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Mittwoch, 22. April 2015

Gewinnspiel: Dan Mangan + Blacksmith "Club Meds"

Der Band, die an der Seite eines Soloartists steht, ihn bei Studioaufnahmen unterstützt und während dessen Liveshows begleitet, wird meist eher wenig Aufmerksamkeit zugemessen. Dan Mangan hatte diese Tatsache satt. Zu wichtig waren ihm seine Jungs Kenton Loewen, Gordon Grdina, John Walsh, JP Carter, Jesse Zubot und Tyson Naylor innerhalb des eigenen Schaffensprozesses geworden, als dass man ihr Wirken mit einer kurzen Benennung auf der letzten Seite des Albumbooklets abtun dürfe. Und so entschied sich der Kanadier, diesen sechs Herren ein Monument zu setzen und sie in den eigenen Künstlernamen zu integrieren - ganz, wie man es aus den Anfängen des Rock'n'Rolls noch kennt, als das Musikerdasein einen hohen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft genießen durfte. Der Schriftzug Dan Mangan + Blacksmith ziert in der Folge das dritte Album des bärtigen Songwriters. Doch offeriert "Club Meds" noch weitaus mehr Revoluzzergeist, als mit dieser sehr offensichtlichen Neuerung bereits angedeutet wird. Mangan und sein Gefolge brechen innerhalb der 11 neuen Songs komplett mit dem, was den zweifachen Juno-Award-Gewinner groß gemacht hat. Mutig.

Es waren sanfte Hymnen, sogenannte Sing-alongs, mit denen Dan Mangan ein immer größer werdendes Publikum für sich begeistern konnte. Seine Alben "Postcards & Daydreams", "Nice, Nice, Very Nice" und "Oh Fortune" zementierten derweil den Ruf Mangans als sympathischer Hitlieferant. Doch wie lange sollte das in dieser Art weitergehen? Irgendwann möchten die Hörer eine Weiterentwicklung vernehmen, wollen überrascht, ja, vielleicht sogar verstört werden. Mit "Club Meds" entfachen Dan Mangan + Blacksmith nun das nötige akustische Buschfeuer, nach dessen Umherwüten neue auditive Keimlinge auf fruchtbarem Klangboden gedeihen können. Es ist ein fiebriger Rundumschlag, der mit dem Opener "Offred" beginnt und in dem lange nachhallenden "New Skies" endet. Genährt von Postrockelementen, schweren Noisesträngen und einer rauen Kratzbürstigkeit züngeln Stücke wie das kreischende "Mouthpiece", das von Industrialmomenten durchsetzte "Kitsch" und das auf einem fiktiven Wort basierende "Forgetery" umher - stets fordernd und nie oberflächlich. Nur bedeutet das gleichsam nicht, dass "Club Meds" unzugänglich wäre. Man muss nur bereit sein, durch einen düsteren Schleier steigen und sich darüber hinaus auch einer verheißungsvollen Ungewissheit stellen zu wollen. Schon befällt das titelgebende "Club Meds" den Verstand und auch Stücke wie "Pretty Good Joke", "Vessel" oder "War Spoils" lassen sich kaum noch abschütteln. Dan Mangan + Blacksmith haben ein kantiges Werk erschaffen, das man in dem Moment zu lieben beginnt, in dem man seine Erwartungen über Bord geschmissen hat.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Dan Mangan + Blacksmiths "Club Meds", das uns City Slang zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Dan Mangan + Blacksmith" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Montag, der 27.04.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Dan Mangan + Blacksmith gibt es hier:
Offizielle Website | Facebookseite | Youtube-Channel | Interview bei Kultmucke

Freitag, 13. März 2015

Album-Vorstellung: Modest Mouse "Strangers To Ourselves"

© by Ben Moon
Was tun, wenn man eines Tages vor dem Spiegel steht und das Gefühl hat, die Person, die einen da ganz verdrossen anschaut, nicht mehr zu kennen? Entfremdung kann in vielen Bereichen des Lebens eine zentrale Rolle spielen und manchmal kommt es sogar vor, dass man den Bezug zu sich selbst verliert - sozusagen zu einem Fremden in seiner eigenen Haut wird. Ein Band, die im Laufe ihrer bereits über 20 Jahre andauernden Karriere zahlreiche Metamorphosen und Wandel durchlaufen hat, ist Modest Mouse. Wen sehen Isaac Brock und Jeremiah Green, zwei der drei Gründungsmitglieder, wohl, wenn sie das Sixtett begutachten, dass sie aktuell umgibt und einschließt? Als Außenstehender lässt sich eine gereifte Formation erkennen, die noch immer versucht, eine Lanze für den Indierock zu brechen und das, wo sie doch schon lange beim Majorlabel Sony Music unter Vertrag ist. Modest Mouse klingen nach damals, heute und morgen. Ihr Stil hat sich im Laufe der Zeit kaum und doch gleichzeitig enorm verändert, wie auch ihr neustes Werk "Strangers To Ourselves" dokumentiert.

Wendet sich alle Welt aktuell sphärischen und verträumten Electrokompositionen zu, bleiben Modest Mouse auch auf "Strangers To Ourselves" ihrer Linie treu und stellen Gitarre, Schlagzeug und andere klassische Bandinstrumente in den Vordergrund von Songs wie "Wicked Campaign", der Hitsingle "Lampshades On Fire" oder dem fast schon okkult anmutenden "Shit In Your Cut". Doch gibt es da eben auch all diese feinen akustischen Spielereien, die den 15 Tracks der Platte anhaften und sie zum Glänzen bringen. Da hat es schon fast etwas von David Byrne und seinen Talking Heads, wenn "Pups To Dust", "Ansel" oder das aufgeheizte "The Ground Walks, With Time In A Box" erklingen. Gleichzeitig mischen sich ein paar wenige melancholische Momente wie der titelgebenden Opener "Strangers To Ourselves" unter die sonst recht präsent vertretenden Up-Tempo-Songs. Ganz untypisch für ein Eröffnungsstück sorgt "Strangers To Ourselves" für Entschleunigung und Ruhe. Dem schließen sich "Coyote"und das epische "Of Course We Know" an, wohingegen "God Is An Indian And You're An Asshole" oder "Sugar Boats" für Wüstensand im Ohr sorgen.
"Strangers To Ourselves" ist brillant, und zwar in jedweder Hinsicht.



Freitag, 13. Februar 2015

Album-Vorstellung + Gewinnspiel: Carnival Youth "No Clouds Allowed"

© by Karklina
Nachdem wir schon am Mittwoch das Thema unpopuläre Musiknationen, mit der Vorstellung von KEjNUs "Centillion", gestreift haben, wandern wir mit dem lettischen Quartett Carnival Youth nun erneut in ein nur selten vom öffentlichen Interesse begutachtetes Land - vor allem, wenn es um dessen akustischen Output geht. Die Brüder Edgars und Emīls Kaupers sowie ihre Schulkameraden Roberts Vanags und Aleksis Luriņš gehören zu Lettlands junger Independentelite. Von Riga aus versuchen die vier Jungs, die Welt mit ihren energetischen Melodien zu erobern. Dass ihnen das ganz gut gelingen könnte, haben Carnival Youth bereits mit Auftritten auf dem Reeperbahn Festival, dem Waves Vienna oder einer kleinen Deutschlandtour im November des letzten Jahres bewiesen. Zeit für ein erstes Album und das trägt passenderweise den Namen "No Clouds Allowed".

Zuallererst gilt es, die Gardienen zur Seite zu schieben, das Fenster weit aufzumachen und frische Luft und Licht ins Zimmer zu lassen, denn das sind die Grundlagen, die Carnival Youths Debüt "No Clods Allowed" braucht, um wirken zu können. Des Weiteren hilft es, den Volume-Regler der Anlage bis zum Anschlag nach rechts zu drehen. "Never Have Enough" schreit das Eröffnungsstück der Platte und genau das denkt man sich auch nach den ersten paar Takten dieses vergnüglichen Openers. Was ist das nur für ein unglaublich verheißungsvolles Gefühl, das sich im Magen breitmacht, während innerhalb des Songs folkige Strukturen von rockigeren Elementen angespitzt und zu neuen Höhen geführt werden? Ob im Folgenden das verspielte "Octopus", das mit scheppernden Klavierarrangements und an die Cold War Kids erinnernde "Moonboy" oder das mit Trommelrhythmen und Mundharmonikapassagen aufgeladene "Tree by Tree" - "No Clouds Allowed" zelebriert eine liebevolle Freiheit und bricht mit vielen Konventionen, denen sich Newcomeracts sonst gerne einmal fügen. Carnival Youth sind die Produktion ihrer ersten LP langsam angegangen, haben sich selbst von etlichen Zwängen und Ideologien losgesagt und sind stattdessen bedingungslos ihrem Instinkt gefolgt. Das lässt "No Clouds Allowed" nicht nur unheimlich reif daherkommen, sondern macht Stücke wie "Brown Eyes And All The Rest" oder "Words Like Birds" zu echten Hits.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Carnival Youths "No Clouds Allowed", das uns Popup Records zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Carnival Youth" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Dienstag, der 17.02.2015.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Carnival Youth und "No Clouds Allowed" gibt es hier:
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Freitag, 6. Februar 2015

Album-Vorstellung: Father John Misty "I Love You, Honeybear"

© by Emma Tillman
Wo sind sie geblieben, die vor Theatralik nur so strotzenden, großen Hymnen? Jene, die mal schmachtend, mal stürmisch und dann doch wieder liebevoll umarmend daherkommen?
Joshua Tillman scheint ein Faible für aufgeladene Arrangements zu haben, die zwar irgendwie im Folk verankert sind, gleichzeitig aber genüsslich durch angrenzende Genres wie Rock, Indie oder gar Soul spazieren. Nachdem der in einer baptistischen Gemeinde aufgewachsene Songwriter den Gedanken Pfarrer zu werden verworfen und ihn zugunsten einer Musikerkarriere geopfert hatte, verfolgte er letztere mit einem nahezu ungebrochenen Elan. Sieben Soloalben und drei EPs als Joshua Tillman, ein Gastspiel auf dem Fleet Foxes Album "Helplessness Blues" und ein Soundtrack sind Resultat des scheinbar nicht enden wollenden kreativen Rauschs, welcher Tillman seit 2004 begleitet. Und dann war da noch die Sache mit Father John Misty. Unter diesem Alterego veröffentlichte der Amerikaner 2012 das von der Kritik hochgelobte "Fear Fun" und die EP "The Demos". Heute erscheint mit "I Love You, Honeybear" der zweite Longplayer des akustischen Predigers.

Es bedarf meist eines gewissen Abstands, um vergangene Situationen und Momente noch einmal reflektieren zu können - als Father John Misty tut Joshua Tillman dies auf "I Love You, Honeybear" in nahezu narzisstischer Art und Weise. So betrachtet der bärtige Musiker die letzten Jahre, die Beziehung zu seiner Frau Emma und die eigene Person, mit all ihren Stärken und Schwächen, durch die große lyrische Lupe. Passend dazu veröffentlichte der 33-Jährige ein kleines Manifest, das er als Höranleitung getarnt dem Booklet des Albums zur Seite stellte. Auf auditiver Ebene bietet "I Love You, Honeybear" elf Folksongs, die irgendwie dann doch wieder keine sind. Father John Misty tänzelt innerhalb dieser an den Höhen und Tiefen eines bewegten Lebens vorbei, ertränkt seinen Weltenschmerz in souligen Balladen wie "When You're Smiling" und wagt doch ebenso auch tonale Experimente wie bei dem flimmernden "True Affection". Ironie und Sarkasmus durchziehen die Platte derweil wie ein roter Faden und finden in Stücken wie dem von Publikumsgelächter begleiteten "Bored In The USA" ihre Klimax. Indes schunkelt der dem Album seinen Namen gebende Opener "I Love You, Honeybear" kraftvoll durch allerlei anstößiges und doch gleichzeitig eben recht passendes Vokabular. Großes Hörkino auf einer Platte, die nicht weniger bunt ist als ihr Cover. Freunde von Calexico, John Grant oder den besagten Fleet Foxes dürften allesamt gleich begeistert sein.



Mittwoch, 3. September 2014

Gewinnspiel: Interpol "El Pintor"

© by PIAS Cooperative
Fast jedem, der sich musikalisch im Independentbereich zuhause fühlt, dürfte die amerikanische Band Interpol etwas sagen. Mit ihrem Debütalbum "Turn On The Bright Lights" (2002) und dem Nachfolger "Antics" (2004) prägte die Truppe aus New York City den Sound einer ganzen Generation und sorgte zudem dafür, dass der Indierock seinen Siegeszug rundum den Globus feiern durfte. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen scheuten Interpol dabei nie die Auseinandersetzung mit Pathos und Theatralik, was ihrem Sound eine gewisse Tiefe verlieh, die man anderswo oft vermisste. Besonders Einflüsse aus Post-Punk und New Wave sorgten, zwischen harten Gitarrenriffs und schallernden Schlagzeugpassagen, stets für die gewisse Authentizität. Nachdem 2010 vielerorts gemutmaßt wurde, ob die selbstbetitelte vierte Platte der Band gleichsam auch deren Ende bedeuten könnte, dürfen Fans von Interpol nun aufatmen: "El Pintor" heißt der Lichtblick am Horizont.


Irgendwie ist es schon erstaunlich, wie wenig sich der Stil von Interpol über die Jahre verändert hat. Wenn Titel wie "All The Rage Back Home" oder "Everything Is Wrong" von "El Pintor" erklingen, fühlt man sich sofort in der Zeit zurückgeworfen. Zurück bis zu dem Moment, als man das erste Mal Paul Banks markante Stimme in seinem ehemaligen Lieblingsclub vernahm, derweil ein leichtes Kribbeln im Körper aufstieg. Auch das Cover von "El Pintor" erinnert von seiner Ästhetik stark an Interpols Erstlingswerk "Turn On The Bright Lights". Sind Kessler, Foragino und Banks nun also Verweigerer von Fortschritt und Entwicklung? Nein, Stücke wie "Same Town, New Story" oder das finale "Twice As Hard" stellen eindringlich zur Schau, dass Interpol sich zwar in einem nicht allzu breiten Klangspektrum bewegen, dafür aber jede einzelne Nuance dessen erforschen und durchdringen wollen. "El Pintor" malt - es malt eine Zukunft, die von der Vergangenheit geprägt ist und die den Schatz der Erfahrung nutzt, um darauf aufzubauen.



Um abschließend ein CD-Exemplar von Interpols neuem Album, sprich "El Pintor", zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Interpol" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 07.09.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
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Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Interpol und dem Album "El Pintor" gibt es hier:
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Mittwoch, 27. August 2014

Gewinnspiel: Cold Specks - Neuroplasticity

© by Christine Burkart
Mit ihrem Debütalbum "I Predict A Graceful Expulsion" machte Al Spx alias Cold Specks 2012 erstmals von sich reden. Düstere Kompositionen, eine markerschütternde Stimme und der Hauch von Unnahbarkeit kennzeichneten das Erstlingswerk der damals in Groß Britannien lebenden Kanadierin. Sowohl Presse als auch Konsumenten nahmen "I Predict A Graceful Expulsion" gleichermaßen respektvoll entgegen. Doch damit nicht genug. Auch Musikerkollegen wie Moby und die US-Rocker Swans konnten es kaum abwarten, mit Cold Specks zu arbeiten und luden sie als Gastsängerin auf ihre letzten Releases ein. Für die Songwriterin galt es in der Folge also nichts anderes zu tun, als den vielen Gelegenheiten zu folgen, die sie schließlich auch zur Produktion ihrer neuen Platte "Neuroplasticity" führten.
2014 ist Al Spx zurück in ihr Heimatland, genauer gesagt in die Stadt Montreal, gekehrt - weil es dort wärmer und weniger erdrückend sei als im verregneten London, berichtet die gebürtige Ostafrikanerin Kultmucke in einem exklusiven Interview. Und tatsächlich profitieren auch die zehn Songs auf "Neuroplasticity" von dieser persönlichen Entscheidung und beeindrucken durch eine neuartige fiebrigere Aura.

Wirkten die Tracks auf "I Predict A Graceful Expulsion" noch recht karg und ungeschliffen, beweist Cold Specks auf "Neuroplasticity", dass sie auch völlig anders kann. Genauso auf den Punkt, aber gleichzeitig wesentlich satter in Klang und Ausstrahlung, kommen Stücke wie "A Broken Memory" oder das weitläufige "Bodies At Bay" daher. Von ihrem morbiden Charme, der einst in der Veröffentlichung des Videos zur Single "Hector" gipfelte, hat Cold Specks dabei nichts eingebüßt. Noch immer durchzieht das Motiv der Vergänglichkeit ihre Songs und verwandelt selbst optimistischere Nummern wie "A Quiet Chill" spätestens mit dem Refrain in dröhnende Grabeshymnen. Unterstützung bekommt die 26-Jährige dabei auch von Michael Gira, Frontmann der bereits erwähnten Gruppe Swans. Bei den Titeln "Exit Plan" und dem souligen "A Season Of Doubt" gesellt sich seine nicht minder ausdrucksstarke Stimme zu der von Cold Specks - selten kann man als Hörer einem besseren Duo infernale lauschen. Doch auch "Absisto" oder das stürmisch hin- und herschaukelnde "A Fromal Invitation" brennen sich förmlich in das Gedächtnis ein, wenn man sie erst einmal vernommen hat.
"Neuroplasticity" setzt die richtigen Akzente, entfaltet sich in spannender Art und Weise und darf als großartiges zweites Album einer aufstrebenden Künstlerin gefeiert werden!



Um abschließend ein CD-Exemplar von Cold Specks neuem Album, sprich "Neuroplasticity", zu ergattern, könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen.

Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt.

Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Cold Specks" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.)

Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 31.08.2014.
Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall.
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Viel Erfolg!

Weitere Infos zu Cold Specks und dem Album "Neuroplasticity" gibt es hier:
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Freitag, 22. August 2014

Album-Vorstellung: The New Pornographers "Brill Bruisers"

© by Beggars Group
Kaum zu glauben, dass es eine Band wie The New Pornographers wieder und wieder schafft, sich zu treffen und ein Album aufzunehmen. Warum ist das erstaunlich? Nun, die einzelnen Mitglieder der New Pornographers sind allesamt viel beschäftigte Musiker, die erfolgreiche Solokarrieren verfolgen, beziehungsweise darüber hinaus in zahlreiche weitere Projekte verwickelt sind. Da wäre zum einen Frontmann, Sänger und Songwriter Allan Carl Newmann, der in den Neunzigern mit der Gruppe Zumpano erste Erfolge feierte und seitdem kaum noch aus der kanadischen Indieszene wegzudenken ist. Er ist der Dreh- und Angelpunkt der New Pornographers und sorgt regelmäßig dafür, dass sich seine Supergroup gemeinsam im Studio versammelt. Neben ihm sind es dann allem voran aber auch Daniel Bejar, das Gesicht hinter Destroyer, und die Königin des Alternative Country, Neko Case, die The New Pornographers zu einem der beliebtesten Power-Pop-Exporte gemacht haben. Zusammen mit ihren Kollegen Kathryn Calder, John Collins, Kurt Dahle, Todd Fancey und Blaine Thurier veröffentlichen sie heute ihr sechstes Werk, das den Namen "Brill Bruisers" trägt.

"Brill Bruisers" steckt, genau wie seine Vorgänger, voller Euphorie und Energie. Eine Platte, die Kummer und Sorgen binnen weniger Takte wegbläst, und stattdessen optimistisch zum Tanz in die Zukunft bittet. Das titelgebende Eröffnungsstück "Brill Bruisers" beispielsweise, mit seinen eingängigen Chorgesängen und rockigen Beats, schafft es, den Hörer in einen bunten Rausch aus Tönen und Farben zu versetzen, der dann auch während der weiteren zwölf Tracks nicht enden möchte. Die neue Scheibe der New Pornographers ist rastlos, schnell und kurzweilig. Selbst vermeintliche Balladen wie das liebliche "Spidyr" oder "Champions Of Red Wine" können sich der Betriebsamkeit von "Brill Bruisers" nicht entziehen und schließen sich, selbst wenn es ihre Anfänge nicht unbedingt vermuten ließen, schon kurze Zeit später dem wütenden Soundfeuerwerk an, das charakteristisch für dieses Album ist. The New Pornographers mögen älter geworden sein - dürften mittlerweile vielleicht sogar als Rentner der Branche bezeichnet werden - aber dass ihre jüngeren Mitstreitern sie einholen könnten, brauchen sie dennoch nicht befürchten. Und zwar Dank der einzigartigen Harmonie, die das Oktett von jeher auszeichnete.



Mittwoch, 23. Juli 2014

Gewinnspiel: Rhonda "Raw Love"

Rhonda
Es ist noch gar nicht lange her, da feierte die Musikgemeinschaft ein ausgelassenes Revival des Sixties-Souls. Vor allem die Zöglinge der Londoner BRIT School standen dabei im Fokus des öffentlichen Interesses. Ihre Alben verkauften sich, wie es wohl kaum jemand erwartet hatte, während gleichzeitig etliche Frauen bereits ihren Kleiderschrank nach Petticoats durchwühlten, ihre Haare zu riesigen Beehives zusammenstecken und den Liedstrich etwas dicker als gewöhnlich zogen. Die Männer hingegen übten erneut das Krawattenbinden, schmissen sich flotte Westen über, spannten die Hosenträger oder ließen Hüte auf ihre Köpfe wandern. Wenig später ebbte der Retro-Hype dann jedoch wieder ab, und zwar genauso schnell, wie er zuvor aufgekommen war. Amy Winehouse, die Ikone des Neosouls war den Folgen ihres exzessiven Drogenkonsums zum Opfer gefallen, Blondine Duffy derweil im allgemeinen Pop-Strudel versunken und auch viele andere, eben noch umjubelte, Acts mussten die hart erkämpften Topplatzierungen der Charts abermals räumen. 2014 schickt sich nun ausgerechnet eine deutsche Band an, eine Extrarunde mit Funk und Soul zu drehen - und das überaus erfolgreich.

"Raw Love"
Rhonda ist ein Quintett aus Hamburg. Mit ihrer Single "Camera" eroberte sich die Band binnen kürzester Zeit einen festen Platz in den Playlists vieler Radiostationen. Die kratzige, vollmundige Stimme von Sängerin Milo Milone erwies sich dabei als ebenso erfolgsversprechend, wie Rhondas generelles Gespür für den Einsatz von Elementen aus Ska und Rock. Ihr Debütalbum "Raw Love" stellt "Camera" nun weitere Ohrwürmer zur Seite. Ob das frische "Teribble Lie", das vom Groove angeheizte "Sound Of Soda", das charmante "Bruno" oder das spritzige "Here We Go Again" - "Raw Love" schwimmt auf einer Welle aus Hitpotenzialen. Eigentlich können Rhonda gar nichts mehr falsch machen. Die Balladen "That's How I Roll" und "I Need No Help" sind authentisch und im angemessenen Maße theatralisch, wohingegen sich "Here Lies" und "My Thing" einer zuckersüßen Leichtigkeit verschrieben haben. Jeder einzelne Song auf "Raw Love" macht Spaß beim Zuhören.
Wer hätte gedacht, dass das noch einmal funktionieren könnte? Wer hätte geahnt, dass der ausgelassene Soul ausgerechnet im Land der Diszipliniertheit und Ordnung sein fulminantes Comeback feiern würde? Wir nicht! Umso mehr genießen wir jetzt aber diese ungeahnte akustische Überraschung namens "Raw Love".



Mit freundlicher Unterstützung von PIAS und Community Promotions dürfen wir nun abschließend noch ein CD-Exemplar von Rhondas "Raw Love" verlosen. Wer dieses gern gewinnen möchte, der schreibt uns bis spätestens kommenden Sonntag, den 27.07.2014, was ihm an der Musik der Hafenstadt-Truppe gut gefällt. Mitmachen könnt ihr über die beiden bereits bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebookseite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 23.07.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Rhonda" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zu Rhonda gibt es hier:
Offizielle Website  | Facebookseite

Montag, 16. Juni 2014

Klassiker der Woche Nr. 100

1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 52, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99... 100!

Heute stellen wir euch, ohne viele erklärende Worte, unseren Klassiker der Woche Nr. 100 vor: Metric mit "Poster Of A Girl". Ab nächstem Montag findet ihr die Rubrik dann immer zuverlässig auf unserer Facebookseite.




Montag, 9. Juni 2014

Klassiker der Woche Nr. 99

Friska Viljor
Über Jahrzehnte hinweg konnte Schweden seinen Ruf als eine der erfolgreichsten Geburtsstätten für Musiksensationen behaupten. ABBA, Ace Of Base, Roxette, The Cardigans, Johnossi, Mando Diao, Shout Out Louds, Lykke Li, Robyn - die Liste an gefeierten Acts könnte noch ewig fortgesetzt werden. Umso erstaunlicher ist jedoch die Tatsache, dass viele der Bewohner des skandinavischen Königreichs gar nicht um die vielen Talente zu ihren Seiten wissen. So feiert der Großteil der schwedischen Künstler seine Karrieresiege oft fern der Heimat bei akustischen Auswärtsspielen. Ähnliches gilt auch für das Sixtett Friska Viljor. Während die Band seit über die Bühnen deutscher Festivals rast und euphorisch vom Publikum bejubelt wird, kräht in Stockholm, Göteborg oder Uppsala kaum ein Hahn nach Daniel Johanssons, Joakim Sveningssons und ihren Bandkollegen. Da kommt es dann auch schon einmal vor, dass man auf einer Indieparty in Malmö steht, die DJane nach "Oh Oh" von Friska Viljor fragt und diese erstaunt erwidert, sie habe wirklich noch nie etwas von dieser Gruppe gehört. Sollte der eine oder andere Leser nun Ähnliches denken, hilft nur noch eins: Press Play!


Montag, 19. Mai 2014

Klassiker der Woche Nr. 97

Mark Oliver Everett alias E
Mark Oliver Everett alias E hat bewegte Zeiten hinter sich. Sein bisheriger Lebensweg ist mit zahlreichen Stolpersteinen gepflastert, doch findet der heute 51-Jährige stets Halt und festen Boden in der Musik. Als Kind ist es vor allem seine Schwester Elizabeth, beziehungsweise deren Neil Young Platten und Gitarre, die den noch jungen Oliver faszinieren. Schnell greift er selbst zu allerhand Instrumenten und probiert sich aus. Es folgen erste Promotapes und schließlich auch zwei Alben, die der aufstrebende Künstler unter seinem Pseudonym E veröffentlicht. Während einiger Auftritte im Vorprogramm von Tori Amos holt sich Everett schließlich mit Jonathan „Butch“ Norton Verstärkung ins Boot. Die beiden Männer verstehen sich gut und gründen 1995, zusammen mit Tommy Walter, die Band Eels. Kurz vor dem Erscheinen ihres Debüts "Beautiful Freak" (1996) nimmt sich Everetts Schwester das Leben und gleichzeitig wird bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert. Die Welt gerät für E ins Wanken und "Electro-Shock Blues" (1998) darf als Verarbeitungsstrategie und Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden. Finstere Texte und traurige Melodien begleiten die Platte und erst "Daisies Of The Galaxy" (2000) verweist auf den sprichwörtlichen Lichtstreifen am Horizont. Wesentlich erhellender zeichnen Songs wie die akustische Fliegenklatsche "Flyswatter", die auch unser heutiger Klassiker der Woche ist, ein farbenfroheres Bild als die Tracks auf den Vorgängeralben. Everett selbst sagt dazu, dass wenn "Electro-Shock Blues" ein Anruf inmitten der Nacht darstelle, den die Welt nicht beantworten wolle, "Daisies Of The Flaxy" hingegen der Weckruf sei, der dir verkünde, dass dein wunderbares Frühstück fertig wäre. Nach über zwei Dekaden im Geschäft hat sich E einen stattlichen Namen in Branchen- und Fankreisen machen können. Auch wenn seine Eels sich dabei durch eine recht unbeständige Personalpolitik auszeichnen, ist es vor allem Es Kreativität, die das Projekt wieder und wieder zum gefeierten Liveact werden lässt. Bei seinen Shows sorgt der Amerikaner nämlich stets dafür, dass sein Backkatalog im Stil der neusten Veröffentlichung aufgeführt wird. So durchlaufen seine Stücke eine interessante Entwicklung und auch "Flyswatter" klingt heute ganz anders als vor vierzehn Jahren.

Mittwoch, 30. April 2014

Gewinnspiel: Real Estate "Atlas"

Real Estate
Das gehört mir!
Mach die Augen zu, dann siehst du, was dir gehört!

Besitz - ein vergängliches Wort und eine noch viel vergänglichere Tatsache. Was uns gehört und was nicht, ist schwer zu sagen. Der Mensch hat zwar schon früh damit begonnen, überall seine Stempel zu verteilen, die ihm ein gewisses Eigentumsrecht einräumen sollen, doch bleibt fragwürdig, ob ihn das gleichzeitig auch zum legitimen Gebieter über die von ihm erwählten Dinge macht. Mittlerweile sind Wasser, Pflanzen, Tiere, ja, tatsächlich sogar Menschen in der Hand einzelner Personen. Kann das sein?
Real Estate, eine Band aus Ridgewood, New Jersey, trägt das Wort Besitz im Namen. Nur ist ihr Vermögen von immaterieller Natur. Gedanken, Visionen und Ideen sind Teil ihrer Kreativität und die Grundlage ihrer Identität als Band. 2009 gründete sich die Formation und brachte im gleichen Jahr bereits ihr selbst betiteltes Debüt auf den Markt. Zwei Jahre später folgte dann mit "Days" der erste Release auf Domino Records. Von den Kritikern für würdig befunden, nahm Real Estates Siegeszug schnell an Fahrt auf und so gelangten die Kompositionen der Truppe schnell in die vielen Ecken dieser Erde.

"Atlas"
Sanfte, folkige Melodien, mal verträumt und mal klar wie ein wolkenfreier Himmel, kennzeichnen die Songs von Real Estate und sind auch auf ihrer dritten Platte "Atlas" richtungsweisend. 10 Stücke, die die Sonne im Herzen tragen und die Reise der Band durch die Wüste Arizonas, einen Proberaum in Greenpoint, einen Dachboden in ihrer Heimatstadt Ridgewood und Wilco's Studio in Chicago beschreiben, tummeln sich auf dem Album. Dabei haben Real Estate eine neue Deutlichkeit gefunden, die sie behutsam in ihr Songwriting einfließen lassen. Dies hat zur Folge, dass Tracks wie "Crime" oder "Past Lives" recht erhaben klingen. Leicht und doch bodenständig. Real Estate schaffen es auf "Atlas", einen Sound zu kreieren, der unbeeindruckt über dem alltäglichen Geschehen steht. Sich weder von der Vergangenheit, noch der Gegenwart oder Zukunft musikalischer Phänomene beherrschen lassen will. Wer sagt, dass Männer emotionale Krüppel seien, die nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, der wird mit "Primitive", "April's Song" oder "Navigator" eines Besseren belehrt. Das fünfköpfige Herrengespann weiß sehr wohl, wie man sein Innerstes nach außen kehrt.


Wie immer habt ihr auch an diesem Gewinnspiel-Mittwoch die Chance, die soeben vorgestellte Platte eventuell zu ergattern. Wir möchten in diesem Zusammenhang von euch wissen, was Besitz für euch bedeutet? Bis kommenden Freitag, den 02.05.2014 habt ihr Zeit, eine Antwort darauf zu finden und uns diese über eine der beiden folgenden Möglichkeiten mitzuteilen. Mit etwas Glück gehört das CD-Exemplar von Real Estates "Atlas", das uns Domino Records zur Verfügung gestellt hat, dann ja vielleicht bald schon einem von euch.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 30.04.2014 mit eurer Antwort kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Real Estate" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. 

Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Montag, 21. April 2014

Klassiker der Woche Nr. 93

CSS
"Ich bin es leid, immer sexy zu sein", sagte Beyoncé Knowles einst in einem Interview. Dies ist nun viele Jahre her, doch das viele Poposchütteln und lasziv ins Mikro hauchen hat an der Tatsache nicht wirklich etwas ändern können, dass das R'n'B-Sternchen für viele Menschen weiterhin als Inbegriff der Sexyness fungiert. Komisch. Inspiriert von dem nicht ganz ernst zu nehmendem Statement der Popdiva übersetzte ein brasilianisches Kollektiv jene Aussage kurzerhand ins Portugiesische und nannte sich von diesem Moment an Cansei de Ser Sexy. CSS etablierte sich kurz darauf als knackige Abkürzung für die Band und machte sie auch über die Grenzen ihrer Heimatstadt São Paulo bekannt. Als bunter Haufen aus Bloggern, Hipstern und Trendsettern, die alle zu Gründungszeiten, mit Ausnahme des späteren Bassisten Adriano, keinerlei Instrumente beherrschen, greifen die Freunde beherzt zu Synthies und Drumbeats und mischen die Clubszene des südamerikanischen Kontinents gehörig auf. Sie stehen dabei für eine neue Generation an Musikern. Frisch, ungebunden und den Traditionen entwachsen. So finden Samba, Bossa Nova, Jazz- oder Reggaeelemente kaum Einzug in die kantigen Klangmuster des ehemaligen Sixtetts. Vielmehr sind es Rock, Funk und Electro, die die Sounds von CSS charakterisieren. Heute sind CSS nur noch zu viert, was ihren Erfolg jedoch keineswegs schmälert. Sängerin Lovefoxxx beispielsweise hat es auf den bejubelten Soundtrack zum Film "Drive" geschafft und auch mit seinen eigenen Kompositionen ist das Quartett, das mittlerweile nur noch aus Frauen besteht und  in Los Angelos ansässig ist, kaum noch wegzudenken aus der Independentszene. Doch klingen die Damen jetzt nicht mehr ganz so revolutionär wie zu ihren Anfängen, als sie mit "Let's Make Love And Listen To The Death From Above" den Asphalt der Straßen in Schwingungen versetzt haben. Wir feiern das selbstbetitelte 2005er Debüt "Cansei de Ser Sexy", indem wir jenen Hit zum Klassiker der Woche küren.



Freitag, 18. April 2014

Album-Vorstellung: Kelis "Food"

Kelis
Irgendwie war Kelis schon immer anders als die anderen R'n'B-Künstlerinnen. Sie wollte von jeher nicht in das Bild der Goldketten tragenden, farbigen Powerlady passen, das von Damen wie Rihanna, Ciara, Brandy oder Amerie gern ausgiebig zelebriert wird. Zu bodenständig und irgendwie auch zu kantig wirkte die 1979 in Harlem geborene Sängerin stets. Als Protestlerin machte sie 1999 ihrem Ärger Luft und schrie sich mit "Caught Out There", von ihrem Debüt "Kaleidoscope", die Seele aus dem Hals. In den darauffolgenden Jahren arbeitet Miss Rogers, wie Kelis mit bürgerlichem Namen heißt, mit sämtlichen Größen der Branche zusammen. Darunter The Neptunes, André 3000, ihr Exmann Nas, Cee-Lo Green, will.i.am oder David Guetta. Jeder will die Frau kennenlernen, die es schafft, die Arme soweit auszustrecken, dass sie sich genüsslich innerhalb der kompletten musikalischen Vielfalt bedienen kann, ohne dabei jedoch ihren ganz eigenen Stil zu verlieren. So tanzt sie durch Electro, Hip-Hop, Pop, Jazz oder Reggae und wirkt in jeder einzelnen Bewegung authentisch. Nun wagt sich Kelis erstmals gen Indierock, zusammen mit TV on the Radios Dave Sitek. "Food" lautet der Name des sechsten Studioalbums der Queen of Soul.

"Food"
Reichlich ist der Tisch gedeckt, und zwar an jedem einzelnen Produktionstag von "Food". Dave Sitek wohnt in Los Angelos nur ein paar Gehminuten von Kelis entfernt und was ist schöner, als sich neben dem Songwriting auch um das gemeinsame Leibeswohl zu kümmern? Während allerhand Gerichte und Songs, die wie welche klingen ("Friday Fish Fry", "Jerk Ribs", "Breakfast", "Cobbler", "Buiscuits 'N' Gravy"), zubereitet oder entwickelt werden - Kelis hat nach der Veröffentlichung ihrer letzten Platte einen Kochkurs belegt - steht die Tür des Hauses immer sperrangelweit offen. Dies hat zur Folge, dass Künstler jeglicher Couleur dort ein- und ausgehen. Für ein Stück Hünchen- oder Schweinefleisch, das mit Soßen aus der Hand von Kelis gewürzt ist, hinterlässt manch ein Gast darüber hinaus auch dankbar ein paar seiner Ideen. Am Ende webt sich somit der Geist einer lebensfrohen Gemeinschaft in die 13 Stücke der Scheibe ein. Die kreative Vielfalt kennt keine Grenzen, wodurch "Food" final nach einer bunten Geschmacksexplosion aus Funk und Alternative klingt. Auch die brasilianische Rockgirlkombo CSS unterstützt Kelis beispielsweise auf ihrem Weg in Richtung eines neuen akustischen Horizonts. In perfekter Harmonie reihen sich Perlen feinfühligen Genusses ("Bless The Telephone") an orientalische Träume aus Tausendundeiner Nacht ("Change"). "Rumble" hingegen erinnert lässig an längst vergangene Tage. Generell kommen einem viele Melodien bekannt vor, jedoch ohne den Anschein einer einfallslosen Kopie zu hinterlassen. Es sind oft simple Lines, wie das herrliche Klavierspiel bei "Biscuits 'N' Gravy", die die Nummern auf "Food" zu echten Ohrwürmern mutieren lassen. Zudem konservieren Kelis und Sitek behutsam die Schnittmenge ihrer gemeinsamen Soundpräferenzen, welche sich im Laufe ihrer Leben herausgebildet haben. Gewürzt mit Texten, die von zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Auswirkungen. Wenn "Dreamer", als großartig verträumte Ballade, das Album beschließt, dann bleibt ein wohlig angenehmes Gefühl zurück. Einmal mehr wird klar, dass Kelis absolut in der Lage ist, eine Überraschung parat zu haben.


Montag, 3. März 2014

Klassiker der Woche Nr. 86

Die Popfalle hat zugeschlagen und eine der Bands verschluckt, die doch so weit vom Mainstream entfernt schien, wie nur irgend möglich. Was ist geschehen? Als die New Yorker Vampire Weekend im Mai 2013 ihr drittes Album "Modern Vampires Of The City" auf den Markt brachten, setzten sie damit gleichzeitig ein klares Statement in Richtung der tonalen Einfallslosigkeit. Abgenutzte Gitarrenriffs, banale Lyrics und abgedroschene Melodien. Wohl kaum einer hätte erwartet, dass das Quartett, das zuvor zwei wirklich prägnante Platten namens "Vampire Weekend" und "Contra" veröffentlicht hatte, einmal derart stumpfsinnig daherkommen würde. Auch die dem aktuellen Trend entsprechende Einbindung zahlreicher elektronischer Elemente konnte daran nichts mehr ändern. Im Gegenteil, man könnte fast meinen, dass diese Schuld an der ganzen Misere gewesen sei. Als dann der Grammy für das beste Alternative-Album folgte, schien der Erfolg zwar auf dem Siedepunkt, nur hatten da bereits viele ehemalige Fans, der Truppe den Rücken zugekehrt. Immerhin tun Brandblasen ganz schön weh und "Modern Vampires Of The City" gleicht in der Tat einer heißen Herdplatte. Nun denn, die Zeit lässt sich nicht umkehren und vermutlich haben auch viele Menschen eine völlig andere Meinung zu der Entwicklung von Vampire Weekend. Wir widmen uns derweil jedoch wehmütig dem heutigen Klassiker der Woche, der einst den Aufstieg einer talentierten Newcomer-Band markierte. "A-Punk" war, und ist auch heute noch, Zeugnis für den Mut einiger junger Herren, den klassischen Indierock mit Afrobeat, Punk und Reggae aufzupolieren. Schade, dass sie sich diesen Revoluzzergeist nicht bewahren konnten, sondern stattdessen lieber den Weichspülgang für ihre musikalische Zukunft wählten.