"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Der Scherenschnitt - Kunstform oder Kinderbastelei? Weder noch! Papercuts ist das Projekt des amerikanischen Singer Songwriters Jason Robert Quever. Mit der notwendigen Fingerfertigkeit, die es auch für das Verarbeiten von Papier hin zum Schattenriss braucht, macht sich das in San Francisco ansässige Multitalent regelmäßig an die Arbeit, um das Beste aus Folk, Dream Pop und Indie miteinander zu verknüpfen. Wie gut ihm dies gelingt, zeigen die fünf bisher erschienenen Alben von Papercuts. Allesamt sind sie Platten, die sich perfekt dazu eignen, ein Refugium des Müßiggangs zu erschaffen, in welchem es sich an verregneten Sonntagen besonders leicht aushalten lässt. Ab ins Bett, Welt aus und Musik an. Stunde um Stunde vergeht schließlich wie im Fluge, während die sanften Melodien Quevers aus den Lautsprechern der heimischen Anlage schallen. "Life Among The Savages", das neuste Werk des kalifornischen Erfolgsgaranten, möchte nun da anknüpfen, wo "Fading Parade" 2011 aufhörte.
"Life Among The Savages"
"Life Among The Savages" ist keine Offenbarung, was Innovation oder Extravaganz angeht, nur scheint Quevers mit den neun Songs auch keineswegs darauf abgezielt zu haben, das akustische Rad neu zu erfinden. Im Gegenteil. Genüsslich springt er auf den Zug retroesker Vernarrtheit auf, der momentan eh durch sämtliche Genres rollt. Anders als viele weitere Passagiere besitzt der Musiker und Produzent dabei jedoch das Geschick, seinen eigenen Fingerabdruck zu hinterlassen. Wenn er und seine dann und wann wechselnden Papercuts-Kollegen zu Gitarre, Schlagzeug, Piano oder Synthesizer greifen, dann tun sie dies mit tiefster Gelassenheit. Genau diese durchzieht auch Stücke wie "New Baby", "Family Portrait" oder "Easter Morning". "Life Among The Savages" ist wie ein von der Sonne beschienenes Haus, dessen Türen und Fenster weit offen stehen, sodass der Wind seicht durch die einzelnen Zimmer ziehen und den Duft frischer Blumen und Gräser mit hineintragen kann. Auch das titelgebende Stück entsendet Schwingungen voller Wärme und Innigkeit und fungiert ganz wunderbar als Vertreter seiner Brüder und Schwestern.
Auf der Weltkarte der Musik gehört die Schweiz insgesamt wohl zu den weniger hervorstechenden Ländern. Zwar haben es einige der dort ansässigen Künstler im Laufe der letzten Jahre schaffen können, sich auch über die Grenzen ihrer Heimat hinaus, einen Namen zu machen, doch ist das noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Zu den bekannteren unter ihnen zählt allerdings Priska Zemp alias Heidi Happy. Ihr Chamber Pop, der jedes Wohnzimmer schnell in ein strahlendes Wolkenschloss verwandelt, sicherte der Luzernerin einen sicheren Stand im internationalen Geschehen. Neben Kollegen wie Sophie Hunger oder dem Duo Yello, mit dem sie auch schon kollaboriert hat, verkörpert auch die 1980 geborene Sängerin das viel zitierte Motto Made In Switzerland. Seit 2007 veröffentlichte sie insgesamt vier Alben. Mit "Golden Heart" gesellt sich nun ein fünftes hinzu.
"Golden Heart"
Wie kann man eben diese Platte nun am besten beschreiben? Vielleicht indem man von den Gefühlen spricht, die die 14 darauf befindlichen Stücke mit Nachdruck heraufzubeschwören wissen. Hört man "Golden Heart" zum ersten Mal, entflammt schon nach kurzer Zeit die Neugierde, Heidi Happys Kompositionen gründlich erforschen zu wollen. Drückt man danach erneut auf den Play-Button, wird aus der anfänglichen Neugierde das immer stärker werdende Verlangen, sich vollkommen zwischen den ausladenden Tracks zu verlieren. Spätestens ab dem dritten Hördurchgang gibt es dann kein Entkommen mehr und so verbringt man Stunde um Stunde damit, die Arme auszustrecken, den Kopf zu heben und Songs wie das lässige "Ding Ding" oder das sonnendurchflutete "Welcome Back" mit jeder einzelnen Pore in sich aufnehmen zu wollen. "Golden Heart" ist ein akustischer Energiespender, eine Ode an die Fulminanz des Klanges. Heidi Happy spart nicht an Üppigkeit, sondern setzt diese derart gekonnt ein, dass einem die Dreiviertelstunde Spieldauer wie ein flüchtiger Hauch von Glückseligkeit vorkommt. "Down Town", "The Whistle Song", "Across The Ocean" oder "High Wave" - unterschiedlicher könnten vier Songs auf einem Album fast nicht mehr sein und doch stehen sie allesamt für die wohltuende Experimentierfreudigkeit einer einzigen selbstbewussten Frau. Heidi Happy vereint die Coolness einer KT Tunstall, den Soul einer Martina Topley-Bird und die Verspieltheit einer Mélanie Pain in sich, lässt bei "La Danse" französischen Electro-Chanson und das russische Volkslied "Kalinka" aufeinandertreffen, wagt sich mit "Du Da, Ich Da" selbstbewusst auf die Tanzfläche zu Acts wie Paula und 2Raumwohnung und bietet mit "Maintenant" den behutsamen Ausklang eines wunderbar unkonventionellen Albums.
"Einen hab ich noch..." lässt keine Gelegenheit aus, seine Leser wieder und wieder mit einem Stück dessen zu beschenken, was unsere Redaktion regelmäßig zu Freudentänzen ermuntert. In der Folge ist es heute ein CD-Exemplar von Heidi Happys "Golden Heart", das wir in unserer Verlosung anzubieten haben. Einzige Hürden sind nun noch unsere Gewinnspielfrage und die allseits beliebte Fortuna. Was mögt ihr an unserem Nachbarland der Schweiz am liebsten? Verratet uns dies bis spätestens kommenden Sonntag, den 01.06.2014, und seid eventuell der- bzw. diejenige, der oder die sich bald über das erwähnte Monument bunter Melodien freuen darf. Mitmachen könnt ihr wie folgt. Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 28.05.2014 mit eurer Antwort kommentieren. Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Heidi Happy" und eurer Antwort an kontakt.ehin@gmail.com. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Weitere Infos zu Heidi Happy gibt es hier: Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud-Account
Wenn der New Yorker DJ Andrew Butler zum Appell bei seinem House-Projekt Hercules & Love Affair ruft, treten regelmäßig die gefragtesten Stimmen der Independentszene in Reih und Glied an, um dem rothaarigen Grooveexperten mit ihren Kollaborationen zu erfreuen. Ob Anthony Hegarty, der 2008 unter anderem mit "Blind" auf das Debüt der Band aufmerksam machte, oder auch Bloc Partys Kele Okereke, welcher auf dem Nachfolgealbum "Blue Songs" (2011) zu hören ist - Butler hat ein Händchen dafür, Gastsänger zu rekrutieren. So verwundert es keineswegs, dass er wieder einmal alles daran gesetzt hat, um auch für seinen neusten Streich, "The Feast Of The Broken Heart", ein paar farbenfrohe Paradiesvögel mit beatlastigem Futter zu locken. Rouge Mary, Gustaph, Krystle Warren und der amerikanische Songwriter John Grant kamen allesamt herbeigeflogen und begeistern nun durch ihre einzigartigen Beiträge innerhalb der zehn neuen Tracks der Scheibe.
"The Feast Of The Broken Heart"
Inspiriert von Größen wie dem jüngst verstorbenen Frankie Knuckles oder der Ikone Marshall Jefferson orientieren sich Butler und seine Kollegen von Hercules & Love Affair bei ihren Songs mit Vorliebe an der Discomusik der späten Siebziger und Achtziger. Funky und elektrifiziert geht es demnach auch auf "The Feast Of The Broken Heart" zu. Bereits das Cover, welche eine durch die LSD-Brille betrachtete Szene aus den Flintstones darstellen könnte, macht deutlich, dass die Platte allerhand bunte Spitzen zu bieten hat. Und in der Tat wumst bereits der Opener "Hercules Theme 2014", eine Neuauflage des gleichnamigen Stückes von 2008, zielsicher aus den Boxen. Das Zucken sämtlicher Gliedmaßen scheint vorprogrammiert und so entspannen sich die Muskeln erst dann wieder, wenn das letzte Stück "The Key", eine laszive Hymne, seine Runden gedreht hat - zu mitreißend, zu explosiv sind Songs wie "My Offence" oder "Think". Neben dem herrlich eingängigen "Do You Feel The Same" zählen vor allem die beiden von John Grant eingesungenen Tracks "I Try To Talk To You" und "Liberty" zu den besonderen Highlights auf "The Feast Of The Broken Heart". Hat der 1968 geborene Sänger auf seinem letzten Album "Pale Green Ghost" schon gezeigt, dass er durchaus Material für eine ausgelassene Partynacht abliefern kann, wagt er sich nun erneut in die vom Stroboskoplicht erhellte Discowelt.
"The Feast Of The Broken Heart" ist ein fröhliches Album, das mit Statements gegen Homophobie und Andersartigkeit die Engstirnigkeit vieler Zeitgenossen bekämpft.