"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Dünne Wände sind meist eher Fluch denn Segen. Das weiß wohl ein Jeder zu bestätigen, der im Laufe seines Lebens einmal mit diesem Problem konfrontiert wurde. Sei es im eigenen Elternhaus gewesen, bei dem jedes zu laute Husten ein paar mahnende Worte von Mutter oder Vater nach sich zog, oder in der ersten WG, in der man den Bettsport mit dem Partner nahezu stumm schalten musste, um am nächsten Morgen nicht mit hochrotem Kopf die gemeinsame WG-Küche betreten zu müssen, oder gar in der komplett eigenen Wohnung, in der man allerdings nahezu jeden Streit der Nachbarn bis ins kleinste Detail nachvollziehen konnte, da nur Pappe zwischen den einzelnen Mietparteien gespannt zu sein schien. Privatsphäre beginnt oft da, wo Stein, Mörtel und Dämmschutz eine feste Einheit bilden. Das musste auch die belgische Band Balthazar feststellen, als sie in den letzten Jahren fast ununterbrochen auf Konzertreise war. Ob im Tourbus, in all den besuchten Hotels und Pensionen oder in dem eigens für die Produktion einer neuen Platte angemieteten Kloster - vor allem den beiden Köpfen und Stimmen der Band, Jinte Deprez und Maaerten Devoldere, war es nicht vergönnt, Ruhe vom jeweils anderen zu haben. Doch anstatt sich darüber zu beschweren, machten die beiden Herren aus der Not eine Tugend, und zwar in dem sie immer genau hinhörten, woran ihr Kollege gerade arbeitete. Das ersparte lange Vorstellungen und Diskussionen, kannte man ja bereits die Gedanken und auditiven Visionen des Gegenübers.
"Thin Walls" heißt nun passenderweise auch das dritte Album von Balthazar. Deprez, Devoldere und ihre drei Kollegen schrieben und komponierten die zehn darauf befindlichen Stücke vorrangig während sie sich gemeinsam durch Europa spielten - mal als Support für die Editors und dann wieder auf ihren gut besuchten Headliner-Touren. Anstatt mit Geduld und Spucke ans Werk zu gehen, verließen sich Balthazar bei der Entwicklung ihres Drittwerks vor allem auf ihre Intuitionen - blieb für bis ins kleinste Detail durchdachte und mehrfach reflektierte Songentwürfe ja eh kaum Zeit. All die Hektik, all der Stress und auch das permanente Aufeinanderhocken hätten dem Album nun durchaus schaden können, doch ist genau Gegenteiliges zu beobachten. Von dem für das Quintett fast schon charakteristische Eröffnungsstück "Degency" über ein euphorisches "Bunker" oder ein rauchiges "I Looked For You" bis hin zum ausschweifenden Endtrack "True Love" - die Platte ist von einer sehr angenehmen Stringenz durchzogen, die an den richtigen Stellen aufzubrechen und mit interessanten Elementen zu überraschen weiß. Da ist zum Beispiel das sonnige "Wait Any Longer", das mit Sixties-Groove und einer gehörigen Portion Coolness das Gemüt erhellt, oder auch das lässige "So Easy", welches erneut Balthazars Talent für unaufgeregtes und gleichzeitig fesselndes Geschichtenerzählen unter Beweis stellt. Wie bereits auf ihrem Debüt "Applause" und dem Durchbruchserfolg "Rats" sorgt das recht gegensätzliche auditive Gespür von Deprez und Devoldere auch bei "Thin Walls" für eine ausgewogene Mischung aus Punk, Rock und einem Hauch von retroverliebeter Western- und Marschmusik.
Um abschließend ein CD-Exemplar von Balthazars "Thin Walls", das uns PIAS Germany zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern,
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Was tun, wenn man eines Tages vor dem Spiegel steht und das Gefühl hat, die Person, die einen da ganz verdrossen anschaut, nicht mehr zu kennen? Entfremdung kann in vielen Bereichen des Lebens eine zentrale Rolle spielen und manchmal kommt es sogar vor, dass man den Bezug zu sich selbst verliert - sozusagen zu einem Fremden in seiner eigenen Haut wird. Ein Band, die im Laufe ihrer bereits über 20 Jahre andauernden Karriere zahlreiche Metamorphosen und Wandel durchlaufen hat, ist Modest Mouse. Wen sehen Isaac Brock und Jeremiah Green, zwei der drei Gründungsmitglieder, wohl, wenn sie das Sixtett begutachten, dass sie aktuell umgibt und einschließt? Als Außenstehender lässt sich eine gereifte Formation erkennen, die noch immer versucht, eine Lanze für den Indierock zu brechen und das, wo sie doch schon lange beim Majorlabel Sony Music unter Vertrag ist. Modest Mouse klingen nach damals, heute und morgen. Ihr Stil hat sich im Laufe der Zeit kaum und doch gleichzeitig enorm verändert, wie auch ihr neustes Werk "Strangers To Ourselves" dokumentiert.
Wendet sich alle Welt aktuell sphärischen und verträumten Electrokompositionen zu, bleiben Modest Mouse auch auf "Strangers To Ourselves" ihrer Linie treu und stellen Gitarre, Schlagzeug und andere klassische Bandinstrumente in den Vordergrund von Songs wie "Wicked Campaign", der Hitsingle "Lampshades On Fire" oder dem fast schon okkult anmutenden "Shit In Your Cut". Doch gibt es da eben auch all diese feinen akustischen Spielereien, die den 15 Tracks der Platte anhaften und sie zum Glänzen bringen. Da hat es schon fast etwas von David Byrne und seinen Talking Heads, wenn "Pups To Dust", "Ansel" oder das aufgeheizte "The Ground Walks, With Time In A Box" erklingen. Gleichzeitig mischen sich ein paar wenige melancholische Momente wie der titelgebenden Opener "Strangers To Ourselves" unter die sonst recht präsent vertretenden Up-Tempo-Songs. Ganz untypisch für ein Eröffnungsstück sorgt "Strangers To Ourselves" für Entschleunigung und Ruhe. Dem schließen sich "Coyote"und das epische "Of Course We Know" an, wohingegen "God Is An Indian And You're An Asshole" oder "Sugar Boats" für Wüstensand im Ohr sorgen. "Strangers To Ourselves" ist brillant, und zwar in jedweder Hinsicht.
Nachdem wir schon am Mittwoch das Thema unpopuläre Musiknationen, mit der Vorstellung von KEjNUs "Centillion", gestreift haben, wandern wir mit dem lettischen Quartett Carnival Youth nun erneut in ein nur selten vom öffentlichen Interesse begutachtetes Land - vor allem, wenn es um dessen akustischen Output geht. Die Brüder Edgars und Emīls Kaupers sowie ihre Schulkameraden Roberts Vanags und Aleksis Luriņš gehören zu Lettlands junger Independentelite. Von Riga aus versuchen die vier Jungs, die Welt mit ihren energetischen Melodien zu erobern. Dass ihnen das ganz gut gelingen könnte, haben Carnival Youth bereits mit Auftritten auf dem Reeperbahn Festival, dem Waves Vienna oder einer kleinen Deutschlandtour im November des letzten Jahres bewiesen. Zeit für ein erstes Album und das trägt passenderweise den Namen "No Clouds Allowed".
Zuallererst gilt es, die Gardienen zur Seite zu schieben, das Fenster weit aufzumachen und frische Luft und Licht ins Zimmer zu lassen, denn das sind die Grundlagen, die Carnival Youths Debüt "No Clods Allowed" braucht, um wirken zu können. Des Weiteren hilft es, den Volume-Regler der Anlage bis zum Anschlag nach rechts zu drehen. "Never Have Enough" schreit das Eröffnungsstück der Platte und genau das denkt man sich auch nach den ersten paar Takten dieses vergnüglichen Openers. Was ist das nur für ein unglaublich verheißungsvolles Gefühl, das sich im Magen breitmacht, während innerhalb des Songs folkige Strukturen von rockigeren Elementen angespitzt und zu neuen Höhen geführt werden? Ob im Folgenden das verspielte "Octopus", das mit scheppernden Klavierarrangements und an die Cold War Kids erinnernde "Moonboy" oder das mit Trommelrhythmen und Mundharmonikapassagen aufgeladene "Tree by Tree" - "No Clouds Allowed" zelebriert eine liebevolle Freiheit und bricht mit vielen Konventionen, denen sich Newcomeracts sonst gerne einmal fügen. Carnival Youth sind die Produktion ihrer ersten LP langsam angegangen, haben sich selbst von etlichen Zwängen und Ideologien losgesagt und sind stattdessen bedingungslos ihrem Instinkt gefolgt. Das lässt "No Clouds Allowed" nicht nur unheimlich reif daherkommen, sondern macht Stücke wie "Brown Eyes And All The Rest" oder "Words Like Birds" zu echten Hits. Um abschließend ein CD-Exemplar von Carnival Youths "No Clouds Allowed", das uns Popup Records zur Verfügung gestellt hat, zu ergattern,
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Seit Mitte der Neunziger haben Blonde Redhead stetig daran gearbeitet, ihren ganz individuellen Sound in das Fundament der Ewigkeit zu gießen. Dass ihnen dies bereits mehr als gut gelungen ist, zeigt ihre bisherige Diskografie, die sich, mal mit klaren und dann wieder mit sehr konfusen Linien, deutlich vom Einheitsbrei vieler ihrer Kollegen abzugrenzen weiß. Ob das raue "La Mia Vita Violenta", das wegweisende "Misery Is A Butterfly" oder das mit zahlreichen Klangexperimenten versehene "23" - Blonde Redhead lassen sich stilistisch kaum einordnen. Dementsprechend war auch zu erwarten, dass Sängerin Kazu Makino und die Zwillingsbrüder Amedeo und Simone Pace für ihr neuntes Studioalbum erneut in die melodische Trickkiste greifen würden. "Barragán", das seinen Titel schlicht aufgrund der wohlklingenden Kombination der acht Buchstaben erhalten hat, darf schon jetzt als absolutes Glanzstück in der Karriere des Trios gefeiert werden.
Als würde man aus dem Inneren eines schattigen Hauses hinaus ins Freie treten und von der plötzlichen Helligkeit des Sonnenlichts geblendet werden, so eröffnet das Instrumentalstück "Barragán" das gleichnamige Album. Während die Vögel im Hintergrund zwitschern, befällt den Hörer ein intensives Gefühl der Glückseligkeit. Ist dies das Paradies? Nun, es kommt dem auf jeden Fall sehr nah. Die zehn Stücke auf "Barragán" tragen eine faszinierende Kraft in sich - mystisch und doch real zugleich. Songs wie "Lady M" oder das knisternde "Mind To Be Had" versuchen mit jedem neuen Takt abzuheben, werden jedoch wieder und wieder von einem starken Sog erfasst, der sie an die Endlichkeit ihrer selbst kettet. Und genau das ist es, was "Barragán" als Gesamtwerk ausmacht. Es ist eine Platte mit Bodenhaftung, die dennoch etwas Transzendentes an sich hat. Wirkt das wunderbare "The One I Love" beispielsweise erst fragil und zerbrechlich, entwickelt es im Refrain eine starre Dramatik, die jede vergossene Träne gefrieren lässt, noch bevor sie den Erdboden berührt. Nicht zuletzt dank der charismatischen Stimmen von Makino und Pace sowie dem Einsatz verschiedenster analoger Synthesizer entsteht eine einzigartige Klangkulisse, in der selbst tanzbare Songs wie "Dripping" oder "Penultimo" ihren Platz finden.
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Fast jedem, der sich musikalisch im Independentbereich zuhause fühlt, dürfte die amerikanische Band Interpol etwas sagen. Mit ihrem Debütalbum "Turn On The Bright Lights" (2002) und dem Nachfolger "Antics" (2004) prägte die Truppe aus New York City den Sound einer ganzen Generation und sorgte zudem dafür, dass der Indierock seinen Siegeszug rundum den Globus feiern durfte. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen scheuten Interpol dabei nie die Auseinandersetzung mit Pathos und Theatralik, was ihrem Sound eine gewisse Tiefe verlieh, die man anderswo oft vermisste. Besonders Einflüsse aus Post-Punk und New Wave sorgten, zwischen harten Gitarrenriffs und schallernden Schlagzeugpassagen, stets für die gewisse Authentizität. Nachdem 2010 vielerorts gemutmaßt wurde, ob die selbstbetitelte vierte Platte der Band gleichsam auch deren Ende bedeuten könnte, dürfen Fans von Interpol nun aufatmen: "El Pintor" heißt der Lichtblick am Horizont.
Irgendwie ist es schon erstaunlich, wie wenig sich der Stil von Interpol über die Jahre verändert hat. Wenn Titel wie "All The Rage Back Home" oder "Everything Is Wrong" von "El Pintor" erklingen, fühlt man sich sofort in der Zeit zurückgeworfen. Zurück bis zu dem Moment, als man das erste Mal Paul Banks markante Stimme in seinem ehemaligen Lieblingsclub vernahm, derweil ein leichtes Kribbeln im Körper aufstieg. Auch das Cover von "El Pintor" erinnert von seiner Ästhetik stark an Interpols Erstlingswerk "Turn On The Bright Lights". Sind Kessler, Foragino und Banks nun also Verweigerer von Fortschritt und Entwicklung? Nein, Stücke wie "Same Town, New Story" oder das finale "Twice As Hard" stellen eindringlich zur Schau, dass Interpol sich zwar in einem nicht allzu breiten Klangspektrum bewegen, dafür aber jede einzelne Nuance dessen erforschen und durchdringen wollen. "El Pintor" malt - es malt eine Zukunft, die von der Vergangenheit geprägt ist und die den Schatz der Erfahrung nutzt, um darauf aufzubauen. Um abschließend ein CD-Exemplar von Interpols neuem Album,
sprich "El Pintor", zu ergattern,
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Wer kann mehr über einen Act erzählen, als der Act selbst? Erneut hat sich „Einen hab ich noch…“ mit ein paar Fragen auf den Weg gemacht, um euch dieses Mal ein Talent aus der Berliner DIY-Szene vorzustellen: Joshua Teicher alias Josh The Cat. Beginnen wir mit der Frage danach, wer du bist? Ich bin ein Mann aus Australien, der aktuell in Berlin lebt. Ich mache Musik aus den unterschiedlichsten Genres und produziere die Werke anderer Künstler. Am ehesten kennt man mich wohl als Produzent von Phias bald erscheinendem Debütalbum. Außerdem spiele ich Gitarre bei ihren Auftritten. Erzähl doch bitte kurz etwas dazu, was einen auf Phias Debüt erwarten wird. Grundsätzlich sehe ich die Liveperformance und das Aufnehmen von Stücken als etwas Grundverschiedenes. Die Kunst, ein Album zu machen, besteht darin, die Musik, den Künstler und die Ideen vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Es fehlt die Stimulation durch visuelle Komponenten und es gibt niemanden. Ich versuche also, die fantastische Energie von Phias Shows auf ein Aufnahmemedium zu übersetzen und auf das großartige Songwriting acht zu nehmen. Was hat dich dazu gebracht, Musik zu machen? Nun, das Klischee vom Jungen, der durch die Plattensammlung seiner Eltern gegangen und darin versunken ist, trifft bei mir tatsächlich zu. Mein Vater hatte ein sehr gutes Stereo-System, als ich ein Kind war, das sich zudem fast dreidimensional anfühlte. Meine präsenteste Sounderinnerung ist jedoch ein hohes Fiepen bei absoluter Stille, das ich schon hörte, noch lange bevor ich mich mit The Police, Supertramp, Bob Marley oder UB40 beschäftigte. Als ich sprechen lernte, versuchte ich dies meiner Mutter zu erklären und später erklärte uns ein Spezialist, dass ich einen angeborenen Tinnitus hätte. Entweder hat dieser meinen Eifer vorangetrieben oder ich mache Musik, um den Tinnitus zu übertönen. Zum Glück wurde er nicht schlimmer mit der Zeit. Vor ein paar Jahren hatte ich einen Hörtest und die Ergebnisse lagen über der Norm. Ich bin also anscheinend wie ein X-Men und habe eine Superfähigkeit. Flüstert also nicht, wenn ich im Nebenraum bin, denn ich kann das hören. Zusammen mit deiner Freundin Phia bist du irgendwann von Australien nach Berlin gezogen. Warum habt ihr euch entschieden, nach Europa überzusiedeln? Ich wurde zunehmend ruhelos in Australien, also war die Frage eher, warum sollte ich es nicht tun? Mich hielt kaum etwas da unten und so wollte ich den Horizont, der in Australien schon sehr weit ist, noch erweitern. Diese Entscheidung zu fällen, war leicht, dann aber wirklich loszukommen, dauerte weitere eineinhalb Jahre. Wie erlebst du die Berliner Musikszene? Manchmal fühle ich mich, als würde ich in einer Blase leben. Ab und zu habe ich aber auch das Gefühl, tief mit den Menschen verbunden zu sein. Mein Deutsch ist nicht so gut, wodurch ich oft von vielem abgeschnitten bin. Also verbringe ich meist Ewigkeiten damit, zu Hause Phias Album oder meinen eigenen Sachen zu produzieren und so meine eigenen Klangwelten, meine eigene Welt zu erschaffen. Nur bringt mich das dann auch immer wieder an den Punkt, wo ich auf die Straße vor Leute gehe und die Dinge mit der Welt teile. Es gab da dein Projekt Mez Medallion. Was kannst du dazu erzählen? Als ich in Berlin ankam, hatte ich bereits das Konzept eines Albums fertig, nur fehlte mir noch der passende Name für das entsprechende Projekt. Damals erschreckte mich der Gedanke, meinen eignen zu benutzen und mein Gesicht dafür zu verwenden. Also wollte ich etwas, das eine mystische Ausstrahlung besitzt, und ließ mich dabei von der eigensinnigen Seite der Berliner Kunst und Szene beeinflussen. Schon war Mez Medallion geboren.
Welche Geschichte steckt hinter dem Track „Move Towards The Light“? Ich war gerade von einem Trip zurück nach Melbourne gekehrt. Tokio war der letzte Halt auf meiner Reise gewesen und ich hatte mich in die Stadt verliebt, wie ich es bereits geahnt hatte. Zuvor habe ich lange in einer emotionalen Dunkelheit gelebt und Tokio erweckte etwas Helles in mir oder verschaffte mir zumindest einen Eindruck dessen, was es bedeuten würde, einen Alltag ohne eine solche Bürde zu führen. Ich saß also auf dem Rand meines Bettes mit der Gitarre und der Song kam zu mir. Es dauerte nur zehn Minuten und ich nahm ein Demo auf. Später zog ich dieses wieder hervor und es wurde zum zentralen Stück meines Albums.
"Move Towards The Light"
Die Ästhetik der Platte scheint - nicht nur äußerlich - stark von den späten Achtzigern und frühen Neunzigern geprägt zu sein. Was magst du an diesen Jahrzehnten? Nun, auch wenn ich sie im Moment nicht wirklich viel höre, mag ich die Musik der Achtziger und auch der Neunziger. Ich war wohl etwas zu jung, um sie damals wirklich vollkommen erfahren zu können, aber irgendetwas an der spröden melancholischen Sehnsucht der Produktionen, der Stimmen, der Synthesizer, der Gitarren des New Wave und wie diese in die Neunziger überschwappten, zog mich in den Bann. Vor Kurzem hast du dich als Josh The Cat neu erfunden. Wieso? Ich lernte viel während der Produktion von Phias Album und als ich mit anderen Künstlern zusammenarbeitete. Meine eigene Musik zu machen war teils ermüdend und sogar schmerzhaft. Welten zu erschaffen ist das eine, nur glaube ich, dass ich anfing, Wände zu bauen und Leute auszuschließen. Es machte keinen Spaß mehr. Irgendwann fand ich heraus, dass wenn ich meinen Anspruch etwas herunterfuhr, dies meiner Musik gut tat. Wenn ich an den Stücken anderer arbeitete, fühlte ich mich völlig erfüllt und irgendwie auch derart präsent, wie es das letzte Mal der Fall gewesen war, als ich als Kind mit Kreiden gezeichnet hatte. Und dann fragte ich mich, warum das Musikmachen nicht genau so sein kann. Ich nahm eine kreative Pause und kam mehr und mehr zu der Einsicht, dass ich die Einfachheit mag. Die kam dann also auch noch mit auf die Liste. Minimale Erwartungen, Einfachheit und der Prozess soll Freude bereiten. Am Ende stellte ich fest, dass ich ich sein wollte. Womit wird uns Josh The Cat denn zukünftig überraschen? Aktuell arbeite ich an einer Reihe von Demos und hoffe, bald eine EP fertig zu haben. In den nächsten Monaten dürfte auch eine Single erscheinen.
Josh The Cat, was gefällt dir an Katzen? Mir gefällt, dass Katzen keine Babysitter brauchen. Hunde mag ich zwar auch, aber sie sind bedürftig. Die zwei Katzen, die ich in meinem Leben hatte, waren ein bisschen wie Hunde, von denen Hundemenschen erzählen. Wie Kameraden. Gibt es noch etwas, das du unseren Lesern gerne mitteilen würdest? Ich hoffe, ihr sucht stets nach Künstlern, die euch gefallen, und bleibt an dem dran, was sie machen. Sich aktiv mit ihnen zu beschäftigen ist das Beste, was man für Musiker tun kann. Genauso, wie ihre Platten zu kaufen. Irgendwie muss die Miete ja bezahlt werden. Eine der Schwierigkeiten am Musikerdasein ist, seine Musik an dem Mann zu bringen, aber eure Geschichten dazu können helfen.
Welchen Künstler habt ihr zuletzt durch den Kauf einer CD, Vinyl oder eines Downloads unterstützt? Verratet es uns bis spätestens kommenden Sonntag, den 22.06.2014, und gewinnt mit etwas Glück eine von zwei Kassetten (ja, richtig gelesen!!) des Mez Medallion Albums „Move Towards The Light“. MP3-Downloads gibt noch obendrauf - für alle, die kein Kassettendeck mehr in der Anlage haben. Eure Antworten können über die beiden folgenden Wege an uns gelangen. Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 18.06.2014 mit eurer Antwort kommentieren. Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Mez Medallion" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Weitere Infos zu Josh The Cat und Mez Medallion gibt es hier: Facebookseite von Josh The Cat | Facebookseite von Mez Medallion | Bandcamp-Seite von Mez Medallion | Soundcloud| Josh + Phia bei Kultmucke
Über Jahrzehnte hinweg konnte Schweden seinen Ruf als eine der erfolgreichsten Geburtsstätten für Musiksensationen behaupten. ABBA, Ace Of Base, Roxette, The Cardigans, Johnossi, Mando Diao, Shout Out Louds, Lykke Li, Robyn - die Liste an gefeierten Acts könnte noch ewig fortgesetzt werden. Umso erstaunlicher ist jedoch die Tatsache, dass viele der Bewohner des skandinavischen Königreichs gar nicht um die vielen Talente zu ihren Seiten wissen. So feiert der Großteil der schwedischen Künstler seine Karrieresiege oft fern der Heimat bei akustischen Auswärtsspielen. Ähnliches gilt auch für das Sixtett Friska Viljor. Während die Band seit über die Bühnen deutscher Festivals rast und euphorisch vom Publikum bejubelt wird, kräht in Stockholm, Göteborg oder Uppsala kaum ein Hahn nach Daniel Johanssons, Joakim Sveningssons und ihren Bandkollegen. Da kommt es dann auch schon einmal vor, dass man auf einer Indieparty in Malmö steht, die DJane nach "Oh Oh" von Friska Viljor fragt und diese erstaunt erwidert, sie habe wirklich noch nie etwas von dieser Gruppe gehört. Sollte der eine oder andere Leser nun Ähnliches denken, hilft nur noch eins: Press Play!
Bunt, aufgedreht und fröhlich. Als Knallbonbon der isländischen Musikszene haben sich FM Belfast seit ihrer Gründung im Jahr 2005 etablieren können. Aber auch weit über die Grenzen des Inselstaates hinaus schätzt man Árni Rúnar Hlöðversson, Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir und ihr Gefolge für ihre unbändige Vitalität und Ausgelassenheit. Wer einmal ein Konzert der Band besucht hat, der wird dies nur schwer wieder vergessen können. Da kraucht das Publikum schon mal über den Boden, springt kräftig in die Luft, wird mit Konfetti beschossen oder singt lauthals im Chor, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Auftritte von FM Belfast sind legendär. Kein Wunder also, dass sie mühelos große Hallen fern der eigenen Heimat zu füllen vermögen. Im Gepäck hat die Formation dabei stets ein Sammelsurium an erquicklichen Sounds, die sowohl aus den Genres Electro, Pop und Indierock stammen. Selbst Tanzmuffel können da meist nicht widerstehen und fangen schon nach wenigen Takten an, mit ihrem Popo zu wackeln und den Kopf munter auf und ab zu bewegen. Nachdem sie sich 2008 mit ihrem Debüt "How To Make Friends" erste Freunde gemacht haben, und drei Jahre später mit "Don't Want To Sleep" erklärten, dass sie noch lange nicht müde seien, wird es für FM Belfast nun Zeit für bessere Tage. Bessere Tage? Wie soll man das nach diesem Karrierestart denn verstehen? Nun, sehen wir es als augenzwinkernde Floskel, denn schön war die Zeit mit FM Belfast schon immer.
"Brighter Days"
"Brighter Days" heißt, wie zuvor angedeutet, das dritte Werk von FM Belfast. Und allen Regeln in Bezug auf Abwechslung zu trotz, bleibt die Truppe dabei ihrer Devise treu und bestückt die Platte selbstsicher mit einer weiteren Aneinanderreihung von Up-Tempo-Nummern. Allesamt buhlen diese um den Hüftschwung ihrer Zuhörer. Bei vielen anderen Acts wäre diese Hartnäckigkeit, am eigenen Stil festzuhalten, wohl schiefgegangen oder hätte zumindest zu einer gewissen Langeweile geführt, bei FM Belfst wird aus der Pflicht jedoch schnell eine Kür, die beweist, dass Musik von solch sprudelnder Energie keine Erschöpfung kennt. Ob das titelgebende Eröffnungsstück "Brigther Days", das kribbelnde "Ears" oder das schnippige "Non Believer" - die zehn Tracks auf der neuen Scheibe haben verstanden, wie Tanzmusik im Jahre 2014 klingen muss. Selbst, wenn man dann doch kurz schmunzeln muss, während der fast schlagerartige Beat von "The End" auf eine gewisse Nineties-Ästhetik trifft, irgendwie funktioniert diese seltsame Kombination dann am Ende doch wieder. Dürfen FM Belfast denn alles? Mhm, mit der geballten Kraft erfahrener Musiker - die Mitglieder sind, wie Múms Örvar Þóreyjarson Smárason, schließlich alle noch in andere erfolgreichen Projekte involviert - scheint man auf jeden Fall eine gewisse Narrenfreiheit genießen zu dürfen. Drehen wir nun also die Volume-Knöpfe unserer Anlagen bis zum Anschlag und feiern genüsslich Songs wie das schrille "DeLorean". Traurig sein kann man auch noch wann anders!
Ein Album spaltet die Nation. Am 28.03.2014 erschien mit "Anthems" das Zweitwerk der Berliner Band I Heart Sharks, das für recht gemischte Gefühle aufseiten der Hörerschaft sorgte. Zum einen gibt es da jene kreischenden Fans, die schon lange sehnlichst darauf gewartet haben, dass die Hailiebhaber mit neuen Tracks in das Scheinwerferlicht zurückkehren, in dem sie dank ihres großartigen Debüts "Summer" lange Zeit verweilen durften. Dieser Teil des Publikums von I Heart Sharks singt nun ganz euphorisch all die Indierock-Hymnen mit, die sich auf der neuen Platte versammelt haben. Auf der anderen Seite sind da aber auch kritische Stimmen, welche in "Anthems" einen wenig einfallsreichen Versuch sehen, den internationalen Markt zu erobern. Zu genau diesen Stimmen gehört auch "Einen hab ich noch...". Was haben wir in der Redaktion zu den Tracks der ersten Platte des Trios gefeiert? Keine einzige Clubnacht schien verloren, wenn der DJ Songs wie "Wolves", "Summer" oder "Neuzeit" mit im Gepäch hatte. Darüber hinaus schien es wirklich unheimlich sympathisch, dass ein paar derart erfolgreiche Newcomer, sich einem kleinen Label wie AdP Records verschrieben haben. Irgendwann lockte dann aber wohl der Ruhm und das führte Pierre Bee und seine Jungs in die Arme der Major League. Bei Universal unter Vertrag genommen erhielten sie plötzlich die Chance, Joe Cross als Produzenten zu gewinnen, der schon Hurts groß gemacht hatte. Nun bleibt eigentlich nur noch die Frage, wann I Heart Sharks sich die Haare zurückgelen und in ein paar Anzüge steigen? Soundtechnisch haben sie dem schmalzigen Synthie-Pop-Duo, bestehend aus Theo Hutchcraft und Adam Anderson, nämlich leider schon recht stark angenähert. "Anthems" ist eine Platte voller Möchtegern-Stadium-Gesänge. Schade! Ziehen wir jetzt aber einen dicken Strich und kehren zurück zu den Anfängen von I Heart Sharks. Die Stücke "Summer", vom gleichnamigen Album, und "Neuzeit", welches den Durchbruch für die Truppe bedeutete, sind unsere heutigen Ohrenschmankerl. Beide Songs erschienen als streng limitierte CD-Singles, auf denen sich neben den Originaltracks auch immer ein paar Überraschungen tummeln. Welche das genau sind, erfahrt ihr im Folgenden. Zuvor lasst uns aber die Boxen aufdrehen!
"Und wir machen neue Geschichte", rief Pierre lauthals, und mit starkem Akzent, ins Mikrofon, während gleichzeitig das Wort Indietronica eine völlig neue Bedeutung erhielt.
"Neuzeit" ist ein Paradebeispiel für die gelungene Fusion aus Electro und Rock. Indes sich die E-Gitarren im Hintergrund überschlagen, kreischen Synthesizer auf und lassen sich von gekonnten Drumbeats auffangen. Doch damit nicht genug. Auf der Single zu "Neuzeit" befinden sich außerdem drei Remixe, die den Wahnsinn zu unterstreichen wissen, der der Dynamik des Stückes innewohnt. Last but not least gibt es überdies eine kratzige Plemo Version sowie ein wunderbar sensibles Rework von Sängerin Ginger Redcliff zu "Neuzeit". Nicht zu vergessen sei ebenfalls die exklusive B-Seite namens "A Ruin". Mit sieben Titeln ist die "Neuzeit"-Single tatsächlich bis obenhin vollgestopft und zeigt, wie bunt I Heart Sharks einmal geklungen haben.
"Summer" steht dem Überhit "Neuzeit" in nichts nach - immerhin wählten I Heart Sharks den Namen des Tracks gleichsam auch zum Albumtitel. Vielleicht, weil "Summer" in der Lage ist, eine Frische und ein jugendliches Aufbegehren zu kommunizieren, das in Zeiten allgemeinen Missmutes schonmal dafür sorgt, dass man unbedarft abheben darf. Schwerelos und frei. Etwas chaotischer und diffuser, ja beinahe aufgdrehter, geht es dann innerhalb der vier Remixe zu, die der Originalversion von "Summer" auf der CD-Single beigestellt wurden. Der Track "Aerobics" fängt final die Schnelligkeit seiner Vorgänger ab und sorgt für einen funkelnden Ausklang der Scheibe.
Möchtet auch ihr gerne die Uhr um zwei, drei Jahre zurückdrehen und erneut dem Debüt von I Heart Sharks huldigen? Wir bieten euch die Chance dazu und verlosen insgesamt drei Singlepakete, jeweils bestehend aus einer CD von "Summer" und einer von "Neuzeit". Zur Verfügung gestellt hat uns AdP Records die streng limitierten Scheiben. Um in die Lostrommel zu gelangen, aus der am Ende die Gewinner gezogen werden, sollt ihr uns dieses Mal verraten, von welchem Nachfolgealbum einer Band ihr wirklich enttäuscht wart? Mitteilen könnt ihr euch bis kommenden Freitag, den 18.04.2014, über eine der beiden folgenden Möglichkeiten. Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 16.04.2014 mit eurer Antwort kommentieren. Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "I Heart Sharks" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Weitere Infos zu I Heart Sharks gibt es unter: Offizielle Website | Facebookseite | Tumblr
Als kleine Kinder hatten wohl viele von uns Angst vor übernatürlichen Wesen, Geistern oder Monstern. Oft haben wir unsere Eltern darum gebeten, im Schrank oder unter dem Bett nachzusehen, ob sich da auch wirklich kein gruseliger Passagier versteckt hat. Selbst der eingeforderte offene Türspalt, durch den etwas Licht in das eigene Zimmer dringen konnte, half meist nicht, die letzten Bedenken auszuräumen, dass die Schattengebilde an den Wänden eventuell doch noch zu gefräßigen Kreaturen mutieren könnten. Wenn wir älter werden, sind wir oft der Meinung, dass Spuk und Gespenster zu den Ammenmärchen gehören und dass wir immun gegenüber Furcht und Panik seien. Immerhin sind wir ja erwachsen. Dabei haben wir indes meist unsere ganz eigenen Dämonen erschaffen, die die Gedanken gern in trübe Ecken drängen und uns den Hals zuschnüren. Alltagssorgen, Lügen oder ein immer undurchsichtigeres Weltgeschehen - überall lauern Bedrohungen. Was nun? Wir können all dies verschweigen, den Kopf in den Sand stecken oder uns einfach abwenden, doch wird die Dunkelheit irgendwann überhandnehmen, wenn wir uns ihr nicht entgegenstellen. Philipp Szalay versucht mit seinem Projekt Farewell Dear Ghost, einen Soundtrack für Hoffnungsträger und Mutige abzuliefern, die sich mit klopfendem Herzen aus dem grauen Schleier befreien wollen, der sie umgibt.
"We Colour The Night"
"We Colour The Night" ist nicht nur als Albumtitel des Debüts von Farewell Dear Ghost zu verstehen, sondern darüber hinaus auch als ein klares Statement in Richtung ehrlichen Optimismus. Dass dieser auch immer an das Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit gebunden ist, erörtern die Lyrics der Platte, die musikalisch zwischen Indierock, Noise und Synthie-Pop verortet ist. "Demons I" und "Demons II" rahmen dabei das üppige Werk des Österreichers. Geheimnisvoll, nahezu transparent und gewichtslos. Ansonsten halten Stücke wie "Fire", das expressive "Cool Blood" oder "Fears" eine gewisse Wucht bereit, mit der sie den Hörer zu überrollen und mitzureißen versuchen. Das gelingt zwar nicht immer, doch muss man den Songs des Albums insgesamt eine Wirkung zusprechen, die es in dieser Form nur noch selten im aktuellen Klangkosmos zu finden gibt. Ein leichter Nachgeschmack des Postrocks, à la Sophia oder Tiger Lou, wirft uns aus der Gegenwart fast zehn Jahre in die Vergangenheit zurück. In eine Zeit, in der es noch erlaubt war, an der einen oder anderen Stelle etwas dicker aufzutragen und dafür den Purismus einmal Purismus sein zu lassen. Volle, satte Kompositionen, eine feinbesaitete Männerstimme und zahlreich eingesetzte Gitarrenriffs machen "We Colour The Night" zu einem Gegengewicht des oft übertriebenen Stadiumrocks und darüber hinaus zu einer Scheibe, bei der selbst Geister das Tanzen anfangen dürften.
Was ist eine Supergroup? Eine Supergroup ist ein Zusammenschluss namenhafter Musiker zu einer Band, die gemeinsam mindestens ein Album veröffentlicht, oder besser noch einen eigenen Backkatalog anlegt und diesen langsam mit Releases füllt. Überträgt man das Bild der Supergroup in die Comicwelt, so wären die Avengers, also eine Allianz aus unterschiedlichen Helden wie Hulk, Iron Man, Captain America und Thor, ein passendes Äquivalent für den Begriff. Supergroups bündeln die Kreativität und das Können ihrer einzelnen Mitglieder und erschaffen dadurch eine akustische Gewalt, die kaum aufzuhalten ist. Zu den ersten bekannten Exemplaren der Büdnisse tonaler Riesen zählen unter anderem Crosby, Stills and Nash (and Young) oder Cream. Im Progressive Rock fungieren A Perfect Circle, eine Fusion aus Mitgliedern von Tool, den Smashing Pumpkins, der Nine Inch Nails, den Queens Of The Stone Age und vielen anderen Musikern wie Marylin Manson, als bekannter Vertreter dieses Phänomens. Schaut man auf Independentbereich, dann denkt man hingegen schnell an Kevin Drew's Brocken Social Scene, der unter anderem Feist und Teile der Stars, Metric, The Sea And Cake oder The Weakerthans angehören. Neben jener Formation aus Toronto hat Kanada aber noch eine weitere Supergroup zu bieten, und zwar The New Pornographers aus Vancouver. Mit einer gekonnten Mischung aus Indierock, Alternative Country und Power-Pop weiß das Oktett zu begeistern und hat gleichzeitig mit Neko Case, eine der wohl markantesten Frauenstimmen der aktuellen Szene in seinem Kader vorzuweisen. Und damit kommen wir auch schon zum Problem der Supergroup, der Koordination. Allzu oft kam es in der Vergangenheit vor, dass die New Pornographers, noch bis zu den letzten Sekunden vor den Aufnahmen zu ihren Alben, nicht wussten, ob Madame Case es zu eben diesen schaffen würde. Umso schöner ist es dann, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes hört, dass die rote Zora es in der Regel aber immer irgendwie vollbracht hat, noch hinter das Mikro zu springen. So schenkte sie uns, gemeinsam mit ihren Kollegen, wunderschöne Nummern wie den heutigen Klassiker der Woche, nämlich "Challengers" von der gleichnamigen Platte der New Pornographers aus dem Jahre 2007.
Die Popfalle hat zugeschlagen und eine der Bands verschluckt, die doch so weit vom Mainstream entfernt schien, wie nur irgend möglich. Was ist geschehen? Als die New Yorker Vampire Weekend im Mai 2013 ihr drittes Album "Modern Vampires Of The City" auf den Markt brachten, setzten sie damit gleichzeitig ein klares Statement in Richtung der tonalen Einfallslosigkeit. Abgenutzte Gitarrenriffs, banale Lyrics und abgedroschene Melodien. Wohl kaum einer hätte erwartet, dass das Quartett, das zuvor zwei wirklich prägnante Platten namens "Vampire Weekend" und "Contra" veröffentlicht hatte, einmal derart stumpfsinnig daherkommen würde. Auch die dem aktuellen Trend entsprechende Einbindung zahlreicher elektronischer Elemente konnte daran nichts mehr ändern. Im Gegenteil, man könnte fast meinen, dass diese Schuld an der ganzen Misere gewesen sei. Als dann der Grammy für das beste Alternative-Album folgte, schien der Erfolg zwar auf dem Siedepunkt, nur hatten da bereits viele ehemalige Fans, der Truppe den Rücken zugekehrt. Immerhin tun Brandblasen ganz schön weh und "Modern Vampires Of The City" gleicht in der Tat einer heißen Herdplatte. Nun denn, die Zeit lässt sich nicht umkehren und vermutlich haben auch viele Menschen eine völlig andere Meinung zu der Entwicklung von Vampire Weekend. Wir widmen uns derweil jedoch wehmütig dem heutigen Klassiker der Woche, der einst den Aufstieg einer talentierten Newcomer-Band markierte. "A-Punk" war, und ist auch heute noch, Zeugnis für den Mut einiger junger Herren, den klassischen Indierock mit Afrobeat, Punk und Reggae aufzupolieren. Schade, dass sie sich diesen Revoluzzergeist nicht bewahren konnten, sondern stattdessen lieber den Weichspülgang für ihre musikalische Zukunft wählten.