"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Viele Wege führen nach Rom - manchmal auch musikalische. Nachdem James Brooks alias Land Observations 2012 mit "Roman Roads IV-XI" ein recht unkonventionelles Solo-Debüt ablieferte, das auf auditiver Ebene versuchte, ausgewählte Straßen des antiken Römischen Reichs abzuschreiten, wagt sich der ehemalige Appliance-Gitarrist nun erneut auf einen Ritt durch die Geschichte und gleichsam auf deren holprige Pflasterwege. Thematisch basiert sein Zweitwerk "The Grand Tour" nämlich auf jenen großen Reisen, die sich vorrangig der heranwachsende britische Renaissance-Adel leistete, um Europa in seiner Gänze kennenzulernen. Sozusagen als letzter Ausflug, bevor der Ernst des Lebens seine Ketten anlegen würde. Zahlreiche Reisetagebücher und Briefe dokumentieren, auch noch Jahrhunderte später, die Erlebnisse jener Weltenbummler. Überträgt man das beschriebene Phänomen in die Neuzeit, so kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Grand Tour auch heute noch von brisanter Aktualität ist. Zwar nutzen Jugendliche und junge Erwachsene nicht mehr Kutsche und Pferd, um den Globus zu erkunden, doch sind auch sie oft auf der Suche nach neuen Perspektiven im Ausland. Land Observations neues Album liefert nun die adäquate Untermalung für das Aufbrechen in eine ungeahnte fremde Zukunft.
Sanfte Mantras, begleitet von einem leisen Optimismus und der Vorfreude auf die sich ankündigenden Erlebnisse, durchziehen die acht Stücke auf "The Grand Tour". Die musikalische Reise, auf die Brooks seine Hörer schickt, kennt dabei viele Facetten, wenngleich diese allesamt in einem recht hellen Klangspektrum angesiedelt zu sein scheinen. Vom Verlassen des englischen Königreichs ("On Leaving The Kingdom For The Well-Tempered Continent") bis hin zur finalen Rückkehr nach Ravenna ("Return To Ravenna") beleuchten Land Observations Melodien zahlreiche von Euphorie geküsste Augenblicke. Es ist ein wenig, als hätte Brooks nachträglich seine Version des Soundtracks zu Sofia Coppolas "Marie Antoinette" eingereicht - erinnern seine Gitarrenkompositionen doch stark an Windsor For The Derby oder The Radio Dept. Als wahrer Allrounder entwickelte der Künstler Brooks, begleitend zu dem akustischen Output von "The Grand Tour", ein ebenso stimmiges visuelles Konzept. In der Folge sind sowohl Cover als auch Booklet des Albums vom gleichen sensiblen Minimalismus beherrscht, der auch "From The Heights Of The Simplon Pass" oder "The Brenner Pass" ihr Leben einhaucht.
Alles neu macht der August - und zwar auch unser Gewinnspiel. Weiterhin gibt es dabei zwei Wege, um das jeweils vorgestellte Album, sprich in diesem Fall Land Observations "The Grand Tour", zu ergattern. Allerdings sehen diese nun wie folgt aus. Möglichkeit 1: Liket unsere Facebookseite und das dort befindliche Gewinnspielfoto. Jede weitere Auseinandersetzung mit dem Foto (Öffentliches Teilen oder Kommentieren) führt dazu, dass euer Name ein weiteres Mal in die entsprechende Lostrommel gelangt. Möglichkeit 2: Schickt uns eine Mail mit dem Betreff "Land Observations" an kontakt.ehin@gmail.com. (Dies dürft ihr auch tun, wenn ihr bereits über Facebook mitgemacht habt.) Teilnahmeschluss ist der kommende Sonntag, der 10.08.2014. Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Wir verschicken die Preise nur innerhalb Deutschlands und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg! Weitere Infos zu Land Observations und dem Album "The Grand Tour" gibt es hier: Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud | Blog
Entzückt strömten Millionen von Besuchern 2001 aus den Kinos, nachdem sie für 122 Minuten in das skurrile und gleichzeitig wunderbare Leben der liebenswerten Französin Amélie Poulain eingetaucht waren. Kaum ein französischer Film hatte je für größere Begeisterungsstürme gesorgt. Jean-Pierre Jeneuts "Die fabelhafte Welt der Amélie" entwickelte sich binnen kürzester Zeit zum Kassenschlager, was nicht zuletzt auch an dem einzigartigen Soundtrack lag, den der Komponist Yann Tiersen für das komödiantische Drama beigesteuert hatte. Heute findet man das entsprechende Album in fast jedem gut sortierten Musikregal, und sogar in jenen, die sonst einzig Werke aus dem Mainstream beherbergen. Der verspielte Charme der zwanzig Stücke, mit ihren Akkordeonpassagen und Glockenspielmomenten, traf den Nerv einer Zeit, indem die Menschen sich nach Heimeligkeit und Glück sehnten. So halfen Tiersens zeitlose Stücke schließlich vielen dabei, nach einer gewissen Verwirrung und Perspektivlosigkeit, wieder auf den Boden der Tatsachen zu gelangen. Für den 1970 in Brest geborenen Multiinstrumentalisten bedeuteten sie hingegen den internationalen Durchbruch. Dass Tiersen jedoch weitaus mehr kann, als wieder und wieder die gleiche Platte abzuspielen, stellen seine zahlreichen Studioalben zur Schau, die von Rock bis Chanson nahezu jedes Genre bedienen. Mit "∞" schickt er den Hörer nun auf eine kosmische Reise. "∞" entführt in ein sagenhaftes Paralleluniversum. Geheimnisvoll und von einer nebelartigen Aura umgeben setzt es die Schwerkraft außer Gefecht. Yann Tiersen hat sich Einiges vorgenommen, um auf seinem achten Album, wenn man einmal von all den Soundtracks und Livemitschnitten absieht, neue Klangperspektiven zu entdecken. Zwischen Island und der westfranzösischen Bretagne, der rauen Heimat Tiersens, entstanden die zehn neuen Titel. Abgemischt und produziert wurden sie mithilfe der fachkundigen Beratung von Gareth Jones und Daniel Miller, auf deren Label Mute Records "∞" nun schließlich auch veröffentlicht wird.
Unendlichkeit, Fremde, Leere, Nähe und Ferne. Ob das Eröffnungsstück "Infinity", sein Nachfolger "Slippery Stones" oder auch das donnernde "Midsummer Evening" - auf dem neusten Werk Tiersens wird der Hörer mit einer Mischung aus Sehnsucht, Zuversicht und Haltlosigkeit konfrontiert. Sobald man glaubt, man könne sich an einen der vielen akustischen Fetzen klammern, um in nicht der Weite des Schalls verloren zu gehen, weht ein rauschender Orkan diese Sicherheit schon wieder hinfort. Nicht einmal textlich ist Verlass auf Konstanz. Die Lyrics der Platte bedienen sich sprachlich neben Englisch nämlich auch beim Isländischen ("Steinn), Färöischen ("Grønjørð") und Bretonischen ("Ar Maen Bihan"). Somit bildet "∞" ein gutes Stück der hinreißenden Bitterkeit des nordöstlichen Atlantiks ab. Faszinierend, doch gleichzeitig ungestüm und spröde. Nur bei "Lights" hat man das Gefühl, man könne auf der Oberfläche des salzigen Meeres, eine Reflexion des Sternenhimmels entdecken. Fulminant lässt es sich dann wieder mit "Greenworld", einem der vielen Highlights auf "∞", über die Wellen gleiten.
Abtauchen und das Licht im Dunklen suchen - "In Our Minds", sprich in unseren Köpfen, finden wir den Pfad zur Erkenntnis. Und wenn dann "The Crossing" oder das finale "Meteorite" ihren Teil dazu beitragen, dass dieser von mystischen Melodien gesäumt wird, hinterlässt das einen erhabenen Eindruck. Vielleicht hätte man ein Album wie "∞" nicht unbedingt von Yann Tiersen erwartet, umso schöner ist es jedoch, dass er uns eben dieses auditive Spektakel schenkt.