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| © by Emmanuel Afolabi |
Manchmal gibt es Alben, die einen tatsächlich zu Tränen rühren. So zum Beispiel das heute erschienene "Carrie & Lowell" von Sufjan Stevens. Doch was macht die neuste Platte des 1975 in Brooklyn geborenen Songwriters zu einer derart herzergreifenden Angelegenheit, dass während dieser Beitrag in das dafür vorgesehene Fenster getippt wird, ein Kloß im Hals wächst, der das Atmen zunehmend erschwert? Nun, zum einen ist es wohl die Tatsache, dass "Carrie & Lowell" als eine liebevolle Ehrwürdigung Sufjan Stevens an seine vor drei Jahren verstorbene Mutter zu verstehen ist, die zusammen mit ihrem Ehemann auch das Cover der Platte ziert. Zum anderen ist es aber auch das Gespür des amerikanischen Ausnahmekünstlers für zarte Melodien, die punktgenau jene Nerven treffen, die direkt zum emotionalen Zentrum des Gehirns führen. Nachdem Stevens sich in den letzten Jahren soundtechnisch gehörig ausgetobt hat, und dabei immer mehr in Richtung eines futuristischen Klanghorizonts pilgerte, kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück und besinnt sich auf die Macht der tonalen Akzentuierung.

Leise, unaufgeregt und authentisch führt "Carrie & Lowell" durch die Vergangenheit Sufjan Stevens, innerhalb derer seine Mutter immer wieder wie eine strahlende Lichtfigur an entscheidenden Weggabelungen zu warten schien. Auch, wenn sie nicht alles richtig gemacht hat, spricht doch eine tiefe Liebe und Anerkennung aus den Worten ihres Sohnes. Songs wie das erhellende "Should Have Known Better", "All Of Me Wants All Of You", das titelgebende "Carrie & Lowell" oder "Eugene" zeichnen auf rührende Art und Weise jene alltäglichen Situationen nach, die in ähnlicher Form sicher auch der eine oder andere Hörer erlebt hat, und knüpfen daran eine seichte Melancholie. Gefühle des Glücks vereinen sich mit einer dumpfen Traurigkeit, während "Forth Of July", "Blue Bucket Of Gold" oder "Drawn To The Blood" zu beinahe übersinnlichen Hymnen heranwachsen. Mit wenigen, aber den richtigen, Mitteln - allem voran seinen sensiblen Harmoniegesängen - beschwört Sufjan Stevens einen transzendenten Zustand herauf. Plötzlich hat man den Eindruck, Jen- und Diesseits würden sich für einen flüchtigen Augenblick verbinden und einen letzten Tanz mit den geliebten Verstorbenen zulassen - im Takt all der zarten Folksongs, die sich auf "Carrie & Lowell" befinden. Als eins seiner stärksten Alben wird diese Platte in den bereits gut gefüllten Backkatalog Sufjan Stevens eingehen und sich zu Meisterwerken wie "Seven Swans" gesellen.
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| © by Tore Hallas |
Musik ist manchmal besser als jede Medizin. Egal, ob gegen den Ärger über eine verpasste Chance, nicht enden wollender Liebeskummer oder das Gefühl von völliger Wertlosigkeit - sobald die richtige Melodie erklingt, sind meist viele Sorgen wie im Handumdrehen vergessen. Lauscht man beispielsweise den Songs von Bastian Kallesøe, der unter dem Künstlernamen The New Spring vor drei Jahren ein gleichnamiges Debütalbum herausbrachte, dann fällt es schon wirklich schwer, die Zornesfalte auf der Stirn oder die Wundwinkel nach unten gerichtet zu halten. Zu sanft und wohltuend ist das, was einen auf den Platten des blonden Songwriters erwartet. Doch was ganz genau macht die Kompositionen von The New Spring zu echten tonalen Wunderpillen? Musiker, die sich der Schlichtheit von Folk und Acoustic bedienen, gibt es schließlich wie Sand am Meer. Vermutlich sticht Bastian Kallesøe deshalb aus der oft grauen Masse hervor, weil er seine Tracks mit Farbe malt. Mit leichten Pastelltönen, die jedoch hier und da durch gedecktere Farben in Kontrast gesetzt werden. Nachdem "Secret Armor" im letzten Jahr untermauerte, dass es sich bei The New Spring keineswegs um eine musikalische Eintagsfliege handele, darf man sich nun bereits über das Drittwerk des Dänen freuen.

Eine Blume, die in dem Moment erblüht, in dem ein Großteil ihrer Artgenossen bereits verwelkt ist, hat oft einen ganz besonderen Reiz. Zum einen, weil sie genau dann mit der Entfaltung ihres Blütenkleides zu überraschen vermag, wo schon keiner mehr damit gerechnet hatte, und zum anderen, weil sie damit den Kreislauf des Lebens, inmitten der Vergänglichkeit, markiert. Es gibt eben keine Verfallsdaten für Glück oder Schönheit. Im übertragenen Sinne trifft man auch unter uns Menschen auf diejenigen, die erst dann zu strahlen beginnen, wenn ihnen dies schon vielfach von ihrer Umwelt abgesprochen wurde. Als sogenannte Spätzünder warteten sie aber vielleicht einfach nur auf den richtigen Moment, um sich zu öffnen. "Late Bloomer", so lautet auch der Titel des dritten Albums von The New Spring.
Je mehr man über die Entstehung einzelner Alben liest und hört, umso mehr muss man sich fragen, ob das Geheimrezept einer guten Platte eventuell in der Spontanität ihrer Entstehung liegen könnte. Natürlich gibt es LPs, die technisch perfekt produziert und zudem derart ausgefeilt wurden, dass es aus klanglicher Perspektive wirklich schwerfällt, da noch ein Haar in der Suppe zu finden, doch oft fehlt es gerade diesen an etwas wie einer Seele. Bastian Kallesøe nahm die zehn Tracks für "Late Blommer" innerhalb von nur zwei Tagen auf. Dementsprechend finden sich natürlich viele ungeschliffene Kanten in Nummern wie dem Opener "The Hours of the Day" oder "Crown of Winter". Nur sind es gerade diese, die eine gewisse Frische und Ehrlichkeit zu transportieren in der Lage sind. Auf sehr subtile Art und Weise fließt "Late Bloomer" in der Folge dahin, passiert ein strahlendes "Your Birthday (Stilleben #1)", ein entzückendes "Bees" oder ein von Behaglichkeit getragenes "Song for Ana Mendieta" und hinterlässt einen Hauch von Wärme, jetzt, wo der Herbst beginnt.
Um abschließend nicht nur ein Vinyl-Exemplar von The New Springs neuem Album "Late Bloomer", sondern darüber hinaus die komplette Diskografie des Dänen auf Platte zu ergattern,
könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.
Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto.
Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder
Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die
entsprechende Lostrommel gelangt.
Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem
Betreff "The New Spring" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr
auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)
Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 21.09.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!
Zu verdanken haben wir das großartige Gewinnpaket übrigens unseren Freunden bei Tambourhinoceros Records.
Weitere Infos zu The New Spring und dem Album "Late Bloomer" gibt es hier:
The New Spring bei Tambourhinoceros | Facebookseite
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| Sóley |
Mit einem einzigen Song, dem fragilen "Pretty Face", schaffte es die Isländerin Sóley Stefánsdóttir, Tausende Menschen direkt ins Herz zu treffen und die Wichtigkeit ihres Heimatlandes für die Musikwelt erneut zu unterstreichen. Wie viel Liebeskummer wohl von den zarten Kompositionen Sóleys begleitet wurde? Gewiss ist, dass die Kritiker das Debütalbum der Sängerin, "We Sink" (2011), mit anerkennenden Worten nur so überhäuften und auch die Verkaufszahlen absolut zufriedenstellend waren. Heute, drei Jahre nach Veröffentlichung ihres Erstlingswerkes, meldet sich Sóley mit der EP "Krómantík" zurück, die anders als von vielen erwartet, keine Neuauflage von "We Sink" darstellt, sondern stattdessen einige Klavierminiaturen beherbergt. Die Solokünstlerin, die gleichzeitig auch Mitglied der Band Seabear ist, kehrt damit zu ihren musikalischen Wurzeln zurück. Viele der Stücke entstanden nämlich in ihren Grundstrukturen schon während Sóleys Studiums. Es brauchte wohl Zeit und auch den nötigen Freiraum, um das Experiment "Krómantík" zu wagen.
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| "Krómantík" |
Würde Tim Burton gerade an einem weiteren seiner düster-skurrilen Filme arbeiten, wäre er mit "Krómantík" als passendem Soundtrack extrem gut beraten, denn nicht nur von seiner äußeren Erscheinung her erinnert die Platte stark an die Ästhetik eines "Nightmare Before Christmas" oder "Corpse Bride". Nur wäre es dann dieses Mal eben nicht Burtons Lieblingskomponist Danny Elfman, der sich für Stücke wie den gedämpften Opener "Stiklur" oder das darauf folgende "Fantasía" verantwortlich zeigen würde, sondern seine wesentlich jüngere Kollegin Sóley. Wahres Fingerspitzengefühl beweist jene innerhalb der acht kurzen Tracks, deren Referenzen von der Morbidität eines Requiems ("Falski píanótíminn") über den schalkhaften Geist altmodischer Jahrmarktsmusik ("Kaósmúsík") bis hin zu verwunschenen Träumereien reichen, die wiederum das titelgebende Stück "Krómantík" charakterisieren. Bei diesem gesellen sich - wie auch bei "Eftirteiti" - zu dem Klang des Tasteninstruments noch ein paar rätselhafte Gesänge. "Stofuvals" malt derweil kreidebleiche Fratzen in die Luft und das finale "Swing" liefert einen betörenden Abspann.
Lange hatte Sóley überlegt, die einzelnen Miniaturen in komplexere Songs zu integrieren, entschied sich dann jedoch dafür, die Autonomie jener Stücke mit dem Release einer EP zu feiern - eine Einsicht, die dem Hörer fünfzehn herrlich verwunschene Minuten beschert.
Genauso liebevoll wie Sóleys Klavierminiaturen ist auch die physische Version von "Krómantík" gestaltet worden. Da heute Gewinnspiel-Mittwoch auf "Einen hab ich noch..." ist, geben wir eine der wundervoll detailverliebten und streng limitierten 10"-Versionen, die neben der entsprechenden Schallplatte auch noch ein achtseitiges Booklet, mit Illustrationen und allen Noten zu den Stücken enthält, in unsere Verlosung. Wer jene EP gern bald sein Eigen nennen würde, der sollte uns bis spätestens kommenden Sonntag, den 20.07.2014, verraten haben, welche Gefühle er mit der Musik von Sóley verbindet. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.
Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebookseite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 16.07.2014 mit eurer Antwort kommentieren.
Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Sóley" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com.
Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Weitere Infos zu Sóley gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite
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| Fink |
Jedes Musikgenre hat seine Großmeister. Was Massive Attack und Portishead für den Trip-Hop sind, ist Moby beispielsweise für den Ambient-Sektor. Der Electro liegt hingegen fest in den Händen von Acts wie Daft Punk oder The Prodigy, und während Björk und Radiohead als Ikonen des Alternative gefeiert werden, gelten Blur und Oasis als Pioniere des Britpop. Doch, was ist mit dem guten alten Songwritertum? Wer sind dessen Helden? Einer, der sich zumindest anschickt, zukünftig im selben Atemzug mit Namen wie Tom Waits, Bob Dylan oder Leonard Cohen genannt zu werden, ist der im britischen Cornwall geborene Finian Paul Greenall. Zusammen mit Drummer Tim Thornton und Bassist Guy Whittacker bildet er das Trio Fink. Ursprünglich als Soloprojekt erdacht räumte Greenall seinen beiden Kollegen im Laufe der Jahre mehr und mehr Mitbestimmungsrechte ein und integrierte sie auch zunehmend in die akustische Konstruktion seiner Studienalben. Davon gab es bisher immer fünf. Mit "Hard Believer" kommt nun ein sechstes hinzu.
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| "Hard Believer" |
Nachdem der Amerikaner Beck im März sein von Licht durchflutetes Folkalbum "Morning Phase" präsentierte, stellt Finks "Hard Believer" nun eine Art dunklen Gegenentwurf dazu dar. Wesentlich akustischer und hölzerner geht es auf jener Platte zu, die binnen 17 Tagen in den legendären Sound Factory Studios in Hollywood eingespielt wurde. Greenall, Thorton und Whittacker steckten all ihren Ehrgeiz und all ihre Energie in das mit zehn Titeln bestückte Werk. Zudem versuchten sie, ein Album zu erschaffen, das von der Flüchtigkeit des Moments und der Harmonie des Kollektivs lebt. Viele der Instrumental- und Gesangspassagen wurden in der Folge zeitgleich und nicht getrennt voneinander aufgenommen, was sonst oft gang und gäbe bei vielen Produktionen ist. Akzentuierte Gitarrenriffs mit einem Hauch von Wildem Westen ("Hard Believer", "Green And The Blue") sind schließlich auf "Hard Believer" genauso zu finden, wie von Electronica-Einflüssen durchtränkte Klangteppiche ("White Flag", "Two Days"). Auch der Blues darf auf dem neusten Album Finks nicht fehlen und veranlasst unter anderem "Pilgrim" oder "Keep Falling", im Mondlicht zu tänzeln. Für echte Lagerfeuerromantik sorgen wiederum "Shakespeare" und "Truth Begins", indes sich zu "Looking Too Closely" der aufkommende feuchte Nebel ein wenig klärt. "Hard Believer" ist dynamisch, scharfsinnig und desolat zugleich - sprich eine wundervolle Gefühlsmischung.