"E1NEN HAB ICH NOCH..." ist ein virtuelles Sammelsurium für Musik. Der gleichnamige Blog bündelt und filtert Neuigkeiten aus den unendlichen Weiten der verschiedensten Genres. Dabei gilt stets die Devise: Den Song oder diese Platte sollte man noch gehört haben!
Hat da jemand etwas von The Notwist gesagt? Am letzten Samstag stellten wir euch deren neue Platte "Close To The Glass" vor. Nun ist es an der Zeit, sich ein wenig durch den Backkatalog der Band zu wühlen, um zu einem der vielen Höhepunkte ihrer Karriere zu gelangen. Wir setzten den Countdown auf zwölf Jahre und reisen zurück in das Jahr 2002. The Notwist setzten sich zu dieser Zeit aus dem Brüderpaar Acher, Gründungsmitglied Markus Messerschmidt und dem als Console bekannten Martin Gretschmann zusammen. Vor allem Letzterer ist von jeher großer Freund der elektronischen Klänge und unterwanderte, seit seinem Einstieg bei The Notwist, 1996, konsequent den eher von Rock geprägten Charme der Gruppe. Von Album zu Album gesellten sich so zunehmend mehr künstlich erschaffene Elemente zu harten Gitarrenriffs und borstigen Arrangements. Auf "Neon Golden" durchbricht jener Einfluss dann schließlich wahrnehmbar einen Schwellenwert und ergießt sich sanft über die Kompositionen des damaligen Quartetts.
"Neon Golden"
Ein leichtes Kribbeln macht sich breit, wenn "One Step Inside Doesn't Mean You Understand", der erste Track auf "Neon Golden", jenes Wunderwerk eröffnet. Stellvertretend weist das Stück in eine neue akustische Richtung, der auch die ihm nachgestellten Songs folgen werden. Deutlich vom Ballast der Vorgänger "Shrink" (1998) oder beispielsweise "12" (1995) befreit, siedelt sich "Neon Golden" in einem kargeren, aber keineswegs drögen Tonumfeld an. Wie eine schöne Blume, die erst dadurch zu blühen beginnt, wenn das Gestrüpp in ihrer nächsten Umgebung entfernt wurde. In der Folge beeindrucken Nummern wie "Pilots", das mit Banjo ausstaffierte "Trashing Days" oder "One With the Freaks" durch eine herrliche Fokussierung aufs Wesentliche. "Neon Golden" spart an Opulenz und schafft damit den Sprung in die Lo-Fi-Oberliga. Zwanglos und frei entfalten sich auch "This Room" und "Off The Rail", während "PickUp The Phone" eine neue Ära in Sachen Balladenverständnis einläutet. Ohne großes Pathos, dafür mit einer gefühlsbetonten Exaktheit, leitet der Song alle wichtigen Impulse vom Gehirn direkt an das Herz weiter.
Mit freundlicher Unterstützung von City Slang können wir euch am heutigen Gewinnspiel-Mittwoch etwas ganz Besonderes in Aussicht stellen. Und zwar verlosen wir zwei Vinyl-Exemplare von "Neon Golden". Wer davon unbedingt gern bald eins sein eigen nennen möchte, der sollte schleunigst in die Tasten hauen und uns bis spätestens kommenden Freitag, den 28.02.2014, sagen, welches sein Lieblingssong von The Notwist ist. Benutzen dürft ihr wie immer eine der beiden folgenden Möglichkeiten, um euch mitzuteilen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Ist es Funk, ist es Indie oder ist es Pop? The Asteroids Galaxy Tour zählen zu jenen musikalischen Phänomenen, die sich nicht in die klassischen Genreschubladen stecken lassen. Schon allein deshalb nicht, weil das aufgedrehte Gemüt der Frontfrau Mette Lindberg darin keinen Platz finden würde. Dieses braucht, genauso wie die Songs der dänischen Kapelle, Raum und Luft, um sich entfalten zu können. Als sie im Jahre 2009 mit ihrem Debüt "Fruit" um die Ecke gestürzt kamen, war schnell klar, dass diese Gruppe schräger Vögel anders ist als die anderen. Mit vollster Energie im Rücken gelangte das Gespann, deren Kern Mette und Lars bilden, auf geradem Weg an die Spitze der medialen Aufmerksamkeit. So kam es auch, dass ihr mehr als eingänglicher Song "Around The Bend", unser heutiger Klassiker der Woche, zur Untermalung einer iPod-Werbung genutzt wurde. Dass diese Strategie aufgehen und sich später generell als nützlicher Boost für den Karrierestart vieler Bands erweisen sollte, steht dabei in einem anderen Kapitel. Wie kam es aber nun dazu, dass ausgerechnet "Around The Bend" den Verkauf des erfolgreichsten MP3-Players aller Zeiten begleitete? Mette Lindberg erklärt das in einem Interview, bei unseren Freunden von Pink-Pong, wie folgt: "Wir haben den Song auf einen USB-Stick getan, legten diesen auf
einen Papierflieger und jener flog dann direkt in Steve Jobs
Schlafzimmer, wo er auf seinem Kopfkissen landete. Steve Jobs war
verwundert, was zur Hölle da plötzlich passiert sei, nahm den Stick und
steckte ihn anschließend in das Apple-Gerät, welches sich im Zimmer
befand. Es spielte den Song ab und er sagte sich, dass dies genau der
richtige Track für sein neustes Produkt sei."
Darf man The Notwist schon als Indie-Opas bezeichnen? Tatsächlich war es bereits im Jahre 1989 als sich drei Herren, genauer gesagt die Brüder Micha und Markus Acher sowie der Schlagzeuger Mecki Messerschmidt, in Oberbayern zusammenfanden, um gemeinsam als Schülerband, die Musikwelt zu revolutionieren. Dass das mehr als gut funktionieren würde, hätte anfangs wohl keiner so wirklich gedacht. Innerhalb weniger Jahre polierten The Notwist ihren Ruf von der gern gesehenen Regionalgröße zu einer der vielleicht wichtigsten und gefragtesten deutschen Independentbands auf. Zahlreiche Alben, manch ein Soundtrack und etliche EPs und Singles zieren den bisherigen Karriereaufstieg von The Notwist. Stilistisch starteten sie dabei anfangs mit recht harten, punkigen Nuancen, sind jedoch spätestens mit dem Release von "Neon Golden" (2002) klar im Hafen der experimentellen Indietronica-Sounds eingelaufen. Dort feiern sie seither gern opulente Feste, zu denen auch zahlreiche Fans regelmäßig ihre Lobhymnen anstimmen. Trotz einiger dezenter Personalverschiebungen und dem Ausprobieren unterschiedlicher Labels sind The Notwist auch 2014 noch immer eine feste Instanz innerhalb der Independentszene hierzulande. Ihr neues Album "Close To The Glass", welches jüngst erschienen ist, erklärt warum.
"Close To The Glass"
Mit Verweisen auf die tonale Vergangenheit und Gegenwart, aber auch einen kleinen Ausblick auf das, was uns in Zukunft vielleicht noch erwarten wird, umfasst "Close To The Glass" ein recht breites Klangspektrum. Mal reduziert und minimalistisch ("Signals", "Casino", "Run Run Run"), dann etwas opulenter und lauter ("Close To The Glass", "Seven Hour Drive") oder gar sphärisch aufgeladen, wie das dahinschwelgende "Lineri" und sein Nachfolger "They Follow Me" eindrucksvoll zur Schau stellen, bahnt sich das siebente Studioalbum von The Notwist seinen Weg. Lo-Fi, Electronica, Alternative, Pop und Ambientstrukturen wurden collagenartig zu einer Platte zusammengesetzt, die trotz ihrer Vielfalt einen recht geschlossenen Eindruck vermittelt. Da wird man bei "Into Another Tune" mit einer auditiven Ästhetik konfrontiert, die an Portisheads "The Rip" erinnert, wo man nur einen Augenblick zuvor, mit "Kong", noch dem klassischen Indierock gefrönt hat. Alles scheint möglich auf "Close To The Glass" oder ist es vielleicht sogar. Auch der Gesang von Markus Acher durchläuft, während der 12 Tracks des Albums, eine einzigartige Metamorphose. Klingt an der einen oder anderen Stelle recht klar und griffig, wie die eines Ben Gibbards, und verliert sich doch gleichzeitig zwischen Verzerrung und Verwaschenheit, beispielsweise im Song "From One Wrong Place To The Next". All die Komplimente, die "Close To The Glass" schon lange vor seiner Veröffentlichung einheimsen konnte, wurden zurecht ausgesprochen. The Notwist haben verstanden, wie sie ihr Überleben in der Musikbranche gewährleisten können. Statt alle zwei, drei Jahre Altbekanntes aufzuwärmen, nehmen sie sich bewusst die Zeit, um dann mit einem Geniestreich wie "Close To The Grass" um die Ecke zu kommen.