"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Produzenten sind Menschen, die nur selten im Rampenlicht stehen. In ihren Studios arbeiten sie mit verschiedenen Künstlern an deren Platten, unterstützen diese als stille Helfer, versuchen das vorhandene Rohmaterial in die richtige Form zu bringen und überlassen den Ruhm dafür dann der Stimme hinter dem Mikro. Die Produktion eines Albums kann dessen Untergang oder Aufstieg bedeuten. Doch wer bedenkt das schon, wenn er eine CD in den dafür vorgesehenen Player schiebt und den darauf befindlichen Tracks lauscht? Emile Haynie begann seine Karriere, indem er zahlreichen aus Eminems Detroit-Crew stammenden Rappern bei der Realisierung ihrer Visionen half. Dies tat der heute 34-Jährige mit einer derartigen Passion, dass sich sein Talent schnell rumsprach und er schließlich mit den ganz großen der Rap-Branche wie Ice Cube, Kayne West oder Kid Cudi kollaborierte. Für Eminems 2010er Album "Recovery" gewann Haynie einen Grammy - ein erster greifbarer Preis für seine Anstrengungen. Im Laufe der Zeit streckte Haynie dann seine Arme weiter in Richtung Pop aus, ließ den Hip-Hop etwas hinter sich und lernte eine Dame namens Elizabeth Woolridge Grant kennen. Mit dieser realisierte er eins der erfolgreichsten Alben des Jahres 2012: "Born To Die".
Gerade einmal 7500 Follower kann Emile Haynie mit dem heutigen Tag bei Facebook verzeichnen. Schon seltsam, wenn man bedenkt, hinter wie vielen erfolgreichen Platten der in Bufallo, New York geborene Produzent steckt. Vielleicht hatte er dieses Schattendasein satt, vielleicht wollte er aber auch einfach zeigen, wie ein Album klingen würde, das komplett auf seinen eigenen Träumen gründet, als er sich entschied mit "We Fall" zu debütieren. Elf Songs, die von zahlreichen prominenten Gastsängern geziert werden, bilden dabei Haynies erste Werkschau. Eröffnet wird "We Fall" von "Falling Apart", einer großen Hymne, voller sich verzehrender Romantik. Hynie selbst sieht das Stück als Hommage an die Beach Boys und bat deswegen auch deren Frontmann Brian Wilson höchstpersönlich um den Gesang für den Song. Dieser willigte ein, bekam Andrew Wyatt zur Seite gestellt, und haucht nun "Falling Apart" einen reifen Altherrencharme ein. Nicht minder opulent geht es auch bei "Little Ballerina" zu - kein Wunder, wenn man Rufus Wainwright ans Mikro zitiert. Und dann ist die Stunde bereits erwähnter Miss Grant gekommen. Hauchend, schluchzend, ja fast schon zerbrechlich, interpretiert die wohl vielen besser als Lana Del Rey bekannte Sängerin das malerische "Wait For Life" und revengiert sich somit für Haynies Hilfe, ihren ikonenartigen Ruf zu kreieren. Im Folgenden erklingt "Dirty Love" und begeistert durch einen markanten Reibeisengesang. Anstatt einen weiteren Gast für diesen Titel zu verpflichten, ist es jedoch Haynie selbst, der hier zu hören ist. Plötzlich fragt man sich, warum er nicht auf all die Featurings verzichtet und stattdessen auf sein eigenes Talent gesetzt hat. Eventuell brauchte es aber ein paar Türöffner oder Haynie traute sich nicht zu, ein komplettes Album allein auf seinen Schultern zu tragen. So sind es bei dem fast schon epischen "A Kiss Goodybe" gleich drei Unterstützer, die Haynies Melodien begleiten: Charlotte Gainsbourg, Sampha und Devonté Hynes aka Blood Orange. Wie soll man nach einem solchen Übertrack nun weitermachen? Haynie versucht es mit zwei leichteren Songs und erleidet dadurch eine erste Bruchlandung. "Fool To Me" und "Nobody Believes You" wirken gänzlich deplatziert und können mit dem Rest der Platte keinesfalls mithalten - zu R'n'B lastig und wenig ausgefeilt erscheinen sie. Nach diesem kleinen Stolperer sind es Lykke Li und Romy Croft (The xx), die "We Fall" erneut auf die Beine helfen und mit "Come Find Me" ein verträumtes Highlight für die Platte erschaffen. Zusammen mit dem Komponisten Randy Newman wagt sich Haynie kurz darauf in die Zirkusmanege ("Who To Blame"), bevor Julia Holter und Father John Misty "Ballerina's Reprise" gen Country führen. Zu guter Letzt verhallt "The Other Side" genauso gewaltig, wie "We Fall" mit "Falling Apart" begann, und erneut wagt sich Haynie selbst in den akustischen Scheinwerferkegel. "We Fall" ist ein großes Album mit kleinen Schönheitsfehlern, die man aber zugunsten von Pathos und Opulenz gern in Kauf nimmt. Dennoch bleiben ein paar Fragezeichen zurück und man darf gespannt sein, wie diese Solokarriere weitergehen wird.
Gibt es etwas Schöneres, als mit den Fingern genüsslich über die Rücken
nebeneinander aufgereihter Platten zu streifen? Stunden und Stunden können ins
Land ziehen, bis man sich ausreichend durch die Auslage eines
Schallplattenladens gewühlt hat. Schließlich möchte man ja auch keinerlei
Hinweise auf noch unentdeckte akustische Kostbarkeiten übersehen. Für Freunde der
auditiven Schatzsuche findet einmal im Jahr ein ganz besonderer Tag statt: der
Record Store Day. An jedem dritten Samstag im April, sprich 2015 am 18.04., werden
dabei zahlreiche Shops mit schwarzem Gold überflutet, das das Herz eines jeden
Vinylliebhaber höherschlagen lässt. Und immer gibt es dabei ganz spezielle
Veröffentlichungen zu ergattern. Normalerweise sind es vor allem die großen Labels,
die sich für den Record Store Day ins Zeug werfen und die Pressmaschinen rotieren
lassen. Unsere Freunde von AdP Records ließen sich aber auch nicht lumpen und
präsentieren 2015 ihre erste 7“-Single zu besagtem Vinylspektakel.
Wen sendet man aus, um das eigene Label bestmöglich bei einem Ereignis wie
dem Record Store Day zu vertreten? AdP Records entschieden sich – und hier wird
erneut das Vertrauen der in Kulmbach ansässigen Plattenfirma in ihre Newcomer
deutlich – für Somewhere Underwater. Hinter dem fast schon mystisch anmutenden
Namen verbirgt sich der gebürtige Franzose Julien Agot, der nun München zu
seiner Heimat erklärt hat und vor Kurzem bei AdP auch ein musikalisches Zuhause
gefunden hat. Zusammen mit ein paar weiteren Musikern stürzt sich Agot gern in
ausladende Synthiearrangements. Zwei seiner Tracks lassen sich nun auf der 7“ „SpringKills My Energy“ entdecken. Auf der A-Seite beschwört der gleichnamige Track „Spring
Kills My Energy“ eine von Shoegaze und Wave-Pop durchdrungene Atmosphäre herauf,
in der sich Agots Stimme echoartig verliert. Nicht minder verträumt zeigt sich das
mit französischen Lyrics versehene „Disparaître“, welches die B-Seite der
Single bildet. Da aller guter Dinge jedoch drei sind, gibt es noch einen
digitalen Bonustrack namens „Weight Of Life“, der wiederum recht strahlende
Züge aufweist und wohl eher direkt unter der melodischen Wasseroberfläche zu
verorten ist. Somewhere Underwater passen hervorragend in den Bandkatalog von
AdP Records und man darf gespannt sein, was noch von diesem Projekt zu erwarten
ist. Um abschließend ein Exemplar der 7" "Spring Kills My Energy" von Somewhre Underwater zu ergattern, das uns unsere Freunde bei AdP Records zur Verfügung gestellt haben,
könnt ihr wie folgt an der entsprechenden Verlosung teilnehmen. Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto.
Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder
Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die
entsprechende Lostrommel gelangt. Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem
Betreff "Somewhere Underwater" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr
auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.) Teilnahmeschluss ist der kommende Montag, der 19.04.2015. Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg! Weitere Infos zu Somewhere Underwater gibt es hier: Facebookseite | Soundcloud
Calexico verbinden. Verbinden verschiedene Genres,
Menschen und sogar Nationen. Fast zwanzig Jahre gibt es die einst von Joey
Burns und John Convertino gegründete Band nun schon und auch 2015 begeistert
sie noch immer durch ihrer einzigartige Mischung aus Folk, Country, Rock und
Mariachi-Klängen. Als eine Art akustische Völkerverständigung sind Calexico in
die Annalen der Musikgeschichte eingegangen und haben demnach auch immer einen
Ruf zu verteidigen, wenn sie sich an die Arbeit zu einer weiteren Platte
machen. Für ihr neustes Werk, das den Namen „Edge Of The Sun“
trägt, setzten sie dabei auf die Mithilfe zahlreicher Gastinstrumentalisten und
–sänger. Nie zuvor hat ein Album von Calexico mehr Kollaborationen beinhaltet.
Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass zu viele Köche den Brei verderben
würden, doch fungieren die akustischen Wegbegleiter hier nicht als machtgierige
Küchenchefs, sondern vielmehr als die richtigen Gewürze, die ein schlichtes
auditives Gericht in einen schmackhaften Hörgenuss verwandeln können.
Convertino und Burns stehen derweil hinter dem Herd und dirigieren in
althergebrachter Manier das Geschehen.
Mexiko City diente Calexico als Ausgangspunkt für „Edge Of
The Sun“. Die bunten Farben, das sonnige Klima, der allgegenwärtige Hauch von
Kunst und Geschichte sind in Stücken wie „Cumbia de Donde“, „Beneath The City
Of Dreams“ oder dem Instrumentaltrack „Coyoacan“ genauso zu spüren, wie der
Sinn der Zentralamerikaner für Tradition und Lebensfreude. Wieder einmal gelingt
es Calexico all jene Facetten einzufangen, sie zu filtrieren und mithilfe von
Rhythmen und Melodien für den Hörer erlebbar zu machen. Doch pilgert die Band
auch unbeirrt in andere tonale Richtungen, fernab der trockenen, hitzigen Wüste.
Mit Stücken wie „Falling From The Sky“, dem Ben Bridwell (Band Of Horses) seine Stimme leiht, offerieren Calexico beispielsweise einen recht poppigen
Entwurf ihres markanten Mischmasch-Stils, wohingegen „World Undone“ oder das
von Sam Beam
(Iron & Wine) eingesungene „Bullets & Rocks“ einen wesentlich
düstereren Pfad beschreiten. „Tapping On The Line“ wandert derweil mit Neko Case gen Alternative und das Finalstück „Follow The River” erinnert
fast schon ein wenig an Titel wie die des Franzosen Yann Tiersen,
dessen leichtfüßige Attitüde hier allerdings mit einer schweren
Country-Melancholie konfrontiert wird. Als einer der vielen Höhepunkte auf
„Edge Of The Sun“ darf jedoch auch das mit einem Auftritt von Carla Morrison veredelte „Moon Never Rises“ keineswegs unerwähnt bleiben.
Südseefeeling trifft auf eingängige Melodien und einen Funken Verträumtheit.
Die Mischung macht es eben – wie auch diese neue Platte von Calexico beweist.