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Mittwoch, 1. April 2015

Gewinnspiel: Bristol "Bristol"

© by Susanne Erler
Wenn es jemanden gibt, der das Covern beherrscht wie kaum ein Zweiter, dann ist das wohl der Franzose Marc Collin. Mit seinem langjährigen Projekt Nouvelle Vague, das er zusammen mit seinem Kollegen Olivier Libaux und einer Handvoll grandioser Sängerinnen und Sänger realisierte, schaffte der ebenfalls als Produzent tätige Musiker den Sprung von der Hotelbar auf die großen Bühnen dieser Welt. Nie zuvor hatte ein Act, der sich einzig auf die Neuinterpretation von Songs anderer Künstler stütze, für mehr Wirbel sorgen können. Zahlreiche ausverkaufte Konzerte, ein Side-Project namens Hollywood, Mon Amour und einige Soundtrack-Arbeiten später, lässt Collin nun aber genau diesen Erfolgsgaranten zurück und widmet sich mit Bristol einer anderen großen Herzensangelegenheit. Wie bereits der Name vermuten lässt, dreht sich bei Bristol alles um die gleichnamige britische Stadt am Floating Harbour, die in den Neunziger Jahren als Geburtsstätte des Trip-Hops fungierte und Bands wie Massive Attack oder Portishead hervorbrachte. Doch wütete der Trip-Hop, mit seiner Mischung aus Hip-Hop-Beats, Samples und elektronischen Einflüssen, in ganz Europa, wie nun auch Bristols selbst betiteltes Debütalbum "Bristol" dokumentiert.

Hatte sich Nouvelle Vague klar dem New Wave verschrieben und ihn Richtung Bossa Nova geschickt, überführen auch Bristol ihr auserwähltes Blauskizzen-Genre in ein recht gegensätzliches akustisches Feld. Collin reizte die Idee, einen Entwurf davon zu zeichnen, wie sich all die rauchenden und düsteren Trip-Hop-Hymnen als ausschweifende Filmsongs aus den Sechzigern und Siebzigern angehört hätten. Da wird dann aus einem vormals recht akzentuierten Song wie Lambs "Gabriel" schnell ein von Herzblut durchdrungenes und bombastisch inszeniertes Stück, wohingegen das von den Sneaker Pimps stammende "6 Underground" beispielsweise in ein typisches Film-Noir-Licht getaucht wird. Collin reist mit Hooverphonics "Mad About You" nach Belgien, schnappt sich Björks "All Is Full Of Love", entzündet damit ein emotionales Inferno oder tunkt Jay-Jay Johansons "Nothing Else" in eine elegante Schwerfälligkeit. Natürlich huldigen Bristol aber auch den bereits erwähnten Trip-Hop-Pionieren, indem sie Massive Attacks "Safe From Harm" zum flirrenden Opener erklären und Portisheads "Roads" durch die begnadete Stimme Jim Bauers veredeln - ist es doch vor allem jener 23-Jährige, der mit nahezu umwerfenden Gesangseinlagen für zahlreiche spannende Momente auf "Bristol" sorgt. Collin hat erneut sein Gespür für die richtigen Kollaborationspartner und sein Händchen für erfolgsversprechende Newcomer bewiesen. Ob Cecile De Laurentis, die Neneh Cherrys "Woman" zu Hochtouren auflaufen lässt, Prudence Fontaine, die Morcheebas "Moog Island" in ein flottes Tanzstück verwandelt oder die Pariserin Dawn, die Trickys "Overcome" im wahrsten Sinne des Wortes Leben einhaucht und die gleichzeitig auch Teil des Live-Ensembles von Bristol ist.
Trip-Hop mal anders. Anders und doch in sich so schlüssig, wie es nur ein Marc Collin darzulegen weiß."Bristol" dürfte Freunde von Nouvelle Vague genauso betören, wie alldiejenigen, die schon einmal zu Goldfrapps "Paper Bag" in ihr Kissen geweint haben oder zu Archives "Nothing Else" durch den Alltag getrieben sind.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Bristols "Bristol", das uns unsere Freunde bei JSM zur Verfügung gestellt haben, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Bristol" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Montag, der 05.04.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Bristol gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Interview mit Marc Collin bei Kultmucke

Freitag, 30. Mai 2014

Album-Vorstellung: Papercuts "Life Among The Savages"

Jason Robert Quever alias Papercuts
Der Scherenschnitt - Kunstform oder Kinderbastelei? Weder noch! Papercuts ist das Projekt des amerikanischen Singer Songwriters Jason Robert Quever. Mit der notwendigen Fingerfertigkeit, die es auch für das Verarbeiten von Papier hin zum Schattenriss braucht, macht sich das in San Francisco ansässige Multitalent regelmäßig an die Arbeit, um das Beste aus Folk, Dream Pop und Indie miteinander zu verknüpfen. Wie gut ihm dies gelingt, zeigen die fünf bisher erschienenen Alben von Papercuts. Allesamt sind sie Platten, die sich perfekt dazu eignen, ein Refugium des Müßiggangs zu erschaffen, in welchem es sich an verregneten Sonntagen besonders leicht aushalten lässt. Ab ins Bett, Welt aus und Musik an. Stunde um Stunde vergeht schließlich wie im Fluge, während die sanften Melodien Quevers aus den Lautsprechern der heimischen Anlage schallen. "Life Among The Savages", das neuste Werk des kalifornischen Erfolgsgaranten, möchte nun da anknüpfen, wo "Fading Parade" 2011 aufhörte.


"Life Among The Savages"
"Life Among The Savages" ist keine Offenbarung, was Innovation oder Extravaganz angeht, nur scheint Quevers mit den neun Songs auch keineswegs darauf abgezielt zu haben, das akustische Rad neu zu erfinden. Im Gegenteil. Genüsslich springt er auf den Zug retroesker Vernarrtheit auf, der momentan eh durch sämtliche Genres rollt. Anders als viele weitere Passagiere besitzt der Musiker und Produzent dabei jedoch das Geschick, seinen eigenen Fingerabdruck zu hinterlassen. Wenn er und seine dann und wann wechselnden Papercuts-Kollegen zu Gitarre, Schlagzeug, Piano oder Synthesizer greifen, dann tun sie dies mit tiefster Gelassenheit. Genau diese durchzieht auch Stücke wie "New Baby", "Family Portrait" oder "Easter Morning". "Life Among The Savages" ist wie ein von der Sonne beschienenes Haus, dessen Türen und Fenster weit offen stehen, sodass der Wind seicht durch die einzelnen Zimmer ziehen und den Duft frischer Blumen und Gräser mit hineintragen kann. Auch das titelgebende Stück entsendet Schwingungen voller Wärme und Innigkeit und fungiert ganz wunderbar als Vertreter seiner Brüder und Schwestern.



Freitag, 2. Mai 2014

Album-Vorstellung: Lykke Li "I Never Learn"

Lykke Li
Es ist schon eine Weile her, da machte ein junges Fräulein mit zuckersüßen Hymnen, denen man jedoch einen gewissen bitteren Nachgeschmack nicht absprechen kann, auf sich aufmerksam. 2008 eroberten Lykke Lis "Youth Novels" die Herzen und Abspielgeräte zahlreicher Hörer. Doch seitdem ist viel passiert. Unter den Fittichen von Peter Bjorn And Johns Björn Yttling entfaltete die Sängerin ein gewaltiges Potenzial, flog hoch hinauf in den Pophimmel und lieferte mit "Wounded Rhymes" (2011) einen fulminanten Nachfolger für ihr gefeiertes Debüt ab, der obendrein noch die internationale Hitsingle "I Follow Rivers" enthielt. Wie geht man nun mit dem Erfolgsdruck um, wenn alle Welt schon darauf wartet, dass man mit neuem Material erneut in den Ring steigt, um sich gegenüber seinen Konkurrenten zu behaupten? Lykke Li besann sich auf die Tatsache, dass sie es vermutlich nie allen recht machen können wird und fand mithilfe von Meditation und Poesie zurück zu sich selbst und zu den Geschichten, die noch in ihr schlummerten. Anstatt zudem auf die sich stapelnden Angebote von Produzenten und Plattenfirmen einzugehen, blieb sie ihrer bisherigen Arbeitsweise treu und kehrte zurück in die Arme von Björn Yttling, der gern ein weiteres Mal mit der hübschen Schwedin zusammenarbeitete. "Unsere Beziehung ist wirklich seltsam und mächtig zugleich. Wir kommen nicht immer miteinander klar. Er will mich oft in die eine Richtung ziehen, ich ihn in die andere. Wir kämpfen viel und treffen uns dann irgendwo in der Mitte. So entsteht ein guter Song. Wir fordern einander heraus.", verriet Lykke Li unseren Freunden von Pink-Pong jüngst in einem Interview.

"I Never Learn"
Insgesamt entstand jedoch nicht nur ein guter Song. Nein, "I Never Learn", das dritte Album der mittlerweile 28-jährigen Songwriterin, hält insgesamt neun Tracks bereit, die allesamt ihre ganz eigenen Reize haben. Wer allerdings ein weiteres "I Follow Rivers" auf "I Never Learn" zu finden versucht, wird recht schnell merken, dass Lykke Li sich von dem aufbegehrenden Revoluzzergeist ihrer "verwunderten Reime" verabschiedet hat, um zu einer pathoslastigeren Schwere überzusiedeln. Schon der Opener "Never Learn" hängt der anfänglichen Leichtigkeit, spätestens mit Einsetzen des Gesangs, ein paar melancholische Gewichte an. Lykke Li befindet sich in einem Alter, das in letzter Instanz das Erwachsensein einläutet - mitsamt all seinen Verpflichtungen und Gefühlszuständen. Was es bedeutet, eine Liebe zu verlieren, macht schließlich "No Rest For The Wicked" deutlich. In dem Stück singt sich Lykke Li von ihren Schuldgefühlen frei und setzt zu einem tiefen Atemzug an, in dessen Sog man sich nur allzu schnell verlieren kann. Auch "Just Like A Dream" besticht durch seine Weitschweifigkeit, die nahezu jeden Winkel der Traurigkeit ausleuchtet.
"Mit einem Fuß stand ich dann im Blues, während der andere an der Grenze zum Psychedelischen verortet war. Genau so sollte es sein, ich wollte stets, dass sich Bekenntnis und Traum vermischen."
So hinterlässt "Silver Line" einen transzendenten Eindruck und darf definitiv zu den Highlights auf "I Never Learn" gezählt werden. "Gunshot" hingegen wartet auf der Mitte des Longplayers mit einer düsteren Gewalt auf, die sich wie ein Schatten verbreitet und schließlich Feuer fängt. Nach jener Verwüstung baut der Lo-Fi-Track "Love Me Like I'm Not Made Of Stone" auf kargem Boden und erinnert an die vielen schönen Demos, die der eine oder andere vielleicht noch aus den Anfängen von Lykke Li kennt. "Never Gonna Love Again" bedient sich einer Soundästhetik, die fast an die der großen Schnulzen aus den Neunzigern heranreicht. Und auch "Heart Of Steel", mit seinem opulenten Chorgesängen im Refrain, hätte man normalerweise nicht unbedingt einer Lykke Li zugeschrieben. Doch sorgen bei jenem Song die geschickten Arrangements, welche sich durch den Einsatz vieler Percussions und nachhallender E-Gitarrenriffs auszeichnen, gerade noch für die Verankerung im Hier und Jetzt. Nach zwei nicht ganz so starken Nummern bildet aber "Sleeping Alone" ein sehr hübsches Finale. Sensibel und mit interessanten melodischen Wirrungen und Irrungen.
"I Never Learn" ist anders als das, was Lykke Li uns bisher präsentiert hat. Man merkt den Titeln der Platte an, dass sie der Feder einer gereiften Frau entstammen und so dürfen wir teilhaben an der Metamorphose der Lykke Li.

"Mein drittes Album zu machen, war meiner Meinung nach die schlimmste und beste Zeit zugleich."



Montag, 31. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 90

Émilie Simon
Wenn man sich häufig mit den Biografien unterschiedlicher Musiker beschäftigt, dann fällt einem irgendwann auf, dass ein Großteil von ihnen bereits in frühen Jahren mit einer Wirklichkeit konfrontiert war, die Musik als wesentlichen Bestandteil enthielt. Ähnliches gilt auch für die Französin Émilie Simon. Als Tochter einer Pianistin und eines Toningenieurs konnte die 1978 in Montpellier geborene Sängerin der Welt der Melodien gar nicht erst entkommen. Geradezu omnipräsent webte sich diese nämlich in sämtliche sensible Entwicklungsphasen ihres Lebens ein und so wurden eigene Kompositionen schnell zum natürlichen Ausdrucksmittel für das Mädchen. Im Alter von sieben Jahren besuchte Émilie erstmals das Konservatorium ihrer Heimatstadt, um eine klassische Gesangsausbildung zu erfahren. Im Eiltempo ging es voran und nach der Schule entschied sich Émilie, auch ihr Studium der Musik zu widmen. Mit einem fundierten Wissen im Hinterkopf begann sie schließlich, die Arbeiten an ihrem einem ersten Album aufzunehmen, das sie mit ihrem eigenen Namen betitelte. "Émilie Simon" (2003) ist ein feingeistiges Debüt, das grazil zwischen Genres wie Trip-Hop, Retro-Pop und Chanson herumtänzelt. Ein typisch französischer Charme verleiht der Platte zudem ein sanftmütiges Leuchten. Unseren heutigen Klassiker der Woche, der eben jenem Album entstammt, gibt es in zwei Fassungen. Zum einen im mütterlichen Mundwerk Émilie Simons und zum anderen in der Allerweltssprache Englisch. Natürlich entschieden wir uns, als frankophile Redaktion, "Désert" für den heutigen Beitrag in der Version Française zu wählen. Neben vielen weiteren wundervollen Stücken auf "Émilie Simon", war es vor allem dieser Song, der den Naturfilmer Luc Jacquet dazu veranlasste, das aufstrebende Nachwuchstalent um einen Soundtrack für sein "Die Reise der Pinguine" zu bitten, was gleichzeitig den internationalen Durchbruch für Mademoiselle Simon bedeutete.



Mittwoch, 19. März 2014

Gewinnspiel: Nina Persson "Animal Heart"

Nina Persson
Vor fast auf den Tag genau einem Monat stellten wir euch "Animal Heart" von Nina Persson vor. Die Frau, die einst mit der schwedischen Gruppe The Cardigans Berühmtheit erlangte, versammelt auf ihrer ersten echten Solo-Platte, wenn man das Projekt A Camp nicht mit dazu zählen will, Popsongs, die mal als kleine Nachtmusik im adretten Abendkleid ("Burning Bridges For Fuel") und im nächsten Moment wiederum als rebellische Jahrmarktsmusik ("Food For The Beast") getarnt daherkommen. Noch immer, und das heißt bei einer Musikredaktion, die täglich mit Neuveröffentlichungen überschwemmt wird, tatsächlich etwas, erklingen das titelgebende "Animal Heart" und seine akustischen Geschwister aus unseren Lautsprechern und übertönen dabei die Tracks vieler anderer Künstler, die sich gerne Gehör verschaffen würden. Dies liegt sicherlich auch an den positiven Erinnerungen, die uns gedanklich wieder und wieder zu dem Auftritt der 39-Jährigen in den Hallen des Berliner Heimatshafen zurückführen. Es war der Abend des 23.02.2014, den Nina Persson nutze, um mit ihrem fragilen Charme das anwesende Publikum zu überzeugen. Dies gelang ihr auf elegante Art und Weise. Stets standen ihre Songs im Vordergrund. Auf unnötige Effekthascherei wurde verzichtet. Nachdem "This Is Heavy Metal" als zweite, gefühlvoll inszenierte, Zugabe verklungen war, stand fest, dass es manchmal nicht mehr und nicht weniger als eine starke Stimme und die Liebe zur Musik braucht, um wahren Prunk zu erschaffen. Dieser schwebte als feiner Nebel durch die Hallen des Neuköllner Volkstheaters.



Wir sehen uns verpflichtet, euch ein Stück jener Magie näherzubringen, die Nina Perssons Kompositionen innewohnt. In der Folge verlosen wir ein CD-Exemplar von "Animal Heart", das uns Uta Bretsch Communications zur Verfügung gestellt hat. Um in die Lostrommel zu gelangen, aus der wir schließlich einen Gewinner ziehen werden, sollt ihr uns dieses Mal bis spätestens kommenden Freitag, den 21.03.2013, eure schönste Konzerterinnerung verraten. Mitteilen könnt ihr euch wie folgt.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 19.03.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Nina Persson" und eurer Antwort an blogfrog87@googlemail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zu Nina Persson gibt es hier:
Facebookseite