damit nicht genug. In ihrer Tasche hat sie stets den Entwurf von "Sally's Song", um diesen, in einem schwachen Moment der Überwindung, an Feist weiterzureichen. Und das tut sie schließlich auch. Feist ist begeistert, pfeilt hier und da noch ein wenig an dem Stück, um es dann schließlich als "1234" auf "The Reminder" (2007) zu veröffentlichen. Mit Hilfe einer gekonnt eingefädelten Platzierung in einer internationalen Werbekampagne erlangt der Track schließlich Weltruhm. Pech, könnte man nun sagen. Da steht Sally Seltman und hat den Durchbruch einer anderen überlassen. Der Erfolg von "1234" zahlt sich jedoch in doppelter Hinsicht auch für seine Schöpferin aus. Zum einen ist es fraglich, ob "Sally's Song" jemals ein Hit geworden wäre, zum anderen heimst Sally Seltman in der Folge etliche Nominierungen und Preise als Songwriterin ein. Dass sich ihre eigenen Arbeiten allerdings keineswegs hinter denen von Leslie Feist verstecken müssen, das wird einem deutlich, wenn man sich den Stücken der blonden Schönheit widmet. "Cheer Me Up Thank You", unser heutiger Klassiker der Woche, ist dabei nur einer von vielen wundervollen Tracks, die die heute 38-Jährige im Laufe ihrer Karriere geschrieben und eingespielt hat.



Montag, 7. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 91

Was ist eine Supergroup? Eine Supergroup ist ein Zusammenschluss namenhafter Musiker zu einer Band, die gemeinsam mindestens ein Album veröffentlicht, oder besser noch einen eigenen Backkatalog anlegt und diesen langsam mit Releases füllt. Überträgt man das Bild der Supergroup in die Comicwelt, so wären die Avengers, also eine Allianz aus unterschiedlichen Helden wie Hulk, Iron Man, Captain America und Thor, ein passendes Äquivalent für den Begriff. Supergroups bündeln die Kreativität und das Können ihrer einzelnen Mitglieder und erschaffen dadurch eine akustische Gewalt, die kaum aufzuhalten ist. Zu den ersten bekannten Exemplaren der Büdnisse tonaler Riesen zählen unter anderem Crosby, Stills and Nash (and Young) oder Cream. Im Progressive Rock fungieren A Perfect Circle, eine Fusion aus Mitgliedern von Tool, den Smashing Pumpkins, der Nine Inch Nails, den Queens Of The Stone Age und vielen anderen Musikern wie Marylin Manson, als bekannter Vertreter dieses Phänomens. Schaut man auf Independentbereich, dann denkt man hingegen schnell an Kevin Drew's Brocken Social Scene, der unter anderem Feist und Teile der Stars, Metric, The Sea And Cake oder The Weakerthans angehören. Neben jener Formation aus Toronto hat Kanada aber noch eine weitere Supergroup zu bieten, und zwar The New Pornographers aus Vancouver. Mit einer gekonnten Mischung aus Indierock, Alternative Country und Power-Pop weiß das Oktett zu begeistern und hat gleichzeitig mit Neko Case, eine der wohl markantesten Frauenstimmen der aktuellen Szene in seinem Kader vorzuweisen. Und damit kommen wir auch schon zum Problem der Supergroup, der Koordination. Allzu oft kam es in der Vergangenheit vor, dass die New Pornographers, noch bis zu den letzten Sekunden vor den Aufnahmen zu ihren Alben, nicht wussten, ob Madame Case es zu eben diesen schaffen würde. Umso schöner ist es dann, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes hört, dass die rote Zora es in der Regel aber immer irgendwie vollbracht hat, noch hinter das Mikro zu springen. So schenkte sie uns, gemeinsam mit ihren Kollegen, wunderschöne Nummern wie den heutigen Klassiker der Woche, nämlich "Challengers" von der gleichnamigen Platte der New Pornographers aus dem Jahre 2007.


Montag, 31. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 90

Émilie Simon
Wenn man sich häufig mit den Biografien unterschiedlicher Musiker beschäftigt, dann fällt einem irgendwann auf, dass ein Großteil von ihnen bereits in frühen Jahren mit einer Wirklichkeit konfrontiert war, die Musik als wesentlichen Bestandteil enthielt. Ähnliches gilt auch für die Französin Émilie Simon. Als Tochter einer Pianistin und eines Toningenieurs konnte die 1978 in Montpellier geborene Sängerin der Welt der Melodien gar nicht erst entkommen. Geradezu omnipräsent webte sich diese nämlich in sämtliche sensible Entwicklungsphasen ihres Lebens ein und so wurden eigene Kompositionen schnell zum natürlichen Ausdrucksmittel für das Mädchen. Im Alter von sieben Jahren besuchte Émilie erstmals das Konservatorium ihrer Heimatstadt, um eine klassische Gesangsausbildung zu erfahren. Im Eiltempo ging es voran und nach der Schule entschied sich Émilie, auch ihr Studium der Musik zu widmen. Mit einem fundierten Wissen im Hinterkopf begann sie schließlich, die Arbeiten an ihrem einem ersten Album aufzunehmen, das sie mit ihrem eigenen Namen betitelte. "Émilie Simon" (2003) ist ein feingeistiges Debüt, das grazil zwischen Genres wie Trip-Hop, Retro-Pop und Chanson herumtänzelt. Ein typisch französischer Charme verleiht der Platte zudem ein sanftmütiges Leuchten. Unseren heutigen Klassiker der Woche, der eben jenem Album entstammt, gibt es in zwei Fassungen. Zum einen im mütterlichen Mundwerk Émilie Simons und zum anderen in der Allerweltssprache Englisch. Natürlich entschieden wir uns, als frankophile Redaktion, "Désert" für den heutigen Beitrag in der Version Française zu wählen. Neben vielen weiteren wundervollen Stücken auf "Émilie Simon", war es vor allem dieser Song, der den Naturfilmer Luc Jacquet dazu veranlasste, das aufstrebende Nachwuchstalent um einen Soundtrack für sein "Die Reise der Pinguine" zu bitten, was gleichzeitig den internationalen Durchbruch für Mademoiselle Simon bedeutete.



Montag, 24. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 89

Alanis Morissette
Manchmal muss es eben Pop sein. Theatralischer Herzschmerz, eingängige Melodien und ein Hauch von Plakativität. Das Bild des beliebtesten aller Genres hat sich über die Jahre stark gewandelt. In den 60ern waren es The Beatles, die den Pop als Musikrichtung groß machten. Das gelang ihnen, indem sie rockige Arrangements auflockerten und gleichzeitig an eine gewisse Massentauglichkeit knüpften. Abgeschliffene Kanten und sanfte Ränder kennzeichneten schließlich die Kompositionen des britischen Quartetts. Einen brillanten Ideenreichtum schloss das jedoch keineswegs aus. Über 30 Jahre später steht eine Frau nackt in den Straßen von Los Angeles und singt sich sprichwörtlich die Selle aus dem Leib. Das alles geschieht unter demselben Deckmantel, unter den auch die Songs der eben erwähnten Pilzköpfe einst geschlüpft waren. Das Schöne am Pop ist, dass er sich ganz unbekümmert überall da bedienen darf, wo es ihm eben gerade gefällt. Nichts ist unmöglich, wenn es gilt, Einflüsse und Impulse zu finden und zu verarbeiten. Kommen wir nun aber zurück zu der entblößten Sängerin. Alanis Morissette hat gerade mit "Jagged Little Pill" das wohl erfolgreichste Album ihrer Karriere veröffentlicht, zählt zu den gefragtesten Damen der Branche und ist doch immer noch auf der Suche nach sich selbst. So reist die gebürtige Kanadierin durch aller Herren Länder und gelangt schließlich nach Indien. Wir schreiben das Jahr 1997. Völlig überwältig von all den Eindrücken und Gedanken, die sie dort sammelt, kehrt sie schlussendlich in die Vereinigten Staaten, in denen sie zu dieser Zeit lebt, zurück und schreibt ein Stück über Zynismus, Verzweiflung, persönliche Triumphe und Hoffnung. Zu den wortgewaltigen Lyrics gesellen sich im Laufe der Zeit markante Synthesizer, berauschende Beats und dann eben auch ein Musikvideo, das für Aufruhr sorgt. Nacktheit und ein Popsong, kann das zusammen funktionieren? Definitiv! Zum Seelenstriptease hatte Alanis Morissette mit "Thank You" bereits angesetzt, warum dann also in der Konsequenz nicht auch noch jene Stoffhüllen loswerden, mit denen wir täglich etwas zu kaschieren versuchen, das doch ganz natürlich sein sollte. Unser heutiger Klassiker der Woche zeigt, dass Pop mehr sein kann, als nur die Essenz des Kollektivgeschmacks.

Montag, 17. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 88

Regina Spektor
Russland ist wohl eins der am kontrovers diskutiertesten Länder dieser Erde. Seit Jahrzehnten macht die föderale Republik immer wieder Schlagzeilen aufgrund von Totalität, der Ausgrenzung zahlreicher Menschengruppen und extrem konservativen Einstellungen. Nur lässt einen der ganze propagandistische, oberflächliche Anschein dabei manches Mal vergessen, dass dieser nicht zwangsweise das Gedankengut der gesamten, dort lebenden, Bevölkerung widerspiegeln muss. Wer einmal zu Gast in dem ehemaligen sowjetischen Staat war, der merkt schnell, wie viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft ebenda anzutreffen sind. Offene Blicke, lachende Gesichter und euphorische Gespräche warten an nahezu jeder Ecke auf den aufgeschlossenen Besucher. Zudem ist Russland seit Jahrhunderten auch Zentrum für mannigfaltige kreative Strömungen und zählt etliche interessante Künstler zu seinen Kindern. Am 18. Februar 1980 erblickte zum Beispiel Регина Ильинична Спектор, als Tochter einer Musiklehrerin und eines Fotografen, in Moskau das Licht der Welt. Aufgrund eines für sie spür- und erlebbaren Antisemitismus wanderte die jüdische Familie jedoch einige Zeit später aus und siedelte in die USA über. Genauer gesagt nach New York. In der multikulturellen Atmosphäre der Bronx wuchs Регина Спектор auf, legte die kyrillische Schreibweise ihres Namens ab und erkundete als Regina Spektor all die Angebote, die ihr die flirrende Metropole bot. Eine klassische Musikausbildung sowie der unstillbare Drang, sich ausprobieren zu wollen, führten dazu, dass Regina ein Album nach dem nächsten produzierte. Erst eigenständig, später mit Unterstützung bekannter Branchengrößen und des Majorlabels Sire Records, Teil der Warner Music Group. Mit ihrem vierten Longplayer, "Begin To Hope", gelang ihr schließlich endgültig der Durchbruch und man feierte die junge Pianistin und ihre revolutionären Kompositionen rund um den Globus. Neben Songs wie dem poppigen "On The Radio", der Hitsingle "Fidelity" oder dem lebendigen "Better" findet sich auf jener Platte auch die Ballade "Samson". Gefühlvoll nutzt Regina Spektor das gesamte Volumen ihrer markanten Stimme und unterlegt es mit einem simplen, aber dennoch unglaublich intensiven Klavierspiel.



Montag, 10. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 87

Agnes Obel
88 Tasten, davon 52 weiße und 35 schwarze, reihen sich dicht an dicht aneinander. Einmal angeschlagen können sie ein akustisches Spektrum bedienen, das von den markerschütterndsten Tiefen bis zu den schrillsten Höhen reicht. Das Klavier ist eins der beliebtesten Instrumente, die die Musikwelt zu bieten hat. Sein Erfolgsrezept ist dabei simpel und faszinierend zugleich. Satte Akkorde, leichte Melodien und imposante Harmonien, all das lässt sich mit ein paar kleinen Hämmerchen und Saiten erzeugen und kombinieren. Darüber hinaus ist es oft die perfekte Begleitung für Gesänge jeglicher Art. Eine, die nur allzu gern hinter Flügel und Co. Platz nimmt, ist die Dänin Agnes Obel. Mit einfühlsamen Kompositionen, die meist auf dem schlichten Zusammenspiel von Piano und Stimme basieren, erlangte die 1980 in Kopenhagen geborene Songwriterin internationale Bekanntheit. In Deutschland half darüber hinaus auch die geschickte Platzierung einer ihrer Song in der Werbung eines großen Telefonanbieters. 2010 erschien mit "Philharmonics" schließlich das Solodebüt von Agnes Obel. Für dieses hagelte es neben etlichen Auszeichnungen auch wohlwollende Kritiken von allen Seiten. Vor allem die nahezu märchenhafte Ausstrahlung ihrer Stücke wurde dabei zum Markenzeichen der in Berlin lebenden Musikerin deklariert. "Riverside", unser heutiger Klassiker der Woche, untermauert diese Aussage. Das Stück entsendet wohltuende Schwingungen, die die Seele besänftigen. Derweil türmen sich Luftschlösser auf, in denen der Verstand durch lichtbeschienene Säle schreiten und im Walzerschritt auf dem Parkett ein Tänzchen wagen darf.



Montag, 3. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 86

Die Popfalle hat zugeschlagen und eine der Bands verschluckt, die doch so weit vom Mainstream entfernt schien, wie nur irgend möglich. Was ist geschehen? Als die New Yorker Vampire Weekend im Mai 2013 ihr drittes Album "Modern Vampires Of The City" auf den Markt brachten, setzten sie damit gleichzeitig ein klares Statement in Richtung der tonalen Einfallslosigkeit. Abgenutzte Gitarrenriffs, banale Lyrics und abgedroschene Melodien. Wohl kaum einer hätte erwartet, dass das Quartett, das zuvor zwei wirklich prägnante Platten namens "Vampire Weekend" und "Contra" veröffentlicht hatte, einmal derart stumpfsinnig daherkommen würde. Auch die dem aktuellen Trend entsprechende Einbindung zahlreicher elektronischer Elemente konnte daran nichts mehr ändern. Im Gegenteil, man könnte fast meinen, dass diese Schuld an der ganzen Misere gewesen sei. Als dann der Grammy für das beste Alternative-Album folgte, schien der Erfolg zwar auf dem Siedepunkt, nur hatten da bereits viele ehemalige Fans, der Truppe den Rücken zugekehrt. Immerhin tun Brandblasen ganz schön weh und "Modern Vampires Of The City" gleicht in der Tat einer heißen Herdplatte. Nun denn, die Zeit lässt sich nicht umkehren und vermutlich haben auch viele Menschen eine völlig andere Meinung zu der Entwicklung von Vampire Weekend. Wir widmen uns derweil jedoch wehmütig dem heutigen Klassiker der Woche, der einst den Aufstieg einer talentierten Newcomer-Band markierte. "A-Punk" war, und ist auch heute noch, Zeugnis für den Mut einiger junger Herren, den klassischen Indierock mit Afrobeat, Punk und Reggae aufzupolieren. Schade, dass sie sich diesen Revoluzzergeist nicht bewahren konnten, sondern stattdessen lieber den Weichspülgang für ihre musikalische Zukunft wählten.