Sonntag, 3. Juni 2012

Album-Vorstellung: Chromatics "Kill For Love"

Töten für die Liebe. Eine sehr romantische Aussage, die das neue Album der vierköpfigen Band aus Portland schmückt. Die Chromatics sind zurück! "Zurück? Sind das nicht Newcomer?", wird der ein oder andere sagen. Antwort: Nein, sind sie nicht! "Kill For Love" ist bereits das vierte Album in der Geschichte der Band.  Wieso kennt dann kaum einer diesen vermeintlichen Disco-Wirrwarr aus den Vereinigten Staaten? 
Nun ja, dies hat sicherlich viele Gründe. Zum einen sind Genres wie SynthiePop, ItaloDisco und Dreampop, denen sich die Chromatics am ehesten zuordnen lassen, erst seit kurzem wieder wirkliche Publikumsmagneten in Deutschland und zum anderen sperrt sich das hiesige Independent-Völkchen gern vor dem Gedanken, dass eventuell auch im Land der Plastik-Britneys und Schaumstoff-Rihannas gute Musik gemacht wird. Mit Erscheinen des Films "Drive" und dem dazugehörigen, grandiosen Soundtrack (für den eben auch die Chromatics einen Track beisteuerten), hatte dann auch der letzte Hipster den Knall gehört und stellte sich mit an die Kampffront, die den Electro als Massentauglichkeitsmusik aufspalten und in viele Einzelteile zerlegen wollte. Und das bis ins kleinste Detail, denn lange gab es zwar Unterschiedlichkeiten in der Welt "technischen" Musik, doch wurden diese dann oft unter den eher negativbelegten Begriffen "Techno" und "Dance" zusammengefasst.

Zur Scheibe selbst. Intensiv startet der erste Song auf "Kill For Love". Tiefgehend, akzentuiert und durchdrungen von der einzigartigen Stimme des Aushängeschilds Ruth Radelet, hinterlässt "Into The Black" einen bleibenden Eindruck und ist richtungsweisend für den Rest der Platte. "Kill For Love" vereint die hörbaren und wirklich guten Elemente von 80er-Jahre-Musik mit modernen Einschlägen aus dem After-Hour-Universum. Jeder einzelne Track entführt in eine Welt aus nebligen Sounds und Discobeats, wie man sie gerne gegen Ende einer jeden Partynacht im Lieblingsclub auf sich einprasseln lässt. Dass die Band ursprünglich aus Richtung des Post-Punks kommt, verdeutlicht sich unter anderem bei Tracks wie "Broken Mirrors" oder "Dust To Dust". Massive Klangwelten, die futuristisch und dennoch realistisch wirken, die nicht von einer fiktiven Zukunftsvision sondern eher von nahenden Ereignissen künden.
Eine wirklich grandiose Platte, die jedem nahegelegt sein soll, der der Hektik des Alltags für einen Moment entfliehen und sich auf neue musikalische Pfade begeben möchte.
Zur Einstimmung gibt es hier den fabelhaften Track "Back From The Grave":


Samstag, 2. Juni 2012

Tonia Reeh - Boykiller

Virtuoses Klavierspiel und eine echte Reibeisenstimme vereint Tonia Reeh in ihrem Song "Boykiller". Eine auf Drogen gesetzte Tori Amos würde vermutlich nicht anders klingen. Ein Experiment der besonderen Art, eben moderne Popmusik.

 

Freitag, 1. Juni 2012

Klassiker der Woche Nr. 18

Diese Frau hat definitiv einen an der Klatsche! Die Rede ist hier von Juliette Lewis. Aber man muss das Buch ihrer Lebensgeschichte auch erst einmal aufschlagen, um ein wenig hinter die Fassade der so durchgedreht wirkenden 38-jährigen Kalifornierin blicken zu können.
Als Scientologin in zweiter Generation (was schon fast Seltenheitswert hat) wuchs die Tochter eines Schauspielers und einer Graphik-Designerin in der Stadt der Engel auf. Ihr Weg führte sie recht schnell vor die Kamera, was in Los Angeles nun wirklich nicht allzu unwahrscheinlich ist. Bereits im Alter von 14 Jahren war sie in ersten Fernseh-Serien zu sehen. Es folgten etliche Engagements, nicht zuletzt an der Seite von George Clooney und Quentin Tarantino in Robert Rodriguez' Film "From Dusk Till Dawn".
Der frühe Ruhm brachte schnell seine Schattenseiten mit sich. Drogen und Alkohol wurden feste Begleiter für die noch junge Lewis, so dass es auch sie irgendwann in die, fast schon zum guten Ton im Lebenslauf gehörenden Entzugskliniken entlang der Westküste zog. Im Jahre 2004 setzte sich Miss Lewis dann eine Feder auf den Kopf und wurde zur ersten wirklichen Indi(e)anerin in Sachen Rock. Gleichsam zeigte sie, dass sie wirklich Potenzial in sich hat und nicht nur eine unter vielen singenden Schauspielerinnen ist.  Auf den drei Alben zusammen mit ihrer Band "The Licks" und den damit verbundenen Live-Shows bewies sie, dass der Rock'n'Roll durch ihre Adern fließt. Als verrücktester aller Paradiesvögel machte sie von sich reden und begeisterte ein immer größer werdendes Publikum.
Schließlich war 2009 dann Zeit für das erste Solo-Album. "Terra Incognita" klang nicht weniger rockig als die Songs aus dem Band-Backkatalog. Allerdings haftete der Platte auch ein guter Hauch Innovation an. So zum Beispiel der titelgebende Track "Terra Incognita", der mit einem Walzerrhythmus im Hintergrund die Beine in Schwingung bringt und schließlich explosionsartig zwischen den Ohren des Hörers hin- und herschwingt.

Die Frage, ob man einen Musiker und dessen Werke auch gut finden kann, wenn er einer extremen Gruppe wie den Scientologen angehört, muss jeder für sich selbst beantworten. "Einen hab ich noch..." ist tolerant genug und sagt: "Dieser Klassiker der Woche geht steil!"