Posts mit dem Label Soul werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Soul werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 12. September 2014

Album-Vorstellung: The Asteroids Galaxy Tour "Bring Us Together"

© by Susanne Erler
Mit ihren zwei großartigen Alben "Fruit" (2009) und "Out Of Frequency" (2012) im Gepäck zogen Mette Lindberg, Lars Iversen und ihre Kollegen von The Asteroids Galaxy Tour in den letzten Jahren rundum die Welt. Frenetisch wurden die Dänen dabei von Publikum und Kritik zugleich gefeiert, was vor allem an der unsagbaren Live-Präsenz der siebenköpfigen Gruppe liegen dürfte. Schaffen es The Asteroids Galaxy Tour bereits auf ihren Platten regelmäßig, eine unfassbare Energie zu transportieren, ist dies beinahe nichts gegen die Wucht, mit der man auf einer ihrer Shows konfrontiert wird. Sobald ihnen die Scheinwerfer ins Gesicht strahlen, laufen The Asteroids Galaxy Tour zu Hochtouren auf. Umso spannender ist es, wenn man dann erfährt, dass es hinter den Kulissen vor nicht allzu langer Zeit noch ein wenig brodelte. Mette und Lars waren einander etwas überdrüssig geworden, verbrachten sie doch fast 24 Stunden am Tag zusammen. Doch anstatt nun an dieser Schwierigkeit, die wohl viele Bands kennen, zu zerbrechen, wuchsen The Asteroids Galaxy Tour daran, was uns schlussendlich zu der Veröffentlichung von "Bring Us Together" führt.

Erste Sketches für einen Großteil der zehn Songs hatte Soundtüftler Lars noch während ihrer Konzertreisen entworfen. Nachdem er und Mette mit etwas Abstand dann zum gemeinsamen Neustart ansetzten, sprudelten die Ideen nur so aus dem Songwriter-Duo heraus. Ganz beiläufig verabschiedeten sich die beiden Musiker, während ihrer Arbeit an Tracks wie "Navigator" oder "Hurricane", zudem von der Idee fiktionaler Geschichten und Charaktere, die den Stil ihrer früheren Stücke stark beeinflusst hatten, und nahmen bewusst mehr Bezug auf das eigene Leben. Somit ist "Bring Us Together" auch das bisher persönlichste Album von The Asteroids Galaxy Tour. Darüber hinaus sorgen fast schon spacige Passagen, wie man sie zum Beispiel bei "Choke It" um die Ohren geschleudert bekommt, für spannende Akzente in dem sonst recht groovigen Gesamtbild von "Bring Us Together". Hingegen fast schon dem Reggae zugewandt, präsentiert sich die aktuelle Single "My Club". "'My Club' sollte der größte Hit sein dürfen", verrät Mette Lindberg in einem Interview mit Kultmucke und tatsächlich kämpft sich der Song, der stilistisch an Acts wie Santigold erinnert, schnell an die Favoritenspitze und überrascht mit einer hinreißenden Bridge.
Unsere Clubplatte für den Herbst heißt definitiv "Bring Us Together"!



Mittwoch, 27. August 2014

Gewinnspiel: Cold Specks - Neuroplasticity

© by Christine Burkart
Mit ihrem Debütalbum "I Predict A Graceful Expulsion" machte Al Spx alias Cold Specks 2012 erstmals von sich reden. Düstere Kompositionen, eine markerschütternde Stimme und der Hauch von Unnahbarkeit kennzeichneten das Erstlingswerk der damals in Groß Britannien lebenden Kanadierin. Sowohl Presse als auch Konsumenten nahmen "I Predict A Graceful Expulsion" gleichermaßen respektvoll entgegen. Doch damit nicht genug. Auch Musikerkollegen wie Moby und die US-Rocker Swans konnten es kaum abwarten, mit Cold Specks zu arbeiten und luden sie als Gastsängerin auf ihre letzten Releases ein. Für die Songwriterin galt es in der Folge also nichts anderes zu tun, als den vielen Gelegenheiten zu folgen, die sie schließlich auch zur Produktion ihrer neuen Platte "Neuroplasticity" führten.
2014 ist Al Spx zurück in ihr Heimatland, genauer gesagt in die Stadt Montreal, gekehrt - weil es dort wärmer und weniger erdrückend sei als im verregneten London, berichtet die gebürtige Ostafrikanerin Kultmucke in einem exklusiven Interview. Und tatsächlich profitieren auch die zehn Songs auf "Neuroplasticity" von dieser persönlichen Entscheidung und beeindrucken durch eine neuartige fiebrigere Aura.

Wirkten die Tracks auf "I Predict A Graceful Expulsion" noch recht karg und ungeschliffen, beweist Cold Specks auf "Neuroplasticity", dass sie auch völlig anders kann. Genauso auf den Punkt, aber gleichzeitig wesentlich satter in Klang und Ausstrahlung, kommen Stücke wie "A Broken Memory" oder das weitläufige "Bodies At Bay" daher. Von ihrem morbiden Charme, der einst in der Veröffentlichung des Videos zur Single "Hector" gipfelte, hat Cold Specks dabei nichts eingebüßt. Noch immer durchzieht das Motiv der Vergänglichkeit ihre Songs und verwandelt selbst optimistischere Nummern wie "A Quiet Chill" spätestens mit dem Refrain in dröhnende Grabeshymnen. Unterstützung bekommt die 26-Jährige dabei auch von Michael Gira, Frontmann der bereits erwähnten Gruppe Swans. Bei den Titeln "Exit Plan" und dem souligen "A Season Of Doubt" gesellt sich seine nicht minder ausdrucksstarke Stimme zu der von Cold Specks - selten kann man als Hörer einem besseren Duo infernale lauschen. Doch auch "Absisto" oder das stürmisch hin- und herschaukelnde "A Fromal Invitation" brennen sich förmlich in das Gedächtnis ein, wenn man sie erst einmal vernommen hat.
"Neuroplasticity" setzt die richtigen Akzente, entfaltet sich in spannender Art und Weise und darf als großartiges zweites Album einer aufstrebenden Künstlerin gefeiert werden!



Um abschließend ein CD-Exemplar von Cold Specks neuem Album, sprich "Neuroplasticity", zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Cold Specks" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 31.08.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Cold Specks und dem Album "Neuroplasticity" gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud-Account | Interview bei Kultmucke

Mittwoch, 23. Juli 2014

Gewinnspiel: Rhonda "Raw Love"

Rhonda
Es ist noch gar nicht lange her, da feierte die Musikgemeinschaft ein ausgelassenes Revival des Sixties-Souls. Vor allem die Zöglinge der Londoner BRIT School standen dabei im Fokus des öffentlichen Interesses. Ihre Alben verkauften sich, wie es wohl kaum jemand erwartet hatte, während gleichzeitig etliche Frauen bereits ihren Kleiderschrank nach Petticoats durchwühlten, ihre Haare zu riesigen Beehives zusammenstecken und den Liedstrich etwas dicker als gewöhnlich zogen. Die Männer hingegen übten erneut das Krawattenbinden, schmissen sich flotte Westen über, spannten die Hosenträger oder ließen Hüte auf ihre Köpfe wandern. Wenig später ebbte der Retro-Hype dann jedoch wieder ab, und zwar genauso schnell, wie er zuvor aufgekommen war. Amy Winehouse, die Ikone des Neosouls war den Folgen ihres exzessiven Drogenkonsums zum Opfer gefallen, Blondine Duffy derweil im allgemeinen Pop-Strudel versunken und auch viele andere, eben noch umjubelte, Acts mussten die hart erkämpften Topplatzierungen der Charts abermals räumen. 2014 schickt sich nun ausgerechnet eine deutsche Band an, eine Extrarunde mit Funk und Soul zu drehen - und das überaus erfolgreich.

"Raw Love"
Rhonda ist ein Quintett aus Hamburg. Mit ihrer Single "Camera" eroberte sich die Band binnen kürzester Zeit einen festen Platz in den Playlists vieler Radiostationen. Die kratzige, vollmundige Stimme von Sängerin Milo Milone erwies sich dabei als ebenso erfolgsversprechend, wie Rhondas generelles Gespür für den Einsatz von Elementen aus Ska und Rock. Ihr Debütalbum "Raw Love" stellt "Camera" nun weitere Ohrwürmer zur Seite. Ob das frische "Teribble Lie", das vom Groove angeheizte "Sound Of Soda", das charmante "Bruno" oder das spritzige "Here We Go Again" - "Raw Love" schwimmt auf einer Welle aus Hitpotenzialen. Eigentlich können Rhonda gar nichts mehr falsch machen. Die Balladen "That's How I Roll" und "I Need No Help" sind authentisch und im angemessenen Maße theatralisch, wohingegen sich "Here Lies" und "My Thing" einer zuckersüßen Leichtigkeit verschrieben haben. Jeder einzelne Song auf "Raw Love" macht Spaß beim Zuhören.
Wer hätte gedacht, dass das noch einmal funktionieren könnte? Wer hätte geahnt, dass der ausgelassene Soul ausgerechnet im Land der Diszipliniertheit und Ordnung sein fulminantes Comeback feiern würde? Wir nicht! Umso mehr genießen wir jetzt aber diese ungeahnte akustische Überraschung namens "Raw Love".



Mit freundlicher Unterstützung von PIAS und Community Promotions dürfen wir nun abschließend noch ein CD-Exemplar von Rhondas "Raw Love" verlosen. Wer dieses gern gewinnen möchte, der schreibt uns bis spätestens kommenden Sonntag, den 27.07.2014, was ihm an der Musik der Hafenstadt-Truppe gut gefällt. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebookseite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 23.07.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Rhonda" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zu Rhonda gibt es hier:
Offizielle Website  | Facebookseite

Freitag, 11. Juli 2014

Album-Vorstellung: Fink "Hard Believer"

Fink
Jedes Musikgenre hat seine Großmeister. Was Massive Attack und Portishead für den Trip-Hop sind, ist Moby beispielsweise für den Ambient-Sektor. Der Electro liegt hingegen fest in den Händen von Acts wie Daft Punk oder The Prodigy, und während Björk und Radiohead als Ikonen des Alternative gefeiert werden, gelten Blur und Oasis als Pioniere des Britpop. Doch, was ist mit dem guten alten Songwritertum? Wer sind dessen Helden? Einer, der sich zumindest anschickt, zukünftig im selben Atemzug mit Namen wie Tom Waits, Bob Dylan oder Leonard Cohen genannt zu werden, ist der im britischen Cornwall geborene Finian Paul Greenall. Zusammen mit Drummer Tim Thornton und Bassist Guy Whittacker bildet er das Trio Fink. Ursprünglich als Soloprojekt erdacht räumte Greenall seinen beiden Kollegen im Laufe der Jahre mehr und mehr Mitbestimmungsrechte ein und integrierte sie auch zunehmend in die akustische Konstruktion seiner Studienalben. Davon gab es bisher immer fünf. Mit "Hard Believer" kommt nun ein sechstes hinzu.

"Hard Believer"
Nachdem der Amerikaner Beck im März sein von Licht durchflutetes Folkalbum "Morning Phase" präsentierte, stellt Finks "Hard Believer" nun eine Art dunklen Gegenentwurf dazu dar. Wesentlich akustischer und hölzerner geht es auf jener Platte zu, die binnen 17 Tagen in den legendären Sound Factory Studios in Hollywood eingespielt wurde. Greenall, Thorton und Whittacker steckten all ihren Ehrgeiz und all ihre Energie in das mit zehn Titeln bestückte Werk. Zudem versuchten sie, ein Album zu erschaffen, das von der Flüchtigkeit des Moments und der Harmonie des Kollektivs lebt. Viele der Instrumental- und Gesangspassagen wurden in der Folge zeitgleich und nicht getrennt voneinander aufgenommen, was sonst oft gang und gäbe bei vielen Produktionen ist. Akzentuierte Gitarrenriffs mit einem Hauch von Wildem Westen ("Hard Believer", "Green And The Blue") sind schließlich auf "Hard Believer" genauso zu finden, wie von Electronica-Einflüssen durchtränkte Klangteppiche ("White Flag", "Two Days"). Auch der Blues darf auf dem neusten Album Finks nicht fehlen und veranlasst unter anderem "Pilgrim" oder "Keep Falling", im Mondlicht zu tänzeln. Für echte Lagerfeuerromantik sorgen wiederum "Shakespeare" und "Truth Begins", indes sich zu "Looking Too Closely" der aufkommende feuchte Nebel ein wenig klärt. "Hard Believer" ist dynamisch, scharfsinnig und desolat zugleich - sprich eine wundervolle Gefühlsmischung.



Freitag, 27. Juni 2014

Album-Vorstellung: Malky "Soon"

Malky
Malky - Was im ersten Moment nach der Verschmelzung zweier Schokoriegel klingt ist das musikalische Projekt von Daniel Stoyanov und Michael Vajna. Die beiden Männer lernten sich vor Jahren in der Quadratestadt Mannheim kennen. Kurze Zeit später infiltrierten sie bereits gemeinsam die deutsche Popbranche, schrieben Songs für verschiedene Mainstream-Größen und zogen hinter den Kulissen der bunten Flimmerwelt gehörig an den richtigen Fäden. Daniel verfolgte darüber hinaus eine Karriere als Schnulzensänger und kämpfte sich mit kitschigen Balladen bis an die Seite von Xavier Naidoo. Wie kommt es nun aber, dass genau diese Herren aktuell in den Fokus unserer Berichterstattung geraten sind? Distanzieren wir uns sonst doch nur allzu gern von der Künstlichkeit der klebrigen Chartindustrie. Nun, Daniel und Michael haben an der richtigen Stelle Mut bewiesen und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Nachdem ihnen der kommerzielle Erfolg nicht das geben konnte, wonach sie gesucht hatten, ließen sie endlich ihr akustisches Herz sprechen, siedelten in die sächsische Metropole Leipzig über, stampften mit Eigthy Days Records ihr eigenes Label aus dem Boden und verabschiedeten sich von der maschinellen Hittauglichkeit ihrer früheren Arbeiten. Stattdessen widmeten sie sich mit Eifer dem auditiven Erbe von Motown, Soul und Funk.

"Soon"
"Soon", das Eröffnungsstück des gleichnamigen Debüts von Malky macht schon während seiner ersten Takte deutlich, dass Daniel und Michael zu völlig neuen Klangufern übergesetzt haben. Als hätten sich Aloe Blacc und Moby für die Produktion eines gemeinsamen Tracks zusammengesetzt, überzeugt "Soon" durch geschmackvolle Akzentuierungen und eine authentische Prise Gefühl. Rau und aufrichtig. Gegen Ende mischt sich zudem eine leicht orientalische Note in das Geschehen. Vielleicht ein Hinweis auf den multikulturellen Background des Duos - Daniel ist gebürtiger Bulgare und durch Michaels Adern fließt ungarisches Blut. Der Folgetrack "Showdown" dreht dann gehörig an den Reglern und fegt mit roher Gewalt über ein Geflecht aus R'n'B und Acid Jazz. Im weiteren Verlauf der Platte beweisen Malky, dass man Seelen auch streicheln kann, ohne allzu dick auftragen zu müssen ("Diamonds", "Human Love", "The Upper Room"), dass infantile Choreinlagen nie an Aktualität verlieren ("History Of Broken Heart") und dass ein verruchter Anstrich noch keinem Song geschadet hat ("Trouble", "Who's Order"). Da wiegt es dann auch nicht mehr ganz so schwer, dass die zweite Hälfte des Albums keine wirklichen Überraschungen parat hält. Ein wenig belanglos, und in ihrer Ausführung vergleichsweise schwach, plätschern "Give Away", "Babylon Tree", "Human Love" oder das recht pathetische "Beautiful Vacation" vor sich hin. Vielleicht wäre eine etwas kürzere EP hier ein guter Kompromiss gewesen.



Samstag, 10. Mai 2014

Album-Vorstellung: Tori Amos "Unrepentant Geraldines"

Tori Amos
Mit ihren fünfzig Jahren kann die in North Carolina geborene Myra Ellen Amos auf eine bewegte Karriere zurückschauen. Als Tochter eines Methodisten-Pfarrers und einer Mutter, die indianische Wurzeln in sich trägt, fand sie schon früh ihren ganz persönlichen Weg zur Spiritualität. Stimmungen, Gefühle und unbewusste Impulse sind seitdem die Leitfäden ihres Handelns und Schaffens. Was nützen schließlich all die Gedanken, wenn sie einen am Ende von den eigentlichen Wahrheiten des Lebens wegführen? Zu verkopft, und dabei meist auch viel zu unreflektiert, durchlaufen viele von uns die Tage und spüren gleichzeitig eine sich ausbreitende innere Leere. Unter dem Alias Tori füllte Amos selbige Inhaltslosigkeit kompromisslos mit der Musik, bis diese geradezu über den Rand ihres eigenen Horizontes hinausschwappte. Klänge und Melodien wurden im Zuge dessen zu ihren Ausdrucksmitteln, ihren stillen und lauten Begleitern, zu treuen Freunden. Seit "Y Kant Tori Read" (1988) hat Tori Amos bereits dreizehn Studioalben veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller und Preisträger. Auf diesen jagen sensible und kraftvolle Kompositionen einander und verarbeiten darüber hinaus zahlreiche Schicksalsschläge und Glücksmomente. Doch Tori Amos hat ihre Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt und veröffentlicht mit "Unrepentant Geraldines" dieser Tage ein weiteres akustisches Meisterwerk.

"Unrepentant Geraldines"
Es geht um Frauen, die Vereinbarkeit von Sexualität und einer metaphysischen Kognition, um Sinnessuche, das Älterwerden, aber auch politische Themen wie die NSA-Affäre oder Steuerfahndungen. Tori Amos scheut auch auf "Unrepentant Geraldines" die Auseinandersetzung mit der Vielfältigkeit nicht. Und das weder auf thematischer noch auf akustischer Ebene. Trotz ihrer breiten Fächerung wirkt die neue Platte der Songwriterin dennoch sehr geschlossen. Vom verspielten, hellen Opener "America" bis zum zarten Klavierfinale "Invisible Boy" durchlaufen die vierzehn Stücke interessante Wendungen und besuchen auditive Schauplätze, an die sich selbst die kreative Tori in ihrer Vergangenheit nur selten begeben hat. Mal bluesig und mit Feuer in der Stimme ("Trouble's Lamment"), dann wieder pianolastiger ("Wild Way", "Weatherman", "Selkie", "Oysters") und an der einen oder anderen Stelle recht folkig ("Wedding Day"), experimentell ("16 Shades Of Blue") oder gar komödiantisch ("Giant's Rolling Pin") liefert "Unrepentant Geraldines" einen herrlichen Spannungsverlauf. Zudem lud Tori Amos ihre Tochter Tash ein, um bei dem Stück "Promise" zu zeigen, dass Talent nicht immer eine Generation überspringen muss. Die Stimmfarbe der 13-Jährigen ergänzt die mütterliche nahezu perfekt, greift deren Charakter auf und erweitert ihn durch moderne Akzente. "Unrepentant Geraldines" ist nach "Gold Dust", einem orchestralen Best Of aus dem Jahre 2012, der wahre Rückblick auf das Werk der rothaarigen Musikerin, indem es die Einflüsse aus über zwei Dekaden eindrucksvoll vereint.

Montag, 28. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 94

Nina Simone
Am 21. April 2003 schien die Musikwelt für einen Moment aufzuhören, sich zu drehen. Einer ihrer strahlendsten Sterne hatte an diesem Tage sein Leuchten verloren. Der Tod von Nina Simone, die nach einem langen Krebsleiden eben diesem erlegen war, grub eine tiefe Furche in das auditive Kollektivbewusstsein. Eine Leere, die nur durch die vielen wunderbaren akustischen Nachlässe der 1933 als Eunice Kathleen Waymon geborenen Sängerin wieder gefüllt werden konnte. Seitdem singt uns die Hohepriesterin des Souls, wie ihre Verehrer sie nur allzu gern nannten, ihre Lieder aus dem Jenseits. Noch immer kräftig und unter die Haut gehend wie zu der Zeit, als sie erstmals die Feder ihrer Schöpferin verlassen hatten. Zahlreiche Künstler, darunter beispielsweise Feist, Eels, Muse, Janis Joplin oder auch Aretha Franklin, huldigten in den Jahren durch Coversongs der Grande Dame des Gospeljazz. Jener Frau, die es geschafft hatte, afrikanisches Liedgut mit modernen Einflüssen zu vereinen und es einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Nina Simone wird wohl ewig unvergesslich bleiben. Ihren Kompositionen wohnt ein Einfallsreichtum inne, der auf allen Ebenen zu verzaubern weiß. Der heutige Klassiker der Woche, das fast hypnotische Stück "Sinnerman" vom Album "Pastal Blues" (1965), beeindruckt durch seine gekonnte Fusion aus religiösen Lyrics, einem treibenden Beats und der markanten Stimme Nina Simones. Als wohl populärste Adaptation des traditionellen amerikanischen Negro Spirituals erlangte ihre Version Weltruhm.


Freitag, 18. April 2014

Album-Vorstellung: Kelis "Food"

Kelis
Irgendwie war Kelis schon immer anders als die anderen R'n'B-Künstlerinnen. Sie wollte von jeher nicht in das Bild der Goldketten tragenden, farbigen Powerlady passen, das von Damen wie Rihanna, Ciara, Brandy oder Amerie gern ausgiebig zelebriert wird. Zu bodenständig und irgendwie auch zu kantig wirkte die 1979 in Harlem geborene Sängerin stets. Als Protestlerin machte sie 1999 ihrem Ärger Luft und schrie sich mit "Caught Out There", von ihrem Debüt "Kaleidoscope", die Seele aus dem Hals. In den darauffolgenden Jahren arbeitet Miss Rogers, wie Kelis mit bürgerlichem Namen heißt, mit sämtlichen Größen der Branche zusammen. Darunter The Neptunes, André 3000, ihr Exmann Nas, Cee-Lo Green, will.i.am oder David Guetta. Jeder will die Frau kennenlernen, die es schafft, die Arme soweit auszustrecken, dass sie sich genüsslich innerhalb der kompletten musikalischen Vielfalt bedienen kann, ohne dabei jedoch ihren ganz eigenen Stil zu verlieren. So tanzt sie durch Electro, Hip-Hop, Pop, Jazz oder Reggae und wirkt in jeder einzelnen Bewegung authentisch. Nun wagt sich Kelis erstmals gen Indierock, zusammen mit TV on the Radios Dave Sitek. "Food" lautet der Name des sechsten Studioalbums der Queen of Soul.

"Food"
Reichlich ist der Tisch gedeckt, und zwar an jedem einzelnen Produktionstag von "Food". Dave Sitek wohnt in Los Angelos nur ein paar Gehminuten von Kelis entfernt und was ist schöner, als sich neben dem Songwriting auch um das gemeinsame Leibeswohl zu kümmern? Während allerhand Gerichte und Songs, die wie welche klingen ("Friday Fish Fry", "Jerk Ribs", "Breakfast", "Cobbler", "Buiscuits 'N' Gravy"), zubereitet oder entwickelt werden - Kelis hat nach der Veröffentlichung ihrer letzten Platte einen Kochkurs belegt - steht die Tür des Hauses immer sperrangelweit offen. Dies hat zur Folge, dass Künstler jeglicher Couleur dort ein- und ausgehen. Für ein Stück Hünchen- oder Schweinefleisch, das mit Soßen aus der Hand von Kelis gewürzt ist, hinterlässt manch ein Gast darüber hinaus auch dankbar ein paar seiner Ideen. Am Ende webt sich somit der Geist einer lebensfrohen Gemeinschaft in die 13 Stücke der Scheibe ein. Die kreative Vielfalt kennt keine Grenzen, wodurch "Food" final nach einer bunten Geschmacksexplosion aus Funk und Alternative klingt. Auch die brasilianische Rockgirlkombo CSS unterstützt Kelis beispielsweise auf ihrem Weg in Richtung eines neuen akustischen Horizonts. In perfekter Harmonie reihen sich Perlen feinfühligen Genusses ("Bless The Telephone") an orientalische Träume aus Tausendundeiner Nacht ("Change"). "Rumble" hingegen erinnert lässig an längst vergangene Tage. Generell kommen einem viele Melodien bekannt vor, jedoch ohne den Anschein einer einfallslosen Kopie zu hinterlassen. Es sind oft simple Lines, wie das herrliche Klavierspiel bei "Biscuits 'N' Gravy", die die Nummern auf "Food" zu echten Ohrwürmern mutieren lassen. Zudem konservieren Kelis und Sitek behutsam die Schnittmenge ihrer gemeinsamen Soundpräferenzen, welche sich im Laufe ihrer Leben herausgebildet haben. Gewürzt mit Texten, die von zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Auswirkungen. Wenn "Dreamer", als großartig verträumte Ballade, das Album beschließt, dann bleibt ein wohlig angenehmes Gefühl zurück. Einmal mehr wird klar, dass Kelis absolut in der Lage ist, eine Überraschung parat zu haben.