"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Vor zwei Jahren veröffentlichten fünf junge Musiker ihr Debüt. Sie taten es dabei vielen anderen Bands gleich und wählten als Titel den eigenen Namen: Yesterday Shop. So weit, so gut. Doch das war es dann auch schon, was das Quintett mit dem Großteil seiner Kollegen gemein hat. Clemens, Daniel, Sönke, Florian und Oli besinnen sich in einer Zeit, in der alle Welt gehetzt Richtung elektronischer Tanzmusik rennt, gern auf akustische Impulse aus den 80ern und frühen 90ern. Shoegaze, Noise-Rock und klassische Alternativesounds sind die Zutaten, die ihre Kompositionen zum Leuchten bringen. Elegant weben Yesterday Shop breite Klangteppiche, auf denen man als Hörer nur allzu gern Platz nimmt. Ihr Erstlingswerk wurde dankend von den sonst recht bissigen Kritikern angenommen und schnell bekamen sie den begehrten "Erfolgsversprechend"-Stempel aufgedrückt. Tatsächlich eine Leistung, wenn man bedenkt, dass kein Plattenlabel die Jungs unter Vertrag nehmen wollte, sodass sie mit Trickser schließlich ihr eigenes gründeten. Nun gibt ihnen genau dieses die Freiheit, kompromisslos dem eigenen Geschmack zu folgen.Und darin scheint auch das Erfolgsrezept der Band, die sich einst irgendwo im Süden Deutschlands gründete, zu liegen. In der Folge meistern sie die schwierige Aufgabe, nach einem gefeierten ersten Album, ein weiteres herauszubringen, nahezu beiläufig. "Parodos" manifestiert den Ruf der Truppe als Vorzeigebeispiele für Künstler aus dem Independentbereich.
"Parodos"
Am Eingang zu "Parodos" wartet mit "Two Beasts" ein monumentales, fast fauchendes Stück. Ehrfürchtig bewacht es den Schatz, den Yesterday Shop mit den zehn Tracks ihrer neuen Platte ausgehoben haben. Auch der Nachfolger "Trees & Games" knüpft nahtlos an die heraufbeschworene Opulenz und Massivität an. Eine Soundästhetik, die man sonst nur noch selten im aktuellen auditiven Geschehen findet. Erstaunlicherweise. Nur ist es eben auch nicht ganz einfach, den Grenztanz pathoslastiger Melodien zu meistern, ohne dabei in die Lächerlichkeit abzurutschen. Solche und ähnliche Sorgen lassen Yesterday Shop jedoch kalt, haben sie doch bereits auf ihrem Debüt bewiesen, dass sie den Umgang mit ausladenden Harmonien bestens beherrschen. Neu ist hingegen die optimistische Leichtfüßigkeit, die Songs wie "Good Life", "The Water" oder "Ghost" begleitet. Yesterday Shop haben sich ein entfaltet, sind hinter dem Vorhang rauschender Texturen hervorgetreten und wagen sich nun Stück für Stück gen Sonnenlicht. Perfekt dosiert ist diese Weiterentwicklung für den Hörer nachvollziehbar und interessant zugleich. Weder 180°-Wende noch Stillstand - die Band schafft die Balllance zwischen Neuerfindung und Besinnung auf ihre alte Stärken mühelos. "White" schwelgt in der Melancholie vergangener Tage, schwingt sich dann aber mehr und mehr zur epischen Ballade auf, "The Bells" hüllt sich in Dunkelheit, "Wounds" besticht durch eine freundliche Zurückgenommenheit, die in heiteren Chorgesängen endet, und "Parodos // Winter Act III" spannt den Bogen zu "Yesterday Shop", auf dem damals "Winter Act I" und "Winter Act II" zu finden waren. Wie es sich für jedes großartige Album gehört, kann auch "Parodos" zum Schluss mit "My Fortune" ein Feuerwerk entzünden, das bis in die Ewigkeit nachhallt. Respekt muss man sich verdienen, Yesterday Shop darf man nach diesem erneuten Geniestreich allerdings beruhigt damit überschütten. Chapeau!
Wir möchten uns nicht lumpen lassen und haben den Herren ein CD-Exemplar von "Parodos" abschwatzen können, welches wir nun gern an einen unserer Leser weitergeben würden. Um in die Lostrommel zu gelangen, aus der der Gewinnername gezogen wird, solltet ihr uns verraten, was euch an der Musik von Yesterday Shop gefällt. Tun könnt ihr dies bis kommenden Freitag, den 16.05.2014, über eine der beiden folgenden Möglichkeiten.
Als kleine Kinder hatten wohl viele von uns Angst vor übernatürlichen Wesen, Geistern oder Monstern. Oft haben wir unsere Eltern darum gebeten, im Schrank oder unter dem Bett nachzusehen, ob sich da auch wirklich kein gruseliger Passagier versteckt hat. Selbst der eingeforderte offene Türspalt, durch den etwas Licht in das eigene Zimmer dringen konnte, half meist nicht, die letzten Bedenken auszuräumen, dass die Schattengebilde an den Wänden eventuell doch noch zu gefräßigen Kreaturen mutieren könnten. Wenn wir älter werden, sind wir oft der Meinung, dass Spuk und Gespenster zu den Ammenmärchen gehören und dass wir immun gegenüber Furcht und Panik seien. Immerhin sind wir ja erwachsen. Dabei haben wir indes meist unsere ganz eigenen Dämonen erschaffen, die die Gedanken gern in trübe Ecken drängen und uns den Hals zuschnüren. Alltagssorgen, Lügen oder ein immer undurchsichtigeres Weltgeschehen - überall lauern Bedrohungen. Was nun? Wir können all dies verschweigen, den Kopf in den Sand stecken oder uns einfach abwenden, doch wird die Dunkelheit irgendwann überhandnehmen, wenn wir uns ihr nicht entgegenstellen. Philipp Szalay versucht mit seinem Projekt Farewell Dear Ghost, einen Soundtrack für Hoffnungsträger und Mutige abzuliefern, die sich mit klopfendem Herzen aus dem grauen Schleier befreien wollen, der sie umgibt.
"We Colour The Night"
"We Colour The Night" ist nicht nur als Albumtitel des Debüts von Farewell Dear Ghost zu verstehen, sondern darüber hinaus auch als ein klares Statement in Richtung ehrlichen Optimismus. Dass dieser auch immer an das Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit gebunden ist, erörtern die Lyrics der Platte, die musikalisch zwischen Indierock, Noise und Synthie-Pop verortet ist. "Demons I" und "Demons II" rahmen dabei das üppige Werk des Österreichers. Geheimnisvoll, nahezu transparent und gewichtslos. Ansonsten halten Stücke wie "Fire", das expressive "Cool Blood" oder "Fears" eine gewisse Wucht bereit, mit der sie den Hörer zu überrollen und mitzureißen versuchen. Das gelingt zwar nicht immer, doch muss man den Songs des Albums insgesamt eine Wirkung zusprechen, die es in dieser Form nur noch selten im aktuellen Klangkosmos zu finden gibt. Ein leichter Nachgeschmack des Postrocks, à la Sophia oder Tiger Lou, wirft uns aus der Gegenwart fast zehn Jahre in die Vergangenheit zurück. In eine Zeit, in der es noch erlaubt war, an der einen oder anderen Stelle etwas dicker aufzutragen und dafür den Purismus einmal Purismus sein zu lassen. Volle, satte Kompositionen, eine feinbesaitete Männerstimme und zahlreich eingesetzte Gitarrenriffs machen "We Colour The Night" zu einem Gegengewicht des oft übertriebenen Stadiumrocks und darüber hinaus zu einer Scheibe, bei der selbst Geister das Tanzen anfangen dürften.