Montag, 30. September 2013

Klassiker der Woche Nr. 71

Hot Chip
Nach der Ruhe kommt der Sturm. Doch wenn dieser erst verzogen ist, dann kehrt sich oft alles wieder zum Guten und die Wogen glätten sich langsam. Unser heutiger Klassiker der Woche wankt auf textlicher und melodiöser Ebene zwischen Erregung und Entspannung. So ist das Leben, mal aufbegehrend und verlangend, dann gönnerhaft und entgegenkommend. Wichtig ist ein Anker, eine Konstante, die dafür sorgt, dass auch das heftigste Gewitter, sei es angetrieben von zügellosen Emotionen oder verheerenden Schiksalsschlägen, es nicht vermag, unsere Persönlichkeit aus ihren Grundfesten zu reißen. Das hat auch die britische Synthie-Band Hot Chip erkannt. Mit ihren Songs versuchen Alexis Taylor und Co. auf mehr als nur einer Dimension zu wirken und dabei doch gleich eine Heimat zu kreieren, zu der der Hörer stest zurückkehren kann. Darüber hinaus geht es um die Abbildung der Vielschichtigkeit unseres Seins mithilfe verschiedenster Töne und interessanter Klang-Arrangements. Auch "I Feel Better" vom Album "One Life Stand" (2010) steckt voller scheinbarer Wiedersprüche, die am Ende aber nur umso stärker demonstrieren, dass man viele Sachverhalte nicht mit nur einem einzigen Blick beziehungsweise einem flüchtigen Hinhören erfassen kann.



Freitag, 27. September 2013

Album-Vorstellung: Mazzy Star "Seasons Of Your Day"

Mazzy Star
Manche Stimmen sind anders als andere. Sie besitzen die wundersame Gabe, den Hörer schon nach kürzester Zeit in seiner Gänze einzunehmen und beiläufig in die verwinkeltesten Zuflüchte seiner Gedankenwelten vorzudringen. Das beschriebene Phänomen lässt sich auch beobachten, wenn die amerikanische Singer Songwriterin Hope Sandoval zum Mikrofon greift, um ihre zartbitteren Gesänge durch Raum und Zeit zu schicken. Im Bruchteil weniger Sekunden leuchten dann vielerorts glasige Augen auf, infiziert von dem hypnotischen Feuer, das Sandoval entzündet und zunehmend gefüttert hat, bis es sich zu einem gierigen Verlangen auftürmte, vollends mit der lasziven Herrlichkeit ihrer akustischen Erzeugnisse verschmelzen zu wollen. Auf Massive Attacks letztem Album "Heligoland" (2010) hauchte Sandoval noch unschuldig die Lyrics zum Track "Paradise Circus" vor sich hin und erschuf damit gleichzeitig den großartigen Höhepunkt einer eh schon mehr als hervorstechenden Platte, 2013 kehrt die 47-Jährige nun jedoch zu einem früheren Weggefährten zurück und lässt sich erneut an dessen vertrauter Seite nieder. Die Rede ist von David Roback. Es war bereits im Jahre 1989 als die beiden das Projekt Mazzy Star gründeten, das sich, nach sieben Jahren und drei erfolgreichen Alben, einer selbst auferlegten Zwangspause fügte und erst jetzt wieder aus der schillernden Vitrine geholt wird, in der es seither als strahlender Pokal beispielloser Alternative-Rock-Klangkunst zu bewundern war. Mit "Seasons Of Your Day" wollen die wiedervereinten Mazzy Star nun für neue Gänsehautwellen sorgen. Und das gelingt der Band im Laufe eines einzigen Wimpernschlags.


"Season Of Your Day"
Das Cover des neuen Mazzy Star Albums wirkt, mit seiner violett-schwarzen Gestaltung und dem Katzenmotiv, regelrecht lächerlich, als handele es sich dabei um eine esoterische Hinterlassenschaft der zahlreichen New-Age-Wellen aus den 90ern. Doch sollte man sich manchmal vom Äußeren nicht allzu sehr blenden lassen, verbirgt sich doch in diesem Fall hinter der geschmacklosen Schale, ein wahres Feuerwerk für die Sinne. "In The Kingdom" beschwört zu Beginn des Albums, die verblühte Romantik vergangener Tage herauf, wälzt sich in ihrer Eleganz und hüllt sich in einen transparenten Schleier aus feingeistiger Nostalgie. Was sich eine Lana Del Rey immer wünschte, nämlich geheimnisvoll zu wirken, ohne dafür die eigene Person in ein Geflecht aus erdachten Geschichten verstricken zu müssen, gelingt Mazzy Star ohne viel Aufhebens. Ob das auf seine Essenz destillierte "California" oder das pastellfarbende "Common Burn", die Stücke auf "Season Of Your Day" wandeln zwischen verträumten Folkrock und altehrwürdigen Alternative-Sounds. Wer keine Angst vor dem absoluten Sinnesverlust hat und schon immer einmal wissen wollte, wie es ist, wenn man die Kontrolle über die eigenen Gefühle in fremde Hände legt, der erhält mit Tracks wie "Spoon" nun die Antwort auf seine Sehnsüchte.



Mittwoch, 25. September 2013

Gewinnspiel: Adulescens "Adulescens"

Adulescens
Manchmal scheint es, als gäbe es für jede Lebensetappe die adäquate, passende akustische Untermalung. Sind Säuglinge noch fasziniert von den einfachen und doch oft so lieblichen Melodien zahlreicher Spieluhren, haben Kleinkinder schon weitaus größere Freude daran, sich mit Klatschlauten und ersten Gesängen an Volks- und Kinderliedern zu beteiligen. Mit dem Eintritt in die Schule entdecken die Heranwachsenden dann meist den Mainstreampop für sich, was nicht zuletzt an der medialen Präsenz vieler Lieblinge dieses Genres liegt. Wenige Jahre später, wenn die Teenagerzeit naht, versucht der Mensch per se gern, seinen ganz individuellen Geschmack innerhalb der unzählbaren Musikrichtungen zu finden und definieren. Wer etwas von sich hält, quetscht sich dabei in die kleinste Nische zwischen all den übermächtigen und dicht aneinander gedrängten Verkaufsschlagern aus Rock, Hip Hop, R'n'B oder Pop. Als Erwachsener schleift und hobelt man nachträglich noch etwas an den zuvor entwickelten Präferenzen und erkundet, ohne großen Übermut, die eine oder andere Abzweigung bereits gegangener Klangwege, bis man im Alter schließlich hingebungsvoll der eigenen Intellektualität und Weisheit frönt und sich unerschrocken auch an anspruchsvolle klassische Kompositionen heranwagt. Mit dem heutigen Gewinnspiel möchten wir uns einer Band widmen, die ihre Zielgruppe bereits im Namen trägt. Adulescens liefern mit ihrer gleichnamigen EP "Adulescens" den Soundtrack für jene Sturm- und Drangphase, die zwischen der späten Jugend und dem Eintritt in das Erwachsensein wütet und waltet.

"Adulescens EP"
Beflügelt von Postpunk- und Shoegaze-Einflüssen reißt der EP-Opener "Wings" die verstaubten alten Vorhänge von der Fensterstange eines dunklen Zimmers, in dem eine Sammlung typischer Indierock-Instrumente hinterlassen wurde. Durch das milchige, mit Dreck verschmierte Glas dringt nun ein sanfter Schimmer gleißenden Lichtes, der sich auf Saiten von Gitarren, Rundungen von Becken und Trommeln und den Drehknöpfen zahlreicher Synthesizer bricht. Plötzlich wirkt die Szenerie erstaunlich malerisch, ja, geradezu magisch. Adulescens reanimieren in Tracks wie dem dahingleitenden "In My Head" oder dem markanten "Nymphs" das Erbe umjubelter Bands wie Incubus. Wild, ungestüm und mit einer beachtlichen Selbstsicherheit stürmen fünf junge Herren aus dem bayrischen Städtchen Aichach so mal eben die Grüfte gefeierter Alternative-Größen und tanzen beschwingt auf ihren Gräbern. "Sweet Blood Pt. I" und "Sweet Blood Pt. II" hingegen sprudeln wie elektrifizierte Endorphine durch die Blutbahnen des gesamten Körpers und sorgen dafür, dass sich das Leben lebendiger denn je anfühlt und jedweder morbider Charme, im Bruchteil einer Sekunde, verfliegt. Es ist die Mischung aus verschrobener Naivität und frühreifer Kenntnis, um die Vergänglichkeit von Träumen und Hoffnungen, die "Adulescens" zu einer großartigen EP von weitschweifendem Umfang macht.

 

Wir möchten euch nun abschließend die Möglichkeit geben, eines von insgesamt zwei CD-Exemplaren des EP-Debüts der Adulescens zu gewinnen, die uns AdP-Records zur Verfügung gestellt haben. Wer seine Chance darauf nicht verstreichen lassen will, der sollte bis spätestens kommenden Freitag, den 27.09.2013, sein Interesse daran mit den Worten "Ja, ich will" bekundet haben. Und zwar über einen der bekannten Wege.

Möglichkeit 1: "Einen hab ich noch..."-Facebook-Seite  liken (falls noch nicht geschehen) und das dort befindliche Gewinnspiel-Foto vom 25.09.2013 mit "Ja, ich will" kommentieren.

Möglichkeit 2: Eine Mail mit dem Betreff "Adulescens" und dem Inhalt "Ja, ich will" an blogfrog87@googlemail.com.

Viel Erfolg!

Weitere Infos zu den Adolescens gibt es unter:
Offizielle Website | Facebookseite | Soundcloud